Der größte Triumph der Umweltbewegung in Chile!

Chile

Für Umweltschützer ein Sieg – Die Proteste in der südchilenischen Region Aysén hatten sich in den letzten Jahren weiter zugespitzt. Bei Demonstrationen, Blockaden und Besetzungen kam es immer wieder zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Polizei setzte massiv und willkürlich Tränengas und Gewalt ein und es gab immer wieder schwerstverletzte Protestierende.

Mit dem Versprechen, Arbeitsplätze zu schaffen und billige Energie zu verkaufen, buhlten wie immer die Konzerne um die Zustimmung innerhalb der Bevölkerung der Region.

Im März 2007 organisierte die Gemeinde Tortel gemeinsam mit der lokalen Nachbarschaftsversammlung eine Bürgerkommission zum Thema Hidroaysén, die sich mit 78% der Stimmen gegen das Projekt aussprach. Seit damals werden das Projekt Hidroaysén und seine möglichen sozio-ökologischen Folgen breit in der Öffentlichkeit diskutiert. Dies führte zu massiven Protesten und Demonstrationen. Um so erfreulicher diese Nachricht, die wir für Sie übersetzt haben: Chile rejects $8 billion dam project in Patagonia

Chile lehnt ein 8 Mrd. Dollar Staudamm-Projekt in Patagonien ab

Chiles Regierung hat das Angebot in Höhe von 8 Milliarden Dollar mit dem Ziel, patagonische Flüsse zu stauen, um den wachsenden Energiebedarf des Landes zu decken, abgelehnt. Für Umweltschützer ein Sieg, welche das Urteil am Dienstag als Meilenstein lobten. Eine ministerielle Kommission wies die Pläne der HidroAysén ab, zwei der wildesten Flüsse der Welt zu zähmen und mehr als 1600 Kilometer Stromleitungen zu bauen, um Energie nach Zentral-Chile zu liefern.

Nach einem dreistündigen Treffen beschlossen Chiles Minister für Landwirtschaft, Energie, Bergbau, Wirtschaft und Gesundheit einstimmig, das Projekt abzulehnen. Der Ausschuss entschied, sich auf die Seite der Gemeinden zu schlagen, die Beschwerden vorgebracht hatten. Umweltminister Pablo Badenier sagte gegenüber Reportern. „Das Wasserkraft-Projekt wird mit sofortiger Wirkung abgelehnt.”

Das Projekt hätte fünf Staudämme an den Flüssen Baker und Pascua in Aysén beinhaltet, einer meist weglosen Region des südlichen Patagonien, wo der Niederschlag nahezu konstant ist und die Flüsse mit Ursprung in den Gletschern der Anden durch grüne Täler und Fjorde bis zum Pazifik gelangen. Patricio Rodrigo, Geschäftsführer der Patagonia Defense Council, nannte die Entscheidung

den größten Triumph der Umweltbewegung in Chile.” (…)

„(Es) stellt einen Wendepunkt dar, wo eine ermächtigte Öffentlichkeit fordert, gehört zu werden und sich an den Entscheidungen zu beteiligen, die ihre Umwelt und ihr Leben betreffen.”

sagte Rodrigo.

Chile ist dringend auf neue Wege der Energie Gewinnung angewiesen, aber die meisten Chilenen lehnen HidroAysén ab und viele protestierten dagegen. Die Proteste schlugen zum Teil sogar in gewalttätige Auseinandersetzungen um.

„Das ist eine wirklich erstaunliche Nachricht”, sagte Margarita Baigorria Cruces, eine Anwohnerin Ayséns, die eine Unterschriftenaktion gegen das Projekt für die Aktivistengruppe Avaaz führte.

„Wir träumten und hofften, dass das passieren würde. Wir lassen uns nicht dazu verurteilen, Gold zu trinken; Wasser ist unser Schatz und dieser historische Sieg sollte früher oder später unser Schicksal sein. Das letzte, das man verliert, ist die Hoffnung.“

HidroAyséns Führungskräfte hatten versprochen, dass die Region Aysén billigere Energie, Arbeitsplätze, Stipendien und Millionen für die Infrastruktur erhalten würde, einschließlich der See-und Flughäfen. Aber die Meinung der Menschen im dünn besiedelten Gebiet blieb geteilt.

Über drei Dutzend Familien wären umgesiedelt worden, aber die Dämme hätten 5700 Hektar unter Wasser gesetzt, Kahlschläge der Wälder wären erforderlich gewesen sowie die Beseitigung der Wildwasser-Stromschnellen und Wasserfälle, die für den Ökotourismus von Bedeutung sind. Auch der natürliche Lebensraum des vom Aussterben bedrohten Südlichen Andenhirschs war gefährdet. Der Bestand der winzigen Tiere, die als nationales Symbol gelten, wird auf weniger als 1000 Exemplare geschätzt.

Mit seiner energieintensiven Bergbauindustrie, die mehr Energie benötigt, muss Chile seine derzeitigen Stromkapazitäten von 18 000 Megawatt Leistung in den nächsten 15 Jahren verdreifachen, obwohl keine heimische Öl- oder Erdgas-Ressourcen vorhanden sind, sagen Experten. Die Dämme sollten innerhalb von 12 Jahren insgesamt 2750 Megawatt generieren, fast ein Drittel des aktuellen Bedarfs in Zentral Chile

Bevor sie im vergangenen Jahr gewählt wurde, hatte Präsidentin Michelle Bachelet gesagt, der Plan von HidroAysén wäre nicht brauchbar. Sie kündigte im letzten Monat an, stattdessen Chiles Energiekrise durch den Aufbau von alternativen Energiequellen und Terminals für verflüssigtes Erdgas bekämpfen zu wollen.

Das HidroAysén Joint Venture gehört mit 51 Prozent dem europäischen Energieerzeuger Endesa, 49 Prozent sind im Besitz der chilenischen Gesellschaft Colbun. Endesa ist eine spanische Tochtergesellschaft des italienischen Energiekonzern Enel SpA. Das Unternehmen kann die Entscheidung vor einem Umwelt-Gericht anfechten. Analysten erwarten eine lange juristische Schlacht. Die HidroAysén Venture stand vorerst für einen Kommentar nicht zur Verfügung.

Zusatzinformationen:

Ungefähr 26 Unternehmen teilen sich die Kontrolle über die chilenischen Wasserkraftwerke, aber ein Großteil des Markts wird von nur drei großen Unternehmen kontrolliert: Endesa Chile (das über den Konsortium Enersis von Endesa Spanien kontrolliert wird, das wiederum dem italienischen Enel gehört), Colbún und AES Gener. Viele der chilenischen Wasserkraftwerke liegen auf traditionellem Mapuche-Land.

Die neuen Wasserkraftwerke hätten die natürlichen Gewässer der Seen Pirihueico, Neltume, San Pedro und Riñihue, des Wasserfalls von Huilo-Huilo und der Flüsse Enco und San Pedro zerstört. Orte, deren klare Gewässer und unberührte Wälder Bewohner und Besucher gleichermaßen beeindrucken. Die Mapuche-Gemeinden der Region und verschiedene Umweltorganisationen hatten zum Schutz dieser noch intakten Ökosysteme aufgerufen und gewonnen.

“Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.

Netzfrau Doro Schreier Übersetzung Netzfrau Katja

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1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Chile, ein Land, das keine Alternativen zur Energiegewinnung hat? Tausende Kilometer windiger Küste und riesige Wüste mit strahlendem Sonnenschein…mmh

    Einen Tag nach der gewonnenen Schlacht um Hidroaysen wurde ein anderes Wasserwerrk im Süden erlassen, ohne Umweltstudie, in einer Zone, die bereits mit 6 anderen Wasserwerken rechnet und seit Jahren ein Defizit im Grundwasser besitzt.

    Wir, die Umweltorganisationen in Chile bereiten uns nun auf die Appelation vor…

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