Wenige Konzerne beherrschen die weltweite Lebensmittelproduktion

MarkenkrakenDie große Markenvielfalt im Supermarktregal täuscht über die konzentrierte Marktmacht einiger weniger Unternehmen hinweg.

Beim Einkaufen greifen wir fast unbewusst nach Produkten, die wir immer kaufen. Manch einer legt dabei vielleicht Wert auf Marken. Aber auf die Konzerne, die hinter den Produkten im Einkaufswagen stecken, achtet kaum jemand.

Die Weltbevölkerung und ihr Nahrungsmittelkonsum wachsen – wächst damit auch die Anzahl der im Nahrungsmittelbereich tätigen Firmen?

Das Gegenteil ist der Fall: KONZERNE

Konzerne kaufen kleinere Firmen und steigern so Marktanteile und Macht.

Konzerne können damit die Preise, Geschäftsbedingungen und zunehmend auch die politischen Rahmenbedingungen diktieren.

Vieles, was wir im Norden verbrauchen, wird billig im globalen Süden produziert. Die Gewinne erzielen wenige, überwiegend im Norden beheimatete Unternehmen.

Die großen Verlierer sind die Plantagenarbeiter und Kleinbauern im Süden als schwächste Glieder der »Wertschöpfungskette«. In keiner anderen Bevölkerungsgruppe ist Hunger so verbreitet.

Die Ökosysteme werden mehr und mehr zerstört.

Saatgut, Jungtiere, Futtermittel, Dünger – was früher auf dem Bauernhof selbst produziert werden konnte, sind heute separate Sektoren der industrialisierten und globalisierten Wertschöpfungskette für Nahrungsmittel.

Dazu gehören auch der Handel, die Verarbeitung und der Verkauf von Lebensmitteln. Das schwächste Glied in dieser Kette sind diejenigen, welche die Lebensmittel anbauen und produzieren: Die Bäuerinnen und Bauern.

Besonders Kleinbauern im Globalen Süden geraten im Zuge des Konzentrationsprozesses in der Nahrungsmittelproduktion immer mehr unter Druck. Ihr Recht auf Nahrung kann vielfach verletzt werden: Durch Patente auf Saatgut, Verdrängung vom Land, unfaire Arbeitsbedingungen oder Preise oder die Verdrängung von informellen Märkten.

 Oligopol – Wenige Konzerne beherrschen die weltweite Lebensmittelproduktion

Vielen Dank an dieser Stelle an Zeit.de, die uns diese Grafik zur Verfügung gestellt hat.

zeit.de

Globalisierung ist heutzutage zwar ein in den Medien häufig auftauchender, oft aber doch eher abstrakt bleibender Begriff. Bananen aus Ecuador, Kiwi aus Neuseeland, Elektrokram aus China – ist das bereits die Globalisierung? Nein, es gibt natürlich noch viele weitere Facetten.

Dass die Konzentration auf den Weltmärkten für Lebensmittel (und deren Produktion) inzwischen weit fortgeschritten ist, konnten Sie dem obigen Schaubild entnehmen. Jedoch erst durch die neue EvB-Dokumentation „Agropoly – Wenige Konzerne beherrschen die weltweite Lebensmittelproduktion“ wird klar, WIE weit dieser Prozess mittlerweile fortgeschritten ist.

Die Redaktion des Schweizer Vereins Erklärung von Bern hat sich in ihrem 17-seitigen sehr übersichtlich und ansprechend gestalteten Heft einmal die Mühe gemacht, der Frage nachzugehen, wer unser Essen beherrscht. Dazu haben sie die einzelnen Märkte für z.B. Futtermittel, Saatgut, Pestizide, die Produktion, Verarbeitung und den Handel unter die Lupe genommen und zeigen, dass mittlerweile nur noch wenige Konzerne auf vielen Märkten dominieren – mit fatalen Folgen für Artenvielfalt, Umwelt und  Menschen.

WER gehört WEM im Saatgutmarkt?

Weltweit bestimmen diese 10 Saatgutkonzerne den Markt für Saatgut.

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Folgende Darstellung dokumentiert die starke Konsolidierung des Saatgutmarktes zwischen 1996 und 2008 sowie die zahlreichen Verbindungen zwischen den dominierenden Unternehmen. Die erfolgreichsten Firmen haben in diesem Zeitraum über 200 Unternehmen entweder aufgekauft oder sich daran beteiligt. Die drei größten deutschen Konzerne sind BAYER, kWs und BASF. [Quelle: Philip H. Howard.] Lesen Sie dazu auch: Informationsreihe „Saatgut”: Alles Monsanto oder was?!

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Visualizing Consolidation in the Global Seed Industry: 1996–2008

Der weltweite kommerzielle Saatgutmarkt hat sich innerhalb von zwanzig Jahren extrem konzentriert, sodass heute eine Handvoll Unternehmen die globale Produktion beherrschen. Dieses Oligopol ist das Resultat unzähliger Übernahmen und Fusionen.

Bei Zuckerrüben beträgt der Marktanteil der drei größten Saatgutproduzenten 90 %, bei Mais 57 % und 55 % bei Sojabohnen.

Die aktuellen Zahlen dürften sich noch erhöht haben.

Beängstigend ist auch die Tatsache, dass die TOP 3 auch im Pestizidmarkt eine führende Rolle spielen. Wenn Pestizidproduzenten Saatgut entwickeln, haben sie ein Interesse daran, dass zum Anbau des Saatgutes auch Pestizide verwendet werden müssen. Wegen der Zunahme von Hybridsaatgut, bei welchem es sich für die Bauern nicht lohnt, Saatgut aus der Ernte für die nächste Aussaat zurückzubehalten und wegen geistigen Eigentumsrechten auf Saatgut, die den Nachbau und den Saatguttausch zwischen den Bauern verbieten, wächst der kommerzielle Saatgutmarkt rasant. In Tansania werden noch immer 90 % des Saatgutes von den Bauern selbst hergestellt, in Deutschland sind es bei Weizen noch 50 %. Hybridsaatgut wird selten nachgebaut. In Europa besitzen fünf Firmen (Monsanto, dupont, syngenta, BASF und Bayer) die Hälfte der Patente auf Pflanzen und auch diese Zahlen dürften aktuell gestiegen sein.

wirtschaftslexikon.gabler

Das Oligopol ist eine Marktform wie das Monopol oder das Polypol. Beim Oligopol treffen wenige Anbieter auf wenige Nachfrager (zweiseitiges Oligopol) oder im Normalfall viele Nachfrager auf wenige Anbieter (Angebotsoligopol). Genauso gibt es natürlich noch das Nachfrageoligopol, wenn viele Anbieter lediglich wenigen Nachfragern gegenüberstehen.

Es gibt verschiedene Verhaltensweisen von Oligopolisten:

  • Preisführerschaft: Bei der Preisführerschaft übernimmt ein Oligopolist die „Herrschaft“ über den Preis. Alle anderen Marktteilnehmer ändern erst dann den Preis, wenn dieser Preisführer den Preis verändert hat.
  • Absprachen und Kartellbildung: Da es nur wenige Anbieter gibt, sind Preis- und Mengenabsprachen leicht zu realisieren und zu organisieren.
  • Preisstarrheit: Aus Furcht vor der Konkurrenz, wagt kein Oligopolist eine Änderung seines Verhaltens. Die Folgen sind lange stabile Preise.

Die Lebensmittel Zeitung erstellt in Kooperation mit Trade Dimensions das Ranking der größten deutschen Lebensmittelhändler nach ihrem Food-Umsatz (inklusive Drogeriewaren). Die Liste ist ein Auszug aus dem Ranking Top 30 Lebensmittelhandel in Deutschland.

Lebensmittel Zeitung

Der Gesamtmarkt für Säuglings- und Kleinkindnahrung stieg im Jahr 2012 um knapp zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf rund 650 Millionen Euro. Die Rangliste zeigt die fünf größten Hersteller von Babynahrung in Deutschland. Unangefochtener Marktführer ist Hipp mit seinem Angebot an Säuglingsmilch, Gläschenkost, Baby- und Kindertees sowie Brei. Das Ranking basiert auf den Endverbraucher-Umsätzen im Handel.

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Das von Planet Retail erstellte Ranking zeigt die zehn größten Cash+Carry-Unternehmen weltweit. Mit großem Vorsprung führen die zwei US-amerikanischen Händler Costco und Walmart die Rangliste an. Auf dem dritten Platz behauptet sich die Metro Group – Europas größter C+C-Händler. Neu unter den Top Ten ist die französische Gruppe Casino.

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Die folgende Tabelle zeigt die größten Brauereigruppen und Privatbrauereien mit einem Ausstoß von mehr als 2,5 Mio. hl in Deutschland. Insgesamt ging der Bierabsatz auch 2012 wieder leicht zurück. Zusammen konnten die elf Top-Unternehmen ihre Gesamtabsätze allerdings um 3,6 % auf 68,53 Mio. hl steigern. Ihr Inlandsabsatz stieg um 2,2 % auf 56,49 Mio. hl. Beim Gesamtexport der deutschen Brauereien erreichen die Top-Unternehmen mit 12 Mio. hl. einen Anteil von über drei Viertel.

Lebensmittel Zeitung

Das Ranking zeigt die 15 beliebtesten deutschen Fanseiten für Lebensmittelmarken im sozialen Netzwerk Facebook. Sechs der Top-10-Fanseiten sind Süßigkeiten gewidmet. An der Spitze des Rankings steht die Eissorte Magnum. Die Unilever-Marke hat mehr Fans als alle anderen Lebensmittelmarken zusammen. Erstellt wurde das Ranking von Landau Media. Es basiert auf einer Analyse der Fanseiten, der Lebensmittel Zeitung und Gesellschaft für Konsumforschung erhobenen Top-Marken 2011.

Landau Media/LZ/GfK

Lobby statt Wettbewerb

Der Einfluss der Nah­rungsmittelkonzerne auf Politik und Öffentlich­keit wächst.Tausende von Lobbyisten setzen sich für Konzerninteressen ein. Oft werden Kon­zernvertreter in staatlichen Einrichtungen platziert. Mit Erfolg: Bei Nahrungsmittelstandards, Zulassungen von Pestiziden oder Gentechsaat­gut, Handelsabkommen oder der Agenda der öf­fentlichen Forschung, können sie ihre Interessen oft durchsetzen.

Der Welthandel dominiert die Preise

85 % aller Nahrungsmittel werden lokal konsumiert. Auf die Preise hat der globale Handel dennoch massiven Einfluss. Im Börsenhandel wird mit einem Mehrfachen der realen Menge spekuliert.

Die große Markenvielfalt im Supermarktregal täuscht über die konzentrierte Marktmacht einiger weniger Unternehmen hinweg. Beim Einkaufen greifen wir fast unbewusst nach Produkten, die wir immer kaufen. Manch einer legt dabei vielleicht Wert auf Marken. Aber auf die Konzerne, die hinter den Produkten im Einkaufswagen stecken, achtet kaum jemand.

Die Weltbevölkerung und ihr Nahrungsmittelkonsum wachsen – wächst damit auch die Anzahl der im Nahrungsmittelbereich tätigen Firmen?

Das Gegenteil ist der Fall: KONZERNE 

Marken

Lesen Sie dazu auch: „Weltherrschaft weniger Konzerne – wer mit wem?

Und wenn Sie bis hier gelesen haben sollten, müssten Sie sich spätestens jetzt fragen, warum noch ein Freihandelsabkommen mit den USA? Die Konzerne sind bereits alle da und was fehlt, sind u. a. die Aufweichungen bestimmter Richtlinien, natürlich zum Wohle der Konzerne: Freihandelsabkommen TTIP: NAFTA, CAFTA…und deren Folgen

„Verbraucher sind für die Wirtschaft das, was der Wähler für die Politik ist.“ – Jim Turner

Hinweis: Diese Seite wird regelmäßig aktualisiert!

© Netzfrau Doro Schreier

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4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Netzfrauen,

    wo kann ich bitte die 17 seitige Broschüre , zu diesem Thema bekommen?
    Dann kann ich hier vor Ort das sehr gut verbreiten! Respekt und großen Dank für eure Arbeit.

    Manuela Schönitz

    ( Die Redaktion des Schweizer Vereins Erklärung von Bern hat sich in ihrem 17-seitigen, sehr übersichtlich und ansprechend gestalteten Heft einmal die Mühe gemacht, der Frage nachzugehen, wer unser Essen beherrscht. Dazu haben sie die einzelnen Märkte für z.B. Futtermittel, Saatgut, Pestizide, die Produktion, Verarbeitung und den Handel unter die Lupe genommen und zeigen, dass mittlerweile nur noch wenige Konzerne auf vielen Märkten dominieren – mit fatalen Folgen für Artenvielfalt, Umwelt und Menschen.

    WER gehört WEM im Saatgutmarkt? )

  2. Der beschrieben Sachverhalt trifft leider auch beim Olivenanbau zu.
    Es gibt NOCH alte Olivensorten, die allerbestes Olivenöl mit einem hohen natürlichen Gehalt an Sekundären Pflanzenstoffen ergeben. Für den Menschen hat dieses Olivenöl in der Nahrung einen so großen Wert. Gleichzeitig haben die alten Olivensorte eine sehr gute Widerstandskraft und können nach wie vor ohne Pestizide angebaut werden.
    Und trotzdem werden diese alten Olivensorte immer mehr und mehr verdrängt durch „Neuzüchtungen“, die ohne Pestizide nicht anbaubar sind, aber dafür schneller wachsen und geeigneter für die maschinelle Ernte sind. Durch den (hyper-)intensiven Olivenanbau der Neuzüchtungen lassen sich natürlich deutlich niedrigere End – und Verkaufspreise erzielen. Der Olivenanbau ist viel mehr ein Investitionsprojekt geworden. So investiert beispielsweise einer der größten deutschen Geflügelmarken (Massenproduktion) Teile seines Kapitals in den hyperintensiven Olivenanbau mit Neuzüchtungen in Europa und Nordafrika. Für die Anbauflächengewinnung werden Familienbetriebe aufgekauft, die alten Olivenbäume raußgerissen und die neuen Sorten gesetzt. Intensive Bewässerung, Düngung und Pestizide sind Standard….Und der Rubel sollte rollen.
    Ich kenne viele Olivenbauern die sich noch nicht(!) von ihren alten Olivensorten und traditionellen Anbaumethoden abkehren, aber die Resignation ist groß und die Hoffnung, dass der Endverbraucher sich über den Hintergrund bewusst wird, schwindet.

  3. Vielen Dank für die Auskunft und die großartige Arbeit, liebe Netzfrauen,
    aber gibt es die Graphiken auch als vektorbasierte?

    VG

    Thorsten Stettin

  4. Nachtrag: Ich bin der Ansicht, dass das Motto

    Was eine nicht schafft, schaffen viele

    durch

    Was wir nicht schaffen, schafft niemand!

    ersetzt werden muss.
    :-D

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