Rede der Netzfrauen für den heutigen weltweiten „March against Monsanto“

MAM2zur englischen Version Wir Netzfrauen senden solidarische Grüße an alle Menschen, die sich für den March against Monsanto versammeln. Zuerst möchten wir uns bei all denen auf der Welt bedanken, die diese weltweite Demonstration möglich machten.

Wir Netzfrauen sind Mütter und Großmütter, die sich weltweit vernetzen, weil wir uns Sorgen um die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder machen. Begleitet werden wir von vielen Vätern und Großvätern.

Wenn wir es zulassen, dass die Weltmarktführer der Pestizidproduktion, nämlich Monsanto, Dow und DuPont aus den USA, Syngenta aus der Schweiz oder Bayer und BASF aus Deutschland wie bisher ihre Giftbrühe auf den Feldern versprühen, so ist es “Mord auf Raten”.

Heute versammeln sich Aktivisten weltweit, um ein Zeichen zu setzen, dass sie Monsantos kriminelles und ungerechtes Gebaren nicht weiter hinnehmen werden, und das ist auch gut so.

Pestizide – Rückstände im Trinkwasser, Brot, Babybrei, sogar in der Muttermilch. Es ist nicht damit getan, dieses zu Kenntnis zu nehmen und brav zu nicken. Nein, wir brauchen eine Revolution. Politiker und Lobbyisten müssen spüren, dass die Zeit zum Umdenken gekommen ist und wir uns nicht länger kaufen und (für dumm) verkaufen lassen.

Unsere Kinder und alle nachfolgenden Generationen brauchen unsere Stimmen! Wo sind all die Eltern und Großeltern, die das interessieren sollte? Wir wollen nicht glauben, dass es ihnen wirklich so gleichgültig ist, dass wir nicht einmal die Wahl haben, was wir unseren Kindern auf den Teller packen, weil sogar selbst Angebautes schon belastet ist. Ob die Luft, die sie atmen, sie krank macht. Ob sie selbst oder unsere Enkelkinder die Schönheit unserer Welt noch erleben dürfen oder ob das Artensterben, das bereits um sich gegriffen hat, so weit fortgeschritten ist, dass selbst das Zwitschern der Vögel eine Seltenheit wird und man Schmetterlinge und Bienen nur noch im Bilderbuch zeigen kann.

Nein, wir dramatisieren nicht! Wir sind höchstens noch nicht deutlich genug. Monsanto und Konsorten mit ihren gesundheitsschädigenden Gentech-Produkten und ihren hochgiftigen Pestiziden haben auch hier in Deutschland eine Chance – eine, die gerade verhandelt wird … TTIP! Die Politik wird uns nicht schützen – für unseren Schutz und den der nachfolgenden Generationen müssen wir selbst eintreten.

Vom U.S. Kongress und Präsident Barack Obama wurde ein Gesetz verabschiedet, das es Monsanto ermöglicht, sich über gerichtlich angeordnete Verkaufsstopps ihres Saatguts hinwegzusetzen. Die FDA (Food and Drug Administration), zuständig für den Schutz der öffentlichen Gesundheit in den USA, besteht hauptsächlich aus ehemaligen Monsanto Führungskräften – ein Interessenkonflikt, der auch das Fehlen staatlich finanzierter Studien zu Langzeiteffekten von genetisch veränderten Lebensmitteln erklärt. Monsanto profitiert schon viel zu lange von staatlichen Subventionen und Vetternwirtschaft. Während Kleinbauern und Bio-Betriebe ums Überleben kämpfen, sichert sich Monsanto Patentrechte auf sämtliches genetisch modifiziertes Saatgut sowie den gesamten Prozess der Gentechnik und festigt so seine Monopolstellung als globaler Nahrungsmittel-Lieferant.

Wir rufen daher auf zum Boykott sämtlicher Firmen, die Eigentum von Monsanto sind oder die Monsantos genetisch modifizierte Nahrungsmittel verwenden. Wir fordern eine Deklarationspflicht für genetisch modifiziertes Saatgut in sämtlichen Lebensmitteln. Die relevanten Punkte im „Monsanto Protection Act“ müssen für ungültig erklärt werden. Wir fordern weitere wissenschaftlichen Studien zu gesundheitlichen Folgen von genmanipulierten Organismen (GMO). Monsantos Führungskräfte sowie Politiker, die Monsanto unterstützen, müssen durch direkte Kommunikation, Graswurzel-Journalismus, soziale Medien etc. zur Verantwortung gezogen werden. Die Öffentlichkeit muss weiterhin über die geheimen Machenschaften des Konzerns informiert werden.

Andere Länder machen es uns vor, nach El Salvador verbietet Sri Lanka Monsantos Roundup, da dieses Zeug nachgewiesenermaßen für tödlich endende Nierenerkrankungen verantwortlich ist. Die geheimnisvolle Krankheit hat bislang Zehntausende von Landarbeitern in Mittelamerika, Sri Lanka und Indien getötet. Und unsere Regierungen?

Dass wir etwas erreichen können, zeigt unsere Netzfrau Sofía Gatica. Sie ist eine der „Mütter von Ituzaingó”, Argentinien, die seit 10 Jahren darum kämpfen, die Wahrheit über die große Anzahl von Krebs und anderen Krankheiten in dem gleichnamigen Viertel von Cordoba zu erfahren.

Vor 14 Jahren brachte sie eine Tochter zur Welt, die 3 Tage später an einem Nierenversagen verstarb. Sofía entschied, die Ursache dafür herauszufinden und begann mit einer Tür-zu-Tür-Aktion in ihrem Wohnviertel. Cordoba hat 6000 Einwohner, die von Feldern mit Sojaanbau umzingelt sind. Viele der Nachbarn waren krank, – ohne Erklärung! Die Krebsrate ist 41 mal höher als im Durchschnitt und einige Ärzte vermuten, dass es noch viele mehr sind, diese aber nicht gemeldet werden. Leukämie, Allergien, neurologische Erkrankungen und Atemwegserkrankungen, Geburtsfehler und Säuglingssterben kommen häufig vor.

Daraufhin gründete sie zusammen mit 16 anderen Frauen aus ihrem Viertel die Organisation „Madres de Ituzaingó” und ohne finanzielle Unterstützung erreichten sie, auf das Thema des ungeheuren Einsatzes von Chemie in der Agroindustrie aufmerksam zu machen.

Sie untersuchten ihr Trinkwasser und die Blutwerte der Kinder. In beiden befanden sich Rückstände von Pestiziden und anderen Giften.

Es folgten Pressekonferenzen und damit Druck, damit sie ihre Arbeit aufgeben.

Doch das hielt die „Mütter von Ituzaingó” nicht ab. 2008 gab die argentinische Präsidentin über das Gesundheitsministerium eine Studie in Auftrag, deren Ergebnisse die schlimmen Vermutungen nur bestätigten. Die Frauen erreichten, dass mittlerweile in einem Umkreis von weniger als 2,5 km keine Flugzeuge Agrochemie (Pestizide) versprühen dürfen.

2012 erhielt Sofía Gatica den Goldmann-Umweltschutzpreis für ihren Kampf.

Nach fünf Monaten Protestcamp auf den Zufahrten zur geplanten Monsanto-Fabrik in Argentinien haben sie allen Grund zu feiern! Sie haben Trinkwasserknappheit, Stürmen, Polizeigewalt und Morddrohungen getrotzt!
Sofía Gatica und ihre MitstreiterInnen haben eine weitere Schlacht gegen Monsanto gewonnen!!! Die Monsantofabrik darf erst mal nicht weitergebaut werden. Zurzeit wird Sofia mit Morddrohungen überhäuft und erhielt Polizeischutz. Sie lässt sich nicht einschüchtern und macht weiter.

Wir Netzfrauen möchten euch folgende Grußworte von Sofia übermitteln:

„Wir leben! – Es gibt uns und wir sind organisiert zum Kampf gegen Monsanto. Auch wenn sie den Schutz unserer Regierung genießen – Monsanto wird sich nicht in Malvinas, Argentinien, installieren, weil hier das Volk bestimmt und das haben wir bei jeder Prügel, bei jeder Kugel, bei jeder Klage, bei jeder Verschärfung, bei jeder Bedrohung demonstriert. Es nähert sich der Tag, an dem argentinisches Blut fließen wird. Wir sind bereit zum Kampf bis zum Schluss …. Jeden 24. eines Monats wird für unsere Rechte lautstark ein argentinischer Schrei ertönen – jeder 24. wird ein Tag sein, an dem der Wind stark blasen wird, an dem der Schrei des Volkes hörbar sein wird!! Ciao, Monsanto – wisst ihr nicht, dass wir Kriegerblut in unseren Adern haben? Hasta la victoria siempre! Bis zum Sieg! Jederzeit!“

Wir haben für Sie Ihre Rede auf Deutsch übersetzt. Sofia und ihre Mitstreiter bangen um ihr Leben, und ja, es ist wie im Krieg. Überall lauern Gefahren, doch sie kämpfen weiter.

Wir Netzfrauen geben nicht auf, nein, wir fangen erst gerade an. Vor einem Jahr machten wir uns gegen Monsanto und Co. auf den Weg. Mittlerweile gibt es uns in vielen Ländern der Welt, wir werden mehr, Tag für Tag. Wir geben uns nicht kampflos geschlagen.

Macht mit! Unterstützt uns auf dem Weg in eine bessere Zukunft ohne Gentechnik, ohne Pestizide und endlich mit dem Wissen, dass wir nicht mehr vergiftet werden.

Eure Netzfrauen.

English:

We, the Netzfrauen send greetings of solidarity to all those who gather to March Against Monsanto. First we want to thank those people who made this worldwide demonstration possible.
We are mothers and grandmothers who spin a web all over the Earth, because we are worried about the future of our children and grandchildren. We are accompanied by lots of fathers and grandfathers.


If we keep letting the leading players in pesticide business, i.e. Monsanto, Dow and DuPont from the USA, Syngenta from Switzerland and Bayer, as well as BASF from Germany, spray their toxic mixtures on agricultural land, then this means “murder in increments”.
Today, activists gather worldwide, to make it known that they will not accept Monsanto’s criminal and unjust behaviour any longer. Pesticide residues are found in drinking water, bread, baby food, even in human milk. It is not enough to acknowledge this and nod. No, what we need is a revolution. Politicians and lobbyists have to realise that it is time to change their way of thinking and that we will not buy into their lies any longer.


Our children and future generations need our voices! Where are all the parents and grandparents who should care about all this? We refuse to believe that they are really so indifferent about not even having a choice about what we put on our childrens‘ plates, because even home grown food is contaminated. That the air they breath makes them sick. That the extinction of animal and plant species has progressed so far that even birdsong may soon become a rarity and one day you will only be able to see bees and butterflys in illustrated storybooks.


No, we are not exaggerating. If anything, we are not explicit enough. Monsanto and their ilk with their harmful GMOs and their highly toxic pesticides have a chance here in Germany – which is just being negotiated in TTIP! Politicians will not protect us, we have to stand ourselves for our protection and that of furture generations.


The US American Congress and Barack Obama agreed on a law that allows Monsanto to just ignore if a court has forbidden them to sell their seeds. The FDA, charged with protection of public health in the USA, is largely made up of former Monsanto executives – a conflict of interests which explains the lack of state funded studies on long-term effects of GMOs. Monsanto profits from state subsidies and cronyism. While small farmers and organic businesses fight for their survival, Monsanto keeps patenting GMO seeds and the entire genetic modification process, thus reinforcing their monopole as a gobal food supplier. We call for a boycott of all companies under Monsanto’s ownership or using their GMO food for subsequent processing. We demand a compulsory declaration of GMOs in all food products. The relevant points of the “Monsanto Protection Act” have to be declared null and void. We demand more scientific studies on the impact of GMOs on human health. Direct communication and grass-roots journalism have to make sure that Monsanto’s managers as well as politicians are held accountable. The public has to be further informed about the machinations of this corporation.
Other countries set an example. El Salvador and Sri Lanka have both banned Roundup, because it has been proven responsible for fatal kidney illnesses. This mysterious sickness has killed tens of thousands of farm workers in Central America, Sri Lanka and India so far. What do our governments do?


What we can achieve, has been shown by our Netzfrau Sofía Gatica. She is one of the “mothers of Ituzaingó” in Argentina, who have been fighting for 10 year to bring the truth about the many cases of cancer and other illnesses in their district of Cordoba to light. Fourteen years ago she bore a daughter who died three days later of kidney failure. Sofía decided to find the cause for this death and started asking door to door. Cordoba has 6000 inhabitants surrounded by soy plantations. Many of Sofías neighbours are sick without getting an explanation! The cancer rates are higher than average by a factor of 41. Some doctors suspect that there are even more cases that are not reported. Leukaemia, allergies, neurological disorders and sickness of the respiratory systems, birth defects and stillbirths are observed unsusally often.
As a consequence she founded „Madres de Ituzaingó” together with sixteen other women from her neighbourhood. Without any financial support they managed to gain attention for the application of enormous amounts of synthetic substances in agribusiness. They got their drinking water and the blood of their children analysed and found pesticides and other toxins in both.
In subsequent press conferences they were put under pressure to stop their work. But that could not deter the “mothers of Ituaíngo”. In 2008, the Argentinian president ordered the Ministry for Health to conduct a study which confirmed the terrible suspicions.
The women obtained a ban on pesticides being sprayed from planes less than 2,5 km away from residential areas. In 2012, Sofía Gatica won the Goldmann environmental prize for her fight.
After five months of camping on the access roads to the planned Monsanto plant in Argentina, they have every right to celebrate! They have braved lack of drinking water, storms, police violence and murder threats!
Sofía Gatica and her fellow campaigners have won another battle against Monsanto!!! The plant will not be built in the near future. At the moment Sofía is bombarded with death threats and is under police protection. She will still not be bullied into giving up. We, the Netzfrauen want to pass on her greetings to you:


We are alive! – We exist and we are organised in our fight against Monsanto. Even though they are under protection by our government, Monsanto will not be able to install itself into Malvinas, Argentina, because here the people rule, which we demonstrated with every beating, every bullet, every lawsuit, every aggravation and every threat. We are moving towards the day when Argentinian blood will flow. We are ready to fight till the last. On the 24th of each month there will be an Argentinian cry for our rights. On every 24th the storm will blow and the cry of the people will be heard! Ciao Monsanto, didn’t you know we are made of warriors blood? Hasta la victoria siempre! To victory! Always!


We have translated this speech into German and now into English for you. Sofía and her comrades fear for their lives and yes, this is war. Everywhere there are dangers but they keep fighting. We, the Netzfrauen will not give up, either, in fact, we are just beginning. One year ago we started on our path to fight against Monsanto and their ilk. Now there are many of us in many countries, we are increasing in numbers, day by day. We will not back down without a fight.
Join us! Support us on the way into a better future without GMOs, without pesticides and the certainty that we are no longer being poisoned.
Yours,
the Netzfrauen

deutsche Flagge

Das könnte Sie auch interessieren:

Unsere Kinder brauchen unsere Hilfe!

Veranstaltungsorte „March against Monsanto“ im deutschsprachigen Raum, Samstag 24.05.2014

Dr. Vandana Shiva: “Ich sende solidarische Grüße an alle Menschen, die sich für den March against Monsanto versammeln”

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Netzfrauen,
    jeder allein fühlt sich vielleicht hilflos und verzweifelt ob dieser gewaltigen Macht dieser Konzerne auf allen Ebenen der Gesellschaft und Politik,
    aber ich denke es gibt einen Hoffnungsschimmer, wenn wir uns zusammen tun und versuchen, immer mehr Menschen auf diese Gefahr aufmerksam zu machen. Gemeinsam sind wir stark und ich bewundere die Frauen um Sofia Gatica ungemein.
    Ich werde versuchen, diese Nachricht so gut als möglich zu verbreiten, denn ich bin auch eine Mutter von zwei Kindern und mache mir sehr große Sorgen um unser aller Zukunft.

    Macht weiter so,

    beste Grüße,
    Verena Jansen van Vuuren aus Frankfurt am Main, Germany.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.