Unkrautresistenz als Antwort auf die Giftcocktails – Die Natur schlägt zurück!

Immer höhere Dosierungen von Herbiziden und was wird aus uns?

Für die Industrie steht fest: Der Ausweg aus der Misere der Unkrautresistenzen sind Pflanzen, die gegen mehrere Herbizide resistent sind.

Das bedeutet im Umkehrschluss die Möglichkeit, gleich mehrere Herbizide auf einem Feld aufzubringen, ohne die Pflanzen – auch bei einer großen Menge Gift, die immer wieder auf das Feld gesprüht wird – zu beschädigen.

Aber was bedeutet dies für unser Grundwasser, für die Bäche, Flüsse oder Seen in der Umgebung?

Welche Auswirkungen hat das auf unsere Gesundheit?

Es ist immer wahrscheinlicher, dass sich in einigen Jahren nur noch die Menschen natürliche Lebensmittel leisten können, die über ein gehobenes Einkommen verfügen. Alle anderen werden sich krank essen.

Nach einem vorsichtigen und verantwortungsvollen Umgang mit Herbiziden sieht es im Augenblick nämlich nun wirklich nicht aus.

Unkrautresistenz in Deutschland – Die Natur schlägt zurück

„Unkrautresistenz bei Unkraut-Arten wie Kamille, Vogelmiere, Weißem Gänsefuß oder Melde-Arten sind bisher nur punktuell aufgetreten und spielen eine untergeordnete Rolle. Dennoch sollte auch hier darauf geachtet werden, dass Resistenzen sich nicht weiter ausbreiten“, teilt der Chemieriese Bayer auf seiner Plattform mit. Wie in dem folgenden Beitrag aus den USA kämpfen auch Bayer und seine Kunden, die Landwirte, mit angestiegenen Unkrautresistenzen. Hauptsächlich findet man Resistenzen bei den Ungräsern Ackerfuchsschwanz und Windhalm.

Sie liefern gleich die Begründung mit: „Enge Fruchtfolgen mit einem hohen Anteil an Wintergetreide, reduzierte Intensitäten der Bodenbearbeitung haben diese Ungräser begünstigt und führten zu einem Anstieg der Befallsdichte. Wenn dies einhergeht mit einseitigen Herbizidsystemen, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis Herbizide nicht mehr wirken.“

Das erinnert doch gleich an die Insekten, die eigentlich gar nicht mehr auf den Pflanzen sein dürften. Die Chemiekonzerne Monsanto und Co. haben gentechnisch veränderte Pflanzen entwickelt, die ein Gift bilden, das diese Insekten töten sollten. Eine Invasion von Pestizid-resistenten Insekten auf den Soja-, Mais- und Baumwollfeldern Brasiliens breiten sich weiter aus, sodass sogar Brasilien für zwei Bundesstaaten den Notstand ausgerufen hatte.  [Lesen Sie dazu: Die Natur schlägt zurück – Pestizid-resistente Insekten kehren zurück]

Bienen 9Werden wir eines Tages wieder die als „Unkraut“ bezeichneten Wiesenblumen auf den Äcker sehen können? Wäre es nicht herrlich, diese blühenden Wiesen aus unserer Kindheit betrachten zu dürfen? Die Bienen hätten wieder reichlich „Futter“ und die Natur holt sich das zurück, was man ihr genommen hat.

Doch so weit werden es die Chemiekonzerne nicht kommen lassen, denn wie wir auf der Plattform von Bayer lesen können, wurde eigens ein Herbizid-Management eingerichtet, das bei der Ausbreitung der Unkrautresistenz behilflich ist.

Der für Sie übersetzte Artikel lässt zumindest hoffen, dass die Probleme mit den verbundenen Risiken für Mensch, Tier und Natur nicht mehr unter den Teppich gekehrt werden (können). Die EPA hat die Macht, Beschränkungen für den Einsatz des Herbizids zu verhängen, wenn dies notwendig ist. Die EPA ist eine unabhängige Behörde der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika zum Schutz der Umwelt und zum Schutz der menschlichen Gesundheit. Sie plant den Einsatz von Glyphosat bis 2015 zu prüfen, um zu entscheiden, ob es weiterhin genutzt, begrenzt oder gänzlich gestoppt werden soll. Eine vorläufige Risikobewertung soll bis Ende des Jahres vorgenommen werden, aber viele der 100 Studien, die sich mit Glyphosat beschäftigten, wurden von den Chemie-Herstellern selbst zur Verfügung gestellt.

Das Original des Artikels finden Sie hier: A growing problem Without careful stewardship, genetically engineered crops will do little to stop the spread of herbicide-resistant weeds.

Für die Industrie steht fest: Der Ausweg aus der Misere der Unkrautresistenzen sind Pflanzen, die gegen mehrere Herbizide resistent sind.

Ohne einen vorsichtigen Umgang damit werden gentechnisch veränderte Pflanzen wenig tun, um die Ausbreitung von herbizidresistenten Unkräutern zu stoppen.

Das Fuchsschwanzgewächs Amaranthus palmeri ist kein Unkraut, mit dem zu spaßen ist. Es kann eine Höhe von mehr als 2,5 Metern erreichen, wächst mehr als 6 Zentimeter pro Tag, produziert 600 000 Samen und hat einen harten, holzigen Stamm, der die Landmaschinen, mit denen man versucht es auszurotten, zerstören kann.

Außerdem wird es zunehmend resistent gegen das gängige Herbizid Glyphosat.

Die erste dieser resistenten Population wurde im Jahr 2005 in einem Baumwollfeld in Georgien bestätigt und die Pflanze plagt jetzt Landwirte in mindestens 23 US-Staaten. Es ist nur eines von vielen resistenten Unkräutern, die durch die ganze Welt marschieren.

Die US Environmental Protection Agency (EPA) versucht, aus den Erfahrungen mit dem Fuchsschwanzgewächs zu lernen und den durch die jüngste Welle der Unkrautbekämpfung entstandenen Schaden zu begrenzen. Dies verdient Anerkennung und Unterstützung.

Es herrscht eine breite Einigkeit darüber, dass die Verbreitung dieser resistenten Pflanzen ihre Wurzeln in der weit verbreiteten Einführung von Kulturpflanzen hat, die resistent gegen Glyphosat sind. Zu der Zeit, als diese gentechnisch veränderten Pflanzen Mitte der 1990er Jahre eingeführt wurden, hatten Bauern herbizidresistente Unkräuter seit Jahrzehnten bekämpft. Glyphosat aber war vor allem dazu gedacht, mit schwierigen Unkräutern fertig zu werden. Einige wenige Fälle von Resistenzen waren gesichtet worden.

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Das sollte sich ändern. Bis 2012 hatten glyphosat-resistente Unkräuter bereits 25 Millionen Hektar Ackerland verseucht. Sie sind auch in anderen Ländern aufgetaucht, darunter Australien, Brasilien und Argentinien – Ländern, die bereitwillig glyphosat-resistente Kulturen angenommen haben. Jahr für Jahr die Kulturen mit dem gleichen Herbizid zu ersticken, ist der perfekte Weg, die Entwicklung resistenter Unkräuter zu fördern.

Chemieunternehmen sind zu einer Lösung gekommen:

Pflanzen, entwickelt, um mehrere Herbizide zu tolerieren. Die Wahrscheinlichkeit einer Unkrautresistenz gegen mehr als eine Chemikalie, so behaupten sie, sei sehr gering. Und mit einem unheimlichen Echo auf die Diskussion um die Glyphosat-Toleranz in den 1990ern weisen einige sogar darauf hin, dass eines der anderen angepeilten Herbizide – das Cholin-Salz, eine alte Chemikalie namens 2,4-D – seit Jahrzehnten benutzt wird – und das ohne das kleinste Anzeichen einer Resistenz. [Lesen Sie dazu auch: Agent Orange, das Gift wirkt bis heute, kehrt auf den Feldern zurück!]

Es ist ein fehlerhaftes Argument. Das Aufschichten der Toleranz-Eigenschaften kann das Auftreten von resistenten Unkräutern vielleicht verzögern, aber wahrscheinlich nicht für lange. Unkräuter sind schlau: Bauern haben schon einige Pflanzen gemeldet, die gegen mehr als fünf Herbizide resistent sind. Mit Glyphosat-resistenten Unkräutern auf bereits vielen Feldern sinken die Chancen zur Verhinderung weiterer Resistenzen.

Pflanzen, die resistent gegen mehrere Herbizide sind, könnten sinnvoll sein. Wissenschaftler aber sind besorgt, dass die Landwirte sich zu stark auf die Chemikalien verlassen und andere Wege vernachlässigen, um die Resistenzen zu bekämpfen. Dazu gehört eine speziell an die Eindringlinge, die Saatfolge und die Bodenbearbeitung angepasste Mixtur aus Herbiziden zu verwenden – eine Praxis, die als integriertes Unkrautmanagement bekannt ist.

Ein Landwirt, der im Zeitalter der Pflanzen für Biokraftstoffe gutes Geld verdient, wird vielleicht ungern zu anderen Pflanzen wechseln. Die Landwirte zögern vielleicht, das Geld zu investieren, das notwendig ist, um gegen das Unkraut anzugehen, wenn ihre Betriebe am Ende doch von dem Unkraut befallen werden, das von weniger eifrigen Nachbarn kommt.

Da kommt die EPA ins Spiel. Mit ihrem Gutachten-Konzept zur Mischung der verwendeten Herbizide ruft diese die Unternehmen – Dow AgroSciences of Indianapolis, Indiana – dazu auf, die Entstehung von resistenten Unkräutern zu überwachen und sie der Agentur zu melden. Die EPA hat dann die Macht, Beschränkungen für den Einsatz des Herbizids zu verhängen, wenn dies notwendig ist.

Die EPA erbittet bis Ende Juni eine Stellungnahme der Öffentlichkeit zum Entwurf der Beurteilung. Sie bietet vernünftige Vorsichtsmaßnahmen, aber sie könnten noch viel mehr tun. Wenn eine insektenresistente Sorte von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen auf den Markt gebracht wurde, fordern US-Regulierungsbehörden die Landwirte auf, in der Nähe nicht-resistente Pflanzen zu säen, damit die Insekten wählen können und die Möglichkeit vermindert wird, eine Resistenz zu entwickeln.

Ähnliche Maßnahmen könnten die Landwirte bei herbizid-toleranten Pflanzen benötigen, um die Pflanzen oder die Herbizide alle paar Jahre zu rollieren – eine bekannte Einschränkung, weil viele Herbizide Grenzen darin haben, wie oft sie aus Umweltschutzgründen verwendet werden können.

Solche Maßnahmen würden ein Zeichen dafür sein, dass Regulierungsbehörden und Landwirte gleichermaßen die Konsequenzen realisiert haben, die eine Unterschätzung der Fähigkeiten der Unkräuter, Resistenzen zu entwickeln, mit sich bringt.

Herbizide und Pestizide

Höhere Erträge, weniger Kosten und sogar die erfolgreiche Bekämpfung des Welthungers – all das hatten Konzerne wie Monsanto versprochen. Nichts davon hat die Wunderwaffe Gentechnik eingelöst.

In Deutschland  wachsen angeblich keine Gentech-Pflanzen und trotzdem wird Glyphosat hierzulande eingesetzt! Glyphosat ist auch bei uns das populärste Unkrautvernichtungsmittel. Glyphosat­haltige Her­bizide werden vor der Aussaat eingesetzt, um das Feld 
keimfrei zu machen und ebenso kurz vor der Ernte. Üblich ist das zum Beispiel bei Getreide und Raps. Durch das 
Tot­spritzen soll ein gleichmäßiger Reifeprozess erreicht und aufwendiges 
Nachtrocknen vermieden werden. [Siehe dazu: Macht sich die Kartoffel vom Acker?]

Herbizide und Pestizide sind Gifte und es befindet sich mittlerweile in unserer Nahrung. Sogar in der Muttermilch wurde es gefunden. Zahlreiche Studien belegen, das dieses Gift schwere Schäden bei Säugetieren erzeugt. Wir wollen, dass diese toxischen chemischen Cocktails in unserer Nahrung gestoppt wird.

Netzfrau Kerstin Hördemann

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  1. „Herbizide und Pestizide sind Gifte und es befindet sich mittlerweile in unserer Nahrung. Es wurde sogar in der Muttermilch gefunden. Zahlreiche Studien belegen, das dieses Gift schwere Schäden bei Säugetieren erzeugt. Wir wollen, dass diese toxischen chemischen Cocktails in unserer Nahrung gestoppt wird.“

    Das ist jetzt etwas zu allgemein. Jede Verbindung ist einzeln zu betrachten und da Menschen nun einmal keine Pflanzen sind, sind viele Herbizide für den Menschen ohnehin oftmals nicht sehr gefährlich. Viele Studien arbeiten mit absurd hohen Konzentrationen, um irgendwelche Effekte nachzuweisen oder benutzen gar für die Praxis unbedeutende empfindliche Zellkulturen, die ohnehin immer kaputt gehen, egal was man dazu gibt. Natürlich haben Pflanzenschutzmittel nichts in der Muttermilch zu suchen, aber bei den heutigen extrem empfindlichen Nachweismethoden findet man gerade auch in der Muttermilch praktisch alles, was man da nicht haben möchte. Die Dosis macht bekanntlich das Gift. Bio ist eben auch keine Lösung, die Sprosse läßt grüßen. Tatsächlich muss jeder seinen Beitrag leisten und der Bauer muss lernen verantwortungsvoll mit den vorhandenen Lösungen umzugehen.

    • Hallo lieber Thomas.

      Ich weis nicht wo du dein Wissen her hast, aber ich weis, das Pflanzen hervoragend ohne künstliche Chemie gedeien können.
      Als gelernter Staudengärtner habe ich für mich persönlich eine Menge Privatversuche gemacht und bin zu der Überzeugung gekommen, das man keine Chemie zum growen braucht.
      Tatsächlich benötigt man etwas mehr Arbeit und ein bischen Liebe zu dem was man macht.
      Da mittlerweile die Arbeitskraft als zu teuer eingestuft wird greift man zu billiger Chemie, die die Erträge erhöhen kann ohne teure Arbeitskräfte zu nutzen.
      Ob die künztliche Chemie nu gefährlich für die Konsumenten ist, ist dabei irrelevant, da die mit Liebe gezogen Pflanzen einfach besser schmecken.
      Die Chemococktails die derzeit verwendet werden sind wahrscheinlich nicht gesund, aber es ist mir egal ob sie das sind oder nicht. Es zählt was am Ende rauskommt.
      Kannst ja mal was von meinem Gemüse probieren und mit dem vergleichen was du aus dem Supermarkt kennst. Du wirst dich wundern!
      Der Genuss hat auch eine Auswirkung auf deine Gesundheit…………

      Ich empfehle dir das Buch „Mulch total“.
      Gruß Marcus

  2. Liebe Netzfrauen,
    mit großem Interesse haben wir Ihren Artikel „Unkrautresistenz als Antwort auf die Giftcocktails – Die Natur schlägt zurück!“ vom 2. September dieses Jahres gelesen. Wir finden es schön, dass Sie sich mit diesem wichtigen Thema auseinandersetzen und zu diesem Zweck auch auf unserer Homepage http://www.agrar.bayer.de nach Informationen gesucht haben und fündig wurden.
    Wie Sie gesehen haben, beschäftigen auch wir uns sehr intensiv und eingehend mit der Thematik Resistenzen, um unser Wissen und unsere Forschungsergebnisse in diesem Bereich immer weiter zu vertiefen. So sind uns in Ihrem Text dann auch einige Missverständnisse aufgefallen, die die Situation leider nicht korrekt darstellen.

    Gerne würden wir uns mit Ihnen austauschen und hoffen, dass Sie ein ernsthaftes Interesse an einem sachlichen Dialog und den komplexen Zusammenhängen bei der Entstehung von Resistenzen haben. In diesem Rahmen möchten wir Ihnen gerne ein Treffen mit uns in unserem Resistenz-Management Zentrum in Anröchte-Berge bei Soest anbieten! In dem hier angelegten Dauerversuch, der von der Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn wissenschaftlich begleitet wird, beobachten wir die Wirkung verschiedener Maßnahmen wie Bodenbearbeitungsverfahren, unterschiedlicher Fruchtfolgen und auch Herbizid-Strategien.
    Das Thema Resistenzen wird vor Ort sehr anschaulich und verständlich erklärt. Wir werden hier mit Sicherheit viele Zusammenhänge klarer für Sie machen können und freuen uns auf Ihre Rückmeldung dazu!

    Nun noch ein Hinweis, der uns verständlicherweise sehr am Herzen liegt:
    Sie verwenden momentan hier auf der Homepage und in Ihrem Facebook-Post vom 2. September eine Grafik, in die Sie ungefragt und ohne Quellenangabe ein von uns erstelltes und urheberrechtlich geschütztes Bild integriert haben. Da das, wie Sie sicher wissen, unzulässig ist und eine Urheberrechtsverletzung darstellt, möchten wir Sie hiermit freundlich darum bitten, beide Grafiken zu entfernen und zukünftig bei uns anzufragen, ob und wie Sie von uns geschütztes Material nutzen dürfen!

    Danke im Voraus und Herzliche Grüße
    Maike Thiemann, Webkommunikation
    Bayer CropScience Deutschland GmbH

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