Trinkwasser-Vergifter von 300 000 Menschen drohen bis zu 68 Jahren Haftstrafe – Villains who poisoned West Virginia drinking water could end up behind bars

Wasserverschmutzungzur englischen Version Im Januar 2014 kam es durch einen chemischen Störfall zu einer Verunreinigung des Trinkwassers von 300 000 Menschen in West Virginia. Im Dezember wurden nun insgesamt sechs Personen, Besitzer, Manager und Angestellte dieses (un)verantwortlichen Unternehmens, Freedom Industries, vor  einem Jury Gericht angeklagt.

U.S. Staatsanwalt Booth Goodwin sagte, dass das ungeheuerliche Desinteresse an den Gesetzen zu diesem ganz klar vermeidbaren Giftunfall geführt habe. Zum Jahresende 2014 kam das Justizsystem der Bestrafung der Täter dieser Kontaminierung, mit der die Reihe von Umweltkatastrophen des Jahres quasi eröffnet wurde, einen Schritt näher.

Trinkwasser – Vergiftern in West Virginia droht Gefängnisstrafe

Bevor wir näher auf das Verfahren eingehen, ein kurzer Rückblick auf die Ursachen, die dazu führten. Am 9. Januar betrieb Freedom seinen Betrieb von 14 schlecht gewarteten Tanks mit Millionen von Gallonen von Chemikalien wie immer eher nachlässig. Und das, obwohl der Standort direkt an den Ufern des Flusses Elk liegt, nur eine Meile oberhalb von Kanawh, der Wasserquelle des Bezirks.

Den ganzen Morgen meldeten Anwohner von Charleston, W.Va., einen süßen, lakritzartigen Geruch in der Luft. Als die zuständige Umweltschutzabteilung vor Ort erschien, um die Ursachen zu analysieren, mussten sie nur ihren Nasen folgen, um die Quelle zu lokalisieren. Man fand einen 400 Quadrat-Fuß  großen Tümpel aus Methylcyclohexane Methanol, einer giftigen Substanz, die dazu verwendet wird, Kohle von Verunreinigungen zu “säubern”, bevor diese verbrannt wird. Dieser war aus einem beschädigten Tank ausgetreten, der bereits seit einiger Zeit auszulaufen schien. Diese Chemikalie, abgekürzt MCHM, strömte – entlang eines begrenzenden Damms – direkt in den Fluss. Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag der Netzfrauen: Bei der Verbrennung von Kohle entstehen Unmengen von Kohleasche, doch was geschieht damit?

Die Einwohner von neun Bezirken der Region Charleston wurden vor der Nutzung des Wasser gewarnt. Man sollte es weder trinken, damit kochen, baden noch sich waschen. Trotzdem zeigten sich bei fast 700 Anwohnern erste Symptome bereits am nächsten Abend, die typisch für eine Kontaminierung durch MCHM sind: Übelkeit, Ausschläge und Haarausfall.

Der Unfall hatte für die Gemeinden noch wochenlang verheerende Folgen. Selbst einen Monat nach Austritt des Giftes, als die Behörden die Wassernutzung bereits wieder als sicher eingestuft hatten, trauten die Anwohner den offiziellen und beruhigenden Aussagen nicht.

Die Bürger beklagten sich über trübes Trinkwasser und rochen Lakritze sowie Formaldehyd, ein bekanntermaßen krebserzeugender Stoff, der durch MCHM in Verbindung mit anderen Chemikalien, Plastik oder Metall in den Rohren, entstanden sein konnte. Eine Umfrage bei der Bevölkerung seitens der CDC und zwei weiterer Behörden, die im Juli veröffentlicht wurde, ergab, dass in jedem fünften befragten Haushalt Menschen mit Symptomen zu kämpfen hatten.

Im Dezember standen die sechs Angeklagten sowie das Unternehmen selbst auf Grund von drei Anklagepunkten im Hinblick auf Vergehen gegen den Clean Water Act vor Gericht: Nachlässiger Austritt von wassergefährdenden Stoffen, nachlässiger Umgang in wirtschaftlichen Angelegenheiten sowie die Nichteinhaltung ökologischer Vorgaben. Falls sie verurteilt werden, haben die Angeklagten mit bis zu drei Jahren Gefängnisstrafe zu rechnen.

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Gary L. Southern, Präsident von Freedom zum Zeitpunkt des Unfalls, kann deutlich länger als die anderen in Haft kommen, da er zusätzlich wegen Unterschlagung, betrügerischen Konkurses und Falschaussage unter Eid vor Gericht steht. Falls er in allen Anklagepunkten für schuldig befunden wird, drohen ihm bis zu 68 Jahren Haftstrafe.

Einem Artikel der Charleston Gazette kann man Details des anstehenden Verfahrens entnehmen:

Das Unternehmen und die vier Führungskräfte ließ es an der notwendigen Sorgfalt fehlen, hielten sich nicht an Gesetze, ignorierten eigene interne Vorschriften und hielten gängige Branchenstandards und Vorgaben im Bereich Sicherheit und Umweltschutz nicht ein.

Das Unternehmen untersuchte den leckenden Tank nicht, wartete die Umfassung des Tanks nicht ausreichend, bildete seine Mitarbeiter nur unzureichend aus, stellte keine Bindungsmittel im Falle eines Austritts zur Verfügung und sorgte nicht über Notfallpläne für den Fall einer Verunreinigung, die für eine Betriebserlaubnis erforderlich sind, so die Anklage weiter.

Insgesamt war Freedom Industries extrem nachlässig, die Tragödie war absehbar. Das Unternehmen, das chemische Stoffe lagert, erklärte nur Tage nach dem Unglück seinen Bankrott, die tickende Zeitbombe ist damit zum Glück außer Betrieb.

Laut Aussage von Mark Welch, dem Strukturierungsverantworlichen des Unternehmens, erzielten Freedom und die Behörden eine Vereinbarung, nach der die Opfer des Umweltverbrechens nicht entschädigt werden. Auf Grund dieser Vereinbarung sei „Freedom in der Lage, Zeit und knappe Ressourcen auf die notwendigen ökologischen Aufräumarbeiten zu konzentrieren und die Kreditgeber zu bedienen“, so Welch.

Ist auch Ihre Reaktion darauf: Verdammt, wie kann das sein?! Die Verbrecher werden ihre Finanziers auszahlen, ebenso wie ihre hochbezahlten Anwälte und Berater. Aber die hunderttausend Betroffenen des Unfalls, die auf Grund der Nachlässigkeit des Unternehmens geschädigt wurden, gehen leer aus?! So weit es die Beseitigung der Umweltschäden angeht, sind die Verantwortlichen vor Ort auf Grund des mangelnden Fortschritts bereits beunruhigt.

Was noch hinzukommt: Im Juli wurde eine Einigung in 24 Verfahren erzielt, die das Elk-River-Unglück betreffen. Man einigte sich auf einen Betrag in Höhe von 2,9 Millionen Dollar, von dem aber ebenfalls keine Zahlungen an die durch das verseuchte Wasser betroffenen Personen geleistet werden. Der vereinbarte Geldbetrag wird für Wasserproben, Gesundheitsstudien und andere Maßnahmen für die gesamte Einwohnerschaft verwendet. Den Opfern blieb der magere Anteil von 7,60 Dollar pro Person – wir gehen davon aus, dass kaum jemand auf dieses Angebot eingegangen ist.

Es ist beeindruckend, dass die Hauptverantwortlichen für den Unglücksfall zur Rechenschaft gezogen werden. Und es gibt zahlreiche weitere Verfahren gegen Chemie-Unternehmen und Wasserversorger, die in Entschädigungszahlungen münden könnten. Aber leider ist Freedom Industries von den Toten auferstanden. Im Mai hat sich ein neues Unternehmen namens Lexycon LLC registriert. Mit der gleichen Adresse, Telefonnummer, Führungskräften und sogar der gleichen  Firmenmission wie Freedom. Oh je!

Wir haben den Beitrag für Sie übersetzt, By on 19 Dec 2014 auf http://grist.org/

Villains who poisoned W. Va. drinking water could end up behind bars

Remember back in January when a chemical spill poisoned drinking water for 300,000 West Virginians? Well, this week, six owners, managers, and employees of the (ir)responsible company, Freedom Industries, were indicted by a federal grand jury.

The prosecutor, U.S. Attorney Booth Goodwin, said that the company executives’ “flagrant disregard for the law” resulted in the “completely preventable” toxic leak. As 2014 wraps up, the (something resembling) justice system inches a small step closer to punishing the perpetrators of the contamination crime that kicked off the year in environmental disasters.

Before we explore the legal proceedings, let’s take a moment for a refresher on the illegal proceedings that begot this court case. On Jan. 9, Freedom was neglectfully operating its facility of 14 poorly maintained tanks holding 4 million gallons of nasty chemicals on the banks of the Elk River, about a mile upstream of Kanawha County’s municipal water intake, just like any other day. Throughout that morning, residents of Charleston, W. Va., reported whiffs of a sweet, licorice-like fragrance in the air. When the state’s Department of Environmental Protection arrived to investigate, having simply followed their noses to the site of the spill, inspectors observed a 400-square-foot pool of 4-methylcyclohexane methanol, a toxic substance used to “clean” coal of impurities before it’s burned, around a ruptured tank, which appeared to have been leaking for some time. The chemical, MCHM for short, was seeping past a shoddy containment dike, straight toward the river.

Residents of nine Charleston-area counties were warned not to drink, cook with, bathe in, or wash with tap water. Nevertheless, by the next evening, close to 700 residents had reported symptoms of MCHM exposure, ranging from nausea to rashes to hair falling out.

The disaster continued to wreak havoc on local communities for weeks. A month after the spill, the water supply long since declared safe by public authorities, many West Virginians still didn’t trust the official reassurances. Citizens complained that their drinking water was murky or smelled of licorice or formaldehyde, a known carcinogen that could have been formed from MCHM reacting with other chemicals, plastics, or metals in pipes. The results of a door-to-door survey released in July by the CDC and two state agencies indicate that individuals in one-fifth of surveyed households suffered from symptoms of exposure to the chemical.

So this week, all six defendants, and the company itself, were charged with three criminal violations of the Clean Water Act: negligent discharge of a pollutant, negligent discharge of a refuse matter, and violating an environmental permit. The accused could face up to three years in prison if convicted.

Freedom’s president at the time, Gary L. Southern, might get locked up longer than the rest, as he was also charged with wire fraud, bankruptcy fraud, and bullshitting under oath. If found guilty on all counts, Southern could be sentenced to 68 years behind bars.

An article from The Charleston Gazette provides all the details of the stinging indictment:

The company and the four executives failed to exercise reasonable care, failed to comply with the law, failed to follow their own internal operating procedures and failed to conform to common industry standards for safety and environmental compliance.

The company failed to inspect the tank that leaked, failed to maintain the secondary containment around the tank, failed to adequately train its employees, did not have spill prevention supplies on hand, did not have a spill prevention plan and failed to develop pollution prevention plans as required by its permit, the indictment states.

Basically, Freedom Industries was ridiculously reckless, a tragedy waiting to transpire. The chemical storage company declared bankruptcy just days after the spill, and the ticking-time-bomb tank farm is now out of commission. Thank goodness.

According to the company’s “chief restructuring officer,” Mark Welch, Freedom and the feds reached a plea deal that prevents the U.S. Attorney’s Office from seeking damages to compensate victims of the environmental crimes. Instead, this bargain allows “Freedom to focus its time and limited resources on its environmental cleanup obligations and addressing the claims of its creditors,” said Welch.

To which you might respond, What the frack?! The evildoers will find a way to repay their financiers (and their high-priced team of lawyers and advisers), but can’t spare a penny for the hundreds of thousands of folks whose lives were disrupted in the wake of a cataclysm caused by the company’s carelessness. As for the environmental remediation, regulators have been concerned by the lack of real progress.

What’s more, back in July, a $2.9 million settlement reached in 24 lawsuits related to the Elk River spill also failed to include any individual payments to people affected by the tainted water. Instead, the settlement money was set aside for water testing, health studies, and other measures that benefit the whole class of 300,000. Victims had the choice to pocket their measly $7.60 share of the payout instead, but it’s doubtful many filed to do so.

It’s awesome that the people most blameworthy for the spillsaster will be tried for their misdeeds. And there are plenty more lawsuits against the chemical manufacturer and the local water supplier that could result in some reparations.

But unfortunately, Freedom Industries has risen from the dead in a new form. In May, this new company called Lexycon LLC was registered as a business with the same addresses, phone numbers, execs, and even mission statement as Freedom. Uh oh.

Netzfrau Andrea Escher

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