Mount Everest: 12 Sherpas durch Lawine getötet – eine andere Sichtweise aus Nepal!

Was wird getan, um die Aktivität der Sherpa-Bergführer mehr abzusichern?

Die Klettersaison am Mount Everest begann mit einer Tragödie. Am Freitag um etwa 6:30 Uhr nepalesischer Zeit ereignete sich an der Südseite des höchsten Gipfels der Welt der schlimmste Unfall in der Geschichte der Besteigung des Everest. Wie berichtet wird, sind zwölf Sherpas tot, mindestens 3 vermisst und einige verletzt. Die Sherpas wurden am berüchtigten Khumbu Gletscher durch eine Lawine getötet, die von den Überhängen an der Westschulter abging.

Augenzeugen berichten, dass die Lawine über ungefähr 5800 Meter über ein wegen der Eissprenkel auf dem Schnee als „Popcorn Field“ bekanntes Areal fegte. Die Sherpas trugen Lasten für die Kletterer, von denen sie angeheuert worden waren, als der Unfall geschah.

Ang Kaji Sherpa war einer von den 12 Kletterführern, die heute am Mount Everest durch eine Lawine getötet wurde. Er arbeitete mit einem Team von ausgezeichneten Sherpas, die die Seile setzen, um für ihre Kunden, die in den nächsten Tagen folgen sollten, den Weg gangbar zu machen. 2012 war Ang Kaji Sherpa einer der Führer für die Expedition des National Geographic, die „North Face Expedition“ zum Everest und er war der erste des Teams, der den Gipfel erreichte.

Jedes Jahr versuchen über 300 Kletterer, den Everest über die klassische Route am Südost-Grat zu ersteigen, die 1953 von Sir Edmund Hillary und Sherpa Tenzing Norgay genommen wurde. Auf jeden Kletterer, der in der Regel bis zu 50 000 $ zahlt, um den Everest bezwingen zu dürfen, kommen mindestens zwei Sherpas, die dessen Lasten tragen.

Der Khumbu Gletscher erstreckt sich von 5500 bis 5800 Meter Höhe und liegt auf der nepalesischen Seite des Mount Everest etwas oberhalb des Basiscamps auf 8850 Metern. Jeder, der den Mount Everest von der Südseite her bezwingen will, muss durch den Khumbu Gletscher.

Weil der Khumbu so gefährlich ist, versuchen die Führer, die Touren für zahlende Kunden zu reduzieren, wodurch sich die Anzahl der Male erhöht, die ein arbeitender Sherpa mit Zelt, Nahrung, Seilen und vor allem Sauerstoff für die Kletterer beladen, durch diese gefährliche Zone muss.

Während ein zahlender Kletterer den Khumbu nur 6-8 Mal durchquert – weil er hoch und runtergeht, um sich zu akklimatisieren, kann ein Sherpa diese mörderische Wanderung 30-40 Mal in einer Saison machen.

„Es ist so eine furchtbare Tragödie“, sagte Conrad Anker, ein weltberühmter Bergsteiger und Leiter der North Face/National Geographic Expedition, die den Everest 2013 über den Südostgrat erklettert hatte.

„Das war nur eine Frage der Zeit“, erklärte Anker. „Der Khumbu ist wahrscheinlich der gefährlichste Ort in der Kletterwelt. Wenn man im Basecamp sitzt, kann man den ganzen Tag dabei zuschauen, wie die Lawinen direkt über die Kletterroute rollen. Das macht jedem Angst.“

Normalerweise durchquert man den Khumbu nachts zwischen 2 und 5 Uhr mit Stirnlampen. Dann sind die Eisblöcke und die hängenden Gletscher am stabilsten und Lawinen am unwahrscheinlichsten. Über Tag, wenn die Sonne den Berg wärmt, beginnen die Überhänge zu rutschen und das Gletschereis des Khumbu fängt an zu bröckeln.

„Sherpas tragen die wahre Last beim Ersteigen des Mount Everest“, berichtet Anker. „Sie sind es, die das größte Risiko tragen.“

Einer der Toten ist Ang Kaji Sherpa, einer der stärksten Sherpas auf der North Face/National Geographic Everest Expedition in 2012. Kaji war sechsfacher Vater. Mit mehr als einem halben Dutzend Expeditionen zum Everest konnte man ihn schon als Veteranen bezeichnen. 2012 war er der erste am Gipfel des Everest und er trug die Kletterseile für alle nachfolgenden Kletterer. Nach dem Abstieg wurde er mit tosendem Applaus begrüßt, worauf er nur bescheiden lächelnd sagte, er sei gar nicht so müde. Irgendwann im Laufe der Expedition, als die Mitglieder des Teams der National Geographics Expedition in der sogenannten „Death Zone“ auf 7900 Metern Höhe ankamen, lief Kaji herum und drückte jedem eine Tasse heißer Suppe in die Hand.

Die Sherpas, eine ethnische Gruppe bestehend aus etwa 80 000 Menschen, die vor etwa 300 Jahren vom tibetischen Plateau nach Süden wanderten, werden seit jeher als Arbeiter auf Bergsteigeexpeditionen genutzt. [Anmerkung von Anna Elisabeth Bach: Tatsächlich begann die Wanderung der Sherpas vom tibetischen Plateau aus Kham-Osttibet in Richtung Süden schon vor 500 Jahren. „Sherpa“ ist tibetisch und bedeutet, der vom Osten Kommende.]

Genetisch bedingt sind die Sherpas stärker, schneller und von Natur aus fitter auch in über 7000 Metern Höhe, wenn die meisten Kletterer aus dem Westen bereits ihre Sauerstoffflaschen nutzen. Seit jeher sind Sherpas auf dem Everest gestorben – schon während des ersten ernsthaften Besteigungsversuchs 1922 starben sieben Sherpas durch eine Lawine.

Auch wenn die zahlenden Kletterer statistisch gesehen häufiger bei dem Versuch sterben, den Everest zu besteigen – die Wahrscheinlichkeit, im Khumbu-Gletscher ums Leben zu kommen, ist für einen Sherpa höher.

„Im Grunde genommen ist es eine Art Russisches Roulette“, sagt Anker. „Man ist nirgends sicher.“

Die Passage durch den Khumbu-Gletscher ist so permanent gefährlich, dass die Expeditionen manchmal einfach abgebrochen werden, wenn der Eisfall zu gefährlich scheint. Im Frühjahr 2012 wurde die Expedition von Russell Brice, Eigentümer und Betreiber von Himalayan Experience, dem größten und erfolgreichsten Everest Führungsanbieter der Welt, angehalten, weil ihm der Khumbu und die Lawinen einfach zu gefährlich waren, vor allem für seine Sherpas.

Derzeit ist der Berg wegen Bergungsarbeiten geschlossen. Bislang wurden folgende Todesopfer bestätigt: Dorjee Sherpa, Ang Chiring Sherpa, Mingma Sherpa, Ningma Sherpa, Ang Kaji Sherpa, Pasang Karma Sherpa, Lakpa Tenzing Sherpa, Chiring Wankchu Sherpa, Wangele Sherpa, Khem Dorjee Sherpa, Furwa Temba Sherpa, and Aasamn Tamang Sherpa.

Dies ist eine freie Übersetzung des Artikels „Historic Tragedy on Everest, With 12 Sherpas Dead in Avalanche

Anmerkungen von unserer Netzfrau Anna Elisabeth Bach:

Der oben aufgeführte Artikel wurde von einem erfahrenen Bergsteiger geschrieben und enthält die meisten wichtigen Details. Aber wo bleibt der humanistische Aspekt des Themas?

Was wird getan, um die Aktivität der Sherpa-Bergführer mehr abzusichern?

Um jeden Preis auf den Everest?

Gab es Druck von Seiten der Expeditionsleitungen? Gab es Termine einzuhalten?

Gibt es eine Risiko-Lebensversicherung, Unfallversicherung, etc. für die Sherpa-Bergführer?

Wie werden jetzt die Hinterbliebenen versorgt? In einem heutigen Artikel des „The Himalayan“ aus Kathmandu wird erwähnt, dass der Innenminister von Nepal für jeden toten Sherpa Bergführer 40 000 NRS auszahlt, das sind ca. 307 Euro. Link zum Artikel: Tragedy on Everest: Avalanche claims 12 lives

Die Sherpas werden an diesem und anderen Bergen „geopfert“, damit die westlichen und andere Bergsteiger auf die Berge im Himalaya steigen können, irgendwie hochkommen – sie werden sogar von den Sherpas getragen, damit sie dann später endlich auf dem Gipfel stehen…

Mein Mann ist Sherpa und Bergführer, er hat viele Jahre auf diesen Höhen und auch am Mount Everest gearbeitet, unter schwierigsten Bedingungen.

Ich erfahre gerade zusätzliche Informationen: Die Sherpas sind zwischen 01:00 Uhr und 02:00 Uhr in der Nacht aufgebrochen – also in der Zeit, in der die Überquerung gut zu meistern gewesen wäre – und hatten zwei Aufgaben zur gleichen Zeit zu erledigen:

1. Den Weg für die westlichen Weichei-Bergsteiger vorzubereiten mit Seilen und Leitern und

2. zur gleichen Zeit die gesamte Ausrüstung, wie Essen, Zelte, Gepäck, etc. zu tragen

Es ist häufig vorgekommen, dass die hinterbliebenen Sherpa-Familien schlecht behandelt wurden. Ich wünsche sehr, dass die Expeditionsunternehmen ihre Sherpa-Bergführer sehr gut versichert haben, damit die Ehefrauen und Kinder für die Zukunft sehr gut versorgt sind.

Anna Elisabeth Bach
Kathmandu-Nepal

Netzfrau Anna Elisabeth Bach
Netzfrau Andrea Wlazik

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  1. „Es ist häufig vorgekommen, dass die hinterbliebenen Sherpa Familien schlecht behandelt wurden. Ich wünsche sehr, dass die Expeditionsunternehmen ihre Sherpa Bergführer sehr gut versichert haben, damit die Ehefrauen und Kinder für die Zukunft sehr gut versorgt sind.“

    Ja das wäre wünschenswert. Noch besser wäre es allerdings, wenn sich die Männer gar nicht in diese Gefahrenzonen begeben würden. Dieses ganze kompensatorische Gipfelstürmerei finde ich unerträglich – genauso den Couchpotato, der sich dann die Abenteuer abends vor der Glotze reinzieht: eigentlich sind es zwei zusammengehörende Seiten einer Medaille, die sich gegenseitig bedingen.

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