Kampf ums Wasser – Was kostet eine Flasche Wasser?

Wasser9„Wasser verspricht für das 21. Jahrhundert, das zu werden, was das Öl für das 20. Jahrhundert war: DAS kostbare Gut, welches den Reichtum der Nationen bestimmt“ – New York Press

Wir, die Netzfrauen, weisen immer wieder darauf hin, dass bestimmte Großkonzerne, insbesondere Nestlè, es sich zur Aufgabe gemacht haben, sich ALLE  Wasserreserven der Welt unter den Nagel zu reißen.

Wir finden ständig neue, erklärende und warnende Artikel und Dokumente, in denen das Elend und die Not derjenigen beschrieben wird, die von diesen miesen Machenschaften betroffen sind. Deshalb wollen wir das nicht zulassen, nicht schweigend zusehen. Wir werden daher nichts unversucht lassen, um möglichst viele Menschen darüber aufzuklären – denn es geht um unser aller Zukunft!

Im Zentrum für Armutsanalyse (CEPA) wurde erst kürzlich nachfolgender Artikel veröffentlicht, den wir Ihnen frei übersetzen möchten: How much is that bottle of water? Auf Grund der Dringlichkeit und Dramatik haben wir den Artikel  für Sie übersetzt, denn nicht nur wir befassen uns mit dem Thema „Kampf ums Wasser“. Diesen Beitrag entdeckten wir in einer isländischen Zeitung.

Wir befinden uns im 21. Jahrhundert und nach UNICEF-Statistik haben 783 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Jeden Tag sterben mindestens 5000 Kinder an vermeidbaren wasser- und sanitärbedingten Krankheiten. Die Welt stürzt auf eine Situation extremer Wasserknappheit zu.

Tatsächlich wird von heute an bis zum Jahr 2025 erwartet, dass wir 17 % mehr Wasser benötigen werden, um Nahrung für die wachsende Bevölkerung in den Entwicklungsländern zu produzieren. Währenddessen wird sich der Wasserverbrauch insgesamt überproportional um rund 40 % erhöhen. Bei optimalen Bedingungen kann der durchschnittliche Mensch bis zu maximal sechs Tage ohne Wasser überleben.

Der steigende Grad der Umweltverschmutzung, die stetig wachsende Bevölkerung und der Klimawandel ergeben zusammen bei Weitem keine optimalen Bedingungen, in denen wir überleben können. Die Überlebenschancen klingen entmutigend. Unter Betrachtung des zukünftigen unsicheren Zugangs zu sauberem Trinkwasser steht eine von vielen Fragen, die wir uns stellen im Mittelpunkt: „Ist das Trinkwasser eine Ware oder ein Menschenrecht?“.

Welche grundlegende Rolle Wasser als Lebenselixier aller Lebensformen spielt, ist klar: Wasser ist Leben. So ist es (ganz) natürlich anzunehmen, dass Menschen keinen Preis für ein Grundrecht zahlen sollten. Leider ist die Realität weit entfernt von dem Ideal, das besagt, sauberes Trinkwasser sollte unter gar keinen Umständen gekauft werden müssen, also zu einer Ware verkommen.

Die Vereinten Nationen (UN) führten eine mehrere Jahrzehnte umfassende Reihe von Debatten zu diesem Thema. Das Ergebnis war eine Beschlussfassung im Jahr 2010, in der erklärt wird, dass „das Menschenrecht auf sauberes Trinkwasser und Sanitärversorgung aus dem Recht auf einen angemessenen Lebensstandard abgeleitet wird. Es ist untrennbar mit dem Recht auf das erreichbare Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit, ebenso mit dem Recht auf Leben und Menschenwürde verbunden. [Das Recht auf Wasser ist ein Menschenrecht!]

Wasser fördert die Verfügbarkeit von anderen grundlegenden Menschenrechten, weshalb ein Entzug eines Zugangs zu sauberem Wasser einer Beschränkung (jedes) Menschen auf sein Recht auf Leben gleich kommt.

Es ist bedauerlich, dass wir als Menschen nicht in der Lage sind, unser Recht auf Wasser angemessen anwenden zu dürfen. Auf der einen Seite haben Länder mit mehr Wohlstand und Zugang zu Wasserquellen, die Tendenz zum (übermäßigem) Gebrauch, zur Verschwendung und zur Verschmutzen dieser Ressource; während es auf der anderen Seite Millionen von Menschen gibt, die völlig von sauberem Wasser abgeschnitten sind.  

85% der Weltbevölkerung lebt in den trockensten Regionen der Welt, unter denen sich einige der ärmsten und am meisten gefährdeten afrikanischen Länder befinden. Auf Grund der unterschiedlichen Möglichkeiten eines Zugangs zu sauberem Wasser und der daraus resultierenden Konflikte um selbiges, sehen die Macher auf globaler Ebene das Wasser eher als Ware – als ein knappes Wirtschaftsgut, das rationiert werden muss – statt eines grundlegenden Menschenrechts.

Die Kommerzialisierung von Wasser scheint im 20. Jahrhundert deutlich gestiegen zu sein, parallel zur sich erhöhten Angst vor Wasserknappheit und Umweltzerstörung. Darüber hinaus wurde die Bereitstellung von Wasser als öffentliches Gut unter bestimmten Umständen als ertragsarm und verlustreich erklärt, wodurch Menschen (heute) keine andere Wahl (mehr) haben, als Wasser für den Verbrauch zu kaufen, so wie sie es mit anderen Rohstoffen auch tun müssen. Dieses in der jüngsten Vergangenheit geprägte Umdenken hat seine Wurzeln in der neoklassischen Idee, einer Ware oder Dienstleistung einen wirtschaftlichen Wert zuzuordnen, um ihre Ausbeutung zu verhindern. Dieses neue Marktkonzept regelt den Wasserverbrauch in der heutigen Welt. Wie zu erwarten war, hat diese Werteverschiebung jedoch viel Streit und Debatten unter der Vielzahl der Akteure ausgelöst.[Wem gehört das Wasser?]

Die Welle der Demonstrationen, die Polizeigewalt und der öffentlichen Aufstand gegen die Wasserpreise in Cochamba in Bolivien im Jahr 2000 zeigen das Potenzial auf, inwieweit Gewalt eskalieren kann, wenn Wasser privatisiert und als Ware und (eben) nicht als öffentliches Gut betrachtet wird. Noch immer argumentieren einige Kritiker,wie K. Bakker, dass ein Handel mit Wasser zu einer effizienteren Nutzung dieser knappen Ressource führen würde. Allerdings kann die Effizienz der Wassermärkte und deren Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt in Frage gestellt werden.

Das System hat zweifellos Fehler: veranschaulicht wird dies durch eigennützige Profiteure wie Nestlé, die ihre Macht nutzen, um ihre eigenen Gewinne durch den Verkauf von Wasser zu maximieren. Die Marketing-Kampagne von Nestlé in Lahore mit der Marke „Pure Life“-Wasser galt gezielt wohlhabenden Pakistani, und ist dort daher ein Statussymbol für die Reichen geworden.[Nestlé erfindet Wasser für Reiche neu – Arbeit bei Nestlé, aber nicht ausreichend Wasser]

Die Armen bekamen die negativen Auswirkungen des Konsums zu spüren; Sie haben mit dem Dilemma um ausgetrocknete Quellen in ihren Dörfern und dem verunreinigten Wasser zu kämpfen. Mehr noch: Nestlé griff diese direkt durch die widerrechtliche Aneignung der Wasserversorgung an und fördert nun Wasser aus zwei Tiefbrunnen des Dorfes Bhati Dilwan. Somit sind auch sie gezwungen, Wasser in Flaschen zu kaufen. – Eine ähnliche Geschichte stammt aus Nigeria, wo eine einzelne Flasche „Pure Brand“ teurer ist als das durchschnittliche Tageseinkommen eines nigerianischen Staatsbürgers. Mit anderen Worten: „Wasser ist das neue Öl“.

Leider werden viele Unternehmen, die Wasser privatisieren, von dem Bewusstsein angetrieben, dass die Reichen in Flaschen abgefülltes Wasser kaufen würden, um in Mode zu bleiben und die Armen dies tun (müssen), weil sie es zum Überleben brauchen. Weitere Unterstützung für den steigenden  Konsum von Trinkwasser ergibt sich aus einer Studie, die von der Inter-American Development Bank 2011 veröffentlicht wurde, aus der hervorgeht, dass die Mexikaner pro Jahr und pro Person etwa 127 Liter Mineralwasser verbrauchen würden (der weltweit höchste Verbrauch). Einen nachhaltigen Eindruck dieses Wasserproblems hinterlässt die Unverhältnismäßigkeit der Wahl, bei der viele unterprivilegierte Personen ja gezwungen werden („kaufen oder nicht kaufen?“). Hieraus ergibt sich wiederum als Folge eine wechselseitige Bedingung, wie sie zwischen Gesundheit und Armut existiert.

Einen Preis für die Konservierung von Wasser und dessen Gebrauchsrichtlinien aufzurufen ist verständlich. Stark umstritten bleibt jedoch, wenn daraus eine Ware gemacht wird, die entscheidend dafür ist, ob ein Mensch lebt oder stirbt. Beraubt man eine Person seines Grundrechts auf Leben, weil sie es (die Ware Wasser) nicht bezahlen kann, so ist dies in mehrerlei Hinsicht unethisch.

Das Abhandeln von Wasser als Ware und die Privatisierung von Wasser wird weiterhin negative Effekte nach sich ziehen, vor Allem für die Armen. Statistiken belegen, dass Wasser als Ware von den Reichen, den Mächtigen oder den wasserreichen Regionen der Welt manipuliert wird – und dass dies auch so bleiben wird.

Die Menschen in den Slums von Jakarta, Manila und Nairobi zahlen bereits 5 bis 10 Mal mehr für Wasser als diejenigen in einkommenshohen Gebieten in denselben Städten; eine Summe, die erschreckend ist, weil es sogar mehr ist als das, was Verbraucher in New York oder London zahlen.

Wasser7Frauen in Afrika holen lieber nach langen Strecken zu Fuß schmutziges Wasser aus den Flüssen, anstatt für sauberes Wasser zu zahlen, während die Bauern in Asien bald nicht mehr in der Lage sind, ihre Lebensweise aufrecht zu erhalten, sollten sie die staatlich finanzierte Bewässerung nicht mehr erhalten. Deshalb muss die Mehrheit der Weltbevölkerung gezwungen werden, einen Schritt zurück zu machen anstatt sich stufenweise weiter auf einen reinen Überlebenskampf zuzubewegen.

Auch wenn es wichtig ist, über eine Debatte nachzudenken, ob Wasser als Ware zu behandeln ist oder es ein Recht darauf gibt, dürfen wir nicht scheuen zu fragen, ob Wasser überhaupt „besessen“  werden kann. Im Gesamtbild betrachtet ergibt sich, dass der wirtschaftliche Neoliberalismus eine Menge Schaden beim Allgemeinwohl hinterlassen hat, einschließlich des Schadens beim Thema Wasser. Tatsächlich sollten Wasser- und Eigentumsrechte nicht vermischt werden. Statt uns weiterhin mit den dualistischen Worten „Rechte“ gegen „Ware“ zu beschäftigen, sollten wir unsere Verantwortung (mal) buchstabieren. Dies ist unumgänglich und sollte uns ermutigen, nach einem sich im natürlichen Gleichgewicht befindenden Wassermanagement zu suchen, in welchem Wasser als Allgemeingut gilt (für Menschen als auch für andere Spezies in der Biosphäre) – nicht als Ware. Ein Nachdenken über Wasser als Gemeingut ist ein wichtiger Teil der Aufrechterhaltung einer stabilen und gesunden Umgebung für die Menschheit und die Artenvielfalt.

Ein solches Vorgehen würde nachhaltigen Konsum, eine stabile Bevölkerung, eine hohe Wiederverwertung sowie Recycling fördern und nicht zu Verlust von Boden oder Artenvielfalt führen. Dies erfordert eine radikale Änderung unserer Ansichten und unseres Konsums, unserer technologischen Entscheidungen und unserer Bevölkerungszahl, um im Rahmen der Möglichkeiten dieses Planeten weiterhin leben zu können.

Wir müssen alle drei (Punkte) angehen, damit unsere Kinder und Enkelkinder überleben können.

Wasser: Mangel im Überfluss!

Netzfrau Andrea Carls

Trinkwasser: Nestlé, Danone, Coca-Cola und Pepsi – Multinationale Konzerne beherrschen Weltmarkt

Profitgier! Nestlé hat Wassernutzungsrechte erworben und lässt Fabriken bewachen und einzäunen!

Spekulationen mit den Lebensgrundlagen des Menschen stoppen! Die Profitgier macht nicht vor Wasser, Gesundheit, Wald und Land halt.

World Water Week -2500 Personen werden eine Woche lang über das Wasser der Welt sprechen. Sponsoren WWF, Nestlé und PepsiCo

Damit unsere Kinder und Enkelkinder nicht irgendwann sagen müssen: „Ihr müsst doch etwas davon gewusst haben!“

 

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Frau Carls, ziemlich zusammengewürfelt Ihr Artikel. Empfehlen Sie damit Menschen wie mir in Asien und Afrika Leitungswasser und keine Mineralwasser von seriösen Herstellern wie Nestlé, Danone, etc. zu trinken? Leider kommen die dortigen Länder nicht ihrer sozialen Verantwortung nach hygienische Wasserversorgungssysteme für alle zu installieren. Das ist doch das Problm und deshalb ist das auch ein solches Geschäft. Ich trinke in diesen Ländern jeweils weiter Nestlé und co. Beste Grüße M.W.

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