Marseille: Ausweise mit gelbem Dreieck für Obdachlose

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Obdachlose müssen seit dem 3. Dezember 2014 ein gelbes Dreieck auf der Brust tragen. So will es die Stadtverwaltung von Marseille. Auf den Karten stehen die Krankheitsgeschichten der Obdachlosen.

Erst kürzlich berichteten wir aus Florida/USA. Dort kommt es zurzeit zu einer richtigen Verhaftungswelle, denn Obdachlose mit Nahrung zu versorgen, ist ein Schwerverbrechen. Auch der 90-jährige Arnold Abbott wurde mehrfach verhaftet. [90-jähriger Arnold Abbott wieder verhaftet – Obdachlose mit Nahrung zu versorgen ein Schwerverbrechen]

In Marseille sorgt ein Projekt der Stadtverwaltung für Ärger: Die Behörde hat einen speziellen Ausweis für Obdachlose entworfen. Darauf sind Angaben zu Krankheiten und weitere persönliche Informationen festgehalten.

Marseilles Samu-Direktor René Giancarli war es, der die Idee hatte mit dem „Gesundheitsausweis“. Jeder Obdachlose, so Giancarli, solle eine etwa handgroße Karte bekommen und möglichst gut sichtbar tragen – am Anorak, am Rucksack oder irgendwo an der Hose. Auf der Karte werde alles vermerkt, was Helfer notfalls wissen sollten: Name und Vorname des Clochards, seine Sozialversicherungsnummer, seine Allergien und chronischen Krankheiten.

1500 Exemplare ließ die Stadt drucken. 300 waren verteilt – da brach der Sturm der Entrüstung los.

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Laut «Le Monde» regen sich diverse Menschenrechtsorganisationen darüber auf. Zum einen erinnere das Dreieck an die Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg. Zum anderen sind die Clochards damit für Passanten sofort als Obdachlose erkennbar. Dies führe zu Diskriminierung und noch mehr Isolation, so die französische Menschenrechtsliga LDH. Die Hilfsorganisation «Secours populaire» weist zudem darauf hin, dass auch Hilfsbedürftige ein Recht auf Anonymität hätten.

Auch in Chile wird über diese skandlöse Handlung berichtet, so schreibt auch elciudadano.cl, dass Frankreich die Obdachlosen zwingt, gelbe Dreiecke zu tragen.

Der Obdachlose Arnaud meint gegenüber der Zeitung «La Provence»: «Die Stigmatisation ist unerträglich. Können Sie sich die Reaktionen der Menschen vorstellen, wenn sie im Bus fahren und eine Karte tragen, auf der angegeben ist, dass sie an Schizophrenie leiden oder an Aids erkrankt sind?»

In vielen Ländern Europas steigt, verschärft durch die Wirtschaftskrise, die Zahl der Obdachlosen. Doch anstatt zu helfen, werden in einigen Länder Bußgelder verhängt. Obdachlose sind nicht erwünscht.

Auch in einem reichen Land wie Deutschland leben Menschen auf der Straße. Ihre Zahl hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Aber statt die Armut zu bekämpfen, werden Arme auch hier aus den Innenstädten vertrieben.‎ Der Kampf gegen die Armut hat sich zum Kampf gegen die Armen gewandelt. [Lesen Sie dazu: Obdachlose – Der Kampf gegen die Armut hat sich zum Kampf gegen die Armen gewandt]

In Frankreich sind sogar Zehntausende trotz Jobs obdachlos. Eine vom französischen Statistikamt Insee veröffentlichte Studie zur Beschäftigungslage französischsprachiger Obdachloser kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Jeder vierte Obdachlose in Frankreich hat eine Arbeit. Das Gehalt reicht nicht aus, um eine Wohnung zu halten. Die Hälfte der obdachlosen Frauen sind als Haushaltshilfe, in der Kinderbetreuung oder als Krankenpflegerin tätig.

Die Stadtverwaltung Marseille will bislang keine Fehler einräumen. Die Diskussionen um das gelbe Dreieck seien «absurde Polemik», schreibt Projektleiter Xavier Méry in einer Mitteilung.

Netzfrau Doro Schreier

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