Weißte noch?…damals, da gab es doch noch …“

KassettenradioWeißte noch? Als “Science Fiction” noch ein Genre beschrieb, in dem es möglich war,  individuell von Person zu Person über Tausende von Kilometern via Bild und Ton zu kommunizieren, dass man mit dem Computer sprechen konnte, der einem dann auch antwortete. Das war auch die Zeit, in der Fernsehen noch nicht “TieWie” oder “TehVau” hieß, sondern eben “Fernsehen” und das durchaus wortwörtlich zu verstehen war. Beides traf sich dann in einer Serie, die das aufgriff und von “fernen Galaxien” handelte, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Viel Spaß beim In-Erinnerungen-Schwelgen! Und für die Jungspunte unter den Lesern: Viel Spaß beim Entdecken dessen, das Ihr verpasst habt!    IHR WART NICHT DABEI!

Wir Anfang-Vierziger bis Anfang-Sechziger haben sie live erlebt: die Geburt des Synthesizers und den wahren Soundtrack der 1970er, der von Bands wie Pink Floyd, Queen, Depeche Mode und Cure geschrieben wurde.

Wir haben noch mit Midischleifen und Oszillographen gekämpft! Wir haben Euren „Tekkno“ erfunden, bei uns nannte sich das aber noch Wave und war tatsächlich Musik.

Wir konnten durchtanzen, ohne uns bunte Pillen einzuwerfen zu müssen, um es zu ertragen. Unsere einzige Droge hieß Blue Curacão auf Sekt.

Wir mussten noch keine Angst haben, dass uns Tina Turner mit Seniorenoberschenkelhalsbruch von der Bühne purzelt!

Wir haben Madonna noch mit festen Titten und ohne Baby-Pause gekannt, Ihr Nasen!

Es gab eine Zeit, da war häufiges Telefonieren nicht nur richtig teuer, sondern auch gesundheitsgefährdend. Denn man konnte sich buchstäblich „die Finger wund wählen“. Und zwar mir dem Dreh- oder Wählscheibentelefon, bei dem man gegen ziemlichen Widerstand mit dem Finger die Zahlen „erdrehen“ musste.

Bei uns haben sich keine Neonazis mit Türken geschlagen, sondern Punks mit Mods, Mods mit Poppern, Popper mit Rockern – und alle mit der Polizei.

Bei uns gab es noch Mofas, Mokicks und 80er, bei denen durchgängig die Betriebserlaubnis erloschen war, denn das Wort „frisieren“ hatte damals noch seine eigentliche Bedeutung, was ihr kahlgeschorenen Pfeifen nie verstehen werdet.

Und wer einen Führerschein hatte, fuhr als erstes einen Käfer oder einen alten BMW – bei dem Dellen von Individualismus zeugten, ihr Smart-Popel.

Wir erinnern uns noch an Terroristenfahndungsplakate, auf denen hin und wieder ein Gesicht liebevoll mit Kuli von einem Staatsbediensteten durchgestrichen wurde.

Die Bundeswehr machte noch Spaß, wir kannten ja die Richtung, aus der der Feind kommt.

Sex war sicher – und Motorsport tödlich. Heute ist es ja genau anders herum…

Ein Tattoo hatte wirklich nur jemand, der ein halbes Jahr in Indien, Thailand oder im Knast war.

Die Rapper kamen noch aus dem echten New Yorker Ghetto und nicht aus der Schweiz.

Zu unserer Zeit fielen Break-Dancer in den Fußgängerzonen noch hin und wieder richtig auf die Fresse und Peter Maffay wurde beim Stones-Konzert in Köln noch ordentlich von der Bühne gepfiffen.

Wir hatten noch die Qual der Wahl zwischen Pop, Rock, Metal und Italo-Disco und mussten nicht den wöchentlich ändernden Cross-over-Trends nachjapsen.EXIF_IMG

Wir hatten noch Plattenspieler (auf 33″und 45″) und richtig geile Plattencover, auf denen man die Namen der MUSIKER (und nicht die der Programmierer) ohne Lupe erkennen konnte und die tatsächlich Kunst waren – keine tempotaschentuchgroßen, einfarbigen Booklets auf denen gerade noch „nice price“ lesbar ist.

Genau die gleichen Texte, die heute „Rosenstolz“, „Juli“ und „Silbermond“ singen, hörte man jeden Samstag in der ZDF-Hitparade von Bernd Clüver, Christian Anders und Cindy & Bert – und die haben wir gehasst!

Für uns war eine LP etwas Heiliges, das gepflegt und geliebt werden musste – und keine CD-Plastik-Wegwerfware, die so robust ist, dass man sie durchaus auch als Bierglasuntersetzer verwenden kann. Bei uns erkannte jeder sein Eigentum noch an den individuellen Kratzern.

Wir haben kein Big-Brother und anderes Unterschichten-Fernsehen geschaut, sondern „Formel Eins“, wo es eine ganze fette Stunde lang wirklich gute Musikvideos zu sehen gab. Wir hatten kein MTV mit degenerierten Werbespots und eingebildeten VJ-Flaschen nötig.

Wir haben uns „Magnum“ und „Simon & Simon“ reingezogen, haben uns die Sakkoärmel hinauf geschoben und ließen uns die Haare seitlich ins Gesicht fallen – ohne diese beknackten, umgedrehten Baseballmützen oder Wollhauben.

In unseren Hosen konnte man noch sehen, ob eine(r) einen Hintern hatte – heute hängt der Arsch ja bei jedem von Euch in der Kniekehle der ach so tollen Adidas-Jogginghose (die WIR übrigens nur im Sportunterricht angezogen haben). Man konnte erkennen ob jemand „männlich“ oder „weiblich“ war – heute verschlabbert alles unter kunstvoll vergammelter Bekleidung.

Wir waren stolz auf unsere weißen Socken und trugen Slipper mit einem Pfennigstück in der Schuh-Zunge und keine Plateau-Sohlen-Schuhe, die früher nur bei Klump-Füßen vom Arzt verschrieben wurden.

Und weil ihr gerade im Leistungskurs für Informatik sitzt: die AC/DC Einritzungen auf den Tischen sind von UNS – und es geschieht Euch nur recht, wenn ihr glaubt, dass die Dinger aus dem Physiksaal kommen, wo irgendein findiger Schüler seinerzeit die Abkürzung für „Gleichstrom/Wechselstrom“ in die Bank gemeißelt hat!

Ach ja, hiermit entschuldigen wir uns  – auch im Namen meiner Altersgenossen – für Modern Talking. Das ist das Einzige, was man uns echt vorwerfen kann – aber Ihr seid ja auch nicht gegen diesen Bohlen immun, sonst würdet Ihr nicht millionenfach dabei zusehen, wie er die „Elite“ Eurer Generation in fragwürdigen RTL-Sendungen zurecht reihenweise niedermacht!

(Urheber unbekannt, einiges neu hinzugefügt)

Netzfrau Birgit Steinmeyer

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