WACHSTUM, WAS NUN? Ist das so oft geforderte Wachstum noch sinnvoll?

GEDSC DIGITAL CAMERAWie zeitgemäß ist der Mythos des grenzenlosen Wachstums angesichts der weltweiten Ressourcenknappheit noch? Dieser Frage geht die neue Dokumentation von Marie-Monique Robin auf den Grund – und zeigt Alternativen auf, die sich bereits bewährt haben.

„Mehr Wachstum!“ – diese Forderung ist besonders in Zeiten von Wirtschafts-, Umwelt- und Finanzkrisen beliebt, denn die amerikanische Immer-mehr-Ideologie gilt weltweit als Garant für eine gesunde Ökonomie.

So machen sich immer mehr Experten für ein Ende des grenzenlosen Wachstums stark. Nahrungsmittelproduktion, Energieverbrauch und Geldkreislauf müssen wieder unter Kontrolle gebracht werden. Im Norden und Süden der Welt experimentiert man mit neuen Wirtschaftsmodellen und erzielt inzwischen erste Ergebnisse. So zeichnen sich neue, umweltbewusste und regionalisierte Modelle ab, die für absehbare Probleme wie Klimawandel, Mangel an fossilen Brennstoffen und Finanzkrisen besser gewappnet sind. Oft werden sie sogar von den lokalen Behörden bereits unterstützt.

Um etwas zu verändern, müssen Produktion und Arbeitsplätze in die Heimatregionen zurückgeholt werden. Das ermöglicht vielen Initiativen und Kooperativen die Möglichkeit, ihren Platz zurück zu erobern und die Bedeutung von Reichtum neu zu definieren. „Wachstum, was nun?“, zeichnet anhand von Experten und konkreten Beispielen das Bild der neuen Post-Wachstums-Gesellschaft.

Ist das so oft geforderte Wachstum noch sinnvoll?

Nein, findet die französische Regisseurin Marie-Monique Robin, bekannt vor allem durch ihren Dokumentarfilm „Monsanto, mit Gift und Genen“ (2008). Gewohnten Politiker-Aussagen stellt sie Thesen von wachstums-kritischen Ökonomen wie etwa Dennis Meadows entgegen. Der US-Amerikaner glaubt, dass die Zeiten von Wohlstandssteigerungen wie in den 1980er und 1990er Jahren „endgültig vorbei“ seien. Der französische Ökonom Jean Gadrey referiert das Bonmot, dass an unendliches Wachstum in einer endlichen Welt bloß Verrückte und Wirtschaftswissenschaftler glauben würden.

Zum Video auf Arte http://www.arte.tv/guide/de/050584-000/wachstum-was-nun WACHSTUM, WAS NUN ?

Die Stärke von Robins Film ist, dass er mit langem Atem große Bögen schlägt und tatsächlich weite Teile der Welt umspannt. Zur Hälfte des gut 90-minütigen Films kommt erstmals eine deutsche Stimme zu Wort. Auf einer Konferenz in Kathmandu fordert Olav Homeyer einen Technologie- und Geldtransfer in weniger entwickelte Länder, damit Europa und Nordafrika schon ab 2030 vollständig mit erneuerbarer Energie versorgt werden könnten. Dringend nötig sei das, da sonst unser Planet „ziemlich unbewohnbar“ würde.

Robin zeigt genossenschaftliche Versammlungen von Biogemüse-Stadtfarmern. Dazu haben wir bereits ein Beispiel: Vorbildlich:Metropolregion Santiago de Chile: Urbane Landwirtschaft in der Stadt – Los nuevos ecobarrios de la Ciudad. In der Metropolregion der chilenischen Hauptstadt Santiago haben sich ähnlich wie in Europa in den letzten Jahren zahlreiche Initiativen gegründet, die urbane Landwirtschaft betreiben.

Genossenschaften

In immer mehr Genossenschaftsformen engagieren sich immer mehr Menschen: Sie entstehen im Patientenversorgungsbereich, Dienstleistungssektor, im Energiebereich, in Form von genossenschaftlichen Dorfläden oder Theatern und in vielem mehr – Überall dort, wo auch neuer Gemeinsinn gefragt und erwünscht ist. Vor allem entstehen sie auch zunehmend dort, wo sich Staat und Kommunen aus Finanzierung und Versorgung zurückziehen.

Keine andere Rechtsform bietet den Mitgliedern die Möglichkeit der Mitwirkung, Mitgestaltung und Mitverantwortung ohne staatlichen Einfluss. Dieses System hat sich weltweit in über 100 Ländern, bei mehr als 800 Millionen Genossen durchgesetzt und bewährt. So ist z.B. in Kanada jeder dritte Einwohner Mitglied einer Genossenschaft. An der Elfenbeinküste finanzieren Genossenschaften Schulen, Krankenhäuser und Straßen. In Kuwait sind 80 % des Einzelhandels genossenschaftlich organisiert.

Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung – dieses traditionelle Motto der Genossenschaften hat heute neues Leben bekommen: Viele Menschen wollen gemeinschaftlich und wirtschaftlich Anforderungen wieder selber in die Hand nehmen. Genossenschaften – sie haben einen wichtigen Stellenwert für die Zukunft der Gesellschaft und Wirtschaft.

„Ubuntu heisst sich gegenseitig zu helfen.” Nelson Mandela  [Mehr Informationen: Die „U B U N T U“ – Geschichte]

Netzfrau Doro Schreier

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3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Die Welt und damit gemeint ist besonders die westliche Welt, muss lernen sich das „Vergeuden“ abzugewöhnen und mit weniger zu leben. Mit weniger Wachstum, mit weniger Energieverbrauch, mit weniger Wohlstand und mit weniger Ausbeutung der Weltressourcen. Die westliche Welt soll sich auf Produkte konzentrieren, die länger halten, länger brauchbar sind und auch länger satt machen. Solche Produkte wie Waffen sollen für alle Male verschwinden und ganze Energie und Arbeitskraft soll für die Umwelt (Bäume pflanzen usw) und für die Menschheit eingesetzt werden. Der Westen muss endlich mal kapieren, dass er nicht über Nacht vernichtet wird, wenn die Produktion von allem, was gegen Mensch, Tier und Natur ist, einstellt. Da ist der erste und wichtigste Schritt gemacht worden um die Menschheit vor dem vorprogrammierten Untergang zu bewahren.

    • Bis auf die Sache mit dem Wohlstand, kann ich alles was Du geschrieben hast so unterschreiben.
      Das mit dem Wohlstand ist halt so eine Sache, vor allem eine Sache der Definition.
      In unserem, ach so Wohlhabenden Deutschland, verdienen knapp 40% der unter 35 Jährigen weniger als 1.500 euro(Brutto). Das ist netto knapp über der Armutsgrenze, die in Deutschland bei 900 euro liegt.
      Unser Wohlstand verteilt sich leider sehr ungerecht.
      Es gibt ein paar wenige Menschen, die einen extremen Wohlstand haben und auf vielen Millionen oder gar Milliarden sitzen.
      In meinen Augen ist Wohlstand schon erreicht, wenn man:
      1. Ein Dach über dem Kopf hat
      2. Genug zu essen hat
      3. Ein Bett hat
      4. Fliessendes Trinkwasser hat
      5. Nicht frieren muss
      6. Medizinische Versorgung hat
      7. Freizeit hat
      8. Seine Meinung frei äussern darf
      9. Ein Klo hat
      10. Kleidung hat

      Für andere Menschen gehört zu Wohlstand auch ein Auto, ein Flatscreen, ein Smartphone usw.
      Solltest du diesen Wohlstand meinen, dann bin ich auch ganz bei dir, denn es ist immernoch so, das Menschen für die Produktion von solchen Dingen versklavt und teils getötet werden.
      Natürlich nicht hier, sondern woanders auf der Welt( Koltanminen im Kongo usw.)
      Das wird gerne von uns ignoriert und Ignoranz zementiert die eigene Blödheit!

      Solange wir uns diese Dinge nur leisten können, indem wir andere dafür ausbeuten, sollten wir uns das nochmal genau überlegen.

      Gruß Marcus

  2. Hallo zusammen, hocherfreut schaue ich den Film und bin sehr gerührt, dass sich nach all den Jahrzehnten sich eine Bewegung in eine Lebensbejahende Richtung aufzeichnet! 1971 war ich in der landwirtschaftlichen Lehre , der Anfang der intensiv-Landwirtschaft! Als Stadtkind war ich sensibilisiert was Umweltverschmutzung und Ausbeutung betraf. Mein Lehrmeister war ein Bauer der 4 Jahre in der Universität Ingenieur agronom gelernt hat. Eingaben deckten sich mit den Ausgaben des 36ha grossen Betriebs! Durch den Lohn der Frau des Meisters, die vollamtlich als Lehrerin tätug war, hatten wir Essen auf dem Tisch. Der Bauer trunfte überall mit seinen Erträgen auf, wobei er seine Investitionen, wie Dünger, Zusatzfutter, Tierarzt, Diesel, Maschinenkosten und Schädlingsbekämpfungsmittel wohlwissendlich verschwieg! Einer seiner Sprüche der mir blieb war; Biologische Landwirtschaft ist der Anfang jedes Ruins. Der Betrieb wird heute von seinem Sohn biologisch bewirtschaftet. Ich sah keinerlei Zukunft die eine solche engstirnige und ignorante Wirtschaftspolitik des ungebremsten Wachstums, zumal der Patron noch Hauptmann im Militär war: In der selben Zeit war auch eine Subkultur der psychadelik entstanden , wo nicht Gewinn und quantitativen Wohlstand, sondern Bewusstsein, innere Selbstfindung, Gleichheit, Gefühle, Frieden und Liebe als Lebensqualität aktiv. Ich beschloss mich da drin zu investieren, kiffte und nahm Drogen, bis ich alles erlernte so relativiert hatte, dass ein Neuaufbau in einer organischen Weltanschaung möglich wurde. Wir lebten in Gemeinschaften und Komunen, Drogen wurde in Gemeinschaft und in Ritualen konsumiert, ich fühlte mich als Mitglied einer grossen globalen Familie und war 24 std für diese Vision ansprechbar. Doch die Wirtschaftslobbys übten Druck auf die Regierugen aus um diese kulturelle Bewegung unterdrücken. Es wurden Gesetze verabschiedet die uns kriminalisierte und durch stetige Aufspaltung jegelicher Gruppierungen, wurden die Aktivisten und Simpatisanten isoliert und bekämpft. Erst durch dieses Vorgehen entstanden Drogenprobleme und Drogenkonsum im grossen Ausmass. Erst durch das lesen eines Buches von Vin Deloria, eines traditionellen Sioux, Nur Stämme werden überleben, begriff ich wieso ich als in Gemeinschafts denkender Mensch , als Idealist und Träumer isoliert war. Selbst in der Bewegung war den Menschen individueller materieller Besitz das Wichtigste sowie formalisierte Gemeinschaftsaufteilung. Dieselben die Ohnmächtig gegen die Macht zu Felde zogen, übten mit ihren Mittel Macht aus. Desilusioniert, fand ich in der Natur, in den Randgebieten und Wälder zuflucht, und mein Leben wurde zunehmend dies eines Fahrendens. Heute, 40 Jahre on the road, bin ich innerlich mit dieser Lebensweise vertraut, und bin hocherfreut, dass sich die ethnischen Minderheiten der Nomaden ihre Stimme erheben,und dafür einstehen, dass die Rechte die ihnen zugesagt werden auch umgesetzt werden. Nicht nur theoretische Anerkennung, sondern praktische Akzeptanz! Ich war immer ein Verehrer femininer Bewegungen, um im Kontrast zur linearen und Vertikalen Ausrichtung unseres wachstums wahns sinnigen Wirtschaftsmodel und Finanzsystems, die horizontale Ebene der Artenvielfalt und der Vielfältigkeit, der Lebensqualität als Lebensgrundlage zu bestätigen. Leider wurde sehr vieles falsch intepretiert und es wurden viele nutzlose Schlachten geschlagen, da Kultur politisiert wurde, und damit feminines verfälscht. Nomadenkulturen sind basiert auf feminismus, teilen ein Akt des gebens und Austausch, wichtiger als Haben und nehmen. Anfangs 90jger zog ich mit meinem ersten Segelschiff aufs Meer. 75% der Oberfläche unseres Planeten sind Wasser, ist Feminin. Unsere geschlechtspezifischen Chromosomen setzen sich in 1/4 Y und 3/4 X zusammen , und unser Körper besteht aus 75% Wasser. Heute bin ich in der Abschlussphase des Umbaus unseres Projektes, als Kleinfamilie mit unserem Wohn-und Segelkatamaran selbstfindend unter dem Motto begegnend bewegen, bewegend begegnen aufzubrechen, neue Horizonte über die Ozeane zu erschliessend, der Weltgemeinschaft dienend, Austausch und Information anzubieten. Nur in Gemeinschaftsformen kann der Mensch überleben, das war mir schon immer klar, jedoch ist es wichtig, dass diese sich austauschen und nähren, es braucht auch Vermittler und Wegweiser neuer Ideen und Praktiken. Ein solches Gefäss möchte ich anbieten, durch unseren Kat, unsere Beziehungsarbeit und unseren zwei Kleinkindern die in einer Lebens-und Liebenswerten Welt aufwachsen sollen, ohne ihnen Kontraste vorzuenthalten. Wir suchen Ideen und Unterstützung unser Projekt auch finanziell zu tragen, da die 7 jährige Bauzeit sehr an unseren Resursen gezehrt hat. Ich freue mich von Euch zu höhren, mit sonnigen Seglergrüssen aus Spanien Alfons Max

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