Haben Werte wie Solidarität in unserer Gesellschaft noch eine Chance? Die Lady von Luanda und der Obdachlose

Obdachlose6Für den anderen mit gerade stehen, Solidarität beweisen, gibt’s das noch? Wir leben in einer Ellenbogengesellschaft, heißt es, jeder ist sich selbst der Nächste, in Krisenzeiten allemal. Tatsächlich? 

Die Gesellschaft hat sich zu einem „Haifischbecken” entwickelt, in der Gier nach Profit, Egoismus, Geiz, Ignoranz und Intoleranz dominieren und die Gewaltbereitschaft immer mehr zunimmt.

Wir müssen den Werten wieder einen Wert geben: Toleranz, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft und Solidarität sind Grundpfeiler des Zusammenlebens.

Die häufigste Kritik an jungen Menschen, die wir heutzutage hören, ist „sie behandeln nichts und niemanden mit Respekt”. Ironischerweise versuchen Erwachsene oft, Kindern Respekt beizubringen, indem sie sie respektlos behandeln. Kinder lernen Respekt oder Respektlosigkeit von der Art, wie wir sie behandeln oder wie wir miteinander umgehen.

Kinder schauen sich viel vom Verhalten der Erwachsenen ab. Kinder wissen nicht, was „Moral“ ist. Aber jedes Kind versteht, was gut und was nicht gut ist. Es gibt nur selten Schwarz und Weiß. Wir müssen lernen, immer weiter zu differenzieren. Manchmal erscheint etwas schwarz, was in Wahrheit weiß ist und umgekehrt. Toleranz und Hilfsbereitschaft im Umgang mit allen Mitmenschen schaffen eine ausgeglichene lebenswerte Umgebung. Jeder Einsatz für das Allgemeinwohl stärkt die soziale Gesundheit der Gemeinschaft und schenkt Vertrauen in die eigene Kraft. Etwa ein Drittel unserer Eigenschaften sind angeboren, ein weiteres Drittel wird durch Vorbild und Erziehung gebildet und das dritte Drittel liegt in unseren eigenen Händen.

Eine wahre Geschichte aus Angola…

Eines Tages sah eine junge Frau einen Obdachlosen auf den Straßen von Luanda (Angola) sitzen.

Sie näherte sich ihm, aber er ignorierte sie, da er es gewohnt war, erniedrigt und beschimpft zu werden. – Ein Polizist, der das Geschehen beobachtete, kam den beiden näher. „Stört er Sie, Madame”?

Sie antwortete: „Auf keinen Fall – ich sehe, dass der Herr Hunger hat – Kräfte um aufzustehen hat er auch kaum. Könnten Sie mir helfen, ihn bis zum Restaurant zu tragen“?

Der Polizist half ihm, aber er wollte trotzdem nicht mitkommen, denn er konnte es nicht glauben, was da gerade geschah.

Im Restaurant angekommen, kam der Kellner und sagte: „Verzeihen Sie Madame, aber der Herr kann hier nicht sitzen bleiben, er wird meine Kundschaft vergraulen”.

Die Frau schaute ihn an und sagte: „Sehen Sie diese große Firma dort vorne”? Sie zeigte mit dem Finger drauf. „Drei Mal die Woche kommen die Geschäftsleute und deren Kundschaft hier essen. Sie lassen eine Menge Geld da, richtig ? – Ich bin die Geschäftsführerin dieser Firma. So… kann ich nun mit meinem Freund hier essen oder nicht”?

Der Kellner staunte, nickte und ging.

Aus den schmerzvollen Augen des Obdachlosen fiel eine Träne, gleichzeitig fragte er: „Ich danke Ihnen sehr, aber womit habe ich es verdient”? Sie nahm seine Hände und sagte: „Kannst du dich nicht mehr an mich erinnern, Joao”?

„Sie kommen mir bekannt vor, aber ich wüsste nicht, woher ich Sie kennen sollte”.

Mit Tränen in den Augen sagte sie: „Vor einiger Zeit, kam ich hier her – kein Geld, nichts! Ich kann mich noch ganz genau erinnern, ich hatte sehr großen Hunger. Ich habe mich dort vorne hingesetzt, weil ich ein Vorstellungsgespräch hatte in der Firma, in der ich heute Geschäftsführerin bin. Plötzlich kam ein barmherziger Mann auf mich zu – Erinnern Sie sich, Joao”?

Er nickte, während sich seine Augen immer mehr mit Tränen füllten.

„Zu der Zeit haben sie noch hier gearbeitet. An jenem Tag aß ich das leckerste Essen meines Lebens. Ich konnte meinen Blick nicht von Ihnen abwenden. Ich konnte es nicht fassen. Dauernd fragte ich mich – warum tut er das, womit habe ich das verdient? – Danach hatte ich so viel Kraft und Mut, dass ich mich aufrappelte, zu diesem Vorstellungsgespräch ging und wie durch ein Wunder auch noch die Stelle bekam.

Ich konnte mein Glück nicht fassen. Ich habe mich fortgebildet, verdiente sehr viel Geld, habe Anteile der Firma gekauft und nach einiger Zeit wurde ich Geschäftsführerin dieser Firma und habe sie zu dem gemacht, was sie heute ist! Und ich wusste, eines Tages werde ich mich bei Ihnen revanchieren können.

Ich bin schon sehr lange auf der Suche nach Ihnen. Es tut mir im Herzen weh, Sie heute so sehen zu müssen. Sie werden nie wieder auf der Straße schlafen. Sie werden mit mir nach Hause kommen. Ich werde ihnen morgen Klamotten kaufen und ab morgen werden sie mit mir arbeiten gehen….”.

Sie umarmten sich und weinten. Die Außenstehenden waren von der Lektion des Lebens so überwältigt, dass Ihnen Tränen nicht verschont blieben.

(Quelle unbekannt)
Möchten Sie, dass die Welt freundlicher wird, dann seien Sie freundlicher. Möchten Sie Respekt, dann behandeln Sie andere respektvoll. Wollen Sie, dass die Menschen um sie herum ehrlich zu Ihnen sind, dann seien Sie ehrlich. Oder noch anders gesagt:
Geben Sie das in die Welt, was Sie zurückbekommen möchten.

Netzfrau Doro Schreier

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7 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich bin sehr angerührt von dieser Geschichte.Ich versuche die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen, wenn ich ihnen begegne. Diese Geschichte ist zu schoen um wahr zu sein.
    Ist sie denn wahr?
    Heute ist viel Respektlosigkeit unter den Leuten, rauhe, kalte Töne sind an der Tagesordnung.Leider.Ich hatte immer Angst vor der Laecherlichkeit.Diese habe ich fast ganz abgelegt und werde es trainieren, „angreifbar“ zu sein.Ich werde den Leuten höflich und offen begegnen und ihnen in die Augen schauen, wenn ich mit ihnen rede.Ich werde meine Hilfsbereitschaft ausbauen.Das wird dann manchmal ausgenutzt.das versuche ich in der Zukunft abzufedern.Wie? Das wird sehr unterschiedlich sein, je nach Situation.
    Es wird nicht leicht sein.
    Sicher wird mich manchmal auch der Mut verlassen.Wenn viele Leute hoeflicher, Mitmenschlicher sein koennten, waere die Welt fuer Alle ein besserer Ort.

  2. der staat zwingt die leute ständig zu handlungen und nennt es solidarität. die natürliche solidarität wird dadurch zerstört. echte solidarität und sozialstaat sind unvereinbar.

  3. rote pille, Der Satz: „Echte Solidarität und Sozialstaat sind unvereinbar“, ist absoluter Kappes. Ähnliches wird auch immer wieder von Konzern- und Bankenbossen als geradezu naturgesetzlich hingestellt. Dann wird die Floskel von der freiwilligen Selbstverpflichtung hinterhergeschoben, die eigentlich nie Folgen zeigt. Die natürliche Solidarität hat immer noch genug Felder, selbst wenn eine gesetzliche soziale Grundsicherung vorhanden ist. Zerstört wird diese Solidarität durch eine Sozialisation in einem Umfeld, wo der maximale Provit das größte Gut ist und die ELLenbogen, das wichtigste Körperteil.

  4. Es wurde schon allerhand darüber gesagt:
    „Eine schwere Aufgabe ist freilich die Höflichkeit insofern, als sie verlangt, daß wir allen Leute die größte Achtung bezeugen, während die allermeisten keine verdienen“.
    (Arthur Schopenhauer)

  5. „Ich werde ihnen morgen Klamotten kaufen und ab morgen werden sie mit mir arbeiten gehen….”.
    Sie umarmten sich und weinten. Die Außenstehenden waren von der Lektion des Lebens so überwältigt, dass Ihnen Tränen nicht verschont blieben.

    Die Lektion berührt mich auch zutiefst. Vor allem, wenn man mit Hilfe der Polizei zur Arbeit genötigt wird, die offensichtlich gar nicht gebraucht wird. Ich würde bitter weinen.

  6. Eine wunderbar anrührende Geschichte – ich hoffe, sie ist wahr und wenn, dann sicher nur ein Einzelfall.
    Was eine nicht schafft,schaffen viele!!!
    Es geht um unsere deutsche Steuerpolitik. Die Reichen werden immer reicher und die Geringverdiener müssen mehrere Jobs machen, damit sie über die Runden kommen. Wo ist da die Solidarität?
    Vielleicht können wir gemeinsam Druck auf die Politik ausüben, sodass der Spitzensteuersatz, Erbschaftssteuer etc. wieder eingeführt werden.
    Alle Menschen würden davon profitieren…

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