Einmal Gebäudesanierung to go, bitte!

10489753_664879363599829_8762018663446668440_nGebäudesanierung, Energieeffizienz, Modernisierung, Gebäudeausweis, Energieberatung…

Ich denke, langsam werde ich etwas sensibel, wenn es um das Thema Klimawandel geht. Also, es fühlt sich eher an wie ein Zwischending, weniger als aggressiv, mehr als sensibel, nennen wir es mal aggresibel.

Was ist mit der Welt los?

Einige Akteure stehen am Rande des Geschehens und erteilen nur Befehle, geben Tipps, machen Vorschläge und zeigen auch noch mit dem Finger auf uns, wenn wir skeptische Fragen stellen und ihre Ideen, ihr Handeln und sogar Verhalten nicht gerade seriös finden. Yipp! So, jetzt habe ich Ihre Aufmerksamkeit. Keine Sorge, Sie werden es nicht bereuen, oder doch? Beurteilen Sie es selbst.

Stille energiefressende Monster

Die Politik hat es eindeutig auf die Bestandsgebäude abgesehen. Ich bestreite nicht, dass unter anderem diese stillen energiefressenden Monster, die uns auch noch Obdach bieten, die Ursache des Klimawandels sind. Aber sind das nicht auch die SUW oder die schnellen PS-reichen Autos wie Porsche, Mercedes und all die anderen berühmten Marken? Was ist eigentlich mit den Flugzeugen, die machen ja gerade dort alles kaputt, wo es längst wund ist, nämlich da oben. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Politik sich mehr auf das Thema Gebäudesanierung konzentriert als auf das Thema Mobilität bzw. Autoindustrie. Ich denke, dazu haben wir schon unsere Meinung.

Zuerst wollten die Akteure 1% Sanierungsquote bundesweit erreichen. Jetzt hat man sich fest vorgenommen, die 3% Sanierungsmarke zu knacken. Dabei werden bundesweit mit verschiedenen Werbekampagnen Tipps und Tricks zur Energieeinsparung unter den Bürgern verteilt. Ich frage mich manchmal: Könnte man nicht die sämtlichen Kosten für diese Werbeaktionen bundes- und landesweit direkt für die Projekte ausgeben, die eher das Klimaproblem vor Ort lösen könnten? Die ganzen Kosten, die den Werbeagenturen zu Gute kommen. Diese verdienen sich zur Zeit eine goldene Nase, indem sie ihren Auftraggebern sagen, welche Farbe ihre Krawatte haben muss oder mit welchem berühmten Schauspieler sie einen Werbefilm in Sachen Stromsparen drehen sollten. Und noch andere merkwürdige Ideen, die natürlich nicht mit Luft finanziert werden können. Die ganzen Veranstaltungen, die unter dem Motto Energiewandel, Klimawandel oder wie sie alle so heißen, stattfinden, kosten richtig viel Geld. Ach so, ich habe vergessen zu erwähnen, dass bei solchen Veranstaltungen überwiegend umweltfreundliches Essen serviert wird, nämlich fleischfreie Gerichte. Wie nobel! Ach ja, habe ich vielleicht erwähnt, dass viele mit ihren Autos zur Veranstaltung fahren? Es gibt sogar einige Kandidaten, die mit dem Flugzeug anreisen, denn sie sind ja so wichtig, dass es ohne sie nicht geht und sie sich überall für die Umwelt einsetzen müssen.

Also jede Menge CO2, das auf Rechnung solcher Veranstaltungen geht, wird unnötig produziert, damit einige die Gelegenheit bekommen, sich gegenseitig zu beweihräuchern und sich in ihrer Wichtigkeit bestätigt zu fühlen. Und natürlich tragen sie, wie die Werbeagentur es vorgeschrieben hat, die passende Krawatte zu jeder Veranstaltung, mal grün, mal orange oder auch weiß-rot gestreift.

Bermuda-Dreieck

In Sachen Energieeffizienz wird überall alles doppelt und dreifach angeboten und gerade das macht die Laien langsam wütend. Die Sache hat sich zu einem Bermuda-Dreieck entwickelt. Wer am Ende drin steht, in diesem Falle der Gebäudeeigentümer, ist verflucht und erlebt merkwürdige Sachen.

Als Erstes kommt die Energieberatung, die in verschiedenen Formen und Preiskategorien angeboten wird, zum Teil sogar mit EU-Mitteln finanziert. Dann kommen wir zur energetischen Sanierung, die unterschiedlich bewertet, interpretiert und schließlich verkauft wird. Zum Schluss kommt die Finanzierung mit kaum zu vermeidender Förderung, die aus einem Dschungel an Förderprogrammen ausgesucht werden muss.

Ok! Ich versuche, mich zu beeilen. Ich weiß, ich laufe Gefahr, Ihre Aufmerksamkeit zu verlieren.

Energieberatungsfalle oder Happy End

Eine Energieberatung bekomme ich an fast jeder Ecke inklusive eines unnötigen Give-Away-Artikels in die Hand gedrückt. Sie wird überall angeboten, z. B. auf vielen Internetseiten, bei jeder Verbraucherzentrale, von fast jedem zweiten Handwerker und nicht zu vergessen von Architekten und Ingenieuren.

Sie fragen sich, welche Art von Energieberatung besser ist und was so etwas eigentlich kostet? „Und … muss ich eigentlich so etwas haben?“ Erwischt, das wär gerade Ihr nächster Gedankenschritt, wenn ich Sie nicht aufgehalten hätte, oder? Tch tch tch – Sie sollen sich schämen, natürlich müssen Sie so etwas haben. Oder wollen Sie als Mörder der Mama eines kleinen Babyeisbären bezeichnet werden, der mit seinem energiefressenden Monster „Haussilla“ ihr Zuhause aufgetaut und ihr Abendessen (Robben) vernichtet hat?

Also bitte! Ganz schnell dreimal Ave Maria singen, eine Kerze anzünden und nicht an die Wahrheit denken. Die Wahrheit ist, dass die Pelzindustrie eigentlich die Babyrobben umbringt, dass all die Flugzeuge und Autos genug Beiträge zur Klimaerwärmung leisten und auch weiterhin leisten werden. Die Studie von „Banking on Coal“ sollten Sie auch schnell aus Ihrem Gedächtnis löschen.

Die „Banking on Coal“-Studie hatte nämlich festgestellt, dass die globale Kohleproduktion seit 2000 um fast 70% zugenommen hat und heute 7,9 Milliarden Tonnen jährlich beträgt. Zwischen 2005 und 2013 haben 20 Privatbanken die Kohleabbauindustrie mit 118 Milliarden Euro unterstützt, unter ihnen drei amerikanische Banken auf den ersten drei Plätzen und die Deutsche Bank auf Platz fünf (mit 5,2 Mrd. Euro). Eine schizophrene Situation, denn die Studie zeigt, dass die Finanzierung für Kohleabbau in den letzten Jahren enorm zugenommen hat. Die Studie belegt, dass seit in 2005 das Kyoto-Protokoll in Kraft trat, die Bankenfinanzierung für Kohlebergbau-Unternehmen um 397 Prozent gestiegen ist. Deutschland und Klimagipfel-Gastgeber Polen sind in Zentraleuropa bedeutende Braunkohleproduzenten, die zusammen fast 25% der weltweiten Braunkohle fördern. Ist das nicht erschreckend?

Realität und nackte Tatsachen

Jetzt mal im Ernst: Wenn Sie ein altes Haus bewohnen, für das Sie mehr als 10 Euro jährlich pro Quadratmeter Wohnfläche an Heizkosten bezahlen, dann würde ich Ihnen empfehlen, etwas dagegen zu tun. Aber Vorsicht – eine Energieberatungsfalle kann überall zuschnappen!

Bevor Sie sich beraten lassen, fragen Sie sich eins: Möchten Sie einfach eine Beratung, die eine Beratung bleibt oder möchte Sie eine Beratung, die die anschließende Sanierung und Energieeinsparung mit sich bringt? Also wie man es auf Persisch sagen würde: Möchten Sie ein Messer mit Griff machen? Denn es gibt Beratungen, die nur ein paar Euros kosten, aber eben auch nur Beratungen sind. Also Sie können damit weder Fördermittel beantragen noch irgendwelche handfesten Dokumente für Ihr Gebäude bekommen, die Sie bei Ihrer Bank weiterbringen und die nicht einmal die Wertigkeit eines Energieausweises haben. Also bitte, wenn Beratung, dann richtige und den richtigen Berater würde ich, um Ärger aus dem Wege zu gehen, direkt aus der Dena-Expertenliste aussuchen. Alles andere ist nur schick, klingt pompös, ist hipp und vielleicht bekommen Sie auch einen coolen Kugelschreiber oder sogar einen Zollstock dazu. Naja, ein Foto ist auch ab und zu drin, allerdings eins, was Sie am liebsten niemanden zeigen möchten.

Den schmerzfreien Kopf wickelt man nicht!

Tun Sie sich, Ihrem Portemonnaie und Ihren Nerven einen Gefallen und schalten Sie direkt eine qualifizierte Person aus der Dena-Liste ein. Diese Person wird Sie nicht nur über die Sanierungsmaßnahmen sondern auch direkt über die Finanzierung und die passenden Fördermittel beraten und die Fördermittel auch direkt für Sie beantragen. Keine Sorge, es wird nicht die Welt kosten, denn die Kosten für eine Vor-Ort-Beratung werden aus Bundesmitteln über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bezuschusst. Mal im Ernst, wenn Sie sich das Geld für die günstige, schicke Beratung sparen und sich direkt ein „Messer mit Griff“ kaufen, wird die Sache interessanter und dazu um einige Euros billiger. Aber dafür müssen Sie natürlich auf das Straßenfest mit Sonnenbrillen und Gratisfotos verzichten, Ihre peinlichen Fotos werden nicht auf facebook gepostet und Sie werden auf das Händeschütteln von irgendwelchen wichtigen Persönlichkeiten, die an solchen Ständen zu treffen sind, verzichten müssen. Okay, das war etwas zynisch – Ihre Fotos würden natürlich nicht peinlich sein…

Die kaputte Schallplatte

Manche Energieberater sprechen immer den gleichen Text und hören sich so an, als wären sie ein Android. Sie hören nicht zu und führen eine Art Selbstgespräch. Wie z.B.:

– Ich möchte meine alte Heizungsanlage erneuern. Wird es teuer? Was soll ich dabei beachten?

+ Sie müssen zuerst die Fassade dämmen und gleichzeitig die Fenster austauschen.

– Aber die Fassade ist ok. Die besteht aus roten Backsteinen, was ist mit der Heizung?

+ Wenn Sie die Fassade dämmen, könnten Sie direkt auch das Dach dämmen, wissen Sie? Alles muss warm verpackt werden, sonst…

– Hallo, ich will das Dach nicht dämmen. Da ist der Speicher und ich habe einige Dämmmatten auf dem Dachboden verlegt. Das dürfte doch wohl ausreichen. Muss ich neue Heizkörper haben, wenn die Heizung erneuert wird?

+ Ach, was ist eigentlich mit der Kellerdecke? Schon gedämmt? Dämmen Sie am besten zuerst die Fassade, dann werden die neuen dreifach-verglasten Fenster eingebaut!

– Ich habe nur Geld für die Heizungsanlage und Schluss. Hören Sie mir überhaupt zu?

+ Das Gebäude muss warm verpackt werden, so benötigen Sie eine kleiner dimensionierte Heizungsanlage, und die ist günstiger. So sparen Sie viel Geld.

– Toll, und die andere Maßnahmen? Wer soll die bezahlen?

+ Ach, Sie zahlen für die Heizung rund 800 Euro weniger und dafür haben Sie nur 40 000 Euro Mehrkosten. Dämmen, dämmen, dreifach Verglasung…. Das Gebäude muss dicht sein!

– Aha! Genau! Dicht sein ist das A und O. Hat man bei Ihnen schon mal einen Blower Door Test gemacht?

Wo liegt die Wahrheit?

Zugegeben ist an obiger Konversation auch etwas Wahres dran: Zuerst alles dämmen und zum Schluss die Heizungsanlage dimensionieren. Aber mal ehrlich, wenn etwas Geld da ist, dann werden doch zuerst die nötigen Sachen erledigt. Wenn die Heizung kaputt ist, wird zuerst die Heizung ausgetauscht. Alles schön und gut mit Darlehen, Förderung und zinsgünstigen Krediten, ich muss es ja irgendwann zurückzahlen. Ich dachte, wir machen all das nur für die nächste Generation und für unsere Kinder, damit sie ein besseres Leben haben. Ich meine, die ganze Sache mit Erde und Grünzeug und Sauerstoff und Eisbären und Bienen. Jetzt sollen unsere Kinder die Kosten dafür selber tragen? Denn bei den Rückzahlungsmodalitäten der unterschiedlichen Förderprogramme und solchen geringen monatlichen Belastungen reicht wohl mein Leben nicht aus, um das Geld zurückzubezahlen.

Also jetzt zum Mitschreiben: Unsere Kinder bekommen weniger Rente, sie sollen unsere Schulden für die energetische Sanierung bezahlen, müssen sich mit mehr Naturkatastrophen herumschlagen und uns nebenher auch noch pflegen und dann auch noch auf Bienen und Eisbären verzichten? Übrigens – die Sanierungsmaßnahmen halten ja auch nicht ewig lange und das ganze Wärmeverbundsystem als Fassadendämmung, das die Dämmindustrie uns auf die Fassade und aufs Auge gedrückt hat, wird bis dahin Sondermüll sein. Wir ziehen also unseren Kindern das Geld aus der Tasche, betrügen sie um ihre Rente, verschmutzen ihre Umwelt mit Sondermüll, erwärmen ihr Klima und machen ihnen vor, wir würden uns für sie aufopfern. Erwähnte ich schon die Bienen und die Eisbären? Jetzt habe ich das Gefühl, ich höre mich wie eine kaputte Schallplatte an…

Light-Sanierung ist Effizienz

Klare Worte: Realitätsnahe Energieberatung, die sich nach örtlichen Gegebenheiten richtet, appelliert an den gesunden Menschenverstand, richtet sich nach dem Portemonnaie des Eigentümers und ist klimafreundlich. Wenn Ihre Heizung kaputt ist, dann tauschen Sie doch nur die Heizungsanlage, wenn das Geld nur für den neuen Heizkessel ausreicht. Die meisten Heizungsanlagen decken von bis Leistungsbereiche: z. B. 12,9 bis 28,9 kW oder 20,2 bis 53,7 kW. Und der Preisunterschied ist auch nicht die Welt. Auf jeden Fall nicht so hoch wie bei einer kompletten Haussanierung. Und wenn Sie noch ein paar Solarzellen zur Warmwasserunterstützung auf das Dach packen, haben Sie schon Ihren Beitrag für die Umwelt geleistet. Wenn Sie später doch das Geld für die Fenster haben, voilà! Dann können Sie nach einem hydraulischen Abgleich Ihre Heizungsanlage wieder an den Wärmebedarf der Räume Ihres Hauses anpassen. Ach ja, sorry, der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass die Heizungsanlage jedem Heizkörper in jedem Raum die passende Wärmemenge direkt liefert. Somit wird die Überhitzung einzelner Heizkörper vermieden.

Denken Sie bitte daran:

Nach jeder energieeffizienten Baumaßnahme direkt die Partnervermittlung „Hydraulischer Abgleich“ beauftragen und für ein „Candle light dinner“ zwischen der Heizungsanlage und dem Neuankömmling sorgen, denn sonst wird es ziemlich heiß in der Bude!

Ich sage immer: Es gibt nicht nur die eine Lösung. Bitte nicht direkt das Gebäude zudecken und hinter einer Burka aus Dämmung verstecken, denn weniger kann mehr sein und maximale Energieeffizienz heißt nicht immer alles dämmen. Man kann die Akzente da setzen, wo sie am effizientesten sind, so eine light-Dämmung kann durchaus ziemlich sexy sein.

Netzfrau Sharareh Fekri

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2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Das Dämmen von Häuserfassaden, die nicht atmungsaktiv sind, hat fatale Folgen. Bayer Wohnungsbau dämmt seit Jahren die Fassaden all ihrer Häuser in Leverkusen und Köln. Die gedämmten Häuser sind auf Grund von Schimmelbefall und nicht wegzubekommendem Gestank quasi unbewohnbar. Mieter klagen. Bayer kümmert das wenig und lässt munter weiter dämmen.

    • Architekt Wolfgang Grundmann, 19.11.2018
      Liebe Frau Rissman-Telle.
      Grundsätzlich können Hauswände noch nicht atmen bzw. atmungsaktiv sein, sondern sie diffundieren Feuchtigkeit von Innen nach Außen. Dämmstoffe von Außen erzeugen auf der Oberfläche keine Feuchtigkeit, da der Taupunkt +- O °C in der Wand zu finden ist. Wenn auf den Wänden Schimmelbefall vorliegt, so heißt das nicht, das falsch gedämmt wurde, sonder das die Wärmedämmung nicht außen sondern innen aufgebracht wurde. Damit rutscht der Taupunkt auf die Oberseite der Außenwand innen. Feuchtigkeit wird hier ausgefällt und es bildet sich dann langfristig Schimmel. Das heißt, dass eine Dämmung innen nur dann aufgebracht werden darf, wenn sie Dampfdiffusionsoffen ist. Als Beispiel wäre hier eine Holzfaserplatte zu nennen.

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