Kritik am Gesundheitssystem – Grundstein für Gewerkschaft Interessen Fairtretung Gesundheit, Pflege und Soziales gelegt

AltIn zehn Jahren wird es 3,4 Millionen Pflegebedürftige bundesweit geben, eine Million mehr als heute. Kritiker sprechen schon jetzt von katastrophalen Zuständen.

Möchten Sie so behandelt werden?

Vorab eine kleine Geschichte:

„So, nun bin ich fast 90 Jahre alt. Nachdem mein Mann vor ein paar Jahren starb, habe ich mir mein Leben in meiner Wohnung neu eingerichtet.

Mein Leben lang bin ich gerne spät ins Bett gegangen, habe Krimis geguckt und bin auch gerne etwas länger im Bett geblieben morgens, wenn es mir möglich war. Es gibt so manches Essen, welches ich auf den Tod nicht ausstehen kann, und meine Kanne Kaffee in der Früh ist mir heilig, auch die paar Gläser Wein am Abend geniesse ich jedesmal.

Ich liebe meine Wohnung, die voll mit Erinnerungen an mein Leben sind. Schöne und nicht so schöne Erinnerungen. Meine Umgebung ist mir so vertraut, ich kenne jeden Stein und Baum vor meiner Wohnung. Wenn ich aus dem Fenster sehe, erinnere ich mich, wie ich früher, als die Kinder noch klein waren, diese beim Spielen beobachtete. Ich erinnere mich gesehen zu haben, dass mein Mann von der Arbeit kam und an all solche Dinge.

Ich finde, einmal in der Woche ein Bad reicht völlig, ansonsten reicht es, sich täglich zu waschen. Meine Wäsche darf auch nicht so oft in die Waschmaschine, vom vielen Waschen geht diese ja nur schneller kaputt.

Ich habe früher auch sehr gerne gelesen, doch mittlerweile fällt es mir schwer, meine Augen werden schneller müde. Auch bin ich nun bereits nicht mehr so gut auf den Beinen, weswegen ich einmal gestürzt bin auf dem Weg zum Bad. Auch habe ich mal vergessen, dass das Bügeleisen noch an war und auf der Bluse stand, als ich abgelenkt wurde durch das Telefon, welches ich nicht sofort finden konnte.

Und der Herd war mal an, als ich noch schnell zum Supermarkt wollte, um etwas für Mittags einzukaufen, na das alles ist mir ja früher in jüngeren Jahren auch schon mal passiert.

Nun hat der Familienrat, zu dem ich wegen meines hohen Alters wohl nicht mehr gehöre, beschlossen, es sei besser für mich, mich in ein Pflegeheim zu geben, sonst würde mir noch etwas passieren. Mir wurde gesagt, ich sei da besser aufgehoben und ich könnte dort leben wie bisher, es sei so ähnlich wie in einem Hotel im Urlaub. Nur, dass ich ja noch nie wirklich in einem Hotel war.

So, und da bin ich nun. Ich vermisse meine ganzen Möbel und Erinnerungsstücke von zu Hause. Die Bettwäsche ist steif und klamm, wie in einem Krankenhaus. Mir wurde gesagt, ich dürfte meine eigene Bettwäsche nicht mitnehmen, das sei unhygienisch. Morgens um sechs Uhr kommt eine Schwester rein und schaltet das Licht an und brüllt mir „guten Morgen“ entgegen, und das, obwohl ich noch so gerne ein bisschen schlafen würde.

Nun muss es aber ganz schnell gehen und ich werde so oft geduscht, gewaschen etc. dass bestimmt meine Haut ganz dünn wird, das ist doch so. Jeden Tag wird mir etwas Frisches angezogen, und das von gestern in die Wäsche gebracht. Ja wissen die denn nicht, dass zu vieles Waschen meine Kleidung kaputt gehen lässt? Meine Kanne Kaffee vermisse ich schmerzlich, fast genauso wie den Blick aus meinem Fenster und die Bäume und die Steine. Meine Erinnerungen wurden weggeworfen, nur ein paar Fotoalben und eine Kommode haben Platz gefunden in diesem Zimmer, dass nun meine Wohnung sein soll.

Nur ich kann nicht abschließen, ständig kommt jemand herein, ungefragt und ohne anzuklopfen. Mir wird Essen hingestellt, wenn ich noch gar keinen Hunger habe, oder Essen, dass ich einfach nicht mag. Dann holen sie den Arzt, da ich nichts mehr essen möchte.

Auf meinen Wein abends, so wurde mir gesagt, soll ich doch verzichten, der sei nicht gut für mich und ins Bett gehen soll ich möglichst schon um 19 Uhr. Mir fehlen meine Krimis, die ja immer erst um 20:15 beginnen. Nachts kommt die Schwester, macht das Licht an, um zu sehen, ob alles gut ist. Es war alles gut, doch dann liege ich wach.

Mir wurde gesagt, es würde mir dort wo ich hinkomme, besser gehen. Es wäre zum Besten für mich. Das Beste für mich wäre, ich könnte zurück in mein Leben, um die letzten Jahre, die ich vielleicht noch habe, glücklich sein zu dürfen. Hier bin ich es nicht!“

In zehn Jahren wird es 3,4 Millionen Pflegebedürftige bundesweit geben, eine Million mehr als heute. Kritiker sprechen schon heute von katastrophalen Zuständen. Möchten Sie so behandelt werden, wie uns die 90-jährige Dame berichtet hat?

Damit in Deutschland wieder in Würde gealtert werden kann, und auch im Krankheitsfall die Würde nicht verloren geht.
Der Förderverein zur Gründung der Interessen Fairtretung Gesundheit, Pflege und Soziales IGePS gibt seine Gründung bekannt

GewerkschaftGründung am 6. 12. 2013 

Vor knapp zwei Jahren gründeten eine Handvoll idealistischer, verrückter Leute die Gruppe PflegeAktivisten bei Facebook. Die Idee und der Traum, der hinter dieser Gruppengründung stand, war, die Menschenwürde in unserem Gesundheitssystem endlich wieder vor die Gewinnmaximierung zustellen. Diese Handvoll Menschen kommen alle aus der Pflege, sei es im Krankenhaus oder aus dem Altenpflegebereich.

Mit mehreren Demonstrationen, Mahnwachen und Flashmobs wurde aktiviert, auf die Straße zu gehen und den Missständen im Gesundheitssystem bzw. dem Pflegebereich Gehör zu verschaffen. Da leider der Großteil des Pflegepersonals inzwischen schon resigniert hat, ist es sehr schwer die Massen zu bewegen, aber wir geben nicht auf und machen weiter.

Diese Gruppe ist inzwischen über 3600 Mitglieder stark, umfasst Pflegepersonal, Krankenhauspersonal, pflegende Angehörige, Patienten, einfach alle die, mit diesem maroden Gesundheitssystem nicht mehr einverstanden sind und etwas verändern wollen.

Nachdem die Politik uns auch 2013 wieder im Stich gelassen hat und auch mit der großen Koalition eher noch eine Verschlechterung des Systems zu erwarten ist, entstand in dieser Gruppe der PflegeAktivisten bei ein paar Mitgliedern die Idee, eine eigene Gewerkschaft für Pflegeberufe, Gesundheitsberufe und Sozialberufe zu gründen. Mit dieser Idee und unseren konkreten Vorstellungen davon, was wir uns im täglichen Berufsalltag wünschen und was wir brauchen, um wieder menschenwürdig arbeiten und leben zu können, entstand eine neue Gruppe, die sich mit der Gründungsidee für die neue Gewerkschaft befassen soll.

So wurde basisdemokratisch, als erstes in mehreren Schritten gemeinsam am Namen der neuen Gewerkschaft gebastelt. Heraus kam IGePS Interessen Fairtretung Gesundheit, Pflege und Soziales. Nebenbei werden basisdemokratisch Punkte erarbeitet und für was wir stehen, für was wir kämpfen werden und welche Forderungen für unsere Arbeit nötig sind. Da sind zum Beispiel die Löhne, die angepasst werden sollen, die Mindestpersonalbemessung usw. Es gibt viel zu tun – wir wollen es anpacken.

Als erstes stand allerdings die Gründung des Fördervereins an, der dazu dienen soll, die Gewerkschaftsgründung zu unterstützen. Z. B. bei der Organisation von Öffentlichkeits – und Aufklärungsarbeit sowie bei der Finanzierung von Veranstaltungen.

Dieser Verein soll aber auch auch der Mitgliederwerbung für die spätere IGePS dienen. Da wir unabhängig von Geldgebern und Sponsoren aus der Wirtschaft bleiben werden, ist das sehr wichtig, um eine finanzielle Grundlage zu schaffen. Der Mitgliedsbeitrag soll für jeden erschwinglich sein daher wird er 48 € im Jahr bzw. 24 € für Azubis und Geringverdiener betragen.

Mitglied werden kann und darf jeder, weil Pflege uns alle betrifft oder betreffen wird, ob als Pflegepersonal, als Patient im Krankenhaus, im Alter, oder bei Unfall mit anschließender Pflegebedürftigkeit, als pflegender Angehöriger usw. Bei erfolgreicher Gründung der Interessen Fairtretung Gesundheit, Pflege und Soziales wird der Förderverein aufgelöst, Das Vermögen des Vereins fällt automatisch an die IGePS.

Die Mitglieder des Fördervereins werden dann automatisch Mitglieder in der Interessen-Fairtretung Gesundheit, Pflege und Soziales, natürlich nur, sofern dies von den Fördervereinsmitgliedern so gewollt ist.

Zu uns:

Basisdemokratie ist uns sehr wichtig und wird bei uns gelebt. D. h. jeder hat eine Stimme, jeder wird gefragt und jeder soll gehört werden, im Förderverein und auch in der zukünftigen Gewerkschaft.

Anders als bereits bestehende Gewerkschaften und Organisationen sind wir keine Lobbyisten und werden unabhängig von „Sponsoren“ und Geldgebern aus der Wirtschaft bleiben.

Wie bereits erwähnt schöpfen wir unsere Kompetenzen daraus, dass wir alle aus der Pflege kommen und durch die Nähe zur Basis und aus den Erfahrungen in der Praxis exakt wissen, was zur Verbesserung des maroden Gesundheitssystems und für bessere Arbeitsbedingungen benötigt wird.

Dadurch, dass wir in der Gruppe der PflegeAktivisten bereits einen regen Austausch mit allen Beteiligten und Betroffenen dieses maroden und auf Gewinnmaximierung basierenden Gesundheitssystems haben, werden wir auch die pflegenden Angehörigen und die Patienten mit ins Boot holen. Von deren Erfahrungen und Bedürfnissen kann eine Gewerkschaft bei Aufstellung ihrer Forderungen nur profitieren.

Wir werden auch bereits bestehende Gewerkschaften, Organisationen und Berufsverbände, die sich für die Verbesserungen im Gesundheitssystem einsetzen, unterstützen, und an deren Aktionen teilnehmen. Die zukünftige Gewerkschaft wird sich ausschließlich auf die Pflege, Gesundheit und auf Soziales beschränken, sodass wir mit 100%iger Kraft für nur diese Bereiche tätig werden und uns nicht um andere Berufsgruppen kümmern müssen wie andere bestehende Gewerkschaften.

Jeder ist herzlich willkommen, Mitglied im Förderverein zu werden, um uns im Kampf gegen Gewinnmaximierung und für Menschenwürde in unserem Gesundheitssystem zu unterstützen.

Damit in Deutschland wieder in Würde gealtert werden kann und auch im Krankheitsfall die Würde nicht verloren geht. Helfen Sie uns, damit das Pflegepersonal endlich wieder menschenwürdig pflegen kann, menschenwürdig bezahlt wird und auch endlich wieder menschenwürdige Arbeitsbedingungen herrschen!

Pflege und Gesundheit geht uns alle etwas an! Jeden kann und wird es einmal treffen.

Nur gemeinsam sind wir stark!

Der Förderverein soll nur der Anfang sein. Die daraus entstehende IGePS steht für folgendes:

Die IGePS kämpft für eine gerechte Entlohnung und gute Arbeitsbedingungen für alle, die in sozialen Berufen tätig sind. Wir fordern eine fundierte Berufsausbildung und gerechte Ausbildungsvergütungen, die bundesweit Gültigkeit besitzen und endlich auch Ausbildungsvergütungen für angehende Erzieher, Erzieher-Assistenten, Heilerziehungspfleger und Pflegeassistenten.

Gegenseitiger Respekt und Achtsamkeit hinsichtlich der Würde des Menschen stehen bei uns an erster Stelle. Wir stehen für Menschenwürde statt Gewinnmaximierung. Gesundheit und menschliche Fürsorge sind keine Ware! Wir kämpfen für einen Systemwandel, der auch eine solidarische Finanzierung einschließt.

Wir kämpfen für ein bezahlbares und gerechtes Gesundheits-, Pflege- und Sozialsystem, das auf humanistischem und sozialem Gedankengut basiert. Informationen unter: http://www.pflegeaktivisten.de/

Wir sind 100% Pflege, Gesundheit und Soziales!!!!!!!!!!!!! 

Siehe auch: Wir fordern: Menschenwürdiger Umgang mit ‪Pflegebedürftigen, ‪Kranken und‪ Pflegekräften und  Erfahrungsbericht einer Pflegekraft

Netzfrau Tanja Zimmer

Altenheim oder Gefängnis?

“Verlorene” Kindheit – wenn kleine Kinder zu Pflegekräften werden

Kein Witz: Gesundheitsminister Daniel Bahr soll Obama beraten

Tacheles! Wisst ihr, ich frage mich in der letzten Zeit, warum wir immer noch alle glauben, wir werden einmal 100 Jahre alt

Koalitionsvertrag – „Lassen Sie uns diesen Quatsch beenden“- Fracking, Kohle, Atom und “Hungerlohn”- aber höhere Diäten?

Gemachte Armut

 

 

TZ 2013

Foto unbekannter Fotograf

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Guten Tag und nachträglich Frohe Weihnachten!
    Bin 86 und Zimmermeister mit großem Engagement für Medizin. Meine Kenntnisse habe ich mir nach der Krebserkrankung meiner verstorbenen Frau als Autodidakt erworben, weil ich nach Intensivsuche nach Alternativen ihr Leben um 15 Jahre verlängern konnte. Der Chefarzt einer Marburger Klinik hat 3 Jahre versprochen! Seither ist es mein größtes Anliegen, dem offiziellen Sprachgebrauch einen neuen Namen zu geben: „Krankheitswesen“ anstelle von „Gesundheitswesen“, um alle am „Geschäft“ Beteiligten wachzurütteln!
    Herzlichst, Georg Bonacker, Gläserstrasse 136, (rd. 80 eigene Aufsätze)
    57074 Siegen

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