Verschleppte Mädchen in Nigeria – hat die Welt sie vergessen? Abducted Nigerian girls still missing, a distracted world must remember

Nigeriazur englischen Version Im Norden Nigerias kamen bei Terroranschlägen der nigerianischenTerroristengruppe Boko Haram bereits Tausende Menschen ums Leben. Boko Haram will in der Region einen Gottesstaat errichten.

16 Ortschaften im Umfeld des Handelszentrums Baga wurden vor einer Woche vollständig zerstört, teilten die Lokalbehörden mit. 2000 Menschen könnten bei Massakern in der Stadt Baga ums Leben gekommen sein, rund 20 000 Menschen seien aus Baga und den anderen Orten geflüchtet, 560 Menschen auf eine Insel im Tschad-See, wo sie ohne Lebensmittelversorgung seien, so die Nachrichten aus Nigeria.

Okello Kelo Sam ist Musiker, Schauspieler und der Gründer der „Hope North”, einer weiterführenden Schule in Uganda für die Opfer des Bürgerkrieges dieses Landes. Er ist zu sehen in „The Last King of Scotland.“ Es ist an der Zeit, die sehr (mit anderen Themen) beschäftigte Welt daran zu erinnern, dass Boko Haram besiegt werden muss, so Okello Kelo Sam. Er wendet sich an die Öffentlichkeit mit der Bitte, die verschwundenen Mädchen nicht zu vergessen.

Noch immer keine Spur von den verschleppten Mädchen in Nigeria – hat die Welt sie vergessen?

von Okello Kelo Sam – 7.Januar 2015

Okello Kelo Sam Tribeca Talks Industry - Illicit Networks: Portrayal Through Film - 2012 Tribeca Film FestivalEs ist Zeit, die sehr beschäftigte Welt daran zu erinnern, dass Boko Haram bekämpft werden muss #RememberOurGirls

Acht Monate sind eine lange Zeit – lange genug, um die internationale Empörung aufkochen, abkühlen und verrauchen zu lassen.

So lange ist es her, dass die Kämpfer von Boko Haram eine weiterführende Schule im Nordwesten von Chibok in Nigeria überfielen und mehr als 200 Mädchen im Teenager-Alter entführten – sie werden bis zum heutigen Tag vermisst.

Eine globale Twitter-Kampagne – #BringBackOurGirls – kam in Fahrt – durch die Hilfe der amerikanischen First Lady Michelle Obama, der früheren Staatssekretärin Hillary Rodham Clinton, des britischen Premierministers David Cameron und – vor allem – dank der Millionen Hashtag-Aktivisten weltweit.

Ich fürchte, dass die Hoffnung für die nigerianischen Mädchen schwindet – international.

Wir haben seitdem Beben gespürt – wie Russland die Krim annektierte, wie der Islamische Staat an Boden gewann und wie Ebola todbringend in Westafrika wütet. All dies entzog den 219 verschleppten nigerianischen Mädchen die Aufmerksamkeit der politischen Führer, der Bevölkerungen und der Medien.

Werbung

Warum schalten die Netzfrauen Werbung?

Zwischenzeitlich schlugen die internationalen Bemühungen, die Mädchen aus den Händen ihrer Entführer zu befreien, fehl – ebenso die vielen Verhandlungsrunden, in denen es darum ging, sie gegen Boko-Haram-Kämpfer, die in nigerianischen Gefängnissen einsitzen, auszutauschen.

Boko Haram hingegen legt nochmal nach, um sein Ziel zu erreichen, den Nordosten Nigerias zu einem fundamentalistischen islamischen Staat zu machen und den Einfluss des Westens in den Schulen zu eliminieren. Die von den USA 2013 als terroristische Gruppe deklarierten Kämpfer setzen ihre Angriffe auf nigerianische Einwohner fort, töten die Einen und verschleppen die Anderen. Vor einem Monat berichtete die New York Times, dass Boko Haram im nordöstlichen Teil Nigerias „zuschlagen kann, wie er gerade will“.

Ich weiß aus Erfahrung, wie schwierig es ist, derartige Aggressionen zu stoppen. 1985, im Alter von 16 Jahren, wurde ich von Rebellen, Überresten der Nationalen Befreiungsarmee von Uganga, in den Krieg verschleppt. Ich konnte schließlich fliehen und mein Leben zurückgewinnen. Jahre später hatte mein jüngerer Bruder Godfrey nicht so viel Glück. Auch er wurde gekidnappt, dieses Mal war es die Joseph Kony’s Lord’s Resistance Army. Er wurde im Kampf getötet.

Ich habe meinen Bruder verloren, doch ich verliere nicht die Hoffnung, dass diese Tragödien gestoppt werden können. Doch nun fürchte ich, dass die Hoffnung für die nigerianischen Mädchen international schwindet. Die Ticker, die die Tage seit ihrer Entführung gezählt hatten, sind aus den Zeitungen, den Sendungen und von den Webseiten verschwunden. Erinnert sich noch jemand an die 219 vermissten Mädchen?

In Abuja, der Hauptstadt Nigerias, tut man das. Jeden Tag versammeln sich die Demonstranten der Initiative „Bring Back Our Girls“ (Bringt uns unsere Mädchen zurück!), deren Aktionen die Hashtag-Kampagne nährten, am Wiedervereinigungsbrunnen (Unity Fountain) in Abuja. Die Familien der vermissten Mädchen, ihre Nachbarn und MitbürgerInnen, etwa 100 Menschen, kommen täglich zusammen. Mit Sprechchören und Schildern wiederholen sie das mittlerweile bekannte Mantra „Bring back our girls“.

Sie sind unermüdlich. Sie widerstehen den Repressionen der Regierung und weigerten sich sogar, die Demos zu beenden, als die Polizei in Abuja dies anordnete. In der örtlichen Presse erteilten sie Verschwörungstheoretikern, die – wie bizarr – behauptet hatten, die Mädchen seien gar nicht verschleppt worden, eine klare Abfuhr. Sie weichen auch nicht vor den „Gegendemonstranten“, die versuchen, ihre Forderungen niederzuschreien mit Demos für den nigerianischen Präsidenten Goodluck Jonathan, genau den Mann, von dem die Protestierenden glauben, dass er nicht genug für die Rettung der Mädchen getan habe.

Doch kann „Bing Back Our Girls” die Zeit und den mit ihr entstehenden Zynismus überstehen? Die 219 Mädchen wurden auch nach etwa 4 Millionen Tweets nicht befreit. Was soll das Ganze also, richtig?

Falsch! Erinnern wir uns: Es gab kaum eine Berichterstattung über die Verschleppung, bis der kluge nigerianische Anwalt für Soziale Medien, Ibrahim Abdullahi, mit #BringBackOurGirls kam. Nachdem Abdullahi den früheren Vize-Präsidenten der Weltbank, Obiageli Ezekwesili, in einer Rede den Satz „Bring back our girls“ hatte sagen hören, wiederholte er ihn auf Twitter und die Demonstranten wiederholten ihn am Vereinigungsbrunnen und online. So wurde der Aufschrei schließlich gehört.

Hätte es diese Kampagne in den Sozialen Medien nicht gegeben, hätte irgendjemand außerhalb Nigerias je von den Chibok-Mädchen erfahren? Hätte diese Story mehr als einen News-Zyklus im Westen überdauert? Würden Sie dies hier jetzt lesen?

Es ist an der Zeit, die sehr (mit anderen Themen) beschäftigte Welt daran zu erinnern, dass Boko Haram besiegt werden muss. Die sozialen Medien werden uns unsere Mädchen nicht zurückbringen, doch die Aufmerksamkeit der Welt kann dabei helfen. Es ist Zeit, wieder zu den Demonstranten am Vereinigungsbrunnen zu stehen. Machen wir uns zum Vorsatz für 2015: #RememberOurGirls – Denkt an unsere Mädchen!

Und – falls Sie es nicht mehr wissen – es ist 269 Tage her, dass sie verschleppt wurden.

Okello Kelo Sam ist Musiker, Schauspieler und der Gründer der „Hope North”, einer weiterführenden Schule in Uganda für die Opfer des Bürgerkrieges dieses Landes. Er ist zu sehen in „The Last King of Scotland.“

INFOBOX

____________________________________________________________________________________________

Der UN-Sicherheitsrat stufte Boko Haram erst im Sommer als Terrororganisation ein und führt die Extremisten wegen ihrer Verbindungen zu Al-Kaida auf der Sanktionsliste gegen das Terrornetzwerk.

Obwohl Boko Haram – der Name bedeutet „Westliche Bildung ist verboten” – im überwiegend islamischen Norden Nigerias ein Kalifat errichten. Seitdem die Terroristen im August 2011 das UN-Quartier in Nigerias Hauptstadt Abuja mit einer Autobombe in die Luft jagten, ermordeten sie mit Anschlägen auf Schulen, Märkten, Kirchen und Polizeistationen Tausende Menschen.

Am 14. April entführte die Terrorgruppe Boko Haram etwa 270 Mädchen aus einer Schule im nigerianischen Chibok. Während sich einige Schülerinnen befreien konnten, bleiben etwa 220 der 15- bis 18-jährigen vermisst.

Durch den ISIS sieht sich Boko Haram auch noch bestärkt. Nach der Entführung der Mädchen ließ Boko Haram durch eine Videobotschaft verkünden, dass der Islam es ihm erlaube und dass er sie zu Sklaven mache wollte. Einige Mädchen wurden im muslimischen Gewand gezeigt, und es war klar, dass der Anführer Abubakar Shekasein Wort gehalten hatte. Diese Mädchen waren gewaltsam zum Islam konvertiert und sie waren jetzt Sklaven. Lesen Sie dazu unseren Beitrag: #BringBackOurGirls – Was wurde aus den entführten Mädchen in Nigeria?

____________________________________________________________________________________________

Abducted Nigerian girls still missing, a distracted world must remember

By Okello Kelo Sam January 7, 2015

It’s time to remind a distracted world that Boko Haram must be defeated #RememberOurGirls

Eight months is a long time. Long enough for international outrage to rise, fall and fade away. That’s how long it’s been since Boko Haram militants stormed a secondary school in the northeastern village of Chibok in Nigeria, abducting more than 200 still-missing teenage girls..

A global Twitter campaign — #BringBackOurGirls — caught fire with the help of First Lady Michelle Obama, former Secretary of State Hillary Rodham Clinton, British Prime Minister David Cameron and, most important, millions of global hashtag activists.

I fear that hope for the Nigerian girls is slipping away, internationally.

But since then we have felt tremors as Russia annexed Crimea, as Islamic State gained ground and as Ebola did its deadly work in West Africa. All of this turned the attention of world leaders, citizens and the media away from the 219 abducted Nigerian girls.

Meanwhile, international efforts to recover the girls failed, including several rounds of negotiations to exchange the girls for Boko Haram fighters held in Nigerian jails.

Boko Haram only upped the ante in pursuit of its goal of establishing a fundamentalist Islamic state in northeastern Nigeria and eliminating Western influence in its schools. The militants, declared a terrorist group by the U.S. in 2013, continued to attack Nigerian villagers, killing some and abducting others. The New York Times reported a month ago that Boko Haram „was able to strike at will“ in northeastern Nigeria.

I know from experience how difficult it is to stop such aggression. In 1985, at age 16, I was abducted into war by rebels from remnants of the Uganda National Liberation Army. I eventually escaped and reclaimed my life. Years later, my younger brother Godfrey was not so lucky. He too was kidnapped, this time by Joseph Kony’s Lord’s Resistance Army, and he was killed in battle.

I lost my brother, but I do not lose hope that these tragedies can be stopped. And yet, I fear that hope for the Nigerian girls is slipping away, internationally. Tickers marking the days since their abduction have disappeared from newspapers, Web pages and broadcasts. Does anyone still remember the 219 missing girls?

They do in Abuja, Nigeria’s capital. Every day the Bring Back Our Girls demonstrators — whose activism fueled the hashtag campaign — rally at Unity Fountain in Abuja. Families of the missing girls, their neighbors and fellow citizens, about 100 strong, congregate, carrying signs and chanting the now-familiar mantra: „Bring back our girls.“

They are indefatigable. They’ve withstood government repression, refusing to stop when Abuja police ordered an end to the rallies. In the local media, they’ve dismissed conspiracy theorists who, bizarrely, postulated the girls were never abducted. They outlasted „counter-activists“ trying to shout down their demands with campaign rallies for Nigerian President Goodluck Jonathan, the very man the protesters think hasn’t done enough to rescue the girls.

But can Bring Back Our Girls overcome time and the cynicism it breeds? After some 4 million tweets, the 219 girls have not been rescued. So what’s the point, right?

Wrong. Remember, until a social-media savvy Nigerian lawyer, Ibrahim Abdullahi, came up with #BringBackOurGirls, there had been little coverage of the abductions. When Abdullahi heard former World Bank Vice President Obiageli Ezekwesili say „Bring back our girls“ in a speech, he echoed the phrase on Twitter, and the demonstrators amplified it at Unity Fountain and online. Finally their cry was heard

Had it not been for that social media campaign would anyone outside Nigeria know about the Chibok girls? Would the story have lasted more than one news cycle in the West? Would you be reading this now?

It’s time to remind a distracted world that Boko Haram must be defeated. Social media won’t return the girls, but the world’s attention can help. It’s time to stand again with the demonstrators at Unity Fountain. Make this your 2015 resolution: I will #RememberOurGirls.

And, in case you’re wondering, it’s been 269 days since they were abducted.

Okello Kelo Sam is a musician and actor and the founder of Hope North, a secondary school in Uganda for the victims of that country’s civil war. He appeared in „The Last King of Scotland.“

Am 14. April entführte die Terrorgruppe Boko Haram etwa 270 Mädchen aus einer Schule im nigerianischen Chibok. Während sich einige Schülerinnen befreien konnten, bleiben etwa 220 der 15- bis 18-jährigen vermisst.

Durch die ISIS sieht sich Boko Haram auch noch bestärkt. Nach der Entführung der Mädchen, liess Boko Haram durch eine Videobotschaft verkünden, dass der Islam es ihm erlaube und dass er sie zu Sklaven mache wollte. Einige Mädchen wurden im muslimischen Gewand gezeigt und es war klar, dass der Anführer Abubakar Shekasein Wort gehalten hatte. Diese Mädchen hatten gewaltsam zum Islam konvertiert und sie waren jetzt Sklaven. Lesen Sie dazu unseren Beitrag: #BringBackOurGirls – Was wurde aus den entführten Mädchen in Nigeria?

Netzfrau Heike Garisch

deutsche Flagge

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Abgestumpft und wegschauen? Das hilft den Mädchen nicht. Auch wenn alle Mädchen befreit werden dürfen wir dieses Unrecht, diese Grausamkeit nicht vergessen.
    Frauen in der ganzen Welt solidarisiert Euch mit den verschleppten Mädchen aus Nigeria.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.