Chaos in Frankreich – Die französische Regierung ist zurückgetreten – Pleite bleibt Pleite

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Der französische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg hatte am Wochenende eine Abkehr von der Sparpolitik in Frankreich gefordert.

Er kritisierte dabei auch, Deutschland habe unter Kanzlerin Angela Merkel einen solchen Sparkurs ganz Europa aufgezwungen. Auf Grund der regierungskritischen Äußerungen von Montebourg hat der französische Ministerpräsident Valls Präsident Hollande den Rücktritt der Regierung angeboten. Am Dienstag werde eine neue Regierung vorgestellt, teilte das Präsidialamt heute mit.

Am Wochenende hatten Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg und Bildungsminister Benoît Hamon scharfe Kritik an Hollandes Politik geübt. Die beiden Minister, die dem linken Flügel der Sozialisten zugerechnet werden, forderten, dass sich die Regierung weniger auf den Schuldenabbau und Hilfen für die Wirtschaft und mehr auf eine Stärkung der Nachfrage durch Steuersenkung für Privathaushalte konzentrieren solle.

Die  Arbeitslosigkeit in Frankreich steigt und steigt. Im Mai lagen die veröffentlichten Zahlen bei 3,388 Millionen. Das ist ein Anstieg  zum Vorjahr um 4,1 Prozent. Damit erreichte die Arbeitslosigkeit in Frankreich einen neuen Negativrekord.

In Frankreich brodelt es schon seit Jahren. In Paris demonstrierten am 12. April 2014 etwa 100 000 Menschen, deren Wut sich gegen die Politik des Ministerpräsidenten Manuel Valls richtete, als dieser die neuen Steuer- und Ausgabenkürzungen verkündete. Aber auch Präsident Francois Hollande wurde wegen seines „Pakts der Solidarität“ mit der Wirtschaft angegriffen. Der Pakt sieht vor, dass die Unternehmen im Gegenzug für die Entlastung mehr Arbeitsplätze schaffen.

Bereits 2012 verging in Frankreich kaum ein Tag, ohne dass dort ein Unternehmen die Schließung eines Werks verkündete. So wurden 2012 fast 24 000 Arbeitsplätze in der verarbeitenden Industrie vernichtet. Von 2009 bis 2012 fielen dort mehr als 120 000 Stellen weg.

Wenn eine ganze Generation ihren Mut verliert

In Spanien, Griechenland, Portugal und Frankreich gehen die Jungen schon länger auf die Straße. Ihr Zorn ist berechtigt: Sie verlangen nach guten Jobs, sie wollen Familien gründen und fürs Alter vorsorgen. Doch anstatt den Jugendlichen mehr Geld für Bildung und Ausbildungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, gab es einen Deal bei der Verteilung der künftigen EU-Finanzen.

In Frankreich ist wie anderen europäischen Ländern die Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen besonders stark von der Arbeitslosigkeit betroffen. Hier liegt die Arbeitslosenquote mittlerweile sogar 22,3 Prozent.

Frankreich bereitet Sorgen und das schon seit Jahren

Doch auch die anziehende Exportnachfrage gab dem Industriesektor neue Impulse insbesondere in Spanien und Italien. In Spanien erreichte das Barometer den höchsten Stand seit anderthalb Jahren, in Italien den besten Wert seit knapp einem Jahr. Sorgen bereitet dagegen Frankreich: Hier fiel das Barometer auf 42,9 Punkte – nur Griechenland weist einen noch schlechteren Wert auf, so das Ergebnis von 2013.

2013!!! Sorge bereitet die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Industrie baute den zwölften Monat in Folge Stellen ab – und zwar in allen Ländern, mit Ausnahme der Niederlande. In Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich beschleunigte sich der Jobabbau sogar.

Bei den Europawahlen zeigte sich, wie desolat die Lage in Frankreich ist, denn mit Marine Le Pen und ihrem Front National, wurde ausgerechnet jene Partei zur stärksten Kraft gewählt und zwar mit 24,9 Prozent, die mit dem Austreten aus der EU und der Abschaffung des Euro angetreten waren. Seit Jahren stagniert die Wirtschaft, die Staatsquote ist mit lähmenden 56,1 Prozent die höchste in ganz Europa, während die Verschuldung des Landes nun sogar kurz davor steht, die 2000-Milliarden-Euro-Mauer zu durchbrechen – trotz aller Sparrhetorik! Aber auch durch den Ausschluss aus Europa und die Abschaffung des Euro wird es nicht besser. Was fehlt, ist, wie auch schon die USA gezeigt haben, die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Logischerweise können diese nur damit gewonnen werden, wenn die Produktion von Wirtschaftsgütern zurück ins eigene Land geholt werden. 

Nur sich auf die Autoindustrie zu verlassen, hat schon in der Vergangenheit gezeigt, dass dieses nicht der Motor ist, auf den sich ein Land verlassen sollte. Übrigens: Das Auto wird nur in dem jeweiligen Land zusammengebaut, die Teile werden schon längst dort produziert, wo es billig ist.

Bezogen auf die Weltproduktion werden in China heute schon 23 Prozent aller Pkws gebaut, fast so viele wie in den USA und Japan zusammen. Während das Reich der Mitte diesen Anteil in den vergangenen zwölf Jahren etwa versechsfachen konnte, halbierten sich die Marktanteile in Japan, Spanien oder Frankreich.

Logistisch ist es sinnvoll, die Autos dort herzustellen, wo sie auch verkauft werden. Das ist nun mal in Fernost. Was bedeutet das für das so-genannte Wachstum in Frankreich? Genau: Wie in anderen europäischen Ländern ziehen die Autokonzerne weiter und die Arbeitslosigkeit steigt.

Wo soll also das Wachstum herkommen, das Frau Merkel immer so gern fordert? Sparpolitik auf Kosten des „kleinen Mannes?“ Wie soll der das noch alles verstehen, Billionen Euro für Bankenrettung, immer mehr Subventionen und Steuerersparnisse für Konzerne und Unternehmen? Dann das Freihandelsabkommen, welches als Jobmotor gern bezeichnet wird, es aber nicht ist. Im Gegenteil: weniger Zölle = weniger Einnahmen des Staates.

Ist Frankreich das nächste Zypern?

Ein Beispiel von vielen: In Courbefy lebt seit 2008 niemand mehr. Der kleine französische Ort ist pleite und jeder kann ihn kaufen, hieß es 2012. Interessenten gibt es bislang allerdings nicht – weder die Bank noch die Nachbargemeinde wollten das Geisterdorf. Man hoffte auf einen ausländischen Investor. Kaufpreis 330 000 Euro. Diese Meldung zeigt, dass es um Frankreich alles andere als finanziell rosig gestellt ist. Ob das Dorf wirklich einen Käufer gefunden hat?

Pleite ist Pleite. Französische Banken – Schuldenkrise Griechenland 2011

Die französischen Banken waren große Gläubiger des griechischen Staates. Zusammengenommen hatten sie ähnlich viele Staatsanleihen in ihren Büchern wie die deutschen Institute. Bei den französischen Banken kam jedoch ein weiteres Risiko hinzu: Weil sie über ihre griechischen Tochterfirmen extrem hohe Kredite an dortige Unternehmen und Verbraucher vergeben hatten, waren sie von dem Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft besonders hart betroffen. Nach einer Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) beliefen sich die Forderungen französischer Institute an griechische Unternehmen und Verbraucher Ende 2010 auf fast 40 Milliarden Dollar (28 Milliarden Euro). Allein die Tochter der Großbank Crédit Agricole Emporiki hatte laut der Rating-Agentur Moody’s Ende März Kredite über 21,1 Milliarden Euro in ihren Büchern. Die Tochter der Société Générale Geniki kam auf 3,4 Milliarden Euro. Quelle  

Viel ist passiert: erst die Bankenkrise 2008, danach 2011 die Griechenlandkrise, danach folgten Portugal, Spanien und auch Zypern erwischte es. Und Frankreich? Nun, erholt hat sich Frankreich nicht wirklich und ob es nun durch eine neue Regierung gelingen wird, ist fraglich. Wie gesagt, Pleite ist Pleite und was her muss, sind neue Arbeitsplätze, doch dazu muss die Produktion in Frankreich erst wieder angekurbelt werden, die ja im Ausland stattfindet, da es dort billig ist. Und wie gesagt, wenn die Automobilbranche wegfällt, dürfte Frankreich das nächste Zypern werden, aber wer kann diesen Schuldenberg schon auffangen, da wird auch der Rettungsschirm nicht groß genug sein. Europa wird weiterhin seine Finanzen nicht in Griff bekommen.

© Netzfrau Doro Schreier

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3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Was möchtest Du denn produzieren in Frankreich? Warum mehr Arbeitsplätze? Arbeit gibts immer genug, nur die Einkommen sind leicht ungleich verteilt, weil sie noch aus Kapital und Erwerbseinkommen bezogen werden, was für die Zukunft absehbarer Weise nicht mehr funktioniert. Oder willst Du alle Maschinen abschaffen?

    Die Probleme sehe ich als Chance, vor allem, weil langsam jeder merken muß, daß die alten Rezepte ausgedient haben. Natürlich merken es die Menschen hier wieder am wenigsten, das hat Tradition. Auch etwas, was sich dringend verändern darf.

    • So kann nur jemand schreiben, der auf einem großen Haufen Geld sitzt, der mit Sicherheit noch mehrere nachfolgende Generationen ernähren wird.

      Was ist das für eine Arbeit, von der du schreibst sie wäre immer genug vorhanden? Ist eine Arbeit wirklich eine „Arbeit“, wenn man mit ihr seinen Lebensunterhalt nicht verdienen kann, geschweige denn den einer Familie? Und wer streicht eigentlich das Geld ein, das früher noch für die gleiche Arbeit bezahlt wurde? Die Aktionäre, die Nichtstuer?
      Wie wäre es mit einer Maschinensteuer?
      Das Verhältnis stimmt überhaupt nicht mehr, wenn die Masse der Bevölkerung drei/vier Jobs braucht um über die Runden zu kommen, während Aktionäre beim Golf spielen, Feiern und auf Reisen um die ganze Welt sind?
      Grotesk finde ich, dass in Billiglohnländern die Waren produziert werden, die die einheimische Bevölkerung dann zu Preisen erstehen soll, als wären sie in Europa produziert worden. Das ist echt krass, eine ganz, ganz große Verarsche.
      Gut dass ich nicht mehr erleben werde, dass die Welt von Konzernen regiert wird, die sich nicht mehr an Länderrecht halten müssen, denn das wird kommen. Sie versuchen es ja bereits jetzt mit aller Macht dahin zu kommen! Die machen dann ihre eigenen Gesetze und der gemeine Mensch wird zum Konsumenten degradiert. Konsumiert er nicht ausreichend, wird er aus der „Gesellschaft“ ausgestoßen. Die Aktiengesellschaften die zu nichts anderem verpflichtet sind, als zur Gewinnmaximierung vernichten die Lebensgrundlage des „gemeinen“ Menschen…..und der ist so blöd und läßt sich das gefallen!
      Wen wundert es da, dass die Deutschen keine Kinder mehr wollen? Was für ein Leben würde sie erwarten?

      • Sie sollten sich den Beitrag noch mal durchlesen, denn da steht nicht, dass genügend Arbeit vorhanden ist – sondern das die Arbeitslosenzahl stetig steigt- Und das hier was getan werden muss. Man könnte die Produktion wieder nach Frankreich zurückholen, so auch in anderen Ländern, denn alles wird im Ausland produziert und das kostet Arbeitsplätze.

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