Weltweit flammen Proteste auf – wussten Sie…?

protest2Was haben Massendemos, Straßenschlachten und Unruhen in Europa, ja der ganzen Welt gemeinsam? Erraten: Es wird kaum darüber berichtet.

Die folgenden Beispiele geben Ihnen einen Einblick in die aktuellen Proteste auf dieser Welt, ob in Ungarn, Mexiko, Australien, Spanien, Italien, Iran oder Ägypten, überall auf der Welt kommt es zu Protesten.

Ungarn – Internetsteuer

InternetAus Angst vor einer Explosion der Internetpreise kam es in Ungarn am Sonntag zu einem Massenprotest. Die neue Abgabe soll zum 1. Januar 2015 in Kraft treten und 150 Forint (rund 50 Cent) pro übertragenem Gigabyte betragen. Die Facebook-Gruppe „Hunderttausende gegen die Internet-Steuer“ hat zum Protest aufgerufen, Tag für Tag folgen Hunderttausende dem Aufruf. Die Gruppe war letzte Woche gegründet worden, nachdem die Steuerpläne der Orban-Regierung bekannt geworden waren. Seitdem gab es mehr als 200 000 Likes für die Gruppe. Die Proteste halten weiter an. Am Dienstagabend fand auf dem Budapester József-Nádor-Platz erneut eine Großdemonstration statt, hatten doch die Organisatoren der Regierung am Sonntag ein 48-Stunden-Ultimatum gestellt, um die Sonderabgabe zurückzuziehen. Im Vorfeld hatten wieder Zehntausende per Facebook ihre Teilnahme angekündigt und sind auch heute Nacht wieder dem Aufruf gefolgt.

Großbritannien – Soziale Unruhen

Am 18.10. gingen Zehntausende in Großbritannien auf die Straßen. Arbeiter und Angestellte aus allen Branchen zeigten ihre Wut und ihren Protest auf allen Straßen Englands. Sie fordern Lohnerhöhungen, weil viele von ihnen nicht mehr genug zum Leben erhalten. [Tens of thousands take to UK streets in pay protest]  In London kommt es vermehrt zu Großdemonstrationen. Am 24. Juni 2014 protestierten über 50 000 gegen den Sparkurs der Regierung. [London: 50.000 Menschen protestieren gegen Sparkurs-50.000 march in London against coalition’s austerity measures]

Hong Kong – Schirme gegen Tränengas

Seit genau einem Monat demonstrieren die Menschen in Hongkong. Auf den Straßen hat sich eine Zeltstadt gebildet. Zehntausende geben nicht auf. Manche schlafen seit Wochen hier. Die Polizeieinheiten in Hongkong erhielten eine gute Einführung, wie mit Tränengas umzugehen ist. Ehe es zum Einsatz kam, wurde ein Polizist beobachtet, der ein Transparent entrollte, auf dem in englischer und chinesischer Sprache zu lesen war: „Achtung, Tränengas“. Mittlerweile bekommen die Demonstranten Unterstützung auch aus Australien. In Sydney klebten Demonstranten Hunderte Notizen an die Wände der Botschaft aus Hong Kong. Auch finden immer wieder andere Solidaritätsaktionen in anderen australischen Städten statt. Wer nun geglaubt hat, es handelte sich bei der Umbrella-Revolution um ein kleines Aufflackern, der dürfte sich getäuscht haben.

Auch hier gibt es eine Facebookseite: United for Democracy: Global Solidarity With Hong Kong, die vor einer Woche gegründet wurde und hat bereits fast 60 000 Fans. Mehr Informationen finden Sie in unserem Bericht: Occupy Central 和平佔中 – die Umbrella Revolution – nicht nur in Hongkong und Fotos finden Sie hier: Slideshow: Hong Kong’s Democracy Standoff

Mexiko – „Lebend habt ihr sie genommen – lebend wollen wir sie zurück“

Quelle: subversiones.org

In Mexiko sorgt das Schicksal von mehreren Dutzend Studenten für Proteste. So demonstrierten Zehntausende am 23. Oktober in Iguala im Bundesstaat Guerrero, in Mexiko-Stadt und anderen Städten.

Die Jugendlichen waren bei Protesten von der Polizei verschleppt worden und sind seither verschwunden. Die Eltern von 43 Studenten der pädagogischen Hochschule „Raúl Isidro Burgos“, in Ayotzinapa, haben daher bei der Staatsanwaltschaft am 30. September Vermisstenanzeigen eingereicht. Nach wie vor gibt es keine Spur von den 43 Studenten. Angesichts der Untätigkeit der mexikanischen Behörden haben die Bürgerwehren weitgehend die Suche nach den Studenten übernommen. Dabei haben sie bereits mehr als 20 Geheimgräber in Iguala entdeckt. Ob die aufgefundenen Leichen zu den 43 verschwundenen Studenten gehören, ist noch offen. Informationen auf Deutsch erhalten Sie hier: Mexiko 

Frankreich – ein Demonstrant stirbt durch eine Granate

Am Samstag, dem 25. Oktober 2014 demonstrierten Umweltschützer gegen ein umstrittenes Staudamm-Projekt in Süd-West-Frankreich. Rémi Fraisse, ein 21-jähriger Student starb noch am Samstagabend an den Folgen, nachdem er in den Rücken von einer Granate getroffen worden war. Ob die Granate von der Polizei oder durch Demonstranten abgefeuert wurde wird zur Zeit noch geklärt.

Bis zu 200 Gendarmen sind täglich auf dem Gelände, wo die Bauarbeiten im September begonnen hatten. Die Umweltaktivisten beklagen deren groben Vorgehensweisen. Kamen die Handgranaten von Seiten der Gendarmen? Die Spuren von TNT an der Kleidung des getöteten Rémi Fraisse scheinen diesen Verdacht zu bestätigen. Nach dem Tod des Umweltaktivisten ist in Frankreich die Lage gespannt. In Albi, der nächstgrößeren Stadt, kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, das berichten die Kieler Nachrichten vom 30. Oktober.

Spanien – Studenten und Lehrer protestieren für die Bildung

In Spanien ist es schon seit langem unruhig. Ob nun Proteste gegen Sparmaßnahmen, gegen die geplanten Ölbohrungen oder aber die Katalanen, die für die Unabhängigkeit kämpfen.

Am 19. Oktober demonstrierten mehr als 100 000 Katalanen für die Unabhängigkeit ihrer Region im Südwesten Spaniens. Die Separatisten forderten vorgezogene Wahlen zum Regionalparlament innerhalb von drei Monaten.

Die Studierenden haben bis Freitag zu einem 72-stündigen Streik aufgerufen, an dem sich Lehrer, Schüler, aber auch Eltern und Unterstützer beteiligen. Es gibt 43 Demonstrationen, die in ganz Spanien stattfinden. 

Es geht um das umstrittene neue Bildungsgesetz LOMCE. Es verschafft der Katholischen Kirche wieder mehr Einfluss in den Schulen, indem die Note des Fachs Religion zum ersten Mal seit 1990 wieder versetzungsrelevant wird und auch durch das Einfließen in den Notendurchschnitt für die Vergabe von Stipendien mitentscheidend ist. 408 Millionen Euro soll sie kosten. Die Hälfte davon will Bildungsminister Wert aus dem Europäischen Sozialfonds besorgen, dessen Zweck es unter anderem ist, die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Diese liegt in Spanien zurzeit bei 56%. Nun wird der Rücktritt des Bildungsministers gefordert. [España: Estudiantes se movilizan en contra de reforma educativa]

Italien – Verletzte bei Protest gegen Jobabbau bei ThyssenKrupp in Rom

ThyssenKrupp hatte die vor 130 Jahren gegründete Firma Acciai Speciali Terni (AST) in Umbrien in diesem Jahr übernommen und im Juli angekündigt, knapp jeden fünften Arbeitsplatz zu streichen. Sogar der Papst schaltete sich ein und sprach im September vor 20 000 Gläubigen, dass er sich Sorgen angesichts der „schlimmen Lage“ der Familien in Terni mache. „Mit Arbeitsplätzen spielt man nicht“, so der Papst. Nun machten sich 600 Stahlarbeiter aus Terni auf den Weg nach Rom und demonstrierten vor der Deutschen Botschaft. Dabei kam es mit der dortigen Polizei zu Auseinandersetzungen. Die Polizei sei auf die Demonstranten losgegangen, um sie daran zu hindern, sich dem Wirtschaftsministerium zu nähern, berichtete ein Gewerkschaftssprecher. Drei Demonstranten wurden verletzt. [Ast: operai sotto l’ambasciata tedesca]

1,5 Millionen gingen in Rom am Samstag auf die Straße

Menschen aus ganz Italien nahmen an dem Protest teil und zogen in zwei Demonstrationszügen durch die Stadt, bevor sie sich zu einer Schlusskundgebung auf dem Lateranplatz versammelten. 2300 Busse und Sonderzüge brachten die Demonstranten in die Hauptstadt. Wegen des starken Teilnehmerandrangs brachen die Demonstrantenzüge eine Stunde früher als geplant auf. Laut den Organisatoren beteiligten sich 1,5 Millionen Menschen an der Großveranstaltung. Der Protest richtet sich gegen die von Ministerpräsidenten Renzi im Senat durchgesetzte Lockerung des Kündigungsschutzes und gegen die Aufweichung von Artikel 18 des Arbeitnehmerstatuts. Quelle auf Deutsch 

Türkei – Tränengas und Pfefferspray gegen Demonstranten

Riot police versprüht Tränengas gegen Demonstranten, die zu verhindern Bauarbeiten am Validebağ Hain, im Istanbuler Stadtteil Üsküdar versucht, Oktober 28. AA FotoIn Istanbul verteidigen Demonstranten wieder einen Park (Validebag Grove), in dem eine Moschee errichtet werden soll. Rund 80 000 Unterschriften wurden Anfang Oktober gegen das Projekt gesammelt.

Demonstranten haben auch weiterhin, wie auch am Sonntag, gegen den Bau einer Moschee auf dem Parkplatz nahe dem Eingang des Validebag Grove (Validebağ Korusu) im Istanbuler Stadtteil Üsküdar demonstriert. Die Polizei setzte daraufhin Tränengas und Pfefferspray gegen die Demonstranten ein. [Police resort to tear gas against protesters at Istanbul grove] [Lesen Sie dazu auch: Das, was wir nicht im TV sehen – Proteste in der Türkei: Wasserwerfer, Tränengas und Verätzungen]

Australien – Proteste zum Schutz des Great Barrier Reef

Es ist ein einzigartiges Weltnaturerbe und faszinierendes ‚neues Weltwunder’ – das Great Barrier Reef. Denn mit über 2900 einzelnen Riffen und rund 900 Inseln bietet das größte Korallenriffsystem der Erde eine unvergleichliche Fülle an Fauna und Flora. Doch das könnte nun bald Geschichte sein, denn das Great Barrier Reef in Australien wird eine Müllkippe. Seit Monaten protestieren Australier gegen die Zerstörung des Weltnaturerbes, des oft auch als achtes Weltwunder bezeichneten Great Barrier Reefs durch einen Kohle-Hafen. Auch hierzu gibt es eine Facebookseite mit über 50 000 Fans https://www.facebook.com/FightForTheReef. [Lesen Sie dazu auch: Protestmail gegen Todesstoß! Great Barrier Reef – Weltnaturerbe als Müllkippe]

Studenten in Sydney protestieren gegen Bildungsreform

Auch in Australien protestieren Studenten gegen die Bildungsreform. Wie in anderen Ländern wird gerade an Bildung gespart und die Kostensteigerungen für Studenten sind nicht mehr tragbar. Studiengebühren werden erhöht genauso wie die Zinsen für die Studentenkredite.

Philippinen – Palmöl-Plantagen gefährden die Ernährung Einheimischer

Demonstrationen weltweit in 136 Städten, davon 17 Städte in Südafrika, gegen die Ausrottung von Elefanten und Rhinos, wenn die Regierungen Afrikas der Wilderei nicht Einhalt gebieten. Von 27 Millionen Elefanten, die noch vor 350 Jahren gelebt haben, leben in Afrika jetzt etwa nur noch 400 000 und rund 9% der noch lebenden Elefanten werden durch Wilderei jedes Jahr getötet. Allein in Südafrika wurden dieses Jahr mindestens 700 Nashörner getötet. [Quelle: Elefant poaching: thousands march worldwide for wildlife protection]

Iran – Protest gegen die Hinrichtung von Reyhaneh und Säure-Überfälle auf Frauen

Netzfrauen IranZunahme der Proteste gegen die unmenschlichen Verbrechen des geistlichen Regimes und das Verspritzen von Säure gegen Frauen. Am Abend am Mittwoch, dem 22. Oktober griffen die repressiven Truppen des Regimes aus Angst vor dem kochenden Zorn von Tausenden tapferen Menschen in Isfahan, die vor dem Justizgebäude der Mullahs in der Nibakht-Straße demonstrierten, die Versammelten an, verhafteten mehr als 50 Jugendliche und brachten sie an einen unbekannten Ort. In Teheran demonstrierte eine Anzahl von Menschen- und Frauenrechts-Aktivisten vor dem Parlamentsgebäude des Regimes (der Majlis). Dabei skandierten die Demonstranten Slogans wie diese: „Tod dem iranischen ISIS“, „Schlimmer als ISIS – bespritzt ihr uns mit Säure?“, „Tod den Säurespritzern“, „Die Verschleierung kann nicht erzwungen werden“, „Mit Hijab, ohne Hijab – wir wollen keine Säure-Überfälle“, „Frauenrecht auf Sicherheit? Säure-Überfall – Grausamkeit“, „Die frauenfeindlichen Gesetze sollten kassiert werden“. [Quelle: Das Frauenkomitee des NCRI fordert Protest gegen die gegen iranische Frauen und Mädchen gerichteten Säure-Überfälle]

Ägypten kommt nicht zur Ruhe – die Auseinandersetzungen zwischen Armee und Studenten gehen weiter

Am Dienstag wurden 34 Studenten in Ägypten festgenommen. Die Proteste von Studenten wurden mit dem Beginn des neuen Schuljahres am 11. Oktober wieder aufgenommen. Die Polizei hat mindestens fünf Universitäten gestürmt und seitdem über 180 Studenten festgenommen. Quelle

Unter dem Deckmantel des Anti-Terrorkampfes geht Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi neuerlich in die Offensive gegen Demokratieaktivisten und revoltierende Studenten. Vor kurzem erließ er ein Gesetz, das künftig die Strafverfolgung von Zivilisten durch Militärgerichte erleichtern soll, schreibt Karim El-Gawhary

Eingebetteter Bild-LinkAn den ägyptischen Universitäten rumort es. Immer wieder kommt es dort zu Protesten und Demonstrationen gegen die Regierung durch die von den Muslimbrüdern angeführten „Anti-Putsch-Bewegung“.

Im letzten Semester wurden 16 Studenten bei Polizeieinsätzen getötet, 1000 verhaftet und 500 exmatrikuliert. Daher wurde der Beginn des neuen Semesters verschoben. Doch gleich mit Semesterbeginn gingen die Proteste weiter. 200 Studenten wurden verhaftet, ein Studierender kam an der Universität von Alexandria ums Leben.

Irland – Demonstrationen gegen Wassersteuer

In Dublin demonstrierten Mitte Oktober über 50 000 Menschen aus ganz Irland gegen die neu anstehende Wassersteuer. Es handelte sich hierbei um eine der größten Demos, die die irische Hauptstadt in den letzten Jahren verzeichnen konnte. Zu einer weiteren Demonstration wurde zum 01.November aufgerufen. [50 000 protestieren in Dublin gegen Wassersteuer – Over 50.000 march in Dublin to protest against water charges]

Japan – Fukushima

In Japan kommt es immer wieder zu Protestaktionen gegen die Wiederinbetriebnahme der AKWs. Am 23. September trafen sich rund 16 000 AKW-Gegner im Kameido-Chuo-Park in Tokio, um lautstark gegen die sich anbahnende Wiederinbetriebnahme des AKW Sendai zu protestieren. Eigentlich hätte die Veranstaltung im Yoyogi-Park stattfinden sollen, doch dieser ist seit Ausbruch des Dengue-Fiebers gesperrt. [Fukushima: Wiederinbetriebnahme AKWs – 16.000 Menschen protestierten]

10 Protests That Changed The World

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Weltweit soziale Unruhen

Wir haben Ihnen einen kleinen Einblick in die weltweiten Unruhen gegeben, die nur im Oktober stattgefunden haben. In folgenden Ländern eskalieren die Unruhen:

In Burkina Faso stürmen Hunderte von Demonstranten das Parlament. In Srinagar in Indien kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Dutzende Proteste gab es am 22. Oktober in den USA, Kanada und Neuseeland um die Brutalität von Polizisten zu stoppen.

Von vielen Protesten wird nicht berichtet, nein – der Mensch erfährt nichts davon. Der Mensch soll nichts davon erfahren, denn DAS könnte die Menschen ja auf ganz dumme Gedanken bringen … The Revolution Will Not Be Televised.

Netzfrau Lisa Natterer

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4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Toller Artikel, danke für die Zusammenfassung, Zeit wird’s, dass sich Demonstranten nicht alleine fühlen, sondern wissen, dass ihre Taten etwas bewegen.
    Ich stehe dafür in München für Frieden auf der Straße, jedeno Donnerstag vor der Oper :-)

  2. Kurz zur Verständnisfrage:
    „Am 19. Oktober demonstrierten mehr als 100.000 Katalanen für die Unabhängigkeit ihrer Region im Nordosten Spaniens. Die Separatisten forderten vorgezogene Wahlen zum Regionalparlament, innerhalb von drei Monaten.“

    Sind die Katalanen nicht eher im Südosten zu verordnen,um Barcelona?
    Im Nordosten handelt es sich doch um die Basken die bekannterweise auch Probleme mit Spanien haben.

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