Weltflüchtlingstag 20. Juni – 45,2 Millionen

Amnesty

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45,2 Millionen

sind weltweit auf der Flucht.

 So viele Flüchtlinge gab es laut UNHCR seit 17 Jahren nicht.

Gerechnet werden dabei Menschen, die sowohl über Staatsgrenzen fliehen müssen, als auch jene, die im eigenen Land vertrieben werden: Letztere machen den Hauptteil der Gesamtsumme aus – nämlich 28,2 Millionen Menschen. Markant ist laut der UN-Organisation dabei nicht nur die Gesamtzahl an Vertriebenen, sondern auch die Steigerungsrate. So viele Binnenvertriebene wie jetzt wurden noch nie registriert; zudem ist die Gesamtsumme an Flüchtlingen von 42,5 auf 45,2 Millionen gestiegen.

Über 45 Millionen Menschen! So viele Einwohner haben etwa Südafrika, Kolumbien bzw. die Ukraine.

Seit 1994 gab es nicht so viele Flüchtlinge wie heute. Damals hatten der Völkermord in Ruanda und der Bosnien-Krieg dafür gesorgt, dass die Flüchtlingszahlen in die Höhe geschnellt waren. Derzeit sei es der Krisenherd Syrien, der die Menschen in die Flucht treibt, konstatiert das UNO-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR in seinem jetzt veröffentlichten „Global-Trends-Bericht“.

In 112 Staaten ist im vergangenen Jahr gefoltert und misshandelt worden, in 101 Staaten ist die Meinungsfreiheit der Bürger eingeschränkt. Immer gefährlicher wird die Welt auch für Flüchtlinge und Migrantinnen, stellt Amnesty International anlässlich der Veröffentlichung ihres Jahresreports 2013 fest. Der Bericht nimmt die Situation der Menschenrechte in 159 Ländern unter die Lupe.

Die Rechte von Millionen von Menschen werden laut Amnesty International mit Füßen getreten, nur weil sie aus einer Konfliktregion geflohen oder in der Hoffnung auf ein besseres Leben für sich und ihre Familien in ein anderes Land migriert sind. Die Regierungen haben weltweit mehr Interesse daran, ihre Grenzen zu schützen als die Rechte ihrer eigenen Bürger oder der in ihrem Land lebenden Flüchtlinge.

«Die Unfähigkeit, auf Konfliktsituationen adäquat zu reagieren, führt zu einer weltweiten Unterschicht. Die Rechte der Menschen, die aus einer Konfliktsituation fliehen müssen, werden nicht mehr geschützt. Zu viele Regierungen verletzen Menschenrechte unter dem Vorwand, die Einwanderung steuern zu müssen, und gehen dabei weit über ein legitimes Maß an Grenzkontrollen hinaus», stellt Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty fest.

Derzeit sind also weltweit fast 42,5 Millionen Menschen auf der Flucht. 15,2 Millionen von ihnen gelten nach völkerrechtlicher Definition als Flüchtlinge. Vier von fünf Flüchtlingen (80 Prozent) leben in Entwicklungsländern, da die meisten Flüchtlinge lediglich in ein angrenzendes Nachbarland fliehen.

Den weit größeren Teil – 26,4 Millionen – bilden jedoch sogenannte Binnenvertriebene (Internally Displaced People – IDP). Sie fliehen innerhalb ihres eigenen Landes, ohne dabei internationale Landesgrenzen zu überschreiten.

Auch wenn Binnenvertriebene – anders als Flüchtlinge – nicht durch internationale Abkommen geschützt sind und das Mandat von UNHCR offiziell nicht für diese Personengruppe gilt, kümmert sich UNHCR dennoch seit vielen Jahren um die Bedürfnisse von Binnenvertriebenen. Denn oftmals befinden sie sich in sehr ähnlichen Situationen wie Flüchtlinge und haben einen ähnlichen Hilfsbedarf. Momentan unterstützt UNHCR 15,5 Millionen Binnenvertriebene.


Globale Statistiken von UNHCR

Die sechs größten Herkunftsländer von Flüchtlingen:

  • Afghanistan – mehr als 2,6 Millionen
  • Irak – 1,4 Millionen
  • Somalia – fast 1,1 Millionen
  • Sudan – 500 000
  • Demokratische Republik Kongo – fast 500 000
  • Myanmar – 414 600

Die fünf größten Aufnahmeländer von Flüchtlingen

  • Pakistan – 1,7 Millionen
  • Iran – 887 000
  • Syrien – 755 400
  • Deutschland – 571 700
  • Kenia – 566 500

Länder mit den meisten Binnenvertriebenen

  • Kolumbien – 3,8 Millionen
  • Sudan – 2,4 Millionen
  • Demokratische Republik Kongo – 1,7 Millionen
  • Somalia – 1,4 Millionen
  • Südsudan – 560 000

Flüchtlinge in Deutschland

Obwohl es durch die sogenannte Dublin-II-Verordnung der EU in den vergangenen Jahren immer schwerer wurde, als Flüchtlinge bis nach Deutschland zu gelangen, nahm die Zahl der Flüchtlinge hier in 2011 um 11 Prozent zu.

Insgesamt stellten 2011 53 347 Menschen einen Asylantrag in Deutschland. Über 43 362 Fälle wurden in 2011 entschieden. Lediglich 1,5 Prozent davon wurden als Flüchtlinge anerkannt, weitere 20,8 Prozent erhielten einen anderen Aufenthaltstitel und 54,7 Prozent erhielten einen Ablehnungsbescheid.

Die meisten Flüchtlinge, die in 2011 einen Asylantrag stellten, kamen aus Afghanistan, gefolgt von Irak, Serbien, Iran, Syrien.

 Flüchtlinge in der Schweiz

Die starke Zunahme der Asylgesuche in der Schweiz von 2011 auf 2012 um 45 Prozent auf 22 551 ist unter anderem auf die wachsende Zahl von Flüchtlingen aus Eritrea zurückzuführen. Alleine 3356 Eritreer haben um Asyl angesucht.

Das Schweizer Stimmvolk hat am 9. 6. 2013 eine weitere Verschärfung des Asylgesetzes mit 79% Prozent der Stimmen gutgeheißen. Für die Befürworter ist das Ja ein nötiger Schritt hin zu kürzeren Asylverfahren. Für die Gegner ist es eine unnötige Verschärfung auf Kosten der Flüchtlinge.

Künftig können Asylgesuche nicht mehr auf einer Schweizer Botschaft im Ausland eingereicht werden, sondern nur noch in der Schweiz selber. Deserteure und Wehrdienstverweigerer werden nicht mehr automatisch als Flüchtlinge anerkannt und Asylsuchende, welche die öffentliche Ordnung und Sicherheit bedrohen, werden in speziellen Zentren untergebracht.

Der Bund kann nun seine Bauten (vor allem Militäranlagen) ohne kantonale oder kommunale Bewilligungen zur Unterbringung von Asylsuchenden nutzen und die Asylverfahren sollen innerhalb einer kürzeren Frist abgewickelt werden als bisher.

Ziel: kürzere Verfahren

Für den Bund ist die Vorlage ein wichtiger Schritt für die bereits angekündigte, tiefgreifende Revision des Asylgesetzes: Die vom Volk gutgeheißenen Bestimmungen erlauben es, in einer Testphase von zwei Jahren neue Asylverfahren in bundeseigenen Test-Asylzentren zu erproben mit dem Ziel, die zum Teil Monate oder Jahre dauernden Verfahren zu verkürzen.

Entscheide über Asylgesuche sollen in rund 100 Tagen in Bundeszentren fallen; dafür erhalten die Asylsuchenden kostenlosen Rechtsschutz. An den Verfahren beteiligte Personen und Stellen sollen am selben Ort untergebracht sein. Auf diese Eckwerte haben sich Bund und Kantone im Januar verständigt; eine entsprechende Verlautbarung wurde für 2013 angekündigt.

Das Ja vom Wochenende sei ein „Schritt auf dem Weg hin zu einer Beschleunigung der Asylverfahren“, sagte Justizministerin Simonetta Sommaruga vor den Medien in Bern. Es gebe einen breiten Konsens darüber, dass die Verfahren zu lange dauerten und das sei „auch für die Asylsuchenden ein Problem“.

Flüchtlinge in Österreich

Immer weniger Asylanträge werden gestellt, immer weniger Antragsteller erhalten den Asylantenstatus zuerkannt.

Bemerkenswert ist aber die Tatsache, dass inzwischen rund jeder zehnte Asylantrag in Österreich von einem unbegleiteten minderjährigen Flüchtling (UMF) gestellt wird, mit steigender Tendenz. Immer öfter werden auch unter 14-Jährige aufgegriffen oder tauchen bei der Polizei oder im Auffanglager Traiskirchen auf, um Asyl zu beantragen: Afghanen, aber auch Pakistani und Somalier.

 

Ein besonderes Kapitel ist aber sicher das in wenigen Tagen endende Unterkunfts-Asyl der Flüchtlinge, der von Traiskirchen in die Votivkirche übersiedelten Lagerinsassen, die vorübergehend ins Servitenkloster gebracht wurden, wo sie aber nur bis Ende des Monats bleiben können.

Peter Wurm schreibt dazu in seinem Blog:

Was zurzeit mit den “Votivkirchen-Flüchtlingen” im Servitenkloster geschieht, spottet jeglicher christlichen Beschreibung:

Die Caritas Wien garantiert ihren Aufenthalt im Servitenkloster nur bis 30. Juni, 24:00 Uhr. Danach wäre die Erzdiözese zuständig, diese erlaubt jedoch nur den Aufenthalt während des Tages, explizit “ohne Schlafmöglichkeit”. Somit ist die Grundversorgung der Flüchtlinge nicht mehr garantiert, sondern nur, wenn sie irgendwo anders legale Unterkunft finden. Und wenn sie plötzlich mitten in der Nacht deportiert werden, dann kann niemand was dafür. Alles legal… Wir haben nur unsere “Pflicht” getan! Und 24 Stunden nach der Ankunft in Karachi leben 40 Menschen weniger auf der Welt.

Und die gelernte Österreicherin getraut sich nicht auf die Einsicht der Innenministerin, Johanna Mikl-Leitner, zu hoffen, da diese eine solche in Asyl- und Fremdenpolitik-Fragen bisher nicht zeigte.

Netzfrau Lisa Natterer

http://www.uno-fluechtlingshilfe.de/fluechtlinge/zahlen-fakten.html

http://www.unhcr.at/unhcr/in-oesterreich/fluechtlingsland-oesterreich.html

https://www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/wanderungen/asyl/022914.html

http://derstandard.at/1350259587740/Minderjaehrige-Fluechtlinge-Jung-verloren-geschleppt-verlassen

http://kinderjugendgesundheit.at/uploads/UMF-Kindergesundheit_2013.pdf

http://kurier.at/politik/ausland/unhcr-45-2-millionen-fluechtlinge-weltweit-hoechster-stand-seit-1994/16.241.161

http://peterwurm.wordpress.com/2013/06/11/der-tod-der-pakistanischen-votivkirchen-fluchtlinge/

http://www.swissinfo.ch/ger/politik_schweiz/Eritreer_nehmen_fuer_ein_neues_Leben_viel_in_Kauf.html?cid=32120822

http://www.swissinfo.ch/ger/politik_schweiz/Massives_Ja_zur_Verschaerfung_des_Asylrechts.html?cid=36093660

 

 

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