TOPP! Verbot für das «Symbol der Wegwerfgesellschaft» in Frankreich und anderen Ländern

plastikDer weltweit wachsende Plastikmüll ist eine Gefahr für die gesamte Umwelt. Während die EU-Kommission nur die Reduzierung von Plastiktüten bis 2019 anstrebt, geht Frankreich noch weiter.

In Frankreich sollen Einweg-Plastiktüten in Supermärkten und Einzelhandelsgeschäften bald verboten werden, und zwar bereits ab Januar 2016. Es betrifft Plastiktüten, die nicht biologisch zersetzbar oder kompostierbar sind.

In Frankreich werden pro Jahr immer noch fast fünf Milliarden Einweg-Plastiktüten an den Kassen und mehr als 12 Milliarden in den Obst- und Gemüseabteilungen des Handels verwendet.

Reduzierung von Plastiktüten

Auch die EU-Bürger sollen bis 2019 den Verbrauch von Plastiktüten deutlich reduzieren. Dies sieht ein Gesetzentwurf der EU-Kommission vor, dem das Europaparlament in erster Lesung zugestimmt hat. Wir begrüßen, dass die Kommission die Verpackungsrichtlinie neu gestalten will und somit neue Regelungen geschaffen werden, um den Müllberg zu reduzieren und strengere Vorgaben für Recycling zu implementieren. Jedoch, warum nicht gleich ganz verbieten? Denn Berechnungen der Kommission haben ergeben, dass sich die weltweite Produktion von Plastik bis 2050 verdreifachen könnte. Siehe: Umweltverschmutzung: Plastik und ihre Tüten

Unsere Wohlstandsgesellschaft ist eine Wegwerfgesellschaft, zumindest in den industrialisierten Erdteilen, in denen alles im Überfluss vorhanden ist und produziert wird. Zum einen achten die Konzerne darauf, dass Waren und Güter nur kurze Haltbarkeiten haben oder Technologien schnell veralten, damit neue Produkte weiterhin die Profite sichern. Und natürlich ist nichts für die Ewigkeit bestimmt und muss allein schon deshalb irgendwann entsorgt werden. Ein Großteil dieses Abfalls ist Plastik; Plastiktüten, Plastikflaschen, Verpackungen, Elektrogeräte, Spielzeug, Automobilzubehör, Kleidung, Schuhe, Boxen, Behälter u. v. m.

Welch Ironie, sogar Müllbeutel sind aus Plastik.

Allerdings ist Frankreich mit diesem Verbot von Plastiktüten kein Musterknabe: Andere Staaten wie Australien haben diese bereits verbannt. Und sogar China kennt ein solches Verbot. Immer weitere Bundesstaaten in Indien verhängen bei Missachtung des Plastiktütenverbots sogar Gefängnisstrafen, wie ein aktueller Fall zeigt:

Plastiktütenverbot in Indien und anderen Ländern

Die Tripura Regierung (indischer Bundesstaat mit einer Fläche von 10 492 km² und 3,7 Millionen Einwohnern) hat sogar Ende Juni ein vollständiges Verbot für die Herstellung, Einfuhr, Lagerung und Verkauf von Plastiktüten im Hinblick auf seine schädliche Wirkung auf die Umwelt auferlegt. Wer sich nicht daran hält, bekommt eine Geldstrafe, Wiederholtungstätern droht eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren. Die dortige Regierung stellte fest, dass die Plastiktüten auf Dauer ein Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier darstellt.

Durch den Verzehr von Plastiktüten wird die Tierwelt geschädigt und schädliche Chemikalien wie beispielsweise die Farbe der Plastiktüten schädigen das Wasser und den Boden. Außerdem verstopft der Plastikmüll die Grundwasserleitungen und erstickt Organismen. Unveranwortliches Wegwerfen der Plastiktüten wirkt sich auf das Wachstum von Wurzeln, Pflanzen und Tieren aus und somit langfristig auf die Ökologie und Umwelt.Quelle

Die indische Regierung erließ bereits Ende 2012 ein Verbot von Plastiktüten aller Art für die Hauptstadt Neu Delhi und verschärfte damit noch eine Regelung aus dem Jahr 2009. Die Behörden von Neu-Delhi verboten den Verkauf, die Lagerung und Nutzung von Plastiktüten aller Art in der indischen Hauptstadt. Verstöße werden mit Strafen in Höhe von bis zu 100 000 Rupien (ca.1200 €) geahndet oder mit bis zu fünf Jahren Gefängnis. Auch hier führt die Regierung ihre Entscheidung darauf zurück, dass Plastiktüten eine „ernsthafte Gefahr für die Umwelt“ darstellen. Plastik ist eine Umweltkatastrophe, diese Säcke verstopfen die Abflüsse der Stadt und sind biologisch nicht abbaubar, so die Begründung.

Auch in den USA fordern die einzelnen Bundesstaaten Verbote für Plastiktüten. Am 01.Juli trat beispielsweise ein Verbot in Thurston County (Washington) in Kraft. Die dortigen Bewohner nutzten schätzungsweise 90 Millionen Plastiktüten im Verlauf eines Jahres.

 Dass es auch ganz ohne Plastiktüten funktioniert, beweisen folgende aufgelistete Städte und Länder:

  • US-Stadt Los Angeles beschloss 2012, Plastiktüten aus den Geschäften zu verbannen.
  • San Francisco schaffte 2007 als erste Stadt die umweltschädlichen Beutel in den großen Lebensmittelläden ab.
  • In Mauretanien sind seit Neujahr aus Umweltschutzgründen Herstellung, Verbreitung und Nutzung von Plastiktüten verboten.
  • Australien will die Kunststofftüten mit einem Totalverbot abschaffen.
  • Kunststofftüten sind schon im Bundesstaat South Australia und in den Bundesterritorien Australian Capital Territory und Northern Territory verboten.
  • Kunststofftüten sind seit dem Jahr 2000 in Bangladesch komplett verboten. Sie verstopften während der Monsun-Zeit die Abwasserkanäle und erhöhten das Überschwemmungsrisiko.
  • Auch in Bhutan wurden Kunststofftüten abgeschafft.
  • Seit dem 1. Juni 2008 ist es chinesischen Supermärkten, Kaufhäusern und Großhandelsmärkten untersagt, Plastiktüten kostenlos abzugeben. Sehr dünne Tüten wurden vollständig verboten. Mit dieser Anordnung sollen der Plastikmüll und die daraus resultierende Verschmutzung reduziert werden. Bei Verstößen droht eine Strafe von bis zu 10 000 Yuan.
  •  In Paris trat 2007 ein Verbot von Kunststofftüten in Kraft. Ein landesweites Verbot gibt es seit dem 1. Januar 2010.
  • In Indien wurden Plastiktüten verboten. Verstöße werden mit bis zu 1500 Euro bestraft.
  • Plastiktüten sind im Inselstaat Papua-Neuguinea seit 2003 offiziell verboten. Die Gründe dafür liegen in der zunehmenden Verschmutzung der Umwelt durch weggeworfene Plastiktüten und andere Kunststoffe.
  • In den ostafrikanischen Staaten Ruanda sind seit 2006 und in Tansania seit 2005 Kunststofftüten verboten. Bis zu sechs Monate Haft oder eine Geldstrafe von 2000 Dollar drohen Umweltsündern beim Gebrauch von Kunststofftüten auf der tansanischen Insel Sansibar.
  • In Südafrika dürfen Kunststofftüten von Einzelhändlern nicht mehr umsonst verteilt werden. Seit dem Jahr 2003 droht ihnen eine Geld- oder Gefängnisstrafe, wenn sie dagegen verstoßen.

Auch in die Schweiz will sich von dem «Symbol der Wegwerfgesellschaft» verabschieden.Die Befürworter des Verbotes punkten mit dem Argument: “Die Verschmutzung durch Plastiksäcke werde weltweit immer schlimmer. Die Säcke würden meistens nur wenige Minuten gebraucht, zersetzten sich aber erst nach Jahrhunderten. Die Herstellung verbrauche viel Energie, bei der Verbrennung werde Dioxin freigesetzt.”

Eine Entscheidung, die wir begrüßen und die auf der ganzen Welt Schule, für unsere Wegwerfgesellschaft, machen muss. Und auch die EU-Kommission muss den sofortigen Verbot erlassen, denn schließlich wird bereits seit 2011 darüber debattiert , dass Plastiktüten NUR Nachteile haben, also warum nicht gleich verbieten, so wie es uns die anderen Länder vormachen?

Wir produzieren ohne Ende Müll, aber Plastik verrottet nicht. Pro qm schwimmen im Ozean 18 000 Plastikteile! Das Problem ist seit langem bekannt und doch wird es nicht verboten. Wenn ein Medikament gravierende Nebenwirkungen aufzeigt, wird auch darauf hingewiesen, oder es wird vom Markt genommen. Warum gilt dies nicht auch für Plastiktüten?

„Kunststoff herzustellen ist keine Kunst mehr, aber diesen Stoff zu beseitigen, ist eine Kunst, denn Kunststoff ist nicht von Pappe.“  Gerhard Uhlenbruck

Wir Verbraucher haben es in der Hand, überall dort, wo Plastik-Tüten verwendet werden, darauf hinzuweisen:

NIE MEHR PLASTIKTÜTEN !

Netzfrau Doro Schreier

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3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Interessant, dass ausgerechnet Indien das Polyethylen-Sackerl verbietet, angesichts wachsender Müllberge und anderer versäumter Umweltauflagen. Immerhin scheint es ein Anfang zu sein.

    Die geliebte Plastiktüte in deutschen Landen zu verbannen käme wohl eher einer Revolution gleich. Siehe auch: http://www.fitusblog.de/neulich-beim-einkaufen/

  2. Dass sich u.a. Frankreich langsam darauf besinnt, endlich etwas gegen die Umweltverschmutzung zu tun, wird höchste Zeit. Es gibt dort nicht mal Kästen mit Glasflaschen der vielgetrunken verschiedenen Mineralwassersorten – stattdessen nur pfandlose Plastikflaschen – sogar 5l-große Flaschen aus Plastik – die dann alle bestenfalls (falls das Umweltbewusstsein soweit ausreicht ) im dafür vorgesehenen gelben Mülleimer landen…….und das mitten in Europa !!

  3. Isses die Tüte oder der Mensch?

    Obst kauf ich auf dem ‚Türkenmarkt‘, der Verkäufer gibt mir eine orange Tüte 5,8g, aus der Wellpappenkiste, lebensmittelecht & hochfeuchtefest, fülle ich mir 2 Kg Bananen ein, beim nächsten Händler Äpfel, die Äpfel kommen dann unten in den Rucksack. Eine dieser Tüten hängt später an der Heizung, bis sie gefüllt mit Verpackungsmüll in die gelbe Tonne geht. Den anderen Müll sammle ich in einer Milchtüte, das geht immer super auf. Wenn’s der Umwelt dient, werde ich natürlich auch Mülltüten kaufen und auf dem Markt geht das vielleicht auch mit mehreren Rucksäcken. Dumm natürlich, wenn dochmal eine Banane gematscht wird, führe ich mit dem Auto, also zum Discounter- Parkplatz, würde das natürlich nicht passieren….

    In Indien und Ruanda geht das Gemüse direkt von der Marktfrau in die Tasche, traditionell. Aber wie habe ich mir das im Supermarkt in Kalifornien oder Australien vorzustellen? Das kann doch nur mit eingeschweißten Äpfeln und Pfirsichen in Plastikbox und -Netz funktionieren, das ist doch viel schlimmer! Ein Obst & Gemüsebereich mit eigener Kasse könnte eine Alternative sein.

    Bei den Kiwis fliegen jedenfalls keine Plastiktüten rum!

    Das Problem kommt daher, daß Platiktüten noch das effizienteste sind, was aus Plastik gemacht wird, mit 5,8g Plastik trage ich 3 Kg Boskop nach Hause! Der Inhalt der Tüten, die Produkte, machen mir viel mehr Sorgen, und auch da ist die Verpackung noch das effizienteste.

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