Flüchtlinge an Spaniens Grenzen

Ein kompliziertes Problem, zu dem Europa wenig Unterstützung gibt.

Manchmal habe ich das Privileg, am Strand von Zahara de los Atunes in der Provinz Cádiz, Spanien, sitzen zu dürfen. Es handelt sich um einen landschaftlich wunderschönen Ort, an dem ich mich sehr gerne vom Alltagsstress erhole. Dort lasse ich dann genüsslich den Blick über das Meer schweifen, dorthin, wo sich Atlantik und Mittelmeer treffen. Fast kann ich den Leuchtturm von Cap Spartel wahrnehmen, der 1864 von Sultan Muhammad III. in einer gleichfalls wunderschönen Landschaft, zwischen Tanger und Asilah, in der Nähe der berühmten Herkules-Grotte in Marokko, errichtet wurde.

Blick von Zahara nach MarokkoCap Spartel mit Blick auf Spanien

Dann sinne ich oft über die Unterschiede zwischen Spanien und Marokko nach und über die Unterschiede zwischen zwei Kontinenten. Ich überlege mir, welches Leben meine Töchter geführt hätten, wären sie nur ein paar Kilometer weiter weg zur Welt gekommen und nicht im südlichen Andalusien. Ja und dann ist es wieder in meinem Kopf, dieses schreckliche Drama, das sich auf Land und Meer zwischen den Ländern und Kontinenten abspielt.Immer wieder überschütten die Medien uns mit Nachrichten von „pateras“ (primitiven Flüchtlingsbooten), in denen zusammengepfercht Männer, Frauen (manche schwanger) und auch Kinder und Babys sitzen. Manche schaffen es bis nach Spanien und kommen erschöpft im „heiligen“ Land an. Viele ertrinken und immer wieder werden Leichen an die Atlantik – und Mittelmeerküsten gespült. Manchmal halte ich sogar Ausschau am Strand, ob ich Flüchtlinge sehe.

Das gleiche Drama spielt sich jedoch nicht nur im Meer, sondern auch auf dem Land in Ceuta und Melilla ab. In letzter Zeit scheinen, trotz höheren, mit Messern gespickten Zäunen, deren fester Maschendraht so kleine Abstände hat, dass kein Finger dazwischen passt, fast wöchentlich über 200 Flüchtlinge über die Zäune zu steigen. Wenn sie es schaffen, kommen sie erschöpft, verwundet, blutend, aber trotzdem jubelnd auf der anderen, der spanischen Seite an und wissen, dass sie irgendwann aufs Festland gebracht werden, von wo sie dann Zugang zu ganz Europa haben. Zuvor haben sich diese armen Menschen, die sich aus ganz Afrika an der marokkanischen Grenze sammeln, oft Monate und sogar Jahre in den Bergen versteckt gehalten, unter unerträglichen Bedingungen gelebt bzw. vegetiert und auf die richtige Gelegenheit gewartet. Viele haben es sogar mehrmals versucht.

Ein Beispiel zu dem, was diese Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa erleben, kann der Leser hier in einem Interview der Tagesschau finden:

Es ist furchtbar, was diese armen Menschen alles erleiden müssen und dass sie es trotzdem immer wieder versuchen. Wie verzweifelt müssen die Menschen auf dem anderen Kontinent sein und unter welch unerträglichen Bedingungen müssen sie leben? Trotzdem schweigt Europa und lässt Spanien, den Türsteher Europas, mit diesem Problem allein.

Derweil sucht Spanien nach Unterstützung für die vielen Fragen: Wie soll man vorgehen? Was kann man tun? Müssen die Grenzen auf jeden Fall geschützt werden? Soll man einfach freien Einlass gewähren? Was passiert, wenn Spanien und Europa mit Flüchtlingen überlaufen werden? Will Europa überhaupt mit diesen Menschen teilen?

Die spanische Polizei wird von der Welt, von den Politikern und von der Presse angegriffen, weil z. B. mit Gummibällen auf Flüchtlinge, (oder nennen wir die Flüchtlinge besser Eindringlinge?), geschossen wurde. Der Polizeichef argumentiert, dass es die Aufgabe Spaniens sei, Europas Grenzen zu schützen. Es wird hin und her debattiert. Derweil strömen immer weitere Flüchtlingsschübe ins Land und somit nach Europa, aber niemand scheint für dieses Problem wirklich zuständig zu sein.

Über all das mache ich mir unweigerlich Gedanken, während ich am Strand von Zahara de los Atunes sitze und Richtung Cap Spartel blicke. Dann irgendwann streife ich den Gedanken ab und widme mich wieder meinem guten und trivialen Leben. Ich überlege zum Beispiel, wohin ich zum Abendessen gehen könnte, um den wunderbaren roten Thunfisch, der hier gefangen wird, zu kosten. Ja, lieber Leser – so ungeheuer ungerecht kann das Leben sein!

Ich bitte darum, Druck auszuüben, Druck auf und in Europa, damit gemeinsam an der Flüchtlingsfrage gearbeitet wird. Es werden Auffangzentren gebraucht. Die Menschen müssen in ihren Ursprungsländern unterstützt werden. Spanien und andere Grenzländer dürfen nicht einfach mit dem Problem allein gelassen werden.

Zu diesem Thema und im Hinblick auf den gestrigen Weltflüchtlingstag möchte ich einen Beitrag mit meiner Übersetzung, den unsere Netzfrau Doro Schreier für uns gefunden hat, hier einstellen. Zuvor möchte ich aber anmerken, dass mir auffiel, dass Spanien ganz allein für die Vorgänge an der Grenze verantwortlich gemacht wird. Ich glaube jedoch, dass die europäischen Grenzübergänge ein gemeinschaftliches Problem sein sollten, welches nicht einfach auf Spanien, Italien oder andere Grenzländer abgewälzt werden kann. Mir ist bekannt, dass man in Spanien einfach nicht mehr weiter wusste. Vorwürfe würde es in jedem Fall geben, entweder wegen der menschenunwürdigen Vorgehensweise oder aber weil die Grenzen nicht genug überwacht werden. Europa muss verantwortungsbewusst handeln und gemeinsam nach Lösungswegen suchen, wobei die Ursprungsprobleme nicht außer Acht gelassen werden dürfen.

Nun der übersetzte Beitrag. Die Bilder und Videos sind im Original zu sehen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg am schlimmsten: 51 Millionen Flüchtlinge auf der ganzen Welt

In Spanien erschlagen, in der Ukraine bombardiert.

Foto 1: Flüchtlinge werden am 3. April 2014 in Melilla (Spanien) von Sicherheitskräften verhaftet Foto:. Jesus Blasco de Avellaneda / Reuters

Foto 2: Gleichgültig haben diese Menschen Spaß am Strand, während ein Mann über den Sand der Kanarischen Inseln kriecht, nachdem er am 5. Mai 2006 die Reise übers Meer auf einem behelfsmäßigen Boot überlebte. Ungefähr 38 Personen schafften es auf dem Boot zum Strand und 39 weitere Personen wurden auf einem anderen Schiff vor der Küste auf dem Weg von Afrika nach Europa abgefangen. Foto: Juan Medina / Reuters

Europäische Union, Spanien:

Mindestens vier Flüchtlinge wurden von der marokkanischen Polizei zu Tode geprügelt, nachdem sie gejagt und gefangen genommen worden waren.

„Die marokkanische Polizei hat sie grausam erschlagen. Sie stahl den persönlichen Besitz der Flüchtlinge und brachte sie nach Marokko, wo viele gefoltert wurden. Um sie zu prügeln, begab sich die marokkanische Polizei auf spanisches Gebiet. Dies geschah vor den Augen der spanischen Polizei, die den Morden keinen Einhalt gebot und somit mitschuldig ist.“ Die Verbrechen fanden auf spanischem Boden statt.

In diesem Video können Sie verfolgen, was in Melilla geschah, als am 18. Juni 300 bis 400 Flüchtlinge versuchten, den Grenzzaun zu überqueren. Sie werden gefoltert und mit Stöcken und Waffen geschlagen. Dies alles ist auf dem Video aufgezeichnet. Die NGO (Nichtregierungsorganisation) Prodein sagt, sie sei sicher, dass mindestens 4 Personen von der Polizei ermordet wurden.

Video 1: (Diese Aufnahmen sind die ersten Videobeweise dazu, dass die Polizei Flüchtlinge auf europäischem Boden ermordet.). Siehe: http://vimeo.com/98687161

Hier die Übersetzung der eingeblendeten Texte, der Reihenfolge nach:

  • Gewalt, Illegalität und Straflosigkeit in Melilla. Verein Pro Kinderrechte in Melilla
  • Melilla, 18. Juni 2014, 6.12
  • Zwischen 300 und 400 Einwanderer versuchen, über die Grenze in die Stadt zu kommen.
  • Zirka 150 sind zwischen den Zäunen auf spanischem Boden und werden auf illegale Weise von der spanischen Polizei, der Guardia Civil, wieder nach Marokko deportiert.
  • Wo die Einwanderer systematisch von den marokkanischen Hilfstruppen geschlagen und gefoltert werden.
  • Diese Szene findet auf spanischem Boden statt. Der Zaun dahinter ist die Grenze. Die marokkanischen Hilfstruppen sind in Spanien eingedrungen und tun das Einzige, das sie können und wissen.
  • Normalerweise werfen die marokkanischen Hilfstruppen mit Steinen nach den Einwanderern, die am Zaun hängen.
  • Marokkanisches bewaffnetes Militär dringt in den spanischen Bereich ein und schlägt und entführt Personen, die unter spanischer Rechtssprechung sind. Die spanische Polizei (Guardia Civil) unternimmt nichts.
  • Die Verletzten werden auch deportiert, womit gegen die Pflicht der Hilfeleistung verstoßen wird.
  • Jemand, der gerade auf illegale Weise von der spanischen Polizei (Guardia Civil) deportiert wurde und den marokkanischen Hilfskräften übergeben wurde,
  • wird auf brutalste Weise von ungefähr 20 Mitgliedern der marokkanischen Hilfskräfte mit Stöcken, Steinen, Fußtritten und Faustschlägen, geschlagen …. über 15 Minuten lang.
  • All dies geschieht auf spanischem Boden!
  • Der Zaun, den Sie im Hintergrund sehen, ist die Grenze zu Melilla.
  • Die Opfer werden einige Meter entfernt hinter einigen Büschen aufgeschichtet.
  • Mitglieder der marokkanischen Hilfstruppen durchsuchen die Kleidung der Verwundeten, um ihnen ihre wenigen Besitztümer zu stehlen: Handys, etwas Geld ….
  • Dieses illegale Vorgehen wird von der Regierungsdelegation in Melilla gelobt und der Bürgermeister der Stadt bezeichnet es als hervorragende Mitarbeit.
  • Diese Aktionen werden von der spanischen Regierung und der EU finanziert.
  • Sie (die Aktionen) sind so üblich und werden nicht bestraft. Bis heute hat keine nationale oder internationale Einrichtung etwas unternommen, um diese Situation der extremen Gewalt, die an der Grenze von Melilla vorherrscht, zu unterbinden.
  • Verein Pro Kinderrechte, Melilla
  • In Zusammenarbeit mit: Colectivo V
  • Sie sollten dieses Dokument unentgeltlich verteilen.

Video 2: Brutales Verprügeln von Einwanderern auf spanischem Boden

https://www.youtube.com/watch?v=9aopoG2evSU?rel=0″ width=“420″ height=“315″ frameborder=“0″ allowfullscreen=“allowfullscreen“>
Ich glaube, hiermit kann sich der Leser nun einen Überblick über dieses absolut bedauerliche Thema machen.

Netzfrau Ruth Freckmann

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3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Entlastet Italien. Europa, nehmt diese Flüchtlinge auf. Kein weiteres Morden! Morde an den Europäischen Gerichtshof melden!

  2. ich bin erschüttert über diesen Bericht. Kenne die Gegend in Andalusien sehr gut.
    Inzwischen werden sehr viele Themen auf den „Montags-Mahnwachen“ angesprochen. Das sollte auch ein Thema sein. Ich sehe hier keine andere Möglichkeit diese Dinge an die Öffentlichkeit zu bringen. Es wäre schön, wenn sich mal ein Experte zu diesem Thema einschalten würde und auf den Montags-Mahnwachen dazu sprechen würde. Herr Scholl-Latour fällt mir dazu ein.
    Ich poste ihren Artikel natürlich in facebook, aber das ist zu wenig. Dieses Thema braucht mehr Aufmerksamkeit. Wir brauchen für die Mahnwachen unbedingt mehr Vernetzung auch in andere Europäische Länder. Würde mich freuen, wenn sie sich da mit Lars Mehrholz und KenFm kurz schließen würden. Ich werde die Beiden auch davon in Kenntnis setzen.

  3. Vielen Dank liebe Frau Fürst. Ich werde Ihren Kommentar mit den Netzfrauen besprechen. Einen herzlichen Gruss

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