Samen des Todes und der Versklavung – Alternativ eigenes Bio-Saatgut statt Saatgut-Abhängigkeit…Biopiraterie…Nein Danke!

IndienIndien: eigenes Bio-Saatgut statt Saatgut-Abhängigkeit

500 Bio-Bauern aus Indien zeigen eine Alternative zu Monsantos Versklavung

Über 500 Bio-Bauern im Bundesland Gujarat, das im Westen Indiens an Pakistan grenzt, bemühen sich, eigene Samenbanken in eigener Initiative zu entwickeln, um Widerstand gegen den Druck von genetisch verändertem Saatgut zu leisten. „Die Bauern entwickeln Samenbanken als Maßnahme gegen den Ansturm von genmodifizierten Saatgut“, sagte Sarvdaman Patel, Präsident der Vereinigung der Bio-Bauern von Indien (OFAI). 

Der größte Vorteil der eigenen Samenbanken sind reduzierte Kosten. Der Kostenanteil von eigenen Bio-Samen beträgt 2 % der Produktion, während der Hybridsamenanteil 15 % beträgt. Eine Bank für Bio-Samen wird nicht nur für verringerte Kosten sorgen, sondern auch für eine gute Ernte und garantiert vor allem eine gute Gesundheit der Bevölkerung, sagt Patel, der eine Farm im Distrikt Anand in Zentral-Gujarat besitzt.

„Wir (OFAI) haben versprochen, durch Workshops und Seminare überall im Land das nötige Wissen zu vermitteln, die Samen zu lagern und einzusetzen, wenn wir erst die Samenbanken haben“, sagte er. Allerdings kostet die Entwicklung von Samenbanken Zeit, da mehrere Auswahlverfahren für die Entwicklung einer guten Samenqualität nötig sind.

„Manchmal braucht man zwei bis drei Jahre für die Auswahlverfahren, und erst wenn diese beendet sind, kann der Qualitätssamen entwickelt werden“, sagt Patel. Einige Farmer des indischen Bundeslandes haben bereits eigene Saatgutbanken für Weizen, Reis und einige Gemüsearten entwickelt.

Mit derzeit rund 1,2 Milliarden Menschen ist Indien die größte Demokratie der Erde. Indien ist aber auch ein Land der extremen Gegensätze, wo Reichtum und Armut überall aufeinander treffen. Die Wirtschaft auf dem Sub-Kontinent wächst seit Jahren rasant und auch der Öko-Sektor macht da keine Ausnahme.

Ein Land mit großen Zielen

Es ist Indiens Ziel, in den nächsten 5 Jahren den Anteil ökologischer Produkte auf 1 Milliarde US-Dollar zu steigern. Schon jetzt werden mehr als 1,2 Millionen Hektar Land ökologisch bewirtschaftet. Schon dieses Jahr will die Regierung 2 Millionen Hektar erreichen. Dabei steht die Biobaumwolle an erster Stelle der Exportgüter aus ökologischer Produktion, gefolgt von Obst, Gemüse, Tee und Kaffee. Bei der Baumwolle ist Indien der größte Lieferant für Öko-Baumwolle, allerdings macht auch hier der Bio-Anteil gerade mal 1,4% der Gesamtproduktion aus.

TomateBiopiraterie …Nein Danke!

Eher bekannt als : Kein Patent auf Leben

Tier- und Saatzucht ist seit Jahrtausenden eine bäuerliche Angelegenheit. Das darf nicht in die Hände von Großkonzernen gelangen.

Nun musste sich der Europäische Gerichtshof (EuGH) mit dem Thema Saatgut auseinandersetzen. Zur Freude der Landwirte kippte er das Saatgut-Monopol der Großfirmen. Ein bäuerliches Netzwerk war von einem Hersteller auf 50 000 Euro Schadensersatz verklagt worden, weil es mit altem, aber amtlich nicht zugelassenem Saatgut handelte. Diese Zulassungen sind aufwändig und teuer, weshalb sich bäuerliche Erzeugergemeinschaften diese Verfahren nicht leisten können.

Anders die Großkonzerne: Bayer in Leverkusen, Syngenta – im Jahr 2000 aus einer Fusion der Agrarsparten von Novartis und AstraZeneca entstanden – mit Sitz in Basel, und Monsanto aus St. Louis im US-Bundesstaat Missouri kontrollieren weltweit rund zwei Drittel des Saatguts. Maßgeschneidert gibt es dafür auch die entsprechenden Spritzmittel, die die Landwirte gleich mitkaufen können. Diese Patente schaffen Abhängigkeiten.

Wohin das führt, sieht man in Indien. Dort haben schon Tausende von Kleinbauern Selbstmord begangen, weil sie das Saatgut nicht mehr bezahlen können und ihre Familien dadurch hungern müssen.

Dabei waren es gerade indische Bauern, die über Jahrhunderte eine Weizensorte herauszüchteten, die Gebäck besonders knusprig werden lässt. Diese genetische Eigenschaft mischte der US-Konzern Monsanto seinem Saatgut bei und wollte prompt von seinen Kunden dafür Lizenzgebühren kassieren.

Biopiraterie bezeichnet die private Aneignung von Leben – d. h. von Pflanzen oder Tieren und ihren Bestandteilen oder Genen – und des Wissens über seine Nutzung mit Hilfe sogenannter geistiger Eigentumsrechte. Siehe dazu: Pestizide – “Mord auf Raten” !

Eines der größten dieser Art ist Monsanto, denn 90 Prozent der heute derzeit angebauten gentechnisch veränderten Organismen, unter anderem Soja, Raps, Mais und Baumwolle, sind „Monsanto“-Patente.

Viele Menschen, vor allem aus den Ländern des Südens, wehren sich gegen Biopiraterie. Sie wollen selbst bestimmen, was mit ihrem Wissen und den von ihnen traditionell genutzten Heil- und Nahrungspflanzen geschieht und kritisieren die Privatisierung genetischer Ressourcen durch geistige Eigentumsrechte.

 Biopiraterie kann gestoppt werden – wenn Menschen gemeinsam auf der Welt aktiv werden.

Bitte die Petition unterzeichnen:

An die Regierung Deutschlands, Frankreichs und der Niederlande und alle Vertragsstaaten des Europäischen Patentübereinkommens:

Als besorgte Bürger bitten wir Sie, das europäische Patentrecht instand zusetzen: Fordern Sie den Verwaltungsrat der Europäischen Patentorganisation auf, die Lücken zu schließen, durch die Pflanzensorten und konventionelle Züchtungsmethoden patentiert werden können. Klare und wirksame Schutzmaßnahmen und Verbote sind notwendig, um Verbraucher, Landwirte und Züchter vor dem Übergriff von Unternehmen auf unsere Nahrungskette zu schützen.

Über 2 Millionen haben diese Petition schon unterzeichnet – zur Petition

 Vandana_Shiva,_environmentalist,_at_Rishikesh,_2007Dr. Vandana Shiva, Aktivistin, Gründerin der Research Foundation for Science, Technology and Ecology. Gewinnerin des Alternativen Nobelpreises 1993  Aus einem Interview vom 30. März 2013:

Im Gegensatz zu Monsantos Behauptungen ist immer noch das Monopol des GM-Saatgutes der Grund für die Massenselbstmorde indischer Bauern.

Monsanto und seine PR-Männer versuchen hartnäckig, diesen Zusammenhang in Abrede zu stellen. Für uns bedeutet die Kontrolle über das Saatgut die Quelle aller Lebensmittel und dieser gilt unsere Angst.

Kontrolliert ein Konzern das Saatgut, kontrolliert er das Leben.

Dem Trend von Monsanto, die Kontrolle des Saatguts in Indien aber auch über den Globus verteilt zu erringen, gilt unsere Sorge.

Das ist auch das Verbindungsglied zwischen den Selbstmorden der indischen Bauern, über Monsanto vs. Percy Schmeiser in Kanada, oder Monsanto vs. Bowman in Amerika bis zu den Bauern in Brasilien, die Monsanto vorwerfen, seine Zulassung erkauft zu haben.

Durch das Patent auf Saatgut wurde Monsanto der „Kaiser der Welt“ und kassiert doppelt: durch Erneuerung des Lebens und von den Bauern, den ursprünglichen Saatgutzüchtern.

Patente auf Saaten sind nicht legitimiert, weil neues Leben nicht dadurch entsteht, dass toxische Gene in eine pflanzliche Zelle geschleust werden – eine Pflanze kann weder erschaffen, noch erfunden werden.

Es sind Pflanzen des Betrugs – der Täuschung durch Monsanto, die vorgeben, die Schöpfer neuer Pflanzen zu sein; – der Verschwörung einerseits Bauern zu verklagen, sie andererseits aber in die Verschuldung zu treiben; –   der Vortäuschung, das Beste für die Bauern zu wollen, ihren Lebensstandard zu steigern; –  dem Schwindel, dass durch Gentechnik die Welt ernährt werden könnte wohingegen sie nicht in der Lage sind, mit diesem veränderten Saatgut die Pflanzen zu schützen und vor Unkraut zu bewahren – im Gegenteil – es entstanden Superseuchen und  gegen alle Gifte resistente Unkräuter.

1995 stellte Monsanto seine Bt-Technologie mit Hilfe eines Joint Venture Partners, der indischen Firma Mahyco, vor.

Bt steht für Bacillus thuringiensis. Das ist ein Bakterium, das vor allem im Boden, aber auch an Pflanzen und in Insektenkadavern gefunden werden kann. Die von dem Bakterium produzierten so genannten Bt-Toxine werden zur Biologischen Schädlingsbekämpfung in der Land- und Forstwirtschaft und in der Bekämpfung von krankheitsübertragenden Stechmücken eingesetzt.

 1997-1998 zeigte Monsanto in ersten Feldversuchen seine Anständigkeit mit der illegalen Aussaat von GMO Bt Baumwolle und verlautbarte, das Saatgut im nächsten Jahr zum Verkauf zu bringen.

GMO steht für genetically manipulated organism , also genetisch veränderter

Organismus

In Indien gab es seit 1989 ein Umweltschutzgesetz, das verpflichtend vorsieht, von der Gentechnik Zulassungsbehörde die entsprechende Zulassung zu beantragen.

Als wir herausfanden, dass Monsanto nicht um diese Zulassung angesucht hatte, brachte die Behörde Monsanto vor Indiens Höchstgericht. Als Resultat dieses Prozesses war es Monsanto erst 2002 möglich, die BT Baumwollsaat in den Verkauf zu bringen.

Aber es hatte Indiens Landwirtschaft bereits davor entscheidend verändert.

Um den Agrarmarkt neu zu positionieren, unternahm die indische Regierung vor etwa zehn Jahren einige Anstrengungen, schaffte die Subventionen und Kredite ab und versprach Reformen, die ausblieben bzw. die Lage der Landwirte nicht verbesserten.

Weltbank und Internationaler Währungsfonds drängten auf Liberalisierung des Marktes und öffneten so dem agro-industriellen Weltkonzern Monsanto die Tore, um sein gentechnisch verändertes Saatgut den Bauern als Wunderwaffe anbieten zu können.

Dadurch ergaben sich fünf schwerwiegende Veränderungen in Indien.

  • Indische Firmen wurden in Joint Venture- und Lizenz-Verträge gelockt, wodurch die Konzentration des Saatguthandels anstieg. Heute kontrolliert Monsanto 95% des Baumwollsaat-Marktes mit seinem GMO.
  • Saatgut, bisher im Besitz des Bauern, wurde zum intellektuellen Besitz von Monsanto, wofür der Bauer Lizenzgebühren zu entrichten hatte, was den Preis des Saatgutes für ihn weiter erhöhte.
  • Offen bestäubbare Baumwollsamen wurden durch GMO-Hybriden verdrängt.

Eine sich selbst erneuernde Quelle wurde zur nichterneuerbaren patentierten Handelsware.

  • Baumwolle wurde traditionell im Mix mit Nutzpflanzen angebaut, nun gab es nur mehr Monokulturanbau mit höherer Anfälligkeit für Seuchen, Krankheiten, Dürreschäden und Ernteausfall.
  • Schließlich begann Monsanto, Indiens Regulationsprozess zu unterwandern und fing an, über sogenannte öffentlich-private Partner die GMO-Saaten einzuschleusen

Die Schaffung von Samen-Monopolen, die Zerstörung von Alternativen, das Einfahren von Superprofiten in Form von Lizenzgebühren und der Anstieg von Monokulturen hat eine Grundlage geschaffen für Verschuldung, Selbstmorde und Elend.

Ich war immer skeptisch gegenüber Reduktionismus. Ich schaue mir  Systeme an und ihre Kausalzusammenhänge. Es ist dieses System, dass Monsanto ein Saaten-Monopol aufbauen konnte, Monokulturen erzwingen und damit Verschuldung, Abhängigkeit und Elend – und all das führt zur Selbstmord-Epidemie in Indien. Das alles erfuhr noch eine Steigerung mit der Einführung der Bt-Baumwolle. Deswegen ist die höchste Anzahl an Selbstmorden im Baumwoll-Gürtel, in Maharashtra zu finden.

Der Preis des Saatgutes explodierte um 8000 %. Dieser Preisanstieg plus die Lizenzgebühren, die die Bauern zusätzlich zu entrichten hatten, bildeten eine Schuldenfalle.

Das absolute Selbstmord-Saatgut ist jedoch Monsantos patentierte Terminator-Technologie: das Ausbilden von sterilen Samen.

Die Anwendung wurde jedoch im „Übereinkommen über die biologische Vielfalt“ untersagt.

Andernfalls hätte Monsanto noch größere Profite machen können.

Ein Monsanto-Angestellter gab zu, die Firma hätte als „Patient, Diagnostiker und Arzt in einer Person“ agiert, als sie die Patente auf Leben kreiert und im TRIPS Abkommen der WTO verankert haben.

Grundprinzipien des TRIPS-Abkommens sind die nationale Behandlung, die Gleichbehandlung aller Angehöriger der Mitgliedsstaaten sowie ausgeglichener Schutz zur Förderung der technischen Innovation und des Technologietransfers. Sowohl Hersteller als auch Nutzer sollen profitieren und wirtschaftlicher und sozialer Wohlstand sollen gesteigert werden]

Die Absicht dahinter war aber, Farmer daran zu hindern, ihre eigenen Samen zu produzieren.

Jetzt ist Monsanto am Weg zur völligen Zerstörung der Biodiversität, also Artenvielfalt, schon weit vorangekommen und dabei, seine Patente auf konventionelle Saatzucht auszudehnen, wie das Beispiel von Brokkoli und Paprika zeigt bzw. der Weizen, der glutenarm ist, den Monsanto in Indien erbeutet hat, sodass wir den Fall zum Europäischen Patentamt brachten und Klage wegen Bio-Piraterie einbrachten.

Das war mit ein Grund, die Bewegung „Fibres of Freedom“ im Herzen von Monsantos Bt-Baumwoll-Selbstmord-Gürtels, in Vidharba, zu gründen.

Wir haben Gemeinde-Samenbänke geschaffen, die einheimisches Saatgut sammeln und bildeten Bauern im Organischen Anbau aus.

Keine GMO-Samen, keine Schulden, keine Selbstmorde.

Wir produzieren und teilen Samen des Lebens und eine neue Freiheit, das schafft Vielfalt, offen bestäubbare Samen, frei von künstlichen Eingriffen und Patent-frei

Zitat  von  Vandana Shiva

„Den Bauern nahm man die Freiheit zu entscheiden, was sie anbauen, den Verbrauchern die Freiheit zu wählen, was sie essen wollten.“

Netzfrau Lisa Natterer

Mehr zu dem Thema finden Sie hier

6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr gut recherschierter Artikel eines sehr unfassendes Themas. Auch hier ( in Chile ) entwickeln wir Samenbanken. Es gibt aber 2 grosse Probleme dabei:
    – wenn erst einmal viele genmodifizierte Anbauten entstehen ist eine Kontaminierung praktisch nicht auszuschliessen und das native Saatgut verändert sich.
    – wenn das Privatisierungsgesetz von Monsanto einmal durchgesetzt ist, sind Samenbanken verboten und diejenigen, die Saatgut ernten, austauschen und anbauen werden wie Kriminelle verfolgt.

    Monsanto hat eben an alles gedacht…

  2. Ich verweigere mich, genmanipulierte Nahrung zu mir zu nehmen. Es ist ein Unding, dass Politiker sich von den Nahrungsherstellern und Pharmaciekonzernen korrumpieren lassen, das Dreckszeug per Gesetz zu verordnen. Das ist Genozid pur. Eigentlich sollte die Kirche sich dieser Aufgabe widmen – sie hätte die Möglichkeiten dafür!

  3. Im Bereich von genmanipulierter Baumwolle setzt sich die Gesellschaft für Naturheilkunde Deutschland e.V. nun mit deren karitativen Projekt Cotton Consult für die verarmten Bauern und den BIO Anbau ein. Das Projekt ist vorbildlich http://cotton.consult.com

  4. Pingback: Es gibt Alternativen – denn 85% aller Tampons sind mit Glyphosat von Monsanto verseucht – 85% of Tampons Contain Monsanto’s ‘Cancer Causing’ Glyphosate - MussManWissen.Info

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.