Stoppt Genitalverstümmelungen!

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„WEIBLICHE GENITALVERSTÜMMELUNG HAT NICHTS MIT KULTUR, TRADITION ODER RELIGION ZU TUN. SIE IST FOLTER UND EIN VERBRECHEN. HELFEN SIE UNS, DIESEM VERBRECHEN EIN ENDE ZU SETZEN.“ Waris Dirie

Waris Dirie. Sie ist eine Frau, die als Model Karriere machte und ihren Bekanntheitsgrad dazu genutzt hat, öffentlich auf die auch noch heute statt findenden Genitalverstümmelungen bei kleinen Mädchen und jungen Frauen hinzuweisen und dagegen zu protestieren. Sie selber wurde als Kind ein Opfer dieser Praktiken, die dem Islam angedichtet werden, die es aber schon im alten Ägypten gab und die in vielen afrikanischen Staaten ausgeübt werden.

Man geht davon aus, dass die weibliche Beschneidung schon seit 5000 Jahren stattfindet. Zitat:

Man schätzt, dass weltweit 130 Millionen Frauen beschnitten sind, ca. 2 Millionen kommen jährlich hinzu. In Äthiopien, Eritrea und Gambia werden noch heute 90% aller Frauen beschnitten, üblich ist die Beschneidung aber auch in Brasilien, auf den Philippinen, in Indonesien, Malaysia und Pakistan. Die Verstümmelung reicht von der Entfernung der Klitorisvorhaut (milde Sunna) über die Entfernung der Klitoris selbst (modifizierte Sunna) und der inneren Schamlippen (Clitoridectomie) bis zum Vernähen der äußeren Schamlippen mit Ausnahme einer winzigen Öffnung für Urin und Blut.

Gegen die Annahme, die Beschneidung von Frauen sei hygienisch oder bevölkerungspolitisch begründbar (Geburtenkontrolle in wasserarmen Gebieten) sprechen vor allem zwei Beobachtungen:

1.) Schon bei den Ägyptern und Römern wurde sozial differenziert beschnitten. Durch die Klitorisbeschneidung erhielten Frauen einen höheren sozialen Rang, nur sie durften in Ägypten heiraten, erben, einer Moschee betreten. Beschnitten und vernäht wurden Sklavenmädchen (da sie als Jungfrauen einen höheren Preis brachten).

2.) Innerhalb einer Region handhaben verschiedene Stämme die Beschneidung sehr unterschiedlich, obwohl sie unter den selben Bedingungen leben. (Paweks Geschichte der Sexualität, 2000 Karl Pawek)

Wer nun glaubt, dieser alte fragwürdige Ritus würde nur in Ländern der „3. Welt“ stattfinden, der irrt. In einem Artikel im Spiegel von Anna Reiman vom 22. 08. 2007 beschreibt die Autorin das Eingreifen der Bremer Polizei in einen Ehestreit. Die Ehefrau wollte gegen den Willen ihres Mannes mit ihren zwei kleinen Töchtern nach Gambia reisen, um dort die übliche Beschneidung durchführen zu lassen. Zitat:

Dass eine geplante Beschneidung wie in Bremen öffentlich wird und die Polizei eingreift, ist nach Kenntnis der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes eine Premiere – die drohende Genitalverstümmelung indes ein Massenphänomen. Zehntausende Mädchen und junge Frauen in Deutschland sind bereits Opfer von Beschneidungen geworden, schätzen Frauenrechtsorganisationen. 4000 bis 5000 kleinen Mädchen droht die Beschneidung, oft – wie in dem Fall in Bremen – bei einer Reise ins Heimatland der Eltern.

Nicht nur auf der Reise in die afrikanische Heimat, auch in deutschen Städten werden Mädchen und junge Frauen beschnitten. Bei einer gemeinsamen Umfrage von Terre des Femmes, Unicef und des Berufsverbands der Frauenärzte im Jahr 2005 gaben zehn Prozent der befragten Gynäkologen an, bereits von in Deutschland durchgeführten Beschneidungen gehört zu haben. Fast die Hälfte haben schon Mädchen und Frauen behandelt, die selbst beschnitten waren.

Am diesjährigen Weltfrauentag am 8.März wurde Folgendes in den Nachrichten der Europäischen Kommission veröffentlicht: Zitat:

Aus einem unlängst veröffentlichten Bericht geht hervor, dass es in mindestens 13 EU-Ländern theoretisch oder de facto Verstümmelungsopfer gibt, und zwar in Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, den Niederlanden, Österreich, Portugal, Schweden, Spanien und im Vereinigten Königreich. In dem Bericht werden auch die Gegenmaßnahmen der einzelnen EU-Länder ausführlich dargelegt. (Genitalverstümmelungen bei Mädchen und Frauen stoppen – 08/03/2013, Europäische Kommission)

Die Beschneidung selber ist eine grausame, unendlich schmerzhafte Tortur unter unhygienischsten Bedingungen mit stumpfen „Werkzeugen“ wie Glasscherben und Rasierklingen und ohne Betäubung. Sie wird von den Frauen eingefordert und auch selber durchgeführt. Hat ein Mädchen die Genitalverstümmelung lebend überstanden (Nicht wenige verbluten oder sterben an Entzündungen), wird sie dieser körperliche Eingriff Zeit ihres Lebens verfolgen. Betroffene Frauen leiden an Zysten, Eileiterentzündungen, Menstruationsschmerzen, Nierenschäden, Inkontinenz, schmerzhaftem Geschlechtsverkehr und nicht zuletzt an den seelischen Folgen, welche dieses Trauma der Verstümmelung hinterlässt.

Werden sie dann Mütter, sterben sie oftmals bei der Geburt, da das Gewebe dermaßen vernarbt ist, dass sie ihr Kind nicht gebären können. Während der Entbindung durchleben sie zusätzlich das Aufgeschnitten werden und das Danach-wieder-zugenäht-Werden. Und das bei jeder Geburt.

Was wenige wissen: Der Genitalbereich kann rekonstruiert werden. Gerade heute wurde in der Zeitung „Die Welt“ ein Artikel von Fanny Jimenez dazu veröffentlicht. Zitat:

Zehntausende Mädchen und Frauen, die genital verstümmelt wurden, leben in Deutschland. Der Chirurg Dan mon O’Dey leitender Oberarzt an der Klinik für Plastische Chirurgie des Universitätsklinikums Aachen, ist der erste Arzt, der den Betroffenen hierzulande mit einer rekonstruktiven OP hilft… … Das kann gelingen, weil der größte Teil dieses Organs im Innern des Körpers liegt und somit nie vollständig entfernt werden kann… ….So entwarf der Mediziner seine eigenen Operationsmethoden – und habilitierte dazu. Ihm ist wichtig, den Frauen nicht nur die Funktion, sondern auch das Aussehen wiederzugeben, das ihnen einst von anderen genommen wurde. „Das Thema begleitet die Frauen immer ein Leben lang“, erläutert O’Dey. „Sie wünschen sich die Normalität ihres Geschlechts – sie wollen sich nicht verstümmelt fühlen.“ …. ….Die Kosten für die Operation übernahm dabei die Krankenkasse.

Waris Dirie ging bis vor die Vereinten Nationen und erschütterte mit ihrem Buch „Wüstenblume“ Menschen auf der ganzen Welt.

Seitdem bemühen sich betroffene Länder mit Aufklärung und schärferen Gesetzen mehr oder weniger erfolgreich um einen Schutz der Betroffenen.

„Ich bete darum, dass eines Tages keine Frau mehr diese Qual erleiden muss. Sie soll zu etwas längst Vergangenem werden. Die Menschen sollen sagen: „Hast du schon gehört, die Genitalverstümmelung von Frauen ist in Somalia gesetzlich verboten und unter Strafe gestellt worden?“ Und dann dasselbe auch im nächsten Land und im nächsten, und so weiter, bis die ganze Welt für alle Frauen sicher ist. Was für ein glücklicher Tag wird das sein – und darauf arbeite ich hin. So Gott will, wird dieser Tag kommen.“  Waris Dirie 

Antje Klein, Netzfrau

Quellen:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/genitalverstuemmelung-in-deutschland-tausenden-maedchen-droht-die-beschneidung-a-501331.html

http://www.drk.de/weltweit/afrika/somalia-kampf-gegen-weibliche-beschneidung.html?wid=ON0301&gclid=CLHzl7Cmw7cCFbMdtAod7yIA9Q

http://www.welt.de/gesundheit/article116711784/Arzt-gibt-beschnittenen-Frauen-das-Gefuehl-zurueck.html

http://ec.europa.eu/news/external_relations/130308_de.htm

http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.7.47.3207

http://frauenrechte.de/online/index.php?option=com_content&view=section&id=13&Itemid=82

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Dieser althergebrachte Wahnsinn muss gestoppt werden.
    Das ist keine Tradition, sondern ein menschen/frauenverachtendes Machwerk, welches
    Schmerz, Trauer und Tod bringt!
    Setzt dem ein Ende, damit kein Mädchen/Frau mehr leiden muss.

  2. wenn ich solche Berichte lese wird mir uebel. Stoppt diesen Irrsinn der Verstuemmelung von Kindern und Frauen… Und ich versteehe diese Muetter selber nicht, Gehirnwaesche von Kindheit an… gleich wer und was dahinter steckt. Es wird Zeit, dass damit aufgehoert wird…. !!!

  3. Es wäre schön, wenn sich die Netzfrauen unzweideutig für ein Verbot selbst der geringst invasiven Formen von FGM (wie FGM Typ Ia und IV) einsetzten. Das Beibehalten des deutschen Verbots (§ 226a StGB) auch der milden Sunna (Ia, Klitorisvorhautamputation) sowie jeder FGM Typ IV (Einschneiden, Ätzen, Stechen, Brennen usw., hier geht es v. a. der ritual nick / pinprick) ist politisch einzufordern.

    Da in diesen Jahren viel von Genitalautonomie (genital autonomy) geredet wird, die lebenslangen negativen Folgen einer Sunna-Mädchenbeschneidung vom noch nicht volljährigen (weniger als 18 Jahre alt) weiblichen Individuum völlig altersentsprechend aber noch gar nicht eingeschätzt werden können, ist dabei stets zu betonen, dass eine Minderjährige in ihr rituelles Verstümmeltwerden nicht einwilligungsfähig ist.

    „Age of consent: 18 years“, die Kinderrechte ernst nehmend propagiere man, nicht anders als zur rituellen Beschneidung von Jungen: „Keine Beschneidung unter achtzehn“.

    Das von Antje Klein eingangs Zitierte stellt die weibliche Genitalverstümmelung (FGM) nicht ganz korrekt dar. Sozusagen großzügig zusammenfassend werden die FGM der Typen Ib (Type Ib, removal of the clitoris with the prepuce) und Typ II (Partial or total removal of the clitoris and the labia minora, with or without excision of the labia majora (excision)) als Klitoridektomie (engl. clitoridectomy) fehlbezeichnet.

    Wie es der Vorgang, Ektomie (ἐκτομή), Herausschneiden, sagt: Typ Ib, nämlich genau „die Entfernung der Klitoris selbst“ (A. K.) ist die Klitoridektomie bzw. modifizierte Sunna-FGM. Richtig bei Judith Lorber, ‎Lisa Jean Moore: „modified sunna (partial or total clitorectomy)“.

    Korrekt ist ebenso, dass mit Typ II meistens (nämlich IIb und IIc) eine Klitorisamputation (s. FGM Typ Ib) einhergeht, nur der Subtyp IIa verschont den Kitzler.

    Man zitiere die komplette (with sub-divisions) Typologie der WHO.

    __________

    World Health Organization (WHO)
    Classification of female genital mutilation
    Complete typology with sub-divisions

    Type I — Partial or total removal of the clitoris and/or the prepuce (clitoridectomy).
    When it is important to distinguish between the major variations of Type I mutilation, the following subdivisions are proposed:

    Type Ia, removal of the clitoral hood or prepuce only;

    Type Ib, removal of the clitoris with the prepuce.

    Type II — Partial or total removal of the clitoris and the labia minora, with or without excision of the labia majora (excision). When it is important to distinguish between the major variations that have been documented, the following subdivisions are proposed:

    Type IIa, removal of the labia minora only;

    Type IIb, partial or total removal of the clitoris and the labia minora;

    Type IIc, partial or total removal of the clitoris, the labia minora and the labia majora.

    Note also that, in French, the term ‘excision’ is often used as a general term covering all types of female genital mutilation.

    Type III — Narrowing of the vaginal orifice with creation of a covering seal by cutting and appositioning the labia minora and/or the labia majora, with or without excision of the clitoris (infibulation).

    Type IIIa, removal and apposition of the labia minora;

    Type IIIb, removal and apposition of the labia majora.

    Type IV — All other harmful procedures to the female genitalia for non-medical purposes, for example: pricking, piercing, incising, scraping and cauterization.

    http://www.who.int/reproductivehealth/topics/fgm/overview/en/

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