Protest gegen Amazon – Offene Briefe aus USA und Deutschland – Netzfrauen unterstützen Protest

Netzfrauen amazon_mailAuf den sich verhärtenden Kampf um Gewinnmargen des Internethändlers Amazon und die daraus resultierenden Gefahren der Monopolisierung des Buchmarktes weist die vor einer Woche ins Leben gerufene Aktion „Autorinnen und Autoren für einen fairen Buchmarkt“ mit ihrem Offenen Brief an Amazon hin.

Der Protest der Schriftsteller aus USA und Deutschland richtet sich gegen den Onlinehändler an Amazon-Gründer Jeff Bezos und Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber. Dort fordern 1514 deutschsprachige Autoren „eine lebendige, ehrliche Buchkultur“ und „einen fairen Buchmarkt“. Sie werfen dem Internet-Kaufhaus vor, in seinen Preis-Auseinandersetzungen mit den Verlagen vor allem in Amerika die Autorinnen und Autoren „in Beugehaft“ zu nehmen.

In dem offenen Brief wenden sich die Unterzeichner, darunter Nele Neuhaus, Ingrid Noll, Ferdinand von Schirach, Ulrich Wickert, Günter Wallraff, Doris Dörrie, Klaus Staeck, Dr. Inge Jens, Chibo Onyeji und Juli Zeh gegen die Praxis des Onlinehändlers, Lieferungen bestimmter Bücher gezielt zu verzögern, um den Druck bei Konditionsverhandlungen zu erhöhen.

Amazon versucht überdurchschnittliche Gewinnmargen in der EBook Sparte durchzusetzen, auch mit dem erklärten Ziel, seine Monopolstellung auszubauen. Sollte das gelingen, werden die Umsatzeinbußen sowohl bei Verlagen, in erster Linie aber bei den Autoren deutlich zu spüren sein. Langfristig ist damit die Vielfalt der Inhalte auf dem Buchmarkt gefährdet.

„Die bisherige Geschäftsstrategie Amazon legt den Schluss nahe, dass das erst der Anfang ist“, so die Geschäftsführende Sprecherin des SYNDIKATs, Elke Pistor. „Konditionsänderungen für andere größere und kleinere Verlagen werden folgen. Auch die Selfpublisher, die der Onlinehändler zurzeit noch mit verlockenden Margen an sich zu binden versucht, werden auf lange Sicht nicht davon verschont bleiben.“

Innerhalb von vier Tagen wuchs die Zahl der UnterzeichnerInnen von 56 auf 1188, inzwischen sind es 1462. Autoren- und Autorinnenverbände aus Österreich und der Schweiz schlossen sich an, auch Autoren und Autorinnen aus Georgien, den USA, Italien, Indien oder Nigeria. Darunter Literaten, Genrelieblinge, DebütantInnen, politische AutorInnen, LyrikerInnen, Hochliteratur bis gute Unterhaltung, Dramatiker und ÜbersetzerInnen. Ebenso unterstützen LeserInnen, KulturpolitikerInnen, KünstlerInnen, Kulturschaffende die Aktion Fairer Buchmarkt.

Auch wir , die Netzfrauen, unterstützen diese Aktion und haben den offenen Brief unterzeichnet.

In den USA hatten mehr als 900 Autoren, unter ihnen Stephen King und John Grisham, mit einem offenen Brief gegen Amazon protestiert. Dabei geht es um den seit Monaten schwelenden Streit mit dem US-Verlag Hachette. Wir haben den Offenen Brief der amerikanischen AutorInnen für Sie übersetzt.

Amazon liegt in einem kommerziellen Streit mit dem Buchverlag Hachette.

Zudem Hachette Buchverlag gehören ebenfalls Little, Brown, und Grand Central Publishing. Normalerweise bekommt der Kunde von so etwas nichts mit und diese Art von Streitigkeiten, welche sehr häufig vorkommen zwischen großen Unternehmen, werden in deren „Hinterräumen“ unter Ausschluss der Öffentlichkeit gelöst.

In diesem Fall machte Amazon allerdings etwas Ungewöhnliches.

Das Unternehmen nahm sich direkt Hachettes Autoren zum Ziel, deren Herausgeber dazu zu zwingen, ihren Bedingungen zuzustimmen.

Während der letzten paar Monate hat Amazon:

  • Hachettes Autoren boykottiert, indem sie Vorbestellungen und ebooks von Hachettes Autoren verweigerten mit der Begründung, diese seien nicht verfügbar.
  • Preisrabatte auf viele Bücher geschrieben von Hachettes Autoren verweigert
  • die Auslieferung von Tausenden von Hachettes verlegten Büchern an Kunden verzögert, indem es den Kunden glaubhaft machte, dass die Zustellung mehrere Wochen dauern würde.
  • auf manchen Seiten von Hachette-Büchern suggeriert, dass die Kunden wahrscheinlich ein Buch eines nicht Hachette-Autors präferieren würden.

Als Schriftsteller, die meisten von uns nicht vertreten durch Hachette, vertreten wir die starke Meinung, dass kein Buchhändler den Verkauf von Büchern blockieren, noch auf irgendeine andere Weise den Kunden entmutigen sollte, Bücher zu bestellen oder zu erhalten, welche sie gerne erhalten würden. Es ist falsch von Amazon, eine Gruppe von Autoren auszusondern, welche selbst nicht an dem Streit beteiligt sind, um eine selektive Vergeltung zu führen.

Zudem hält sich Amazon nicht an sein eigenes Versprechen „das kundenorientierteste Unternehmen der Welt“ zu sein, indem sie die Bestellungen mit unfairen Preisen und verspäteten Lieferungen für den Kunden irreführend und unangenehm gestalten.

Unsere Bücher halfen Amazon einen Platz auf den Markt zu bekommen

Viele von uns haben Amazon von Anfang an unterstützt. Unsere Bücher halfen Amazon einen Platz auf den Markt zu bekommen und Amazon wurde zu einem Händler, der alles verkauft und wurde somit zu einer der größten Unternehmen weltweit.

Wir haben Amazon mehrere Millionen Dollar eingebracht und haben über die Jahre sehr viel dazu beigetragen z. B.  durch Blogs, Buchkritiken, gemeinsame Verkaufsaktionen, welche wir umsonst anboten. Dieses Verhalten ist nicht die Weise, in der man einen Geschäftspartner behandelt, noch ist es die Art und Weise, wie man Freunde behandelt. Ohne sich auf die Seite einer der Streitparteien Hachette oder Amazon  zu schlagen, ermutigen wir Amazon in stärkster Weise, die Schädigung der Lebensgrundlage der Autoren zu stoppen, mit welcher Hilfe es selbst sein Geschäft aufbauen konnte.

Keiner von uns, weder Leser, noch Autoren profitieren davon, wenn Bücher in Geiselhaft gehalten werden. (Wir sind nicht alleine in unserem Appell: Die Meinungsseiten von New York Times und Wall Street Journal, welche selten etwas zustimmen, haben Amazons unternehmerisches Verhalten in stärkster Weise verurteilt.)

Wir rufen Amazon dazu auf, diesen Streit mit Hachette beizulegen, ohne den Autoren weiter zu schaden und ohne den Verkauf von Büchern weiter zu verzögern oder blockieren.

Wir bitten unsere loyalen Leser mit höchstem Respekt, Jeff Bezos, CEO und Gründer von Amazon eine E-Mail an jeff@amazon.com zu schicken und ihm zu sagen, was ihr denkt. Seiner Aussage nach ist er äußerst dankbar für Anregungen seiner Kunden und behauptet, alle E-Mails in seinem Postfach zu lesen.

Wir hoffen, dass Schriftsteller und Leser zusammen es schaffen, ihn umzustimmen.
Mit freundlichen Grüßen

Hier der offene Brief aus USA mit der Liste der unterzeichneten AutorInnen  A Letter to Our Readers:

Amazon is involved in a commercial dispute with the book publisher Hachette , which owns Little, Brown, Grand Central Publishing, and other familiar imprints. These sorts of disputes happen all the time between companies and they are usually resolved in a corporate back room.

But in this case, Amazon has done something unusual. It has directly targeted Hachette’s authors in an effort to force their publisher to agree to its terms.

For the past several months, Amazon has been:

Boycotting Hachette authors, by refusing to accept pre-orders on Hachette authors‘ books and eBooks, claiming they are „unavailable.“

Refusing to discount the prices of many of Hachette authors‘ books.

Slowing the delivery of thousands of Hachette authors‘ books to Amazon customers, indicating that delivery will take as long as several weeks on most titles.

–Suggesting on some Hachette authors‘ pages that readers might prefer a book from a non-Hachette author instead.

As writers–most of us not published by Hachette–we feel strongly that no bookseller should block the sale of books or otherwise prevent or discourage customers from ordering or receiving the books they want. It is not right for Amazon to single out a group of authors, who are not involved in the dispute, for selective retaliation. Moreover, by inconveniencing and misleading its own customers with unfair pricing and delayed delivery, Amazon is contradicting its own written promise to be „Earth’s most customer-centric company.

Many of us have supported Amazon since it was a struggling start-up. Our books launched Amazon on the road to selling everything and becoming one of the world’s largest corporations. We have made Amazon many millions of dollars and over the years have contributed so much, free of charge, to the company by way of cooperation, joint promotions, reviews and blogs. This is no way to treat a business partner. Nor is it the right way to treat your friends. Without taking sides on the contractual dispute between Hachette and Amazon, we encourage Amazon in the strongest possible terms to stop harming the livelihood of the authors on whom it has built its business. None of us, neither readers nor authors, benefit when books are taken hostage. (We’re not alone in our plea: the opinion pages of both the New York Times and the Wall Street Journal, which rarely agree on anything, have roundly condemned Amazon’s corporate behavior.)

We call on Amazon to resolve its dispute with Hachette without further hurting authors and without blocking or otherwise delaying the sale of books to its customers.

We respectfully ask you, our loyal readers, to email Jeff Bezos, CEO and founder of Amazon, at jeff@amazon.com, and tell him what you think. He says he genuinely welcomes hearing from his customers and claims to read all emails at that account. We hope that, writers and readers together, we will be able to change his mind.

Sincerely,

Auch deutsche Autor rufen zum Boycott auf: http://www.fairer-buchmarkt.de/

Liebe Leserinnen und Leser,

sehr geehrter Herr Bezos, sehr geehrter Herr Kleber,

Amazon befindet sich in einem Machtkampf mit der Bonnier-Verlagsgruppe und Hachette. Solche Auseinandersetzungen zwischen Firmen geschehen ständig, und normalerweise finden sie in den Büros der Firmen zwischen zwei Verhandlungspartnern statt.

Aber diesmal hat Amazon etwas Ungewöhnliches getan. Es hat direkt die Autoren und Autorinnen der Bonnier-Gruppe (Aladin, arsEdition, Berlin Verlag, Carlsen, Hörbuch Hamburg, Piper, Thienemann-Esslinger, Ullstein) angegriffen, um damit die Verlagsgruppe zu zwingen, in die neuen Vertragsbedingungen einzuwilligen.

In den letzten Monaten werden Bonnier-Autoren und Autorinnen boykottiert und ihre Bücher nicht auf Lager gelegt, selbst wenn es gängige Werke sind. Die Bücher werden verlangsamt ausgeliefert, über die Lieferbarkeit finden sich Falschaussagen und die Autoren und Autorinnen tauchen nicht mehr in den Empfehlungslisten auf. In den „Kunden haben auch gekauft / sich angesehen“-Listen fehlen die Bonnier- Autoren und -Autorinnen. Gerade diese Listen wirkten als Empfehlungen, manche bisher unbekannte Autorin, mancher Autor ist dadurch bekannt geworden. Obendrein hatten Amazon-Kunden bisher den Eindruck, dass diese Listen nicht manipuliert würden und sie sich auf Amazon verlassen konnten.

Doch das stimmt offenbar nicht.

Amazon manipuliert Empfehlungslisten. Amazon nimmt Autoren und Autorinnen und ihre Bücher als Druckmittel her, um noch mehr Rabatte zu erzwingen.

Wir Autorinnen und Autoren sind der Meinung, dass kein Buchverkäufer den Verkauf von Büchern behindern oder gar Kunden vom Kauf von Büchern abhalten sollte. Amazon hat kein Recht, eine Autorengruppe, die am Konflikt nicht beteiligt ist, „in Beugehaft“ zu nehmen. Obendrein sollte kein Buchverkäufer seine eigenen Kunden falsch informieren oder ihre Einkäufe durch künstlich verlängerte Lieferzeiten behindern. Damit widerspricht Amazon seinem eigenen Versprechen, das kundenorientierteste Kaufhaus der Welt zu sein.

Viele Autoren und Autorinnen unterstützten Amazon, als es eine kleine Startup-Firma mit neuen Ideen war. Auch unsere Bücher halfen Amazon, eines der größten Unternehmen der Welt zu werden. Wir wirtschafteten Amazon Millionen in die Kassen, viele kooperierten mit Amazon und tun das noch heute. Viele von uns haben ihre Backlist bei Amazon, haben Rezensionen und Beiträge geschrieben.

Diese Autoren und Autorinnen, uns, jetzt „in Beugehaft“ zu nehmen, ist keine Art, mit Geschäftspartnern umzugehen und fördert nicht das Vertrauen der Autoren und Autorinnen in einen der wichtigsten Vertriebspartner.

Wir wollen im Streit zwischen Amazon und Bonnier nicht Partei ergreifen, sondern wir fordern Amazon entschieden auf, nicht länger Bücher und damit auch Autoren und Autorinnen als Geiseln zu nehmen, sondern eine lebendige, ehrliche Buchkultur zu gewährleisten und die benannten Maßnahmen zu stoppen.

Wir bitten alle unsere Leserinnen und Leser, dass sie dem Gründer von Amazon Jeff Bezos (jeff@amazon.com) und dem Chef von Amazon Deutschland Ralf Kleber (rkleber@amazon.de) schreiben und ihm ihre Meinung über die jüngsten Erpressungsmethoden mitteilen. Jeff Bezos und Ralf Kleber sagen, dass sie sich freuen, wenn sie die Meinung von Kunden kennenlernen, und dass sie alle E-Mails lesen. Wir hoffen, dass wir, AutorInnen und LeserInnen, Jeff Bezos und Ralf Kleber davon überzeugen können, dass nur ein fairer Buchmarkt ein Buchmarkt mit Zukunft ist.

Mit freundlichen Grüßen

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner

Amazon verdrängt den Buchhandel vor Ort. Seit einigen Jahren gibt es in den USA erste Millionenmetropolen, in denen es keinen Buchhändler mehr gibt. Bitte folgen Sie den Aufruf und unterstützen Sie die ortsansässigen Buchläden.

Netzfrauen

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1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Protest ist schon richtig, aber Amazon macht, was Apple, Microsoft und all die anderen dicken Fische auch tun. Kunden binden und Lieferanten samt Urhebern zum eigenen Nutzen ausquetschen. Es ist eben, wie es immer ist, wenn eine Sau geprügeld durchs Dörfle getrieben wird.
    Aber aktuell sollte sich die Energie doch bitte auf Rettung anderer Werte (das Leben der anderen und unseres) konzentrieren.
    Wie schon die Künstlerverwertungskonzerne in der Musik das digitale Zeitalter verschliefen, triffts jetzt die Bücherwürmer in ihren hohen Türmen – die Bäume wird´s freuen.

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