Nachhaltigkeit bei IKEA: Blau + Gelb = Grün?

Bild zur Protestaktion von „Rettet den Regenwald e.V.“

Im Sommer 2012 startete „Rettet den Regenwald e. V.“, eine Protestaktion gegen den schwedischen Möbelriesen IKEA. 180 000 Unterschriften aus aller Welt wurden im Dezember 2012 überreicht. Erst über ein Jahr später, im Februar 2014, gibt es gleich zwei Erfolgsmeldungen…

Wo bekommt man Massivholzmöbel zu erschwinglichen Preisen? Natürlich bei IKEA…

Aber ist es überhaupt möglich, so günstig und gleichzeitig so nachhaltig zu produzieren, wie es IKEA uns immer gerne glauben machen möchte? Dem sind Plusminus (ARD) und Kassensturz (srf) nachgegangen.  Im November 2011 berichteten sie von den Ergebnissen ihrer Recherchen in Nordrussland.

Die borealen Wälder – für unser Klima unverzichtbar

Sowohl IKEA als auch die Tochterfirma Swedwood sind FSC-zertifiziert. In Polen z. B. fällt Swedwood nur einzelne Bäume und schont den Waldbestand. In Russland, genauer in Karelien, unweit der finnischen Grenze, hat Swedwood 295 000 ha Wald gepachtet. Teile des sogenannten borealen Gürtels, bis zu 600 Jahre alte Urwälder, wurden vom FSC als besonders erhaltenswert eingestuft, was bedeutet, dass in diesen Wäldern nur gefällt werden darf, wenn deren „Charakteristika und Funktionen in ihrer Gesamtheit zumindest erhalten bleiben“. Dennoch findet das Kamerateam dort stellenweise totalen Kahlschlag vor. Maschinell werden rund 800 Bäume am Tag gefällt ohne Rücksicht darauf, dass die Wälder dort durch das kühle Klima extrem lange brauchen, um sich zu erholen. Außerdem schädige das Gewicht der schweren Maschinen vielerorts die Böden für Jahrzehnte, berichtet ein Experte.

Die Antwort auf eine Anfrage der ARD bei IKEA lautete damals: „…wir nehmen die Vorwürfe ernst und untersuchen sie mithilfe externer FSC-Zertifizierer.“ Der FSC anwortete, dass Swedwood Karelia immerhin 35% der Wälder mit hohem Erhaltungswert schütze – auf die zerstörten 65% wurde nicht weiter eingegangen. Der für Swedwood Russland zuständige Zertifizierer jedenfalls verweigerte vor laufender Kamera die Aussage.

Wussten Sie, dass in Russland 1/3 aller Wälder der Welt wachsen?

Unter dem Leitsatz „IKEA – Wohnst Du noch oder zerstörst Du schon“ startete im Sommer 2012 die Umweltschutzorganisation „Rettet den Regenwald e. V.“ gemeinsam mit den schwedischen Organisationen „Protect the Forest“ und „Friends of the Earth Sweden“ eine Protestaktion gegen den Möbelriesen.

Alleine 65 000 Unterschriften sammelte „Rettet den Regenwald e. V.“, bis im Dezember 2012 zusammen mit Unterschriften von „Protect the Forest“ und „Friends of the Earth Sweden“ insgesamt 180 000 Unterschriften aus aller Welt an den Möbelriesen IKEA überreicht werden konnten.

Trotz dieses eindrucksvollen Protests vieler Menschen, trotz vieler vorheriger Versprechen seitens IKEA zum Thema Nachhaltigkeit und trotz der Aussage, IKEA nehme die Vorwürfe ernst und werde sofort handeln, falls diese bestätigt würden, tat sich lange Zeit nichts.

Endlich, am 18. 02. 2014, mehr als ein Jahr nach Überreichung der Unterschriften…

Erfolgsmeldung Nr. 1: Ikea beendet die Abholzung der Urwälder im russischen Karelien

Rettet den Regenwald e. V. berichtet, „Swedwood Ikea Industry wolle seine Holzproduktion in Russland zukünftig auf seinen Produktionsort Tikhvin konzentrieren und den Betrieb in Karelien schließen.“ Die Firma habe eine Pressemitteilung verbreitet, in der wirtschafliche Gründe genannt worden seien.

Auch wenn es hier in Deutschland erst kürzlich offiziell wurde, berichtet Regenwald e. V. in der gleichen Mitteilung, also ebenfalls am 18. 02. 2014, von…

Erfolgsmeldung Nr. 2: IKEA Tochterunternehmen verliert FSC Umweltsiegel

So berichtet auch das Handelsblatt – allerdings erst am 25. 02. 2014, wie viele andere Medien auch.

Man fragt sich hier doch ernsthaft, ob IKEA die Abholzung der Urwälder in Karelien tatsächlich wegen eines nach Jahren plötzlich aufflammenden Unrechts- oder Umweltbewusstseins, wegen der Proteste der vielen Menschen gegen die Umweltorganisationen oder vielleicht nur deshalb eingestellt hat, weil dort bereits bekannt war, dass der FSC Swedwood das Umweltsiegel entzogen hat.

Der Verdacht von Werner Eckert, des Leiters der SWR Umweltredaktion, geht in eine ganz andere Richtung. Nachdem in der SWR Landesschau aktuell vom 25. 02. 2014 darüber aufgeklärt wird, dass IKEA selbst „Mitglied und zahlender Kunde des FSC“ sei, vermutet er hinter der Aberkennung des Siegels eine Art „Entlastungstat des FSC“. Vermutlich sei dieser „so stark unter Druck geraten, dass man bereit sei, den ein oder anderen Kunden zu opfern, um Glaubwürdigkeit zu demonstrieren.“

„IKEA akzeptiert kein illegal geschlagenes Holz oder Holz aus intakten Naturwäldern“
(Quelle: IKEA)

IKEA sieht den Entzug des Umweltsiegels „nur als vorübergehend an“. Die „temporäre Aufhebung“ der FSC-Zertifizierung beziehe sich nicht auf die Fällung alter Bäume, so die Stellungnahme des Unternehmens auf seiner Homepage.

Laut Handelsblatt begründete das FSC seine Entscheidung sehr wohl damit, dass IKEA „in schützenswerten Gebieten Bäume abgeholzt haben soll“. In der SWR Landesschau aktuell berichtete Christoph Sayer vom FSC Deutschland ebenfalls, IKEA habe die Fähigkeit, „…den Schutz dieser besonderen Waldsysteme… wie das der FSC über seine Standards fordert… zu gewährleisten…“ nicht nachweisen können.

„Wer die Welt verändern will, der muss bei sich selbst anfangen.“
(Quelle: IKEA)

Bleibt zu hoffen, dass IKEA diesen Wahlspruch künftigt befolgt, BEVOR die Umwelt größeren Schaden nimmt.

Netzfrau Andrea Wlazik

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1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich sehe hier das Problem überwiegend bei den Verbrauchern. Es ist vergleichsweise einfach nachhaltige Geschäftsmodelle zu unterstützen. In den U.S.A. wird dies sogar bewusst gemacht um freie Projekte zu unterstützen und zu finanzieren. Nur in Deutschland stellt man sich so an…

    Ich möchte beispielsweise meinen Beitrag leisten und habe einen nachhaltigen Sockenhandel gegründet. Interessanterweise ist meiner Erfahrung bisher das eigene Ego meist wieder im Weg als diese Idee zu unterstützen.

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