1. Adventsamstag = Kaufnix-Tag – Buy Nothing Day

Kaufnix-TagNur noch vier Wochen bis Weihnachten. Am Sonntag ist der 1. Adventsonntag. Die erste Kerze am Adventskranz wird entzündet. Vielleicht noch hier und da im Familienkreis dazu Adventslieder gesungen oder wenigstens gehört.

Die stillste Zeit des Jahres bricht an.

So kannte ich das zumindest. Mehr und mehr habe ich aber den Eindruck, dass sie zur lautesten geworden ist. Festbeleuchtung überall, Adventmärkte in jedem Bezirk, in Wien gibt es mehr als dreißig derzeit, der berühmteste am Rathausplatz. Alle Einkaufsstraßen locken mit verlängerten Öffnungszeiten zum Besuch und meinen damit natürlich Einkaufen.

1992 brachte der zunehmende Kaufrausch den Aktivisten und Künstler Ted Dave aus Vancouver auf die Idee, einen „Buy Nothing“ Tag ins Leben zu rufen. Er ist als konsumkritischer Tag gedacht, der gegen umweltschädliche und menschenverachtende Herstellungsbedingungen ebenso wie ausbeuterische Produktions- und Handelsstrategien internationaler Konzerne und Finanzgruppen protestiert.

In den USA am letzten Freitag, in Europa am letzten Samstag im November wird der „Kaufnix-Tag“ begangen und regt dazu an, das eigene Kaufverhalten zu überdenken. Und das wäre auch angebracht!

Denn: 45 Mio € werden am 1. Wiener Einkaufssamstag an Umsatz erwartet, weil

89% der Wiener wollen lt. WKO-Umfrage ihre Liebsten beschenken und dafür durchschnittlich 345 € ausgeben, also in Summe 345 Mio.

Von 1995 bis 2013 stieg der Umsatz im österreichischen Weihnachtsgeschäft von 1,4 auf 1,57 (2010 und 2011), 2012 sanke er auf 1,52 und 2013 stieg er wieder auf 1,54 Milliarden €.

Für 5,9 Milliarden € kaufte Österreich 2013 zudem übers Internet ein.

Wie RegioPlan herausfand, wird der Weihnachtsumsatz 2014 voraussichtlich um +1,3% nominell im Vergleich zum Vorjahresumsatz steigen. Dies wird rund 3% vom Gesamtjahresumsatz ausmachen im Gegensatz zu den 50er Jahren, als der Weihnachtsumsatz nämlich noch mit 10% zum Gesamtjahresumsatz beitrug.

Was soll schon ein Kauf-Nix-Tag bringen, werden Sie sagen. Kauft man halt am nächst möglichen Tag ein oder am 2. Adventssamstag.

Der Kaufnix-Tag, also ein Tag, an dem man nicht einen einzigen Cent ausgibt, zeigt einem selbst einiges. Über sich in erster Linie.

Wie viele Einkäufe sind schon zur Gewohnheit geworden? Die Semmel zum Frühstück, das Packerl Zigaretten, der Schokoriegel im Vorbeigehen, der Imbiss vor dem nächsten Termin – alles ganz automatisch, unbewusst. Durch Nichtkaufen erkennt man vielleicht Nötiges und Unnötiges, denkt nach über Hunger und Überfluss, über Haben und Sein.

Der Schokoriegel, in dem Kakao von Kinderarbeit steckt, die Wasserflasche, die anderswo Durst bedeutet, die Pizzaschnitte zwischendurch, der Kaffee an der nächsten Ecke oder auch eine Tasse Tee – all das konsumieren wir ziemlich unbewusst.

Machen wir uns aber auf den Weg, um Geschenke zu besorgen, können wir – je nach Gefülltseinsgrad des Geldbörsels – wählen zwischen Kosmetik, Accessoires und Schmuck, Bekleidung wie T-Shirts, Pullover, Blusen, Jacken, Hosen, Tücher, Mützen, Schals, Pyjamas. Handtaschen, Schuhe, Hausschuhe stehen ebenfalls zur Auswahl, ebenso Heimtextilien und Möbel, Technik wie Fotoapparat, Kameras, Laptops, PCs, Smartphones, etc.

Wenn Sie sich jetzt der Mühe unterziehen und die angeführten Links aufmachen, wird es Ihnen ohnehin nicht schwer fallen, morgen nichts zu kaufen, vielleicht auch noch nächste Woche und die darauf folgenden Tage bis Weihnachten.

Sie könnten diese einkaufsfreie Zeit dazu nutzen herauszufinden, was und wo Sie in Zukunft einkaufen. Auf dem Wochenmarkt, bei einem Bauern, bei Ab-Hof-Lieferanten, die auch zustellen, bei Menschen, die selbst Dinge herstellen, z. B. Upcycling-Mode, die Bekleidung neu denken, sodass Sie derart auch zu einem Unikat kommen. Viele Kreative schaffen wunderbare Dinge, auch Gestricktes und Gehäkeltes aus selbst gesponnener und mit Pflanzen gefärbter Wolle, Geschenkartikel, die nicht im Container übers Meer aus China kommen, sondern liebevoll von Hand gefertigt werden. Kreationen von Künstlern, Menschen zum Anfassen, mit denen Sie über ihre Ideen und Werke debattieren können und so noch den Mehrwert haben, jemanden Interessanten kennen zu lernen.

Da wird Einkaufen wieder etwas, an dem man Freude haben kann. Sparsam eingesetzt, für sich selbst und für liebe Menschen, denen man auch etwas Besonderes schenken möchte.

Heute ist Kaufnix-Tag und ab Montag gehen Sie einen neuen Weg. Viel Spaß dabei!

Netzfrau Lisa Natterer

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2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich bin US-Amerikaner, der die deutsche Sprache in mehreren Schulen gelernt/ studiert hat. Ich schlage einen noch besseren deutschen Namen fuer „Buy Nothing Day“ vor: „KEinkaufstag!“ Auf Plakate/ Posters soll „Einkaufstag!“ gedruckt werden, und das K wie ein Graffito haendlich gespritzt! Als ob das untere diagonale Bein des K das Wort „Einkaufstag!“ mit dem Fuss traete!

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