Neunzigjähriger muss nach Hilfe für Obdachlose ins Gefängnis – Ninety-year-old man faces jail for feeding homeless people

Jeder Mensch hat das Recht, seinen Mitmenschen zu helfen, darunter fällt auch, dass man Obdachlose mit Lebensmitteln versorgt. Denken Sie, denn genau weil ein Neunzigjähriger helfen wollte, muss er ins Gefängnis.

Wir Netzfrauen erhalten viele Nachrichten aus aller Welt, manchmal fragen wir uns, ist es ein Hoax oder stimmt die Nachricht wirklich? So auch, als wir diese Nachricht vor ein paar Stunden erhielten. Doch nicht nur in den USA wird man fürs Helfen bestraft, nein auch in Deutschland, wie die folgenden Fälle zeigen. 

Ein 90-jähriger Mann soll nun für 60 Tage ins Gefängnis, nachdem er beim Verteilen von Lebensmitteln an Obdachlose verhaftet wurde. Warum wird ein Mensch verhaftet, wenn dieser anderen hilft?

Grund ist das neue Gesetz in Fort Lauderdale, Florida, welches verbietet, dass Menschen Nahrungsmittel in der Öffentlichkeit verteilen.

Ja, Sie lesen richtig, doch nicht nur in Florida ist so etwas möglich, auch in Europa, aber dazu später mehr.

Der neunzigjährige Anwalt Arnold Abbott hilft bereits seit 20 Jahren Obdachlosen. Er gründete, nachdem seine Frau 1991 verstorben war, die Non-Profit-Gruppe (NGO) namens Love Thy Neighbour in Erinnerung an Maureen, um ihrer beider humanitäre Arbeit weiterzuführen. Sie verteilten Lebensmittel im Holiday Park und am Fort Lauderdale Beach. Über 10 000 obdachlose Männern, Frauen und Kindern konnte der Verein seither helfen oder ihnen zeigen, wie man sich selbst hilft.

Helfen ist rechtswidrig?

Die Polizisten aus Fort Lauderdale nahmen neben Arnold Abbott noch zwei Pastoren fest. Alle drei Männer erwartet nun eine Gefängnisstrafe von bis zu 60 Tagen und ein Bußgeld in Höhe von 500 $.

Jede Woche werden Hunderte von Mahlzeiten in der eigens dafür eingerichteten Küche vorbereitet und an Obdachlose verteilt. Während der Festnahme riefen die Zuschauer den Polizisten zu: „Schande über Sie!“ Arnold Abbott bestätigte, dass die Polizisten ihn so behandelten, als hätte er auch noch eine Waffe bei sich.

Laut Arnold Abbott wurden gerade mal drei oder vier Mahlzeiten verteilt, bevor die Polizei ihm befahl, das sofort zu unterlassen. Die Gruppe hatte geplant, mehr als 300 Mahlzeiten über den Tag zu verteilen, nun waren sie gezwungen, ihre Lebensmittel wieder einzupacken und die Obdachlosen ihrem Schicksal zu überlassen.

„Ich weiß nicht, was ich tun kann, um die Situation gezielt zu verstärken“, sagte Abbott. „Ich versuchte, mit der Stadt zusammen zu arbeiten. Jeder Mensch hat das Recht, seinen Mitmenschen zu helfen.“ Der neunzigjährige Arnold Abbott beabsichtigt nun, die Stadt Fort Lauderdale vor Gericht zu verklagen.

Der Vorfall wurde mit dem Handy aufgenommen:


Quelle: Police charge 90-year-old man, 2 pastors with feeding homeless  and  Ninety-year-old man faces jail for feeding homeless people

Tu niemand etwas Gutes und es widerfährt dir nichts Schlechtes – Streit um Marmeladen-Verkauf

Dieser Fall in Florida hat uns heute morgen erschüttert und doch auch hier in Deutschland gibt es solche Fälle. Erst eine Ehrung, dann eine Ordnungswidrigkeit.

Durch eine achtjährige Spendenaktion kamen rund 19 000 Euro für den guten Zweck zusammen. Gisela Teuchert-Benker (68) kochte Jahr für Jahr Marmelade und verkaufte diese für einen guten Zweck. Dabei kam auch 2013 die stolze Summe von immerhin 2851,56 Euro zusammen. Einen Teil spendete Gisela an den Neustädter Verein für therapeutisches Reiten und Schwimmen sowie an die Aktion Deutschland hilft spenden. Immer wieder konnten sich viele verschiedene Vereine über Giselas wohltätige Tat freuen und auch über die Grenzen Schleswig-Holsteins war sie dafür bekannt. Sogar wir Netzfrauen machten schon auf ihre leckere Marmelade aufmerksam, denn sie stellte sogar ihre Rezepte zur Verfügung.

Aber damit ist nun Schluss, denn die 1946 geborene Gisela Teuchert-Benker hat den Kochlöffel an den Nagel gehängt. Sie soll für 17 Aktionstage ein Lebensmittel-Unternehmen anmelden, weil es sich laut der Mitarbeiter des Kreises um eine regelmäßige Verkaufstätigkeit handelte.

Den behördlichen Papierkram will sich die Hobbyköchin ersparen und hat daher die Konsequenzen gezogen. „Für mich würde mit der geforderten Kommerzialisierung der Sinn meiner privaten Spendenaktion verloren gehen. Das musste ich nach langem Überlegen und mit zwei weinenden Augen hinnehmen“, sagt sie. Dennoch sei sie stolz auf ihre immerhin achtjährige Spendenaktion, bei der rund 19 000 Euro für den guten Zweck zusammengekommen waren.

Die Kreisverwaltung sagt zwar, dass Teuchert-Benker ihre ehrenamtliche Tätigkeit jederzeit wieder aufnehmen könne, wenn sie bereit sei, ihre Tätigkeit beim Fachdienst Lebensmittelsicherheit anzumelden und einen Zugang zu ihrem Produktionsraum gewähren würde. Aber seien wir mal ehrlich, wer will seine Küche schon zu einer gewerblichen Großküche umbauen, nur damit man für einen guten Zweck Marmelade kochen darf?! Quelle

Nach § 153 Abs. Satz 2 wurde das Ermittlungsverfahren gegen Gisela eingestellt, soweit es den Vorwurf einer Straftat betrifft. Es ging um den Vorwurf „vorsätzliches Vergehen nach dem Lebensmittel- und Futtermittelgesetz“. Für eine eventuelle Ordnungswidrigkeit wurde der Vorgang an die zuständige Bußgeldstelle in Eutin abgegeben. Bußgeld fürs Kochen von Marmelade für den guten Zweck?

Diese beiden Fälle sind nur Beispiele von vielen. Oftmals wird unterdrückt, egal, ob in Europa oder in den USA mit der Begründung, man könnte mit den selbst hergestellten Nahrungsmittel Menschen „vergiften“, da ja die Zutatenliste nicht beigefügt ist. Mal eine andere Frage, wissen wir, was uns die großen Konzerne in deren Produkten als Beilage servieren? Wir brauchen uns nur diesen Beitrag einmal durchlesen: Chicken McNuggets – ist was? … und macht dumm.

Der New Yorker Bürgermeister zum Beispiel behauptete, dass man Salz-, Fett- und Ballaststoffe der Gaben nicht bewerten oder kontrollieren könne. Somit sei es besser, keine Lebensmittel auszuteilen. Sie sehen, Fort Lauderdale ist in den USA kein Einzelfall, mittlerweile sollen bereits über 50 Städte Gesetze erlassen haben, die verhindern sollen, dass Obdachlose in der Öffentlichkeit mit Nahrungsmitteln versorgt werden dürfen.

Wenn sich die Obdachlosen aus der Mülltonne ernähren, dann ist das weniger problematisch, doch sind die gesundheitlichen Risiken wohl weitaus größer als bei von helfenden Händen zubereiteten Speisen. Verrückte Welt.

Beschämend, dass man wie bei Arnold Abbott fürs Helfen mit Gefängnis bestraft oder wie bei Gisela erst eine Ehrung für eine gute Tat erhält und dann dafür auch noch eine Ordnungswidrigkeit auferlegt bekommen soll.

„Jeder Mensch hat das Recht, seinen Mitmenschen zu helfen“, so der neunzigjährige Anwalt Arnold Abbott.

Netzfrau Doro Schreier

Das könnte Sie auch interessieren:

Armut – Das Elend vor unserer Haustür

Demnächst XXL Hähnchen bei Wiesenhof und McDonald’s?

USA – Demokratie sieht anders aus – Amerikaner stecken 82-jährige Nonne ins Gefängnis

Sie sind nicht krank, Sie sind vergiftet! Ist es nicht an der Zeit Plastikflaschen zu boykottieren?

„Meat Glue“ – Dieses Fleisch würden Sie nicht essen!

Vorsicht: Hochbelastete Lebensmittel aus China – Gift landet auf unserem Esstisch

12 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Einfach Widerwärtig und abartig solche Gesetze zu entwerfen;
    Wer weiß welcher Frackträger Hilfe anstößig fand und sowas anleierte !
    Da wäre doch ein Marsch der 10000 angesagt !

  2. In meiner unmittelbaren Region (NRW) haben dieses Jahre bereits 2 Dorfvereine ihre z.T. langjährigen traditionellen Dorffeste abgesagt infolge der neuen, unverschämten bürokratischen und teuren Zulassungsverfahren und -Hürden.

    Es ist schade, aber eine mögliche richtige Reaktion.

    Leider werden sich für eine andere richtige Reaktion – nämlich Massen-Guerilla-Aktionen – hier kaum mehr als ein Dutzend Mutige finden, die damit zu angreifbar wären.

  3. Meine Mutter hat sich auf ein Inserat gemeldet in dem ehrenamtliche Helfer für die Verteilung von Essen in einem Kinderhort gesucht wurden. Ihr wurde mitgeteilt, dass sie vorher einen Lehrgang besuchen muss, das hätte sie auch gemacht, doch für den Lehrgang sollte sie 150 € bezahlen! Es wird alles immer verrückter!

  4. Da kann ich nur den Lieblingsspruch meiner Schwester beisteuern: Die ganze Welt ist verrückt…und wer es nicht glaubt, ist nur schlecht informiert!

  5. In gewisser Weise ist es verständlich. Wenn ein Mensch die obdachlosen vergiften wollen würde hätte er leichtes Spiel. Ist zu ihrem eigenen Schutz. Natürlich muss ihnen geholfen werden aber man muss sich etwas anderes einfallen lassen. Und der Fall in Deutschland ist auch verständlich. Jeder, der Lebensmittel produziert und diese verkauft, egal ob für den eigenen Gewinn oder für den guten Zweck muss nachweisen können, dass diese in einwandfreiem Zustand sind. Wollen Sie sich an Marmelade, die sie auf dem Markt gekauft haben vergiften? Und dass kann einfach durch Unwissenheit passieren. Deshalb ist es nur richtig das sie ihre Küche den Kontrollen öffnen muss. Ist hart aber nur zum Schutz

  6. Beide Gesetze halte ich für absolut sinnvoll. Angenommen, die Marmelade enthielte beispielsweise hohe Mengen von Milchzucker oder die Obdachlosenmahlzeiten enthielten Nüsse und jemand stirbt an einem allergischen Schock oder das Fleisch hätte Salmonellen würden hier alle schreien „Wie kann so etwas erlaubt sein!? Wo sind die Behörden, warum gibt es hier keine Kontrolle durch den Gesetzgeber?“ Es muß ja nichteinmal absichtlich vergiftet werden wollen. Wo wir schon dabei sind, ich stelle mir grade einen Hundehasser vor, der an der Straße Leckerlis mit Rattengift verkauft oder einen Hot-Dog-Verkäufer, der den allerletzten, abgelaufenen Müll als eßbar verkauft. Das wäre ja dann auch alles erlaubt, seid ihr damit auch einverstanden? Wer Lebensmittel verteilt oder verkauft muß doch damit einverstanden sein, daß die kontrolliert werden. Mir jedenfalls wäre sehr unwohl, wenn das nicht so wäre.

    Niemand hat der Marmeladenfrau oder dem Senior verboten, ihre Aktion vorher anzumelden und absegnen zu lassen. Jemand, der acht Jahre lang Marmelade verkauft, wundert sich, daß eine Behörde fragt, was denn da eigentlich drin und ob die okay ist? Und dann wird gleich geweint und die Sache aufgegeben? Man hätte zum Beispiel der entsprechenden Behörde das Rezept schicken können. Oder jemand kommt vorbei und guckt sich die Zubereitung an, wo ist das Problem? Kann derjenige gleich mit anpacken. Immerhin hat man danach auch eine offiziell anerkannte Spendensammel-Marmelade, das würde ich sogar auf die Etiketten drucken.

    Es gibt weiß Gott genug Möglichkeiten, sich zu engagieren. Vor allem wenn es darum geht, Obdachlosen etwas Gutes zu tun oder Spenden zu Sammeln.

  7. Ich habe Jahrelang Menschen geholfen die Probleme hatten und meine Hilfe wurde immer dankend angenomme. Zu den Personen gehörte auch eine Kollegin meiner Frau. Einige Jahre war ich ihr Ansprechpartner wenn sie kummer hatte. Als ich nach meinem letzten Besuch bei ihr weg fuhr wurde ich plötzlich von der Polizei angehalten, mußte mein Fahrzeug stehen lassen und wurde ins Krankenhaus gebracht. Die Frau hatte die Polizei angerufen und behauptet ich wolle Selbstmord begehen was ich aber nie vorhatte. Den Grund für dieses verhalten habe ich nie erfahren. Kurze Zeit später mußte ich meinen Führerschein abgeben weil ich eine Gefahr für die Öffendlichkeit bin . Aber genaueres will man mir nicht sagen

  8. Es ist ein kleiner Schritt für die Menschheit, jedoch ein großer für die Polizei. Sie haben Arnold Abbott nicht erschossen oder gar in Handschellen abgeführt, wie es ansonsten wohl dort so üblich ist.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.