Der Glücksschrei ist verstummt – Skandal um vergiftete Schuhe

ZalandoFrauen und Schuhe, ein Liebesverhältnis der anderen Art. Im Durchschnitt besitzt in Deutschland jede Frau mehr als 13 Paar Schuhe. Doch jetzt kam es zu Problemen. Schuhmodelle, die als Eigenmarken für Zalando produziert wurden, sind mit der Chemikalie Chrom VI (Chromat) belastet.

Bei der Chemikalie handelt es sich um ein Reaktionsprodukt, das bei Gerbprozessen entsteht. Der Körper kann mit juckenden Hautausschlägen reagieren wenn er mit diesem chemischen Stoff in Kontakt kommt. Ist die Haut erst einmal sensibilisiert, ist eine klassische Allergie entstanden. Darüber hinaus kann Chrom-VI beim Einatmen Krebs verursachen.

Leder wird heute überwiegend im Ausland produziert – China, Indien, Bangladesh und Taiwan, um nur einige zu nennen. Billigstes Leder für den Weltmarkt nimmt keine Rücksicht auf Arbeitsbedingungen (auch Kinderarbeit), unter denen es entsteht, oder auf Umweltschutz. Eine Kennzeichnungspflicht besteht weder für die Art (von welchem Tier), aus welchem Land, noch für die dafür benutzten Chemikalien. Hauptsache: Billig, billig, billig!

Die überprüften Damenschuh-Modelle wiesen den 13fachen Wert der zulässigen Höchstgrenze auf. Zalando hat erst am Freitagnachmittag den Rückruf der betroffenen Schuhmodelle begonnen, obwohl von dem zuständigen Veterinär- und Lebensmittelamt Teltow-Fläming bereits seit dem 24. März ein Verbot bestand, diese Artikel in den Verkehr zu bringen. (WirtschaftsWoche recherchierte, dass die amtlichen Proben bereits vor einem halben Jahr genommen worden waren). Laut Zalando seien von diesem Verbot rund 1500 Schuhe betroffen, die bereits an Kundinnen ausgeliefert wurden.

Zalando ist aber nur die Spitze des Eisberges, auch andere Schuhhändler sind davon betroffen.

Indien: Skandal um vergiftete Schuhe

Mit Chromsalzen gegerbtes Leder für die Schuhproduktion kommt oft aus Indien. Es enthält Gift, das Allergien und Krebs erzeugen kann. Löst der Schuh eine Allergie aus, dann schwellen bei direktem Hautkontakt die Füße an, es entstehen Blasen und die Haut entzündet sich und aus dem Schrei nach Glück wird dann prompt der Schrei vor Schmerz. Aber auch die Arbeitsbedingungen lösen einen fürchterlichen Schmerz aus.

Auch wenn die Schuhe meist aus China kommen, so wird bei der Fertigung meistens auf Leder aus Indien zurückgegriffen, das mit Chromsalzen gegerbt wurde. Dieses Gerben unter schlechten Arbeitsbedingungen birgt nicht nur für die Arbeiter Gesundheitsgefahren. Das auch noch unter Mithilfe deutscher Entwicklungshilfe. Wurde vor einigen Jahren bei dem Gerben noch auf pflanzliche Mittel zurückgegriffen, haben nun u. a. deutsche Firmen das chemische Gerben eingeführt, aber sehen Sie selbst:

Anders als Klebstoffe und Lösungsmittel sind Chrom-VI-Rückstände geruchlos. Um das Gift nachzuweisen, sind aufwändige Labortests erforderlich. Wer unter einer Chromallergie leidet, darf nur noch Schuhe tragen, deren Leder mit pflanzlichen Stoffen gegerbt wurden. Diese sind wesentlich teurer, weil sich das Leder nicht maschinell verarbeiten lässt. Chromfreie Schuhe können allerdings auch andere Schadstoffe enthalten. Wenn ein Verbraucher Hautreizungen oder Ekzeme durch Schuhe bekommt, sollte er sich sofort beim Verkäufer beschweren und sie in sein zuständiges Landesuntersuchungsamt bringen.

Zu wenig staatliche Kontrolle

Regelmäßig, aber zu selten, wie Inge Altemeier und Steffen Weber meinen, führen die staatlichen Kontrollbehörden stichprobenartig Untersuchungen von Schuhen durch. So wurden zum Beispiel von mehr als 600 Millionen Paaren importierter Schuhe nur rund 1000 staatliche Proben genommen. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass belastete Schuhe entdeckt werden, sehr gering.

„Giftige Schuhe“  – Die Autoren Inge Altemeier und Steffen Weber beschäftigten sich mit dem Thema und kamen zu einem erschreckenden Ergebnis: „Als wir sahen, was Schuhe alles anrichten können, waren wir sehr erschrocken“, sagt Steffen Weber, einer der beiden Autoren der Dokumentation. Mehr Informationen erhalten Sie hier

Schuhe, die nach Klebstoffen und Lösungsmitteln riechen, sollten Sie auf jeden Fall im Regal stehenlassen, denn so ersparen Sie sich den Schrei vor Schmerz.

Netzfrau Ingrid Mengeringhaus

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2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. „Zu wenig staatliche Kontrolle“
    Der Staat ist doch grade derjenige, der mit diesen Verbrechern unter der Decke steckt. Der Staat löst die Probleme nie, er ist das Problems.

    • Dann muss DER WÄHLER mal DEM STAAT sagen, der mehr Geld für Kontrollen und Lebensmittelchemikerausbildung ausgegeben werden soll…

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