„Tokio sollte nicht mehr bewohnt werden“ – Japanischer Arzt warnt vor Strahlung aus Fukushima

Fukushima evacuees demonstrate in N.Y.

In einem an seine Kollegen gerichteten Essay erklärte der japanische Arzt Shigeru Mita, warum er kürzlich von Tokio wegzog, um seine Praxis im Westen Japans neu zu eröffnen.

Er denkt, dass Tokio aufgrund der durch die Kernschmelze im Fukushima Daiichi Kraftwerk am 11.03.2011 verursachten radioaktiven Verseuchung kein sicherer Wohnort mehr ist.

Das Essay mit dem Titel „Warum habe ich Tokio verlassen?“ wurde im Newsletter der Ärztevereinigung in Kodaira, einer Stadt im Großraum Tokio, veröffentlicht.

Bodenproben beweisen die Kontaminierung

Dr. Mita eröffnet sein Essay mit der Kontextualisierung seiner Entscheidung zu gehen mit dem Hinweis darauf, dass er eine lange Geschichte als Arzt in Tokio hat.

„Ich schloss die Klinik, die den Bürgern von Kodaira seit mehr als 50 Jahren – seit der Generation meines Vaters – diente, im März 2014 und eröffnete am 21. April eine neue Mita-Klinik in Okayama.“ schrieb er.

Dr. Mita erklärt, dass er in den letzen 10 Jahren immer wieder versucht hat, die Bezirksregierung von Tokio davon zu überzeugen, Jodtabletten zu bevorraten, um diese im Fall eines nuklearen Zwischenfalls an die Bevölkerung verteilen zu können. Seine Sorge sei gewesen, dass ein Erdbeben eine Kernschmelze im Kraftwerk von Hamaoka verursachen könnte. Alle seine Anträge wurden unter dem Vorwand abgelehnt, dass ein solcher Unfall nicht zu erwarten sei.

Als es zu der Katastrophe kam – wenngleich in einem anderen Werk als von Dr. Mita befürchtet – habe Tokio nichts getan, um die Bevölkerung zu schützen. Daran habe sich auch bis heute nichts geändert. Dr. Mita jedoch stellte auf Basis der Bodenproben fest: „Es ist klar, dass Ost-Japan und der Großraum Tokio radioaktiv verseucht wurden.“

Dr. Mita vergleicht die radioaktive Kontaminierung des Bodens (gemessen in Becquerel pro Kilogramm) in verschiedenen Teilen Tokios mit der, die in einigen Gebieten Europas nach der Katastrophe von Tschernobyl gemessen wurde.

Vor 2011 wies Shinjuku (die Region Tokios, in der die Bezirksregierung untergebracht ist) nur 0.5-1.5 Bq/kg auf. Heute liegt das nahegelegene Kodaira bei 200-300 Bq/kg.

„In den 23 Distrikten im Großraum Tokio liegt die Kontaminierung im Osten bei 1000-4000 Bq/kg und im Westen bei 300-1000 Bq/kg,“ schreibt Dr. Mita.

Zum Vergleich: In Kiev durchgeführte Bodenuntersuchungen wiesen 500 Bq/kg (nur Cs-137). Nach dem Unfall von Tschernobyl wiesen Westdeutschland und Italien Werte von 90-100 Bq/kg und beide erlebten messbare gesundheitliche Folgen für ihre Bevölkerung.

Dr. Mita stellt fest, dass die radioaktive Situation in Tokio schlimmer statt besser wird bedingt durch die städtische Praxis, feste Abfälle auf kleinen Flächen zu sammeln wie z.B. auf kommunalen Deponien und in Kläranlagen. Er ist der Überzeugung, dass das der Grund dafür ist, dass die Strahlenwerte in den Flussbetten im Großraum Tokio in den vergangenen zwei Jahren tatsächlich zugenommen habe.

„Tokio sollte nicht länger bewohnt werden. Und jene, die darauf bestehen, in Tokio zu leben, brauchen regelmäßige Auszeiten in sichereren Gebieten“, schreibt Dr. Mita. „Themen wie Bevölkerungsabwanderung und Staatszerfall belasten heute das Leben der zweiten und dritten Generation in der Ukraine und in Weißrussland. Ich befürchte, dass so auch die Zukunft von Ost-Japan aussehen könnte.“

Patienten weisen strahleninduzierte Krankheiten auf

Dr. Mitas Essay berichtet außerdem über die vielen Fälle von Patienten, die mit strahleninduzierten gesundheitlichen Problemen zu ihm kamen. Er habe seit 2011 ein Absinken der weißen Blutkörperchen bei Kindern in der Altersgruppe von 0-10 Jahren feststellen können. In allen Fällen hätte eine Besserung der Symptome durch einen Umzug in den Westen von Japan erreicht werden können. Ähnliches beobachtete er bei Atemwegssymptomatiken, die sich ebenfalls verbesserten, als die Patienten wegzogen.

Andere Patienten hätten Symptome wie „Nasenbluten, Haarausfall, Mangel an Energie, subkutane Blutungen, sichtbare Harnwegsblutungen, Entzündungen der Haut, Husten und andere unspezifische Symptome” gezeigt. Er stellt außerdem ein hohes Vorkommen an Muskel-Symptomen fest ähnlich denen, die nach der Tschernobyl-Katastrophe beobachtet wurden. Zitat: „Seit dem 11. März ist jeder ein Opfer, der in Ost-Japan inklusive Tokio lebt. Und jeder ist betroffen.“

Frei übersetzt aus dem Artikel „‘Tokyo should no longer be inhabited,’ Japanese doctor warns residents regarding radiation

Netzfrau Andrea Wlazik

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