Innenraumbelastung und Gesundheit

© 2013 Netzfrau Birgitt Becker

Indoor- / outdoor-Krankheiten

Im privaten sowie im öffentlichen Bereich sind wir Schädigungen durch falsch eingesetzte und nicht schadstofffreie Materialien scheinbar hilflos ausgesetzt, die zu den immer häufiger zur Diskussion stehenden «indoor-Krankheiten» beitragen. Indoor-Krankheiten mit ihren unsichtbaren Vergiftungen werden von Wissenschaftlern inzwischen als besorgniserregender eingestuft als die outdoor-Belastungen, da wir bis zu 90 % in Innenräumen (Wohnung, Schule, Arbeitsplatz, öffentliche Transportmittel…) verbringen.[1]

Wir beschweren uns über Hochspannungsleitungen oder Auspuffgase. Den Meisten ist jedoch nicht bewusst, dass sie sich in ihren Wohnungen mit Chemiegiften umgeben, sei es durch Einrichtungsgegenstände, Textilien, Haushaltsreinigungsmittel, Zigarettenrauch oder chemisch gereinigte Kleidungsstücke. Die Liste der Schadstoffquellen ließe sich beliebig fortsetzen.

Die Gifte gelangen, einmal eingeatmet, in den Organismus und verursachen Erkrankungen, die von den Betroffenen in den meisten Fällen nicht auf eine Gifteinwirkung zurückgeführt werden. Auch Ärzte stehen diesen ständig zunehmenden «Indoor-Erkrankungen» meistens hilflos gegenüber. Ich habe zahlreiche Personen interviewt, die Opfer von Vergiftungen sind. Fast alle haben nach jahrelangen Fehldiagnosen in ihren Arztberichten die Diagnose: «psychosomatische Erkrankung» stehen, bis letztendlich die Vergiftung festgestellt wurde.

Psychosomatik und Arbeitsmedizin

Der Arbeitsmediziner Prof. Dr. Werner Maschewska[2] schreibt in einem Artikel «Die Psychosomatik ist gesellschaftsfähig geworden. Auch die Arbeitsmedizin nimmt ständig Zuflucht zu psychosomatischen Erklärungen. Doch gerade in diesem Bereich läuft die Psychosomatik Gefahr, zur politischen Verdrängung gesundheitsgefährdeter Umwelt- und Arbeitsbelastungen beizutragen. Denn wenn die Hauterkrankung eines Arbeiters in der chemischen Industrie als psychosomatisch diagnostiziert wird, dann verschleiert das den Blick auf die gefährlichen Substanzen, mit denen er tagtäglich arbeiten muss. Psychosomatische Erklärungen ermöglichen so den Status Quo und erfreuen die Berufsgenossenschaften: Psychosomatische Erkrankungen werden von ihnen nicht als arbeitsbedingt anerkannt.»

In der Vergangenheit haben Umweltmediziner ein detailliertes Konzept zur umweltmedizinischen Entwicklung erarbeitet. «Die Medizin muss sich darauf einstellen, dass sie auf das gesamte Sündenregister der Moderne zu reagieren hat[3]». Schadstoffbelastungen werden routinemäßig bei der Suche von Krankheitsursachen der Patienten miteinbezogen. Der Patient muss Fragebogen ausfüllen und Angaben über die Art seiner Zahnfüllungen, z. B. Amalgam, seiner Pflanzen und Tiere, seiner Kosmetika oder seinen Einrichtungsgegenständen, vom Bodenbelag bis zu den verwandten Anstrichfarben machen. Wenn nötig, werden Schadstoffmessungen in der häuslichen Wohnung oder am Arbeitsplatz vorgenommen.

Wirkungssteigerung durch Kombinationseffekte

Toxikologen sprechen inzwischen von Kombinationseffekten. Das bedeutet, dass es durch das Zusammentreffen der einzelnen schädlichen Stoffe im Organismus zu einer unerwarteten Wirkungssteigerung oder auch zu neuen Wirkungen kommen kann. Eine negative Wirkung kann entstehen, auch wenn jeder Stoff für sich alleine wirkungslos wäre. Zum Beispiel ist Benzpyren ein krebserregender Stoff, der auch in Autoabgasen vorkommt und folglich auch im Smog[4]. Durch begleitende Stoffe, die selbst nicht krebserzeugend sind, wird seine Wirkung auf das 600fache erhöht.

Offizielle Toleranzgrenzen von einzelnen Giftstoffen sind unreal, da sie nie als toxische Stoffe einzeln vorliegen, sondern immer im Gemisch mit einer großen Anzahl anderer chemischer Verbindungen.

My home is my castle

Eine falsch und fehlerhaft gebaute nächste Umwelt des Menschen, unsere Wohnungen, Kindergärten, Schulen und Arbeitsplätze können zu allgemeinem Unwohlsein und gesundheitlichen Störungen führen. Fast jeder Innenraum ist mit bedenklichen Chemikalien, lungengängigen Fasern, radioaktiver Strahlung, durch Schimmelpilze oder elektrisches Reizklima, usw., belastet.

Außerhalb unserer Wohnung sind wir tagtäglich unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt, deren Anhäufung und Wechselwirkung nicht kalkulierbar ist. In vielen Bereichen lässt sich diese Belastung nicht vermeiden, wohl aber in unseren eigenen „vier Wänden“, bei denen die Wahl von Naturprodukten unsere persönliche Entscheidung ist.

Mehr zum Thema demnächst bei den Netzfrauen.


[1] Wallace, L. (US Environmental Protection Agency): Air pollution much worse inside the home than outside, in «The Times», 12-2-1994.

[2] Maschewsky, W.: Was macht krank: Psyche oder Umweltgift, in «Psychologie heute» Januar 1989.

[3] Eis, D.: in «Öko-Test Sonderheft Gesundheit» n.13, 1994.

[4] Freeman, A.E. et al: Combination effects in «Proc.Nat.Acad.Science US 58», 1971

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