EILT! Sand-Abbau stoppen – Lebensraum Wald retten

Buschbellgr

Meine Kinder lieben ihn, den Buschbeller Wald. Und mein Dackel auch. Über am Wegrand liegende Bäumen und Steine balancieren sie alle gern. Er ist Ziel von Familienausflügen mit meinen Eltern, die ganz in der Nähe wohnen.

140 Jahre alte Eichen und Buchen sind dort zu sehen und wenn der Dackel mal nicht kläfft, entdeckt man seltene Vogelarten. Auch Feuersalamander soll es dort geben. Danach suchen dann die Großeltern mit den Kids, wenn die nervigen Eltern nicht dabei sind und das quirlige Dackeltier.

Doch nun soll der Buschbeller Wald weichen. Für einen Rohstoff, der uns ebenfalls vor allem aus unserer Kindheit bekannt ist. Hätten wir jemals gedacht, dass wir eines Tages entscheiden müssten, das eine Wunder der Natur gegen das andere einzutauschen? Aus wirtschaftlichen Gründen?

Es geht um Sand – und um viel Geld!

Dass Sand ein Milliardenmarkt ist, berichtete Netzfrauen-Gastautor Andreas Müller-Alwart erst kürzlich in seinem Artikel „Auf Sand gebaut“.

„Flüsse, Seen, Meere – alles wird leergebaggert. In einem mittelgroßen Haus befinden sich rund 200 Tonnen Sand. Wenn Sie das nächste Mal 900 Kilometer auf einer Autobahn zu Ihrem Lieblingsstrand an die Costa-wo-es-so-schön-ist donnern, rechnen Sie mal mit: 30 000 Tonnen Sand stecken in jedem Kilometer Autobahn. Im Irrwitz menschlicher Energieerzeugung, einem Atomkraftwerk, werden rund 12 Millionen Tonnen verbaut – lächerliche 400 Kilometer Autobahn. 40 Milliarden Tonnen soll der jährliche Bedarf an Bausand betragen und 15 Milliarden Euro sollen der Natur entnommen werden – Jahr für Jahr. So ganz genau weiß das niemand, denn Sie können sich vorstellen, dass ein Milliardenmarkt bei rarer werdenden Ressourcen natürlich die Sandmafia anzieht wie reife Zwetschgen die Wespen.“

Nun also auch noch der Wald…

„Der Wald ist Sauerstofflieferant, Luftbefeuchter, Windbrecher, Feinstaubfilter – was die Stäube und die Feinstäube der A4 und den Quarzsandtagebau angeht. Er ist Naherholungsgebiet hier für die Anwohner…“, sagt Tanja Keßels vom BUND in einem Beitrag der „Aktuellen Stunde

Und hier ist es nicht irgendein Wald. Es ist einer der letzten Altwälder rund um Köln. Wegen seiner biologischen Vielfalt hätte der Wald nach den Meldekriterien der Europäischen Gemeinschaft als Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet gemeldet werden müssen. Hätte – wären da nicht die Quarzsandvorkommen unter dem Wald – und jene, die die großen Gewinne wittern.

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Die laut Schätzungen des BUND gut 84 Hektar Wald werden von mindestens zehn Fledermausarten genutzt und sind Heimat von Schwarz- und Mittelspecht, der Waldohreule, des Waldkauzes und des Uhus. Auch Feuersalamander und Springfrösche sind hier zu finden neben einer Vielzahl weiterer streng geschützter Tier- und Pflanzenarten, die auf Altwälder angewiesen sind. Einige Arten sind bei einer Artenschutzprüfung in 2012 und der Umweltverträglichkeitsprüfung für den Abbau einfach außer Acht gelassen worden, wodurch die Quarzwerke GmbH Frechen jahrzehntelang ihren Raubbau betreiben konnte.

Seltener Wald

Wir berichteten bereits in unserem Artikel „Unter unserem Himmel – Energie aus dem Wald – Ausverkauf des deutschen Waldes“, dass in Deutschland – z. B. im Bayrischen Staatsforst – Holz gefällt und containerweise exportiert wird. Das statistische Bundesamt erfasste die Ausfuhren von Buchenrohholz nach China und meldete gut 330 000 Tonnen für das Jahr 2012. Für diese Menge muss etwa ein Areal von 2400 Fußballfeldern Buchenwald kahl geschlagen werden. Und das nur, weil China seine eigenen Wälder zu stark gerodet hat. Als die ökologischen Folgen spürbar wurden, wurde das Abholzen gestoppt. Seither werden gigantische Mengen von Bäumen aus aller Welt importiert, um den Holzhunger – vor allem für die Bauindustrie – zu stillen. Extra deshalb wurden auch die Importbestimmungen gelockert.

Nicht erst die Geschichte des Buschbeller Waldes zeigt, dass Politik und Wirtschaft auch hierzulande nur allzu häufig die Bereitschaft zeigen, den Gewinn von Projekten vor die daraus entstehenden ökologischen Konsequenzen zu setzen. Dass der Waldanteil im Rhein-Erft-Kreis nur noch 11 Prozent (weniger als die Hälfte des Landesdurchschnitts) beträgt, ist genau dieser Art Raubbau zu verdanken, den nicht nur die Quarzwerke, sondern auch die ehemalige Rheinbraun – heute RWE Power – betrieb und nach wie vor betreibt.

Wundersame Vermehrung

Die Quarzwerke GmbH Frechen antwortete auf eine Petition von „Rettet den Regenwald e. V.“ in dem Tenor, dass die Rodung der Natur einen Profit bringen werde.

„Der Sandabbau schreite im Jahr um lediglich 5 Meter voran. Für jeden Hektar gerodeten Wald würden drei Hektar aufgeforstet. Die Renaturierung geschehe auf „höchstem Niveau“. Die Renaturierung sei erfolgreich, viele seltene Arten wie Orchidee und Falter siedelten sich an, in der Sandgrube lebten sogar Kreuz- und Wechselkröten. Altwaldarten wie Salamander kehrten zurück.“

Die Firma betont, dass am Ende des Abbaus aus 110 Hektar Wald 240 Hektar Wald werden. Dazu kämen 60 Hektar Biotop- und Sukzessionsflächen.

Aus 110 mach 240? Wow! Mit den Profiten des Unternehmens funktioniert dies bestimmt problemlos, wenn deren Pläne umgesetzt werden. Ob der Wald aber in ähnlicher Weise profitieren wird, ganz abgesehen von den vielen Tieren, die bei einer Rodung ihr Leben lassen müssen, wagen wir zu bezweifeln.

Petition

„Rettet den Regenwald e. V.“ hat eine Petition an die Generaldirektion Umwelt der EU-Kommission, den Landrat Michael Kreuzberg, den Landesumweltminister Johannes Remmel und die Quarzwerke verfasst:

Sehr geehrter Generaldirektor Karl Falkenberg,
sehr geehrter Landrat Michael Kreuzberg,
sehr geehrter Umweltminister Johannes Remmel,
sehr geehrte Geschäftsleitung der Quarzwerke GmbH,
 

der Buschbeller Wald soll gerodet werden, damit Sand abgebaut werden kann. Bei dem Gebiet handelt es sich jedoch um einen der letzten Altwälder im Rhein-Erft-Kreis. Viele geschützte Arten wie Pirol, Mittelspecht und Feuersalamander leben dort. Wegen seiner Artenvielfalt könnte der Buschbeller Wald unter dem Schutz der EU-Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie stehen.
 

Trotzdem hat die Firma Quarzwerke GmbH beantragt, den Wald für den Abbau von Sand zu roden. Bei der Umweltverträglichkeitsprüfung und der Artenschutzprüfung wurden jedoch viele Pflanzen- und Tierarten wie Fledermäuse nicht berücksichtigt.

Weltweit ist Sand der am häufigsten abgebaute Rohstoff. Auf den Sand vom Buschbeller Wald zu verzichten, fiele wirtschaftlich nicht ins Gewicht und würde einen Naturschatz erhalten.
 
Bitte räumen Sie der Natur einen höheren Stellenwert ein als dem Rohstoffabbau und erhalten Sie den Buschbeller Wald.
 

Freundliche Grüße

Bereits am morgigen Dienstag, dem 16. 09. 2014 sollen die Unterschriften übergeben werden. Bitte beteiligen auch Sie sich umgehend an der Petition von „Rettet den Regenwald e.V.“ und informieren Sie Ihre Kontakte.

Der Schutz unser aller Umwelt muss Vorrang haben vor dem Gewinnstreben einzelner Unternehmen!

Netzfrau Andrea Wlazik

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