Menschen statt Konzerne

Mexiko NestleWiderstand gegen zunehmende Marktdominanz

Schon im sogenannten „Wasserkrieg“ in Cochabamba/ Bolivien im Jahr 2000 schafften es soziale Bewegungen, den Bechtel-Konzern zum Rückzug zu zwingen. Und 2013 konnte sich Mexiko gegen das Nestlé-Monopol erfolgreich.

„Wasserkrieg“ in Cochabamba/ Bolivien

Die Ziele der sozialen Bewegungen, die im Jahr 2000 erfolgreich die Privatisierung des lokalen öffentlichen Wasserversorgungsunternehmen SEMAPA verhindert hatten, schienen klar. Sie wollten nicht, dass Wasser zu einer Ware wird. Durch die Privatisierung sah man die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser gefährdet. Unter Führung des französischen Wassermultis Suez war 1997 dem Konsortium die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung in La Paz und der Nachbarstadt El Alto übertragen worden. Steigende Tarife und Anschlussgebühren sowie die Nichterfüllung von Versorgungszielen brachte die Bevölkerung in der Folge gegen Suez auf. Allein in El Alto blieben 200 000 Menschen von der Versorgung ausgeschlossen. Die anhaltenden Proteste der Nachbarschaftsräte zwangen den Präsidenten schließlich zur Ankündigung der Vertragsauflösung.

Mexiko setzt sich gegen Nestlé durch

Nestlé erhielt im April 2013 von Mexiko die Erlaubnis zum Kauf von Pfizers Babynahrungs-Geschäft. In Mexiko selbst wird der Lebensmittelkonzern allerdings nicht mit Babynahrung handeln dürfen. Mexiko ist nach China, USA  und Indonesien der größte Abnehmer von Babynahrung.

Die Vorgeschichte :

Die mexikanische Wettbewerbskommission hatte sich 2012 gegen den Kauf der Babynahrungssparte des US-Pharmariesen Pfizer durch den Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé ausgesprochen. Die Behörde befürchtet eine Wettbewerbsverzerrung auf dem Markt durch das Nestlé-Monopol.

Eine Übernahme hätte demnach zur Folge, dass Nestlé die Preise für Babymilch und Ergänzungsprodukte für Mütter zwischen 2,9 und 11,5 Prozent erhöhen könnte.

Der Pharmariese Pfizer will sich stärker auf sein Kerngeschäft mit Arzneimitteln konzentrieren und trennte sich deswegen von der Babynahrungs-Sparte.

Bolivien ist  McDonalds-frei

Burger, Fritten oder Chicken McNuggets von der Fastfood-Kette mit dem goldenen M.

McDonald’s fördert den Konsum von Fleischprodukten, was de facto eine massive Verschwendung von Lebensmitteln bedeutet: Für die „Erzeugung” von einem Kilo Fleisch wird mehr als die 7-fache Menge an Getreide verfüttert. Allein McDonald’s Deutschland verarbeitet pro Jahr etwa 24 000 Tonnen Huhn und 36 000 Tonnen Rind.

In über 100 Ländern gibt es inzwischen über 32 000 Restaurants des größten Burger-Braters. Nur in Bolivien wird man vergeblich nach dem US-Unternehmen suchen. McDonald’s hat seine Schnellrestaurants aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. In Sachen McDonalds zieht Bolivien dann übrigens mit Kuba gleich – auch dort sind die US-Schnellrestaurants nicht vertreten. Das außergewöhnliche Scheitern von McDonald’s ist inzwischen auch Gegenstand einer spanischsprachigen Filmdokumentation unter dem Titel “Por qué quebró McDonald’s en Bolivia” (Warum McDonald’s in Bolivien pleite gegangen ist). Darin werden in erster Linie kulturelle Gründe für das Scheitern verantwortlich gemacht: Die Bevölkerung in Bolivien bevorzuge schlichtweg die traditionellen Empanadas. – So funktioniert Konsumstreik: Wenn wir alle einfach nicht bei den Unternehmen kaufen.

Kolumbien:  Bauern gewinnen Landstreit gegen ein Palmölunternehmen.

Die Gemeinde Las Pavas gewinnt im Landrechtsstreit ( „2.661 Hektar Land“)  gegen das Palmölunternehmen Aportes San Isidro.

Der Präzedenzfall weckt Hoffnungen bei landlosen Bauern in ganz Kolumbien. In ihrem mehr als sechsjährigen Kampf um die Landtitel haben die Bauern somit einen Meilenstein erreicht.

In Chile haben sich, wie auch in anderen Länder des Kontinents, Volksbewegungen entwickelt, die sich dem Ausverkauf nationaler Ressourcen zunehmend widersetzen. Wie auch in Uruguay wird gegen Privatisierung und Marktdominanz gekämpft. Zu Uruguay: Präsident Mujica spendet 90% seines Gehalts an soziale Einrichtungen.

Nachtrag:

Argentinien: Nach fünf Monaten Protestcamp auf den Zufahrten zur geplanten Monsanto-Fabrik in Argentinien haben sie allen Grund zu feiern! Sie haben Trinkwasserknappheit, Stürmen, Polizeigewalt und Morddrohungen getrotzt! Sofía Gatica und ihre MitstreiterInnen haben eine weitere Schlacht gegen Monsanto gewonnen! Siehe Sofía Gatica und ihre Mitstreiter haben eine weitere Schlacht gegen Monsanto gewonnen!!!

Dieser Bericht zeigt nur einen Ausschnitt des Widerstandes gegen die zunehmende Marktdominanz in Südamerika.

Mexiko hat Nestle gezeigt, dass sie durchaus Druck ausüben können  – Die Küche ist in Bolivien tief verwurzelt, selbst nach unzähligen Kampagnen ließen die Verkaufszahlen der gepressten Hackfleischscheiben im Brötchen zu wünschen übrig und McDonald’s flüchtet wegen „roter Zahlen“. Die kolumbianischen Bauern halten zusammen, denn was einer nicht schafft, schaffen viele.

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