Immer noch schmutzige Schokolade – 206 Millionen Schokohasen betroffen ?!

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Hungerlöhne, ausbeuterische Kinderarbeit und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen gehören zum Alltag der Kakaobauern. Auf den Kakaoplantagen werden Kinder ausgebeutet, um Millionen Osterhasen billig herzustellen, aber teuer zu verkaufen. Zu Ostern locken viele bunt verpackte Schokohasen zu einer wahren Nasch-Orgie. 

Ob Schokohasen für rund 6 Euro pro 100 Gramm bis zu einem 100-Gramm-Preis von 50 Cent. Seit Wochen gibt es eine regelrechte Schokohasen-Schwemme. In Deutschland werden laut Presse rund 120 Millionen Hasen verzehrt. Insgesamt seien 206 Millionen Schokohasen produziert worden. Über den Geschmack lässt sich streiten, denn nicht alle Schokohasen sind gleich gut, sie unterscheiden sich zum Beispiel im Kakaogehalt.

Weltweit wurden 2013 etwa vier Millionen Tonnen Kakao produziert. Nachhaltig erzeugter Kakao macht nur weniger als fünf Prozent aus. Und die Mehrheit der Kakaobauern leben in bitterer Armut und haben weniger als 1,25 Dollar am Tag.

Etwa 70 Prozent der Weltkakaoernte stammen aus Westafrika, vor allem aus der Elfenbeinküste und Ghana. Dort arbeiten immer noch etwa zwei Millionen Kinder auf Kakaoplantagen, davon mehr als 500 000 unter menschenunwürdigen Bedingungen – sie müssen mit gefährlichen Maschinen und Chemikalien hantieren, schwere Säcke tragen und können nicht oder nur sehr unregelmäßig zur Schule gehen.

Wie oft müssen wir über diese schrecklichen Zustände berichten? Sind wir Menschen wirklich so egoistisch, dass wir nicht hinterfragen, welchen „blutigen“ Weg diese Osterhasen hinter sich haben, bis sie endlich in den Osterkörben landen?

Seitdem bekannt wurde, dass Kindersklaverei zum Alltag auf den Kakaoplantagen an der Elfenbeinküste gehört, kämpfen die großen Schokoladenhersteller, u.a. Nestlé, um das Vertrauen der Verbraucher: Sie versprechen Schulen, medizinische Versorgung, Bildungsprogramme. So soll das Leben der Kinder und der Bauern vor Ort erträglicher werden, damit wir Schokolade wieder ohne schlechtes Gewissen genießen können. So wirbt auch Nestlé damit, dass sie Farmern beibringen, nachhaltigen Kakao ohne Kinderarbeit anzubauen. Doch die Realität ist erschreckend.

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Im Juli 2013 stellt die BBC fest, das Kinder wie Erwachsene Macheten benutzen müssen, das führt zu schrecklichen Verletzungen an den Kinderbeinen. Außerdem müssen die Kinder während der Ernte stundenlang arbeiten, oft sogar ohne Bezahlung. Erklären Sie das bitte Ihrem Kind, würde es sich wirklich noch so über den „süßen“ Osterhasen freuen?

Schokolade und Kakao schmecken anscheinend gerade zu Ostern besonders! Auch die Firma Nestlé hat Geschmack am Kakao gefunden. Die hat sich nämlich bereits 2006 Kakao patentieren lassen! Die vorliegende Erfindung betrifft rekombinante Gene, die für Oleosin-Proteine in Kakao und für Polypeptide kodiert durch die Gene. Insbesondere betrifft die vorliegende Erfindung die Verwendung solcher Gene und Genprodukte für die Herstellung von Emulgatoren, Einkapselungsmitteln und Aromastoffen, die in der Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikindustrie benötigt werden.

Patentnummer: EP 1235919 B1 http://ip.com/pat/EP1235919B1

In Zusammenarbeit mit erfahrenen Konzernen auf dem Gebiet der Genveränderung können wir also demnächst vielleicht Brokkoli mit Schoko-Geschmack erwarten? Das sichert den Fortbestand einer wunderbaren Freundschaft: Monsanto & Nestlé!

Nestlé, hat einem Zeitungsartikel zufolge Appetit auf den Nutella-Hersteller Ferrero. Bis heute gab es nur Dementis und Näheres weiß man nicht. [Siehe: “Bittere Schokolade” Nestlé hat nun auch noch Appetit auf Nutella?]

Ferrero Rocher

Um sich diesen Ferrero Rocher „Osterboten“ leisten zu können, müsste ein Kakaobauer 5 Tage arbeiten. Und auch Nestlé ist mit besonderen Produkten zu Ostern am Start, so der Kit-Kat-Osterhase zu 1,99 €/100 g oder den After-Eight-Hasen ebenfalls zu 1,99€/100 g . In Österreich gibt es einen neuen Online-Rechner auf www.durchblicker.at/osterhase der kostenlos abrufbar ist.

Über Nestlé haben wir bereits viel geschrieben. Nestlé interessiert sich schon lange nicht mehr nur für Kaffee, Babygläschen, Eiscreme und Katzenfutter. [Siehe: Alles Nestlé, oder was? Von der Muttermilch bis zur Brustvergrößerung] Und auch Nestlé ist an der Ausbeutung von etwa 2 Millionen Kindern in Westafrika, die auf Kakaoplantagen arbeiten, beteiligt. [Siehe dazu: Nestlé – Kinderarbeit in Afrika: Blutige Schokolade]

Kinderarbeit bei Ferrero?

28 süße Marken gehören zu Ferrero, Nutella ist die bekannteste. Auch Überraschungs-Eier, Mon Chéri, Duplo und Hanuta stammen aus dem italienischen Schokoladenimperium. Diese nachfolgenden Produkte kennt fast jeder und auf so manchem Frühstückstisch steht Nutella. Ferrero ist Dachmarke für eine Produktpalette von Einzelmarken und Markenfamilien:

  • Bueno
  • Brioss
  • Duplo
  • Estathé (Schwarztee-Getränk)
  • Ferrero: Die Besten von Ferrero, Ferrero Cappuccino, Ferrero Garden, Ferrero Küsschen
  • Fiesta
  • Garden
  • Giotto
  • Hanuta
  • Kinder: Kinder Bueno, Kinder Choco Fresh (früher: Prof. Rino), Kinder Country, Kinder Délice, Kinder Freude, Kinder Friends, Kinder Happy Hippo, Kinder Happy-Hippo Crocky, Kinder Joy (nur zwischen Mai und Juli), Kinder Maxi King, Kinder Paradiso, Kinder Pinguí, Kinder Pinguí Cocos + Kakao, Kinder Riegel, Kinder Schokolade, Kinder Schoko-Bons, Kinder Überraschung (umgangssprachlich: Überraschungsei / Ü-Ei; weltweit wird der Begriff „Überraschung“ jeweils in die Landessprache übersetzt)
  • Milch-Schnitte
  • Mon Chéri
  • Nutella, Nutella & go
  • pan e chioc
  • Pocket Coffee
  • Raffaello
  • Rocher
  • Rondnoir
  • tic tac, tic tac Icegloo
  • Tronky
  • Yogurette

Ferrero ist zwar in Luxemburg als Aktiengesellschaft eingetragen, hat seinen Stammsitz mit der operativen Leitung aber im norditalienischen Alba. Zum Konzern gehören mehr als 30 Einzelgesellschaften in 30 Ländern, die insgesamt 15 Produktionsstätten betreiben. Der Konzern ist komplett im Familienbesitz und wird in der dritten Generation von Giovanni Ferrero und Pietro Ferrero junior geführt.

Weltweit wurden 2013 von den etwa vier Millionen Tonnen produzierten Kakao weniger als fünf Prozent nachhaltig produziert. Somit können wir davon ausgehen, dass auch Ferrero an der „schmutzigen“ Schokolade beteiligt ist. Und auch Haselnüsse spielen in der Ferrero-Produktion eine zentrale Rolle. Ferrero ist der weltgrößte Abnehmer von Haselnüssen und verarbeitet jedes Jahr mehrere tausend Tonnen. Doch haben Sie schon einmal hinterfragt, woher diese stammen? Woher kommt der Kakao, der schließlich in jeder Schokolade steckt?

Nach eigenen Angaben bezieht Ferrero wie fast alle Unternehmen seinen Kakao vor allem aus der Elfenbeinküste und Ghana. An der Elfenbeinküste gehört jedoch Kinderarbeit zur Tagesordnung.

Wie uns Ferrero bestätigte – werden Sie in dafür sorgen, dass die Kakao-Bauern fair bezahlt werden. Laut Ferrero ist es schwer, die Lieferkette transparent zu halten.

Schauen Sie sich bitte den Ferrero-Check – Markencheck vom 21.01.2012 an!

Ordu ist auf den ersten Blick ein idyllischer Ort an der türkischen Schwarzmeerküste. Weltweit kommen drei von vier Haselnüssen aus dieser Region. Fast jeder lebt hier von den Nüssen. Die Berge sind steil und im August wird es über 30 Grad heiß.

„Zara ist erst neun Jahre alt. Zusammen mit ihrer kurdischen Familie kommt sie jeden Sommer vom Süden ans Schwarze Meer, um hier zu arbeiten. Zaras Vater findet zu Hause keinen Job. Er ist auf die Ernte angewiesen. Und alle Kinder müssen mit anpacken, weil er alleine nicht genug verdienen würde. Mit acht Personen bekommen sie 60 Euro am Tag. Der beginnt morgens um 6.00 Uhr und endet um 18.00 Uhr. Zaras Zuhause während des Sommers ist eine improvisierte Massenunterkunft für Wanderarbeiter – ohne Schule, ohne sanitäre Anlagen.“

Als weltweit größter Abnehmer von Haselnüssen hat Ferrero eine entscheidende Position, um positiv Einfluss zu nehmen. Stattdessen gibt es Kinder-Riegel aus Kinderarbeiterhänden, ein bitterer Zynismus.

Im Bereich Kakao tut sich was, denn der Hersteller von Nutella, Kinderschokolade & Co. setzt künftig zertifiziert nachhaltigen Kakao ein. Der Süßwarenhersteller Ferrero arbeitet jetzt mit der Fairtrade-Organisation zusammen. Bis 2020 will Ferrero 100 Prozent zertifiziert nachhaltigen Kakao für seine Produktion einsetzen. Bis 2016 will das Unternehmen insgesamt 20 000 Tonnen Fairtrade-Kakao einkaufen. Ziel ist es, durch das neue Kakao-Programm Kleinbauernorganisationen in Westafrika weiterzubilden und zu stärken.

Ferrero setzt im Jahr übrigens fast acht Milliarden Euro um.

Zurzeit steht die Organisation aktiv-gegen-kinderarbeit mit Ferrero in Verbindung. Sofern hier neue Ergebnisse vorliegen, werden wir, die Netzfrauen, sofort informiert.

schokolade8„Viele Unternehmen versprechen gerade, bis 2020 100 Prozent nachhaltig zertifizierten Kakao für ihre Schokolade zu nutzen. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Doch wenn die Schokoladenunternehmen es mit der Nachhaltigkeit wirklich ernst meinen, müssen sie auch bereit sein, einen höheren Preis für die wichtigste Zutat in der Schokolade zu bezahlen. Nur so kann ein menschenwürdiges Leben für die Kakaobauern und ihre Familien erreicht werden“, so Evelyn Bahn, Koordinatorin der europäischen Kampagne Make Chocolate Fair – INKOTA-netzwerk.

„Den Versprechen der Schokoladenindustrie müssen jetzt Taten folgen. Leider drücken sich viele Schokoladenhersteller um die Frage, was ein gerechter Preis für Kakao ist“, so Bahn weiter. „Wir werden mit unseren Kampagnenpartnern in den Kakaoanbauländern genau beobachten, ob sich die Lebenssituation der Menschen in den Anbauregionen wirklich verbessert.“

Wir, die Netzfrauen, haben Evelyn Bahn unsere Unterstützung zugesagt und bitten Sie an folgenden Aktionen teilzunehmen.

Beteiligen Sie sich an unserer Facebook-Aktion

Unterzeichnen Sie die Petition

Schmutzige Schokolade II

Drei Jahre nach seiner Recherche ist Journalist Mistrati 2012 noch einmal nach Afrika gereist, um die Aussagen der Industrie an Ort und Stelle auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Es sind nicht nur die Bilder, auch die präsentierten Zahlen, die ein düsteres Bild von der Lage der Kakaobauern und ihrer Kinder zeichnen. Beispiel Umsatz: 134 Milliarden Euro, sagt Mistrati, habe die Schokoladenindustrie weltweit 2012 erwirtschaftet. Nach deren eigenen Angaben ausgegebenes Geld für Kinderschutzprojekte in der Elfenbeinküste: 388 000 Euro.

http://youtu.be/jHspsiX6650?t=1s

Zum Osterfest sind auch wir, die Verbraucher, gefragt. Sollten Sie nicht ganz auf Schokohasen verzichten wollen, so füllen Sie bitte die Osternester mit als fair und nachhaltig zertifizierter Schokolade, denn die gibt es auch, wenn auch nicht so bunt wie die Osterhasen von Ferrero.

Netzfrau Doro Schreier

Geiz ist NICHT geil – Wie an europäischen Lebensmitteln die Welt verhungert

Schweine für den Müllcontainer- Warum ist das Fleisch so billig und woher kommt es?

Das bittere Geschäft mit den Orangen

Bangladesch: Nähen bis in den Tod – Keine Entschädigung für Näherinnen

Wir haben es satt: Lebensmittel-Lügen der Lebensmittelindustrie

Mogelpackungen – “Schmutzige” Schokolade incl.- Nestlé hat Patent auf Kakao!

TTIP: Wollen wir Europäer das? – Hormonfleisch – Geklonte Tiere – Gen-Lebensmittel – Chlorhühner – Aufgeweichte Kennzeichnungspflicht?

Kampf der Giganten – Wenige Konzerne beherrschen die weltweite Lebensmittelproduktion

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Der Preis einer Tafel Schokolade hat sich von 2001 bis heute etwa verdoppelt. Damals war der Preis knapp unter einer D-Mark, heute ist der normale Preis knapp unter einem Euro – haben sich die Löhne in Deutschland auch verdoppelt? Aber nach dem oben Geschilderten muss man wohl davon ausgehen, dass die (Sklaven-)Arbeiter auf den Plantagen von dieser Verdoppelung des Preise praktisch nichts gesehen haben. Ich weiß noch, dass damals im Jahr 2001 die Hersteller gejammert haben, dass diese magische Grenze von 1 D-Mark sie noch in den Ruin treiben würde. Die Frage ist, was die Supermärkte damals und heute für eine Tafel Schokolade zahlen.

    Und etwas OT noch ein Hinweis zur Gewinnspanne von Supermärkten beim Produkt Kartoffelchips. Eine bestimmte, bekannte Marke, die Chips in einer Röhre anbietet, hat die Chips vor etwa sechs oder sieben Jahren für 5 (in Worten fünf!) Cents an die Supermärkte und sonstigen Einzeländler verkauft. Heute sind das vielleicht sieben Cents. Die Gewinnspanne muss man sich mal ausrechnen. Dann weiß man warum Chips in den Regalen soviel Platz einnehmen dürfen.

  2. Zum Thema Fair Trade habe ich vor dreieinhalb Jahren einen sehr interessanten Bericht über eine Tee-Plantage in Sri Lanka gelesen. Der Autor, Craig Mackintosh, ist ein Permakultur-Journalist und ein sehr wichtiger Mitarbeiter beim Permakultur-Forschungs-Institut von Australien ( http://www.permaculturenews.org ):

    Letters from Sri Lanka – Sarvodaya and the Tea Plantation Challenge
    ‘Fair Trade’
    The particular estate I visited had the apparent dual advantage of being ‘fair trade’ in addition to Sarvodaya’s involvement. When questioning the women on the benefits brought by the estate’s fair trade status, however, my disgust with many fair trade claims was further cemented. After much contemplation, the women said the fair trade organisation had provided school bags for their children, and a couple of very small buildings for religious services. Wahoo! Convinced they must have done more, I pressed different individuals during the course of my visit, asking in different ways in the hope of prying more information out. I signally failed to discover anything more that ‘fair trade’ had done to improve their lot. The one thing they did confirm was that they were not paid more than workers on other estates.“
    permaculture.org.au/2010/08/26/letters-from-sri-lanka-sarvodaya-and-the-tea-plantation-challenge/

    Übersetzung:

    „Fair Trade
    Die besondere Anlage, die ich besuchte, hatte den offensichtlich zweifachen Vorteil nicht nur an ‚Fair Trade‘ beteiligt zu sein, sondern zusätzlich auch Unterstützung durch die Sarvodaya Bewegung zu bekommen. Wenn man jedoch die Frauen nach den Vorteilen befragte, die sich durch den Status der Anlage als Fair-Trade-Unternehmen erhalten, bestätigten sich meine Zweifel in Bezug auf viele Behauptungen durch die Fair Trade Organisation. Nach vielem Nachdenken, sagten die Frauen, dass die Fair Trade Organisation ihnen Schultaschen für ihre Kinder gab und eine Reihe von sehr kleinen Gebäuden für die Ausübung ihrer Religion baute. Wahnsinn! Im Glauben, dass die Organisation mehr gemacht haben mußte, löcherte ich verschiedene Personen während meines Besuches, indem ich sie auf verschiedene Art und Weise befragte, in der Hoffnung mehr Informationen zu erhalten. Schließlich schaffte ich es nicht herauszufinden, was ‚Fair Trade“ mehr für die Frauen gemacht hätte. Das einzige was diese bestätigten, war, dass ihnen nicht mehr bezahlt wurde als den Arbeitern auf anderen Anlagen.“

    Vor kurzem kam, im Radio glaube ich, ein Bericht über Bananen. Es wurde gesagt, dass man echte Bio-Banananen daran erkennt, dass sie sehr kleine schwarze Punkte auf ihrer Schale haben. Dies kommt von Insekten, die in den Bananenplantagen leben und die sich (u.a. ?) vom Saft der Bananenfrüchte ernähren. Wenn die Bananen auf ihrer Schale also diese kleinen Punkte nicht haben, sind sie mit diversen Insektiziden behandelt worden.

    Gestern habe ich in einem Supermarkt Fair-Trade-Bio-Bananen entdeckt und die Schale war klinisch rein.

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