Vom Mythos „Verbrauchermacht“

Netzfrauen verbraucherSteigende Energie- und Verbraucherpreise, technische Geräte, die nach Ablauf der Garantiezeit ihren Geist aufgeben und purer Lobbyismus setzen dem Otto Normalverbraucher stark zu.

Die Wirtschaft ist in einer globalisierten Welt auf ständiges Wachstum gedrillt und die Unternehmen wollen ihren Gewinn Tag für Tag steigern.

Der Verbraucher ist immer der Dumme

Am Ende einer Produkt- und Konsumkette stehen „wir Verbraucher“, die zwar eine gewisse Machtposition inne haben, bei genauerem Hinsehen aber eigentlich auch wieder nicht. Der Mythos, dass wir mit unserem Portemonnaie im Supermarkt darüber entscheiden können, welche Ware angeboten wird, ist eben nur ein Mythos. Durch die Herstellung immer neuer Produkte werden künstlich Bedürfnisse erzeugt, die es vorher gar nicht gab (Ur-Salz, Himalaya-Salz, Salz-Salz). Andere Produkte hingegen wie zum Beispiel Glühbirnen oder Drucker werden bereits so konzipiert, dass sie schneller kaputt gehen, als sie es müssten.

Dann will man den Verbraucher glauben machen, dass er diese Produkte genau so will, weil er ja nur auf billiger, noch billiger und immer billiger aus ist? Wer soll das denn bitteschön noch glauben? Wer möchte wirklich Produkte kaufen, die schnell kaputt gehen und noch dazu nicht zu reparieren sind? Sei es nun darum, weil der Hersteller keine Ersatzteile anbietet oder weil die Ersatzteile ähnlich teuer sind wie ein neueres und vermeintlich besseres Gerät?

Geplante Obsolezsenz

Der Begriff „Geplante Obsoleszenz“ bezeichnet eine (geplante) absichtliche Verringerung der Lebensdauer von Produkten. Es wäre technisch durchaus machbar, Geräte so zu konstruieren, dass sie fast endlos halten. Das behagt den Herstellerfirmen aber nicht, denn diese wollen vor allem eins: verkaufen, verkaufen, verkaufen. Letztendlich sind wir auf Gedeih und Verderb dem globalen Markt unterworfen mit unabsehbaren Folgen für die Umwelt und den Geldbeutel. Geld regiert die Welt! Eine bittere Erkenntnis und man kann sich dem Kreislauf der Obsoleszenz in keiner Weise entziehen. Wachstum muss um jeden Preis generiert werden! Die Zeche zahlt am Ende der Verbraucher – so oder so.

„Hat Ihr Kind auch manchmal Fieber?“

Beim Verkauf von Versicherungen greifen Versicherungsvertreter gerne zu dem Trick, mit subtilen Methoden menschliche Urängste zu schüren. Mit einem Geschichtchen in Sachen Kinder schafft ein Versicherungsvertreter beispielsweise Nähe und Verbundenheit. Dann folgt die Frage: Hat ihr Kind auch manchmal Fieber? – Ja, ja, neulich im Schullandheim, da hatten wir den Fall, dass … Und so schlägt der gewiefte Versicherungsmensch den Bogen von Borreliose durch einen Zeckenbiss hin zum lebenslangen Pflegefall. Da verkaufen sich Unfall-, Invaliditäts- und Krankenzusatzversicherung fürs Kind wie warme Semmeln, und das sogar an Großeltern.

Künstliche Preissteigerung bei Lebensmitteln

Beispiel: Weil die Preise für Weizen drastisch gestiegen sind, planen die Bäcker eine mittelfristige Preiserhöhung. Grund für die Preissteigerung ist z. B. eine Dürreperiode im Mittleren Westen der USA. Davon konnte man schon mal in allen Medien lesen … Quatsch … denn der Bäcker um die Ecke kauft doch sein Getreide nicht in den USA.

Apropos: nur 48% Roggenmehlanteil berechtigen einen Bäcker, sein Brot „Roggenbrot“ zu nennen. Übrigens ist braunes Brot nicht unbedingt gleich Vollkornbrot, sondern wird oft durch Zugabe von Malz gefärbt, aber das nur nebenbei.

Werbung schwächt „Verbrauchermacht“

In der Werbung wird häufig auf emotionaler Ebene kommuniziert. Es gibt Produkte, die beispielsweise Jugend, Dynamik, Gesundheit, Komfort oder Eleganz versprechen. Durch den Kauf und die Benutzung solcher Produkte gilt man als „trendy“ oder man „demonstriert Erfolg“. Das Verbinden der Träume der Konsumenten mit dem beworbenen Produkt nennt sich „Produkt hinter dem Produkt“.

Beide Bereiche gehören zusammen. Je nachdem, welches Werbemittel und welche Ziele man hat, verschiebt sich natürlich die Gewichtung. Bei bestimmten Produkten wie Maschinen und Anlagen wird mehr die Information im Vordergrund stehen, bei anderen – Mode, Urlaub oder Prestigeprodukten – dagegen mehr die Beeinflussungsfunktion.

Handel erwartet Rekordumsatz

Die Deutschen geben in diesem Jahr offenbar wieder mehr Geld für Luxus aus als noch im Vorjahr. Alles dank erfolgreicher Werbung und Beeinflussung der Kunden. Wenn alle kaufen, dann will ich auch kaufen. Ich will ja schließlich dazu gehören. Ach, ich bin ja „dumm”, wenn ich mache, was man von mir als Verbraucher erwartet. Aber wer will denn schon wirklich „dumm“ sein? Zum Glück können wir noch selber entscheiden … oder?!?

Video: Abgebrüht und ausgekocht – Die Tricks der Lebensmittelindustrie

Wie Kunden getäuscht, manipuliert und abkassiert werden, zeigt folgendes Video  „Abgebrüht und ausgekocht – Die Tricks der Lebensmittelindustrie“
https://www.youtube.com/watch?v=wqLjwhB56Nw?rel=0″ width=“560″ height=“315″ frameborder=“0″ allowfullscreen=“allowfullscreen“>
Abgebrüht und ausgekocht – Die Tricks der Lebensmittelindustrie

Schnäppchen oder doch kein Schnäppchen – das ist hier die Frage

Manche Hersteller und Händler sind sehr erfinderisch, wenn es darum geht, den Verbraucher mit vermeintlichen Preisnachlässen zum Kauf zu verleiten. Schaut man jedoch genauer hin, dann entpuppt sich so manches Schnäppchen als mieses Geschäft! Es handelt sich dabei um Sonderangebote, die gar keine sind. Entweder, weil der angebliche Originalpreis frei erfunden ist, oder weil der Inhalt von Packungen, die zwar seit Jahren dasselbe kosten, kontinuierlich schrumpft. Fragwürdige Rabattaktionen gibt es nicht nur bei Drogeriemärkten, wie zurzeit in den Medien häufig zu lesen ist (NDR: So tricksen Drogeriemärkte in der Werbung). Es wird z. B. auch beim Küchenkauf getrickst: Beim Möbeldiscounter gibt es Küchen häufig mit einem Preisnachlass von 50 Prozent – angeblich. Am Ende stellt sich dann aber heraus: Die gleiche Küche beim Fachhändler nebenan kostet tatsächlich weniger, obwohl dieser sie ganz ohne Rabatte verkauft!

„Verbraucher sind für die Wirtschaft das, was der Wähler für die Politik ist.“ – Jim Turner

 ©  Netzfrauen Doro Schreier

TTIP- Ausverkauf der Verbraucherrechte für 50 Cent ?!

Kampf der Giganten – Wenige Konzerne beherrschen die weltweite Lebensmittelproduktion

Die Globalisierung im Magen

W e r b u n g? Nein, die beeinflusst mich nicht. Wetten, dass doch?

Sklavenarbeit für unseren Fortschritt – Die Nutznießer dieser Ausbeutung sind die Verbraucher in den Industrieländern

Gefallener “gelber Engel” – Willkommen im Label-Dschungel – Verbraucherschutz? Augenwischerei?

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. @Verbrauchermacht
    Wir haben es selbst in der Hand, das Angebot richtet sich nach der Nachfrage.
    Wenn wir mit dem einen oder anderen Produkt oder Hersteller nicht einverstanden sind, brauchen wir diese Produkte von diesem Hersteller doch einfach nicht zu kaufen. Kein Absatz, kein Umsatz, dann werden solche Produkte auch wieder schnell vom Markt verschwunden sein!
    Billig, billiger und noch billiger, – solche Produkte taugen nicht´s, gekauft werden diese trotzdem!
    Denjenigen die dann noch über solche Artikel schimpfen kann man nicht helfen, denn sie haben sich doch für ein Billigprodukt entschieden!

  2. Danke für den Artikel. Das sollte Pflichtfach und Pflichtlektüre in den Bildungseinrichtungen werden und zu den Eltern durchdringen. Schaut man auf die Straßen sieht man kippensaugende, hundeleineklammernde, handybeschäftigte, bunt und schrill gefärbte und gepiercte Mamis ihren Nachwuschs im Kinderwagen herumschubbsen. Was soll da hiervon ankommen?
    Aber unsereins ist eben nicht zu helfen. Das sollten wir hinnehmen. Die Masse will gar nicht und treibt damit den ganzen Wahnsinn weiter voran. Versuche im privaten Umfeld zeigen, dass Anderssein zunächst immer Kopfschütteln und „Verschwörungstheoretiker“ als Totschlagargument herausfordern. Leute, die es hier richtig anfassen sind Spinner und Radikale oder werden diffamiert.
    Gegen unsere Religionen anzutreten, heißt immer den Scheiterhaufen zu riskieren. Ob nun Konsum, Wachstum, Bank oder Kirche – egal!

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