Wenn Jugendämter versagen – Die kleine Chantal starb an Methadon-Vergiftung – Obhut von drogensüchtigen Pflegeeltern

ChantalDie elfjährige Chantal starb vor drei Jahren an einer Methadon-Vergiftung. Ihre Pflegeeltern, die damals drogensüchtig waren, kommen nun mit einer Bewährungsstrafe davon.

Die Elfjährige hatte in der Wohnung ihrer Pflegeeltern Methadon geschluckt.

Die meisten Menschen im kurzen Leben der kleinen Chantal waren entweder Alkoholabhängige, Junkies, Ex-Junkies auf Ersatzdroge — oder tot. Ihre Mutter war alkoholabhängig und starb, der Vater war drogensüchtig. Mit acht Jahren kommt sie zu Pflegeeltern, die ebenfalls drogenabhängig sind. Sie haben eine Tochter, die auch dem Rauschgift verfällt. Da sind Freunde von Freunden, für die Alkohol und illegale Drogen feste Bestandteile ihres Lebens sind. Genauso beschreiben die „Kieler Nachrichten” das kurze Leben der kleinen Chantal.  Was machte das zuständige Jugendamt? Vor allem, wie ist es möglich, dass Chantal zu solchen Pflegeeltern in Obhut gegeben wurde?

Dass die Tragödie auch für die Jugendhilfeeinrichtung ohne jegliche Konsequenzen bleibt, stößt neben der Bewährungsstrafe für die Pflegeeltern bei uns auf Unverständnis. Ein Kind musste sterben, weil sich niemand um das Kindeswohl scherte.

Der Pflegevater hatte die im Sterben liegende Chantal sich selbst überlassen und war am Morgen zur Arbeit gegangen – ohne den Notarzt oder seine Lebensgefährtin zu verständigen.

Er habe nicht erkannt, dass Chantal bereits bewusstlos gewesen sei, sagte er. Die Pflegemutter hatte den vorherigen Tag sowie die Nacht außer Haus verbracht. Am Nachmittag des 16. Januars 2012 fand die Pflegemutter das Mädchen bewusstlos und mit blauen Lippen im Bett. Chantal starb kurz darauf an den Folgen einer Methadon-Vergiftung im Krankenhaus.

Am 16. Januar 2012 stirbt Chantal an einer Methadon-Tablette, einer Ersatzdroge für Rauschgiftabhängige. Chantal wurde nur elf Jahre alt. Die Staatsanwaltschaft Hamburg erhob Anklage gegen die Pflegeeltern von Chantal. Der Vorwurf lautet auf fahrlässige Tötung und Verletzung der Fürsorgepflicht.

Nach dem Tod hatte die Hamburgische Bürgerschaft einen Sonderausschuss zur Aufklärung der Todesumstände gebildet. Der Ausschuss sollte zudem Strukturen und Abläufe im Bereich der Jugendhilfe beleuchten und Empfehlungen zur Verbesserung des Kinderschutzes erarbeiten. Ab Ende Januar 2012 forderte die Opposition die Ablösung von Markus Schreiber als Bezirksamtsleiter, da seine Behörde im Fall Chantal schwere Fehler begangen habe. Auch die ehemalige Jugendamtsleiterin musste 2012 ihren Posten räumen.

Der 54-jährige Pflegevater erhielt ein Jahr Haft auf Bewährung, die vier Jahre jüngere Pflegemutter acht Monate auf Bewährung. Das Mädchen soll in der Wohnung seiner drogenabhängigen Pflegeeltern in Hamburg-Wilhelmsburg Zugang zu der Heroin-Ersatzdroge gehabt haben. Damit blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die für den Vater eine zweieinhalbjährige Haftstrafe und für die Mutter eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verlangt hatte.

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Das Hamburger Landgericht lässt die Pflegeeltern von Chantal mit einer Bewährungsstrafe davon kommen? Sie haben doch das Methadon herumliegen lassen, was zum Tod von Chantal geführt hat. Sie hätten verhindern können, dass Chantal stirbt. Allein schon, dass man das Kind bei diesen drogenabhängigen Pflegeeltern gelassen hat, grenzt an Zynismus. Chantal wäre nach der Einnahme des Methadons noch zu retten gewesen, wären die Pflegeeltern ihrer Plicht nachgekommen und hätten sich um das Mädchen gekümmert.

Nun fragen wir uns, wo und warum Kinder bei solchen unzumutbaren Pflegeeltern in Obhut überhaupt noch gegeben werden.

INFOBOX

Wenn das Kind dauerhaft bei Pflegeeltern untergebracht ist, sollten Eltern und Kind einen Familien-entsprechenden Altersabstand haben. Deshalb sollten Sie bei der Volljährigkeit Ihres Pflegekindes nicht älter als 63 Jahre alt sein. Also auch mit 45 Jahren kann man noch Säuglinge und Kleinkinder bei sich aufnehmen.

Da Kinder zum Spielen und Lernen Platz brauchen, benötigen sie genügend Wohnraum. Das bedeutet aber nicht, dass von Anfang an für jedes Kind ein eigenes Zimmer vorhanden sein muss. Während das für ältere Kinder meistens sehr wichtig ist, können sich jüngere Kinder auch ein Zimmer teilen.

Die Familien sollen in gesicherten wirtschaftlichen Verhältnissen leben und mit Ihrem Einkommen unabhängig von den Leistungen sein, die Sie für das Pflegekind erhalten – für das Pflegekind erhalten Sie monatlich unabhängig von Ihrem Einkommen ein Pflegegeld, das den Lebensunterhalt des Kindes abdeckt.

Sie müssen körperlich und seelisch belastbar sein, Krankheiten dürfen Sie im Alltag nicht wesentlich einschränken.

Pflegekinder brauchen Zeit und Aufmerksamkeit – wenn es sich vereinbaren lässt, kann der vorwiegend betreuende Elternteil auch berufstätig sein.

Auf die Aufgabe als Pflegeeltern werden sie durch die Pflegeelternschulung vorbereitet. Auch nach der Aufnahme des Pflegekindes können Sie jederzeit fachliche Hilfen in Anspruch nehmen.

Die Zeitspanne vom ersten Info-Abend bis zur Aufnahme eines Pflegekindes beträgt ca. 9 Monate.  Quelle 

Zehn Einträge aus dem Bundeszentralregister verliest der Vorsitzende Richter Rüdiger Göbel. Von schwerem Raubüberfall, Körperverletzung und Diebstahl ist die Rede und immer wieder von Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Mehrfach saß Wolfgang A., der Pflegevater von Chantal, im Gefängnis. Im Jahr 2008 hatten Wolfgang A. und Sylvia L. die Pflegschaft für die damals Achtjährige übernommen. Wenn Sie oben die Anforderungen eines Pflegekindes lesen, müssen Sie feststellen – sie hätten nie das Kind in Obhut bekommen dürfen.

Es ist nicht der erste Fall in Hamburg, der für Entsetzen sorgt.

Die 3-jährige Yagmur aus Hamburg starb nach schweren Misshandlungen, mehr als 80 Verletzungen wurden festgestellt!

Im Dezember 2014 verabschiedete der Hamburgische Parlamentarische Untersuchungsausschuss seinen Abschlussbericht zu dem Fall des dreijährigen Mädchens Yagmur, welches nach Misshandlungen verstarb.
Kurz vor Weihnachten 2013 war die dreijährige Yagmur in der Wohnung ihrer Eltern innerlich verblutet. Bei der Obduktion wurden neben einem Leberriss mehr als 80 Hämatome und Quetschungen sowie ein schlecht verheilter Bruch des Unterarms festgestellt.

In diesem Abschlussbericht werden zahlreiche Versäumnisse der Behörden im Umgang mit dem Kind aufgezeigt. Yagmur stand von Geburt an unter der Aufsicht derJugendämter. Dennoch wurde das Kind von seiner Mutter über viele Monate so schwer misshandelt, dass es schließlich starb.

Die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts

Die wichtigsten Erkenntnisse des 500 Seiten starken Berichts sind:

  • Yagmur stand zwar von Geburt an unter der Aufsicht der Jugendämter. Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) verlor jedoch bald den Überblick über die Ereignisse. Die Informationsweitergabe war mangelhaft und führte zu Fehlentscheidungen.
  • Es gab individuelle Fehlleistungen. Im Sommer 2013 übernahm eine ASD-Mitarbeiterin den Fall, die noch in der Einarbeitung war. Unterstützung durch eine erfahrene Fachkraft erhielt sie nicht.
  • Schutzmaßnahmen wie der angeordnete Kita-Besuch und die Betreuung durch eine Familienhilfe wurden nicht eingehalten.
  • Die Mitteilung der Staatsanwaltschaft über die Einstellung der Ermittlungen gegen die Pflegemutter und die leiblichen Eltern im November 2013 wurde falsch eingeschätzt. Der ASD erkannte nicht, dass damit das Kind weiter in Gefahr war.
  • Auf einer Besprechung des ASD am 4. Dezember 2013, zwei Wochen vor Yagmurs Tod, wurde die letzte Chance zur Rettung des Kindes vergeben. Die staatsanwaltschaftliche Mitteilung, die die schwere Misshandlung des Kind feststellte, wurde nicht zur Kenntnis genommen.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelte nach der Anzeige eines Rechtsmediziners nicht intensiv genug. Sie lud Yagmurs Mutter zweimal vor, um sie zu den Misshandlungsvorwürfen zu befragen. Da sie nicht erschien, wurde dies als Aussageverweigerung gewertet und nicht weiter nachgehakt.

Das Landgericht Hamburg verurteilte Yagmurs Mutter Ende November 2014 wegen Mordes zu einer lebenslangen Haft, das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig. Der Vater des Mädchens muss für viereinhalb Jahre ins Gefängnis, weil er sein Kind nicht schützte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit auch gegen mehrere Mitarbeiter von Behörden wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht. Quelle 

Jede Woche sterben drei Kinder durch Gewalt oder Vernachlässigung

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr laut Kriminalstatistik 153 Kinder zu Tode misshandelt. Man muss sich das einmal vor Augen halten: Jede Woche sterben drei Kinder durch Gewalt oder Vernachlässigung. „Die Täter sind in aller Regel eben nicht der zwielichtige Fremde“, schreibt der Berliner Gerichtsmediziner Michael Tsokos in seinem Buch Deutschland misshandelt seine Kinder. Die Täter seien „fast immer die Mütter und Väter oder der neue Lebensgefährte eines Elternteils“.

Konsequent handelte die Stadt Hamburg erst, nachdem Chantal verstarb. Wer in Hamburg nun ein Pflegekind aufnehmen will, muss erst zum Drogentest.

Immer wieder sterben Kinder in Deutschland an Misshandlung. Die Sozialarbeiter, die den staatlichen Auftrag haben, sie zu schützen, scheinen zu versagen. Wie kann das sein?

Warum Jugendämter versagen – die 45 Min.Story auf NDR – zum Video hier<

„Kinder erleben nichts so scharf und bitter wie Ungerechtigkeit”. Charles Dickens

Im Fall Chantal, die als Pflegekind bei einem drogensüchtigen Paar in Hamburg Wilhelmsburg in Obhut kam, scheint sich das Jugendamt nicht viel Mühe gemacht zu haben, ein Kind in eine liebevolle Familie zu geben. Im tragischen Fall von Yagmur ermittelt die Staatsanwaltschaft derzeit auch gegen mehrere Mitarbeiter von Behörden wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht.

Zwei Kinder, deren Tod hätte vermieden werden können.

Netzfrau Doro Schreier

Tag der Straßenkinder – 100 Millionen Kinder leben auf der Straße

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Es ist schon verdammt traurig dass erwachsene Menschen (In diesem Fall Pflegeeltern und Jugendamtbedienstete) so Dumm, Ignorant und Verhaltensgestört sein können.
    Woanders werden Kinder aus nichtigen Gründen aus deren intakten Elternhaus genommen und da wo es nötig ist, da wird nicht reagiert !
    Was ist das nur für eine menschenverachtende und verlogene Welt geworden.

  2. Und nun?
    Wollen wir noch mehr papierne Regeln und Gesetze, An- und Verordnungen und statistisch gesehene Familientragödien?
    Wie gross ist die Distanz zwischen einem schweizer KESB-Büro und einem Familienalltag!
    Dabei besteht der Schutz unserer Kinder und Erwachsenen! darin, dass wir in ein soziales Netz eingebunden sind, uns Zeit nehmen, um miteinander zu reden, uns gegenseitig zuhören ohne zu verurteilen und es wagen, unsere Meinung offen zu sagen. Kurz: täglich Eigenverantwortung übernehmen.
    Kein geschriebenes Gesetz ersetzt
    die ungeschriebenen Gesetze einer Gesellschaft!

  3. Ich stimme dem vorherigen Kommentar zu. Die Welt ist so, wie sie ist, weil die Mehrheit der Menschen es zulässt – aus Dummheit, Schwäche, Faulheit und Feigheit: selbstverschuldeter Unmündigkeit.

  4. Ich verstehe die Menschen nicht mehr. Ich werde seit Dezember 2014 als uns das Jugendamt unser 3 Kind weg nahm. Immer lauter und schrei um hilfe. Es gibt kein einziges Jugendamt. Die uns unser,e Kind,er klauen das sind von der Bezirkshauptmannschaft,en und Margistrat,en die Sozialarbeiter,in(nen) die zu ständig waren für die Person. Zu ständig sind für die Person. Warum klauen die unser,e Kind,er? Genau die haben keine Gesetze. Drehen wie sie es brauchen. Es gibt keine,n Rechtsstaat. Der,die Kontroliert. Werden nicht kontrolliert. Nehmen am liebsten Babys und Kleinkind,er weg,weil die am meisten Geld bringen. Und desto mehr Kind,er das weg nehmen. Desto mehr Geld gibts nächstes Jahr wieder. Schaut euch genauer um. Staat holt von uns Menschen die Steuer Gelder. Teilt es an die verschiedenen Länder auf. Die teilt es an Landesregierung,en auf. Die wieder rum teilen es an Bezirkshauptmannschaft,en und Margistrat,en auf. Die teilen es an Gemeinde,n auf. So rennt es in Österreich ab. So ähnlich in Deutschland auch. Ich schrei die ganze Zeit schon,das wir eine Organisation,en brauchen die die Behörde.n kontroliert(en). Mit die Sozialarbeiter,in(nen) mit da zu kontrolieren. Aber auf mich hört ja niemand. Sehr sehr trauig.

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