Der bittere Beigeschmack der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien

BrasilienenNoch einige Wochen bis zum Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien.

Nicht nur Indigene demonstrieren und werden mit Tränengas und Gummigeschossen attackiert, seit über einem Monat streiken Lehrer und Kommunalarbeiter. Gestern demonstrierten mehr als 10 000 Menschen gegen die immensen Ausgaben für die Fußball-WM, gegen Korruption und Mängel in Schulen, Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen.

Hunderte von indigenen Menschen und Tausende ihrer Anhänger marschierten gestern friedlich in Richtung National Mane Garrincha Stadium. Sie wollten aus Protest wegen der bevorstehenden Weltmeisterschaft die Straßen blockieren.

Der Protestzug traf auf die Militärpolizei und wurde mit Tränengas und Gummigeschossen attackiert. Das ganze Gebiet rund um das Stadion wurde gesperrt und der Verkehr umgeleitet. Es gab Berichte über Verletzte, aber keine bestätigten Informationen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

Wie bereits im März 2013 berichtet, trugen die Indigenen ihren traditionellen Kopfschmuck und waren mit Pfeil und Bogen bewaffnet.

Bereits am 22. März 2013 berichteten wir: Bewaffnet mit Gummigeschossen, Tränengas und Pfefferspray, so sollte der Widerstand von Indianern und deren Mitstreitern durch die brasilianische Polizei gebrochen werden. Es kam sogar zur Anwendung von Gewalt, um die Evakuierung vor Ort zu sichern.

BrasilienDie Fotos zeigen eine Maracana, eine indigene Gemeinschaft im Kampf mit der Polizei. Sie sollten zwangsgeräumt werden.

Die Brasilianische Polizei versuchte wochenlang ein Gebäude zu evakulieren neben dem Maracana-Stadion in Rio de Janeiro, wo eine indigene Gemeinde sich vor sechs Jahren niederließ.

Es kommt in Brasilien auf Grund der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft 2014 zu vermehrten Zwangsräumungen. In diesem Beispiel handelt es sich um ein indigenes Museum von 1862, welches wegen eines Parkplatzes weichen musste. Die dort beheimateten Menschen wurden ebenfalls zwangsgeräumt.

Panzer für die Fußball-WM 2014 in Brasilien?

Was Südafrikaner 2010 und Deutsche 2006 nicht wagten, übernehmen nun die Brasilianer. Ein Volk erhebt sich gegen die FIFA. Die Menschen protestieren, weil ihr Land die Friss-oder-stirb-Einstellung akzeptiert, die FIFA und IOC ihren Ausrichterländern entgegenbringen: Die Knebelverträge der milliardenschweren Verbände voller Steuererleichterungen, Exklusivität für deren milliardenschwere Sponsoren und dreiste Forderungen nach noch größeren Stadien, Hotels und Flughäfen.

Und was macht die FIFA? Sie erhöht den Druck auf Brasilien, denn anscheinend haben die Herren keinen „Plan B“. Trotz der Millionenproteste verlangt die FIFA die Austragung der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.

Wem es bislang entgangen sein sollte: Großverdiener bei den Megaereignissen ist Deutschland. Wachstumsmarkt Brasilien – Sportevents in Brasilien – Anstoß für gute Geschäfte – schreibt die IHK auf all ihren Seiten. Viele Milliarden fließen in die Töpfe zahlreicher deutscher Unternehmen – die Städteplanung wird gleich mit übernommen.

Zwangsräumungen sind kein Problem für diese Unternehmen, nach Deutschland kommen diese Nachrichten eh nicht, denn wer von den Medien berichtet schon von solchen Schandtaten?

Nun aber wurde die Brasilianische Bevölkerung laut und zwar zu Recht.

Der Deutsche Fußballfan hat den Angstschweiß auf der Stirn und zittert, dass die geliebte Fußball-WM im Chaos versinken könnte. Den interessiert es nicht, dass Menschen zwangsgeräumt werden, dass diese Menschen lieber in Bildung investieren wollen als in deutsche Unternehmen.

BrasilienUnd interessiert es den Fußball-Fan, dass Panzer gekauft wurden? Für seine geliebte Fußball-WM? Sicher nicht, denn die FIFA sorgt schon dafür, dass es nicht ans Tageslicht kommt – damit solche profitbringenden Events reibungslos über die Bühne gehen können mit hochrangigen Staatsmänner-Frauen, die ihre Millionäre bejubeln.

Brasilien wollte 24 der außer Dienst gestellten Flugabwehr-Panzer kaufen. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien sollen die Panzer zum Schutz vor terroristischen Angriffen aus der Luft eingesetzt werden. Das Verteidigungsministerium in Berlin hielt sich zu dem Deal bedeckt – inoffiziell hieß es aber, dass bereits Verhandlungen liefen. Sollten diese erfolgreich beendet werden, muss der Rüstungsexport noch vom Bund abgesegnet werden. Das wurde Anfang Januar 2013 bekannt.

Etwa 1800 Arbeiter sind täglich in drei Schichten im Einsatz. Die Arbeiter schuften unter Zeitdruck auf der Baustelle des „Itaqueirão“-Stadions in São Paulo. Viele der Männer arbeiten für Subunternehmen, die von der verantwortlichen Baufirma Odebrecht unter Vertrag genommen wurden. Die Arena de São Paulo wurde vollkommen neu aus dem Boden gestampft und soll zukünftig ein Highlight an Architektur im brasilianischen Finanzzentrum darstellen. Die auf zwei Seiten offene Anlage ist komplett überdacht und verfügt auf einer Außenwand über einen riesigen Videoscreen von 120 Metern Länge und 7,5 Metern Höhe, der von der deutschen Firma Osram entwickelt wurde.

Der bittere Beigeschmack der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Eine Million Menschen demonstrierten in 100 Städten gegen teure Stadien und den Gigantismus der FIFA. Ausgerechnet in Brasilien, dem fußballverrücktesten Land der Welt, in dem Männer auf der Straße stehen, mit einem Ball jonglieren und dafür Geld bekommen.

An dieser Stelle sei nochmal erwähnt, dass die deutsche Industrie ihre Investitionen kräftig aufgestockt hat:

Aus dem Jahre 2010: „Wir werden 735 Mrd. Dollar in die Modernisierung unseres Landes investieren“, sagte Brasiliens Wirtschaftsminister im Gespräch mit dem Handelsblatt. Und er rechnete vor: Ein Drittel der Summe ist für neue Wohnungen verplant, knapp 200 Mrd. Dollar gehen in den Ausbau der Rohstoffindustrie. Für dreißig Mrd. wird das Eisenbahnnetz modernisiert, 45 Mrd. gehen in die Energieversorgung. Und über 90 Mrd. Dollar steckt Brasilien in Stadien und Infrastruktur für die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016. „Wir laden die deutsche Industrie ein, mit Investitionen an unserem Wachstum teilzunehmen“, sagte der Minister.

Thyssen-Krupp baut ein neues Stahlwerk, MAN übernahm die LKW-Fertigung in Resende von Volkswagen. Die EADS-Tochter Eurocopter baut ein neues Hubschrauberwerk in Brasilien und die EADS-Verteidigungssparte vereinbarte ein Joint Venture mit dem brasilianischen Odebrecht-Konzern. Zu den Konzernen, die sich große Hoffnungen machen, gehört Siemens. Siemens ist hier seit mehr als 100 Jahren aktiv – hier will der Konzern keinesfalls zurückstecken. Zuletzt machte Siemens in Brasilien einen Umsatz von knapp 1,4 Mrd. Euro. Aufträge gab es zum Beispiel für die Lieferung von 25 U-Bahn-Zügen nach São Paulo und für die Ausrüstung des Wasserkraftwerks Jirau.

Demonstration am 27. Mai 2014 – mehr als 10 000 Menschen nahmen teil

Brasilien7Lehrer und Kommunalarbeiter der Stadt São Paulo versammelten sich in der Gegend von MASP (Museu de Arte de Sao Paulo) am Nachmittag des 27. Mai.2014 und folgten einem Marsch zum Rathaus. Die Demonstranten planten, ein Treffen vor Ort abzuhalten. Dieser Streik begann bereits vor mehr als einem Monat.

Nach CET (Traffic Engineering Company) blockierten die Demonstranten die Avenida Paulista. Die MP (Military Police) berichtet, dass mehr als 10 000 Menschen an den Protesten teilnahmen. Die Wut richtet sich gegen die immensen Ausgaben für die Fußball-WM, gegen Korruption und gegen Mängel in Schulen, Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen.

FIFA

Die FIFA-Weltmeisterschaft trägt zur Verletzung von Menschenrechten wie dem Recht auf eine angemessene Unterkunft, dem Recht auf Bewegungsfreiheit, dem Recht auf Arbeit sowie auf Versammlungsfreiheit bei. Gemäß internationalen Menschenrechtsstandards sind Zwangsräumungen illegal, dennoch werden sie im Vorfeld der Meisterschaft in ganz Brasilien durchgeführt. Unzählige Menschen verloren dabei ihr Zuhause und ihre Zukunft.

Betroffene Familien wurden oft weder informiert noch erhielten sie Kompensationen, alternative Unterkünfte oder konnten gegen die Vertreibung klagen. In Recife wurden im Jahr 2013 alleine über 2000 Familien im Armenviertel Coque aus ihrem Zuhause vertrieben. Zudem führt die Errichtung der exklusiven Zonen dazu, dass unzählige Straßenverkäuferinnen und -verkäufer in den Ruin getrieben werden. In Belo Horizonte verloren über 130 Personen ihre Einkommensquelle wegen des Wiederaufbaus eines Stadions. Ihnen wurde verboten, in der Umgebung des Sportplatzes ihren Geschäften nachzugehen. Lesen Sie dazu: „FIFA für den Public Eye Award 2014 nominiert

Qatar und FIFA

Bei der Vergabe der Fußball-WM 2022 an das Golf-Emirat Qatar ist laut einem Bericht der englischen Zeitung The Telegraph bestochen worden. Der frühere Vizepräsident des Weltfußballverbands FIFA Jack Warner aus Trinidad und Tobago sowie seine Familie hätten kurz nach der Entscheidung umgerechnet fast 1,5 Millionen Dollar bekommen, schreibt die Zeitung. Das Geld sei von einer Firma des qatarischen Fußball-Offiziellen Mohammed bin Hammam gekommen. Die Zeitung beruft sich auf ihr vorliegende Dokumente.

…. Alle Politiker in Deutschland schlafen und sind mit ihrer Selbstbeweihräucherung beschäftigt! Die durch die Fussball WM ausgelösten Missstände in Brasilien werden hier verschwiegen und wieder einmal sind viele Menschen fußballblind…. Was aus den Menschen in Brasilien wird, ist ja uninteressant! Hauptsache, der Ball wird rollen und die FIFA wird richtig Geld abkassieren!!!…

Netzfrau Doro Schreier

DAVOS 2014: Die Umgestaltung der Welt: Konsequenzen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft – Geld gegen Leben

FIFA für den Public Eye Award 2014 nominiert

Das große Fressen: Blackstone und Qatar – Deutsche Bank verzockt Milliarden

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. ..keine blutverschmierten Unterkünfte für unsere Nationalelf..

    ..die gesamte Welt müsste den Sport solange boykottieren bis Frieden ist..

    ..stattdesssen schaun sie TV..

    ..ich schäme mich für diesen stillen Sport..

    Horst Kutscher

    ..selbst meine Frau sagt : Das wird die nicht die Bohne interessieren ..hoffentlich hat sie nicht wieder recht ..

    Ich mache mal einen Vergleich für den kommenden Fussball in Brasilien : Ein Mensch soll gehängt werden weil er gerade zufällig in der Gegend war ..der Strick ist schon weit oben um den Ast gelegt und jemand wird gesucht das Opfer nun endlich fallen zu lassen ..jetzt kommt Löw’s Mannschaft ins Spiel und sie sehen in Ruhe zu wie ein anderer kommt ,der dem Opfer einen Tritt versetzt damit es fällt ..das Beispiel ist doof sagst Du? Nein ..es ist ganz ähnlich ..die Mannschaft hat sich die Finger an dem Fall schmutzig gemacht ..nichts zu sagen und zuzusehen ist genauso pervers wie es selbst gemacht zu haben ..

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