KAFFEE – Bittere Ernte – Die Macht der Kaffeebarone

Netzfrauen Kaffee

Erst mal einen Kaffee trinken!  Kaffeekult ist »in«: Verschiedene Sorten, unterschiedliche Röstungen und  ­Kaffeeautomaten sorgen für guten Geschmack – aber nicht  für ein gutes Gewissen. Nachdem wir uns mit dem aufmunternden Inhaltsstoff Koffein gestärkt haben, befassen wir uns heute mit dem Thema Kaffee. 

Dass es Menschen geben soll, die 60 Euro für ein Kilo Kaffee bezahlen, davon haben wir ausreichend berichtet. Nein, diese Menschen bezahlen nicht für den Geschmack, sondern weil dieser so schön in Aluminium verpackt ist. Der Kaffee kommt immer öfter aus der Kapsel. 2013 wurden weltweit Kaffee- und Espresso-Kapseln im Wert von 10,8 Mrd. US-Dollar verkauft. Auch in Deutschland hält der große Wachstumstrend für Pad- und Kapselsysteme an. Vor allem der Absatz von Kaffee in Kapseln stieg 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent auf 12 700 Tonnen an.

Das Geschäft mit den teuren Kaffeekapseln boomt. Auf die Idee musste erst mal jemand kommen: Weniger Kaffee für mehr Geld!

Kaffee, das braune Gold

Rein statistisch betrachtet, trinkt jeder von uns 150 Liter Kaffee im Jahr, also ungefähr einen halben Liter am Tag.

Früher war Kaffee ein Luxusprodukt. Wir erinnern uns noch an die Zeiten, als die Oma die hölzerne Kaffeemühle zwischen die Knie klemmte, um die Kaffeebohnen mit der Handkurbel zu mahlen. Dieses duftende Pulver wurde dann in einen Tropfbehälter mit Filtertüte gegeben und aufgebrüht. Der Kaffee duftete herrlich und dazu noch einen gebackenen Kuchen und schon war der Sonntagnachmittag gerettet.

Heute überbieten sich die Supermärkte mit Billigangeboten. Der Kaffee gehört genauso zu den alltäglichen Lebensmitteln wie Wasser und Brot. Sogar die Milch kommt nun als Milchschaum und die Spezialitäten gibt es an jedem Kiosk zu kaufen.

„Togo“ ist überall. Wir bechern uns durchs Leben.

So auch mit dem Kaffee. Man trinkt nicht mehr nur zu Hause, man trinkt unterwegs, also „to go“, zum Mitnehmen.

Das Müllproblem lassen wir heute mal außen vor. Obwohl, einige Fakten können ja nicht schaden:

Netzfrauen ToGo- MüllDieses Bechersyndrom verursacht täglich circa 18 Mio. Coffee-to-go-Becher in deutschen Mülleimern. Diese sind nicht recycelbar und schädigen unsere Umwelt. Jeder Deutsche trinkt, wie schon erwähnt, durchschnittlich 150 Liter Kaffee pro Jahr, davon bereits über 40 % als Coffee-to-go.

Wenn wir dann noch die Kaffeekapseln berücksichtigen, müssen wir uns wirklich fragen, wo soll dieser Müll noch hin? Und dann die Rohstoffe, die wir allein schon für diese Bequemlichkeiten benötigen? Schon erstaunlich, wenn wir an frühere Zeiten zurückdenken, als Kaffee noch als Spezialität für den Sonntagnachmittag galt und ein Luxusgut darstellte.

Jahrhundert der „Ex und Hopp“- Mentalität

Wir leben in einer Zeit, die wir auch das Jahrhundert der „Ex und Hopp“-Mentalität nennen können. Gerade an dem Beispiel Kaffee wird es ganz deutlich. Heute sitzt man nicht mehr bei einer Tasse Kaffee, man läuft. Heute mahlt man nicht mehr den Kaffee, nein man benutzt Kapseln oder Pads. Heute werden Kaffeefilter nicht mehr auf den Kompost geworfen, sondern überall findet man diese Becher irgendwo in der Natur zurückgelassen. Das „Ex und Hopp“-Jahrhundert hinterlässt seine Spuren, nicht wie die sogenannten Steinzeitmenschen mit Höhlenmalerei, sondern mit soviel Müll, dass wir uns fragen sollten, wann wir die Grenze erreicht haben, damit wir überhaupt noch Platz zum Wohnen finden.

Kaffee – vom Luxusgut zum Billigprodukt – Die Kaffeebarone

Wie schon erwähnt, überbieten sich die Supermärkte mit Kaffee – es gibt in der Tat noch Menschen, die sich Kaffee in herkömmlichen Packungen kaufen. 500 Gramm gibt es bei Aldi etwa für 3,79 €.Netzfrauen kaffee1

Der größte Kaffeeanbieter ist nach wie vor Nestlé, gefolgt von Mondelez (vorher Kraft) und D.E Master Blenders, Green Mountain und Tchibo. Zu Nestlé haben wir bereits sehr viel geschrieben und die Artikel können bei uns auf der Webseite nachgelesen werden. Nestlé ist in fast allen Segmenten der Nahrungsmittel Marktführer. Auch zu Mondelez haben wir bereits Informationen zur Verfügung gestellt, die hier entnommen werden können: Mondelez statt Kraft Foods – Es geht um die Wurst und noch mehr Chemie! Zu Tchibo werden wir noch ausführlich berichten, aber in der Liste tauchen zwei Kaffeekonzerne auf, bei denen wir doch erwähnen müssen, um welche es sich handelt.

Zeit.de

Wussten Sie, dass Mondelez hinter der Kaffeesorte Jacobs Kaffee steckt? Außerdem gehören dazu noch Onko und Kaffee HAG. Mehr noch, die Familie Reimann, der wiederum Douwe Egberts gehört, schmiedet einen Kaffee-Giganten, der dann nicht mehr nur Senseo vertreibt, nein dann auch die Jacobs Kaffee-Marken.

Netzfrauen -Kaffee

Die von der deutschen Familie Reimann kontrollierte niederländische Douwe Egberts Master Blender will sich für rund fünf Milliarden Dollar die Mehrheit am Kaffee-Geschäft des größeren amerikanischen Rivalen Mondelez sichern.

Familie Reimann hatte D.E Master Blenders vor einem Jahr vom amerikanischen Konzern Sara Lee übernommen, nachdem sie schon zuvor zwei kleinere Kaffee-Hersteller gekauft hatte. Sie verdient ihr Geld ansonsten noch mit Parfum, Kosmetik und Mode.

Die Reimanns sind eine der reichsten Familien in Deutschland und sie haben ihr Vermögen mit dem Ludwigshafener Spezialchemiekonzern Benckiser und dessen Verkauf an die britische Reckitt Benckiser gemacht. Wenn der Name der Reimanns für viele unbekannt sein sollte, hier einige Produkte der Reimanns: Calgon-Entkalker, Kukident-Zahnprothesenreiniger und Durex-Kondome. Außerdem gehörte zu der JAB Holdings der Investmentarm der deutschen Milliardärsfamilie Reimann, die Marken wie Belstaff und Jimmy Choo.

Noch vor zwei Jahren hatte diese Familie überhaupt nichts mit Kaffee zu tun und sie wird nun größter Anbieter nach Nestlé. Mit Senseo gehört Douwe Egberts auch die Erfindung von Kaffeepads und er ist mit Tassimo einer der schärfsten Rivalen von Nestlé im Kapselgeschäft. Wo Menschen ja bereits 60 € pro Kilo Kaffee bezahlen. Ein ertragreiches Geschäft, wie man sieht.

Keurig Green Mountain Inc. (KGM; vorher Green Mountain Coffee Roasters Inc.) ist ein Großhändler für Kaffee und Zubehör. Er vetreibt diverse Kaffeesorten, die zu ca. einem Viertel den Fair-Trade-Kriterien (gerechte Vergütung der Erzeuger) entsprechen, etwas unter zehn Prozent der eingekauften Kaffeesorten wurden mit natürlichen Produktionsverfahren (kein Pestizideinsatz) hergestellt. Der Konzern betreibt strategische Kooperationen mit namhaften Kaffeehäusern, u. a. Starbucks. Gegründet wurde er als Café in Vermont.

Das waren nun einige Eckpunkte und Zusatzinformationen zu den einzelnen Kaffeeproduzenten. Auch hier können wir sehen, dass nur einige wenige Konzerne den Preis bestimmen.

Die amerikanische Kaffeekette Starbucks hat sich in den Städten breitgemacht und erfindet immer neue Variationen. McDonald’s hat nun McCafé. Der Schweizer Weltkonzern Nestlé schickt George Clooney als Reklamefigur vor und verkauft gemahlenen Kaffee in Milliarden von Einzelkapseln: Nespresso, what else?

Spielverderber wie wir Netzfrauen weisen auf den Berg von Alu-Müll hin und rechnen den Kilo-Kaffeepreis aus, der bei 60 Euro liegt. Wir brauchen keine blitzenden High-Tech-Maschinen. hingegen sollten wir eher den Kaffee „To Sit“ einführen. Nur frisch und schonend gemahlener Kaffee entfaltet sein volles Aroma. Dieses Aroma ist auch gern ein paar Euro mehr wert, denn der sollte möglichst FAIR produziert worden sein. Aber den gibt es nicht für 3,79 € wie bei Aldi zu haben. Und wer zahlt den billigen Kaffee? Dazu wollen wir Ihnen heute eine Dokumentation zeigen. Denn Bilder sagen oft mehr aus als viele weitere Worte.

Bittere Ernte – Preis des billigen Kaffees

NDR-Autor Michael Höft machte sich auf die Suche nach dem, der den eigentlichen Preis für den billigen Kaffee zahlt. Er war bei Kaffeeröstern und auf Plantagen. In Brasilien wollte er herausfinden, unter welchen Bedingungen die Arbeiter auf den Plantagen unseren Kaffee ernten und wie viel Chemie auf die Pflanzen gesprüht wird.

Nach vielen vergeblichen Versuchen gelingt es dem Kamerateam mithilfe eines Insiders schließlich doch noch, auf Kaffeeanbauplantagen im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais zu drehen und mit Plantagenbesitzern zu sprechen. Was Autor Michael Höft auf den Feldern erlebt, übertrifft all seine Erwartungen. In den Giftdepots der Farmer finden sich Unmengen an verschiedenen Pflanzenschutzmitteln, auch hochtoxische Chemikalien, die in Europa längst verboten sind, wie das Pestizid Endosulfan. Dieses Nervengift steht im Verdacht, starke Fehlbildungen bei Babys im Mutterleib hervorzurufen, aber auch Krankheiten wie Krebs und Parkinson.

Aber es geht auch anders. Am Ende der Reise besucht das Kamerateam eine Bioplantage. Hier werden keine Pflanzenschutzmittel verwendet und die Arbeiter erhalten fairen Lohn. Aber dafür kostet der Kaffee fast doppelt so viel. Ein Preis, den die meisten Verbraucher bisher nicht bezahlen wollen.

Im Film wird die Neumann-Kaffee-Gruppe aus Hamburg erwähnt. Diese Kaffee-Firma profitiert von der Vertreibung in Uganda. Der ehemalige Entwicklungsministerr Niebel forderte im August 2013 die Helfer der Organisation Fian auf, ihre Menschenrechtsarbeit in Uganda zuungunsten eines deutschen Kaffeeproduzenten zu beenden. Im April 2013 berichtete Panorama 3 über Vertreibungen in Uganda. Die „Neumann-Kaffee-Gruppe” hatte 2001 mit Hilfe der ugandischen Regierung eine neue große Kaffeeplantage im Distrikt Mubende eingerichtet. Dafür mussten viele Siedler weichen. Da sie nicht freiwillig gehen wollten, keine Hilfe und auch, trotz Anrechts, kaum oder gar keine Entschädigung erhielten, blieben sie auf ihrem Land. Wochen später rückte dann die ugandische Armee an, vertrieb die Kleinbauern, zerstörte Häuser, Felder und tötete viele Tiere. Die Plantagenchefs wollen davon bis heute im Vorfeld nichts gewusst haben. [Siehe: Niebel gegen Menschenrechtsgruppe – Entwicklungshilfe – Die deutsche Wirtschaft bereichert sich auf Kosten der Armen]

„Wir Arbeiter produzieren den ganzen Kaffee, doch am Ende bleibt für uns nur ein Grab auf dem Friedhof,“ Zitat einer armen Frau in dem Video, die verzweifelt darüber ist, dass die Pestizide ihren Sohn schwer krank zur Welt kommen ließen und darüber, dass die Arbeiter für unseren Kaffee nicht mal genügend Geld zum Leben bekommen.

In dem Beitrag wurde der Gebrauch von Fungiziden gezeigt. Die Kaffeebohnen werden zur Trocknung ausgelegt und regelmäßig mit Fungiziden besprüht. Nach jedem Regen erneut. Die Plantagen-Betreiber haben viel zu große Angst, dass die Konzerne ihnen den Kaffee nicht abnehmen, dass die Bohnen nicht perfekt aussehen, also sprühen sie, soviel sie können. Alle Verbraucher, die diese Produkte erwerben, sind verantwortlich dafür, dass Menschen wie der Arbeiter in diesem Beitrag mit 40 Jahren schwer erkranken und ihre Medikamente, zum Teil von Novartis, deren Tochtergesellschaft die Pestizide herstellen, nicht bezahlen bezahlen können. Denn auch an den Folgen dieser Gifte wollen die Konzerne noch verdienen.

Dieser Raubbau an der Natur und die schlimmen Arbeitsbedingungen in den Anbauländern geht schon lange viel zu weit. Ackerland wird von den Konzernen aufgekauft, die dortigen Menschen vertrieben. Nur um billiger produzieren zu können. Die Konzerne zerstören die Lebensräume mit Anbau von Monokulturen und dies in nur wenigen Jahren. Den Menschen, die dort einst selbst für ihre Lebensgrundlage sorgten, indem sie die Ackerflächen nutzten, bleibt nur noch, für einen Hungerlohn auf diesen Plantagen zu arbeiten.

Und so beginnt ein Kreislauf mit negativen Folgen: Die dortigen Menschen sind verzweifelt, denn sie sind nicht mehr in der Lage, ihre Familien zu ernähren. In der Hoffnung, bessere Arbeit zu finden, ziehen sie dann in die Städte. Die ehemaligen Bauern produzieren nun keine Nahrungsmittel mehr auf ihren Feldern, denn diese werden ja für den Kaffee benötigt. Wenn also keine Nahrungsmittel mehr produziert werden, müssen Lebensmittel aus dem Ausland eingeführt werden und das übernehmen dann diese Konzerne, die vorher die Ländereien durch Monokulturen zerstört haben oder noch verwenden. Damit diese Lebensmittel auch noch günstig sind, werden sie subventioniert. Das bedeutet: mit Steuergeldern. Damit schließt sich der Kreis. Letztendlich sind wir mit unserem Handeln dafür verantwortlich, was auf dieser Welt passiert. [Siehe: Geiz ist NICHT geil – Wie an europäischen Lebensmitteln die Welt verhungert]

Diesen Kreislauf heißt es zu durchbrechen und dies können wir nur schaffen, wenn wir fordern, denn wer nichts fordert, bekommt auch nichts.

Wir fordern mehr Rücksichtnahme auf die Arbeiter weltweit. Ausbeutung muss Schnee von gestern sein. Diese gesundheitsschädlichen Gifte müssen global verboten werden und diese Monopolisierung der Konzerne, dass sie sowohl das Saatgut, die dazugehörigen Pestizide und anschließend auch noch die Medikamente für die daraus entstehenden Krankheiten vertreiben, muss verboten werden.

Nur einige wenige Konzerne entscheiden darüber, was wir kaufen, wie es produziert wird und wie hoch der Preis ist, aber ganz viele Verbraucher entscheiden, ob es gekauft wird.

Mit diesem Satz möchten wir diesen Beitrag schließen und trinken nun eine fair gehandelte, frisch gemahlene aufgebrühte Tasse Kaffee in der Hoffnung, dass Sie sich uns anschließen werden.

© Netzfrau Doro Schreier

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5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank für diesen ausführlichen und wieder Mal traurigen Bericht über die Menschen dort.
    Wir trinken auch nur einmal am Tag und zwar zum Frühstück schon jahrelang einen fair gehandelten Kaffee. Aufgebrüht in einer ganz normalen Kaffeemaschine.
    Viele Grüße
    Anna

  2. Danke für diesen Bericht. Wir brühen auch noch von Hand Bio-Kaffee. Wird auch so beibehalten.
    Viele Grüße
    Helmut

  3. vielen Dank für den ausführlichen Bericht.erschreckend wie Menschen ausgebeutet werden und Menschen wissentlich mit giftigen Produkten -betrogen werden.denn wer Kaffee kauft will nicht Pestizide drin.ich kaufe die Marke -Afrikan blu-und hoffe das meine Wahl gut ist.ich koche den Kaffee auf türkische Art.

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