Fukushima-Update … dass man ernsthaft “mit dem Schlechtesten, das denkbar ist, rechnen muss“

FukuaRadioaktivitäts-Werte in einem Brunnen in der Nähe von einem Vorratstank um das Kernkraftwerk Fukushima in Japan sind am Donnerstag immens gestiegen, hat der Anlagenbetreiber gemeldet.

Beamte der Tokyo Electric Power Company (TEPCO) sagten am Freitag, sie hätten 400 000 Becquerel pro Liter Beta Strahlen – einschließlich Strontium – am Standort entdeckt, was einem 6500 mal höheren Messwert entspricht als am Mittwoch, berichtet NHK World. Der Schacht wurde in 10 m Entfernung vom Tank gegraben worden, um zu erforschen, wo das im August bekannt gewordene Austreten des kontaminierten Wassers herkommt, bzw. hinfließt.

TEPCO sagte, die Ergebnisse zeigen, dass radioaktive Stoffe wie Strontium das Grundwasser erreicht haben. Hohe Werte an Tritium, das viel leichter in Wasser überwechselt als Strontium, waren schon früher entdeckt worden.

Arbeiter sagen, dass Strontium 90 – ein radioaktives Isotop des alkalischen Erdmetalls Strontium, das durch die Atomspaltung – zusammen mit anderen Isotopen erzeugt wird, die Beta-Strahlen ausstrahlen, die 1400 Becquerel (Bq) pro Liter messen, im Abzugsgraben gemessen haben, der ungefähr 150 Meter vom Ozean gelegen ist, wie Asahi Shimbun berichtete.

Der gesetzliche Standard für Strontium-Emissionen ist 30 Becquerel pro Liter. Ein Becquerel wird als die Tätigkeit einer Menge des radioaktiven Materials definiert, in dem ein Kern pro Sekunde verfällt.

Video hierzu:

Beamte von TEPCO sagten, dass sie Altlasten um den Speicher-Behälter entfernen wollen, im Bemühen, die Radioaktivität des Wassers um den Brunnen zu eliminieren.

Die Nachricht kommt, nachdem berichtet wurde dass die schweren Regenfälle (mehr als 80 Zentimeter Regen sind in weniger als 24 Stunden gefallen) im Umfeld des Taifuns Wipha hochradioaktiven Wasser in der Nähe des Kernkraftwerks in einen nahe gelegenen Bachlauf schwemmte, wodurch die Gefahr besteht, dass es ins Meer gelangt. Am Mittwoch sagte TEPCO, dass es hohe Strahlung in einem Graben der bis zum Pazifik führt gemessen hat und deswegen vermutet, dass der schwere Regen den kontaminierten Boden ausgeschwemmt habe.

Gestern gab Japan Times bekannt, dass Japan für alle Ideen offen ist, wie der Reaktor No. 1 in Fukushima verschrottet werden kann.

Japan wird Vorschläge sowohl von nationalen als auch von internationalen Atomexperten und Unternehmen prüfen, wie man am besten die zerstörten Reaktoren am Fukushima Kernkraftwerk Nr. 1 von Tokyo Electric Power Co ausrangieren könne, haben Beamte am Donnerstag gesagt.

Das Internationale Forschungsinstitut für das Kernkraftwerkstilllegen sammelt bereits Ideen. Es wurde am 1. August 2013 gegründet, nachdem offensichtlich wurde, dass die Schwierigkeiten mit den Aufräumarbeiten des zerstörten Kraftwerks gebündelte Kräfte erfordern.

„Wir werden eine Website sowohl in Japanisch als auch in Englisch aufstellen, um Interessenten zuhause und auswärts unserer Aufrufe zum Abwracken bekannt zu geben, sodass wir diese der Regierung unterbreiten können“, sagt ein Sprecher des Instituts.

TEPCO, durch eine riesige staatliche Cash-Injektion dem Bankrott entkommen, sieht sich mit immer lauter werdender Kritik an ihrem Vorgehen konfrontiert. Häufige Pannen, auslaufendes radioaktives Wasser und ein Stromausfall, verursacht durch eine Ratte, haben nicht geholfen, ihr Ansehen in den Augen der Weltöffentlichkeit zu heben.

TEPCOs eigenen Schätzungen zufolge wird die vollständige Stilllegung des Standortes bis zu vier Jahrzehnten dauern. Alle schwierigen Arbeiten stehen noch bevor, vor allem die Bergung der Brennstäbe, die vermutlich bis zur Unkenntlichkeit geschmolzen sind. Die Reaktor-Kerne könnten sich sogar schon durch die dicken Betonwände gefressen haben; sie sollen voraussichtlich im Sommer 2020 entfernt werden können.

Obwohl Tepco behauptet, die Reaktoren jetzt unter Kontrolle zu haben, sagen Kritiker, dass die Anlage in einer schwierigen Phase ist und auf Gedeih und Verderb Wetterextremen oder weiteren Erdbeben ausgeliefert bleibt. Sie weisen darauf hin, dass es noch keinen Plan für die Speicherung von Tausenden von Tonnen kontaminierten Wassers vor Ort gibt.

Im November soll Tepco eine neue Operation durchführen, die seit den frühen dunklen Tagen der ersten Krise im März 2011 durch Erdbeben und Tsunami die riskantesten für Fukushima, Japan, schlechtestenfalls aber die gesamte Menschheit sein könnte.

Der World Nuclear Report 2013 bestätigt, dass die Operation das Potential habe, „bei weitem die schwerwiegendste Atom-Katastrophe bisher“ verursachen zu können, wenn sie schief geht. Er zeichnet Möglichkeit von apokalyptischen Szenarien, darunter die Evakuierung der 10 Millionen Menschen in der Umgebung, einschließlich Tokyo.

Der Prozess umfasst rund 400 Tonnen bestrahlte Brennelemente aus dem Reaktor 4, einem der vier beschädigten Reaktoren zu bergen. Während die anderen drei Reaktoren in Kernschmelze gingen und noch mit Wasser gekühlt werden, sind die Brennstäbe vermutlich in instabilem Zustand und müssen aus dem Reaktor gehoben werden.

Das Heben abgebrannter Brennelemente ist ein normales Verfahren bei einem AKW – aber nicht in einer Umgebung mit so vielen Risiken und Unbekannten, z. B. ob die Brennelemente beschädigt wurden, was zu erhöhten Strahlungsrisiken führt, wenn die Gehäuse verletzt worden sind. Im schlimmsten Fall kann dieser Vorgang zu einer partiellen Kernschmelze führen, aber daran mag momentan niemand denken.

Professor Neil Hyatt, Sheffield University, ein Atom-Experte, sagte gegenüber Reportern von Channel 4 News, dass man ernsthaft “mit dem schlechtesten, das denkbar ist, rechnen muss“ und weiter „ ja, das ist realistisch, auch wenn es schwer fällt, auszusprechen. Auf jeden Fall ist es eine Premiere an technischer Herausforderung”.

Ein Tepco-Sprecher schwächt dies ab, indem er sagt, das Heben von Brennstäben sei Alltag in allen AKWs weltweit und man beherrsche die Prozedur.

Aber das ist nicht die einzige Herausforderung in Fukushima. Professor Hyatt weist darauf hin, dass niemand über die Brennstäbe der anderen Reaktoren rede, die teilweise geschmolzen seien und noch konstante Kühlung benötigen.

„Wir haben keine Ahnung, in welchem Zustand die teilweise geschmolzenen Reaktoren sind. Und darauf müssen wir zu allererst unser Augenmerk lenken. Tepco beabsichtigt ja, dieses Vorhaben innerhalb der nächsten acht Jahre zu beginnen und in 40 Jahren abgeschlossen zu haben (aiming for complete decommissioning within 40 years. )

Mycle Schneider, einer der Co-Autoren des Welt-Atom-Reports 2013, warnt vor den Auswirkungen dieser Operation. Er äußert düstere Bedenken, was vorhersehbar ist, gilt er doch als AKW-Gegner, der sowohl die französische, als auch die deutsche Regierung berät.

„Tepco hat vom ersten Tag an katastrophal agiert. Es ist kein Know-How, kein Krisenmanagement sichtbar. Das ist kein Kohle- oder Wasserkraftwerk, es ist ein Atom-Kraftwerk! Tepco tut so, als ob man einfach Superman rufen könne und der macht das dann alles schon“.

Dr. Adrian Simper vom UK Nuclear Decommissioning Authority hat unlängst dem AKW einen Besuch abgestattet und äußerte im Interview mit Channel 4 News: „Es geht darum, Kontrolle über Dinge wie das Grundwasser, die alltäglichen Probleme zu erlangen, dann können wir uns an den Kampf gegen die Alligatoren machen und können aufhören, uns ständig über die Trockenlegung der Sümpfe zu sorgen.“

Das Wasser ist an zwei wichtigen Stellen undicht. Erstens, das Wasser, das zu Kühlzwecken in die Reaktoren gepumpt wird. Dieses dadurch kontaminierte Wasser muß dann vor Ort in riesigen – ebenfalls undichten – Tanks gespeichert werden. Aber es gibt auch ein zweites Problem. Grundwasser von den Hügeln in der Nähe wird normalerweise durch Pumpen entfernt, diese funktionieren aber nicht mehr, sodaß die Keller der Reaktoren überflutet werden. Somit ist auch dieses Grundwasser kontaminiert und sickert zudem durch Risse im Fundament ins Freie und auch ins Meer.

TEPCO räumt gegenüber Channel 4 News ein, dass täglich rund 400 Tonnen Wasser auslaufen, sind aber der Ansicht, dass die Strahlung die dabei ins Meer kommt, keine Auswirkungen auf die Gesundheit haben werde.

Dr. Simper jedoch meint, „Man kann darüber argumentieren, wie viel ausgelaufen ist und wie sehr kontaminiert dieses Wasser war, auch über die Auswirkungen davon, aber sicher ist, dass Radionuklide vom Standort des Kraftwerks seit März 2011 in den Pazifik gespült werden“.

Auch, wenn National Geographic meint, das Meer beinhalte so viel Wasser zum Verdünnen, dass es nichts ausmache, wenn ein bisschen (!!!) Radioaktivität hineinlaufe, es würde keine Fische vergiften und berge keine gesundheitlichen Risiken, ist der Fischfang vor Fukushima immer noch nicht erlaubt. Und im Sommer haben tatsächlich Surfer in der Toyoma Bucht für Fotos posiert – nur 50 km vom AKW entfernt. Die Risiken werden also mehrfach heruntergespielt.

Die Taifun-Saison ist bedrohlich – der als sehr starke Sturm eingestufte Francisco ist bereits unterwegs: http://www.jma.go.jp/en/typh/

Hier kann man sehen, wie er aussieht:

http://youtu.be/p89tg0lSIyo?t=1s

Vielleicht dreht er aber vor Japan wieder ab, so wie Wipha das getan hat:

Den Ausführungen zufolge, denen man hier zuhören kann, hat Japan gute Chancen, dass sich in dieser Woche, die Francisco bis Japan brauchen wird, wieder zu einem viel schwächeren Tropensturm abschwächt, bzw. überhaupt vorher abdreht, ehe er nächsten Freitag Japan erreicht.

Netzfrau Lisa Natterer

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