Valentinstag – Durch die Blumen betrachtet

ValentinstagViele Leute sehen im Valentinstag eine Erfindung von findigen Kaufleuten und Geschäftemachern. Besonders Blumenverkäufer und Pralinenfabrikanten stehen unter Generalverdacht, diesen Tag für sich und ihre Geschäfte erfunden zu haben. Das stimmt so natürlich nicht. Richtig ausgedrückt müsste man wohl eher sagen, dass findige Kaufleute und Geschäftemacher diesen Tag für sich gepachtet haben. Dabei geht das, was die Menschen unter dem Valentinstag verstehen, an der langen Historie des Tages vorbei.

Der  Valentinstag wird heute verstanden als „Tag der Verliebten„, an dem sich die Liebenden gegenseitig ihre Liebe mit irgendwelchen, zumeist rot verpackten, Geschenken, Pralinen und Blumensträußen, beweisen wollen oder müssen. Dabei ist, historisch gesehen, der Valentinstag eher ein Tag zum Gruseln als zum Austausch von Liebesschwüren (die man zudem auch an jedem anderen Tag des Jahres machen darf).

Geschichtlicher Hintergrund

Der heillige Valentin lebte im dritten Jahrhundert nach Christus im heutigen Italien. Er war ein einfacher Priester, der trotz Verbot durch den damals herrschenden römischen Kaiser Claudius Liebespaare nach christlichem Ritus getraut haben soll. Dafür starb er am 14. Februar 269 den Märtyrertod durch Enthauptung.

Der Überlieferung nach standen die von Valentin geschlossenen Ehen unter einem besonders guten Stern. Er soll außerdem den Ehepaaren Blumen aus seinem Garten geschenkt haben. Etwa 100 Jahre später wurde Valentin, dem nachgesagt wird, er habe Kranke geheilt und dadurch viele Menschen missioniert, heilig gesprochen und Papst Gelasius I. erklärte im Jahre 496 nach Christus den 14. Februar zum Gedenktag „Valentinstag“.

Infobox

Brauchtum

Das heute zum Konsum verkommene Brauchtum des Valentinstages verdanken wir aber wohl eher einem Gedicht des englischen Schriftstellers Geoffrey Coucher „Parlament der Vögel“, das auf einem Fest zum Anlass einer „Valentinsfeier“ am englischen Hofe von König Richard II. erstmals vorgetragen wurde, als dem Märtyrertod des heiligen Valentin. In dem Gedicht geht es darum, dass sich zu diesem Feiertag (14. Februar) die Vögel versammeln, damit jeder von ihnen einen Partner findet.

„Seit dem 15. Jahrhundert wurden in England Valentinspaare gebildet, die sich kleine Geschenke oder Gedichte schicken. Die Paare bildeten sich durch Losen am Vorabend oder durch den ersten Kontakt am Valentinstag.“

Quelle: Wikipedia

Valentinstag – Durch die Blumen betrachtet

Halten wir also fest. Den Valentin hat es wohl wirklich gegeben, aber geehrt wird er an seinem Tag nicht wirklich. Geehrt wird der Valentinstag stattdessen, wie schon der Muttertag, von Blumenhändlern und Pralinenherstellern. Da kommt bei dem einen oder anderen von uns sicherlich die Frage auf:

„Brauchen wir wirklich so einen Tag, um uns daran zu erinnern, dass wir unseren Partner / unsere Partnerin lieben?“

(Der ein oder andere)

Wie viel von der Romantik bleibt übrig, wenn wir den Valentinstag durch die Blumen hindurch betrachten?

Wir zeigen Ihnen hier die andere, die weniger rote Seite des Valentinstages. Die Seite, die von Kinderarbeit erzählt und die von denen erzählt, die von den menschenverachtenden Zuständen, die in der Produktion herrschen, profitieren. Machen Sie sich bitte selbst ein Bild von dem Sinn oder Unsinn eines solchen Gedenktages.

Tulpen aus Amsterdam? Fehlanzeige!

Viele der zum Valentinstag verschenkten Blumen werden auf menschenunwürdige Art produziert. Sie sind mit Pestiziden behandelt und zudem oft genmanipuliert. Immer neues Saatgut wird von den Firmen ersonnen. Blumen erblühen plötzlich in Farben, die ihnen die Natur nicht zubilligen wollte. Ob lila, mit Streifen oder bunt, es gibt nichts, was es nicht gibt.

Sogar Monsanto mischt mit. Wer da noch glaubt, die Tulpen seien, wie es das alte Lied verspricht, aus Amsterdam, auch da müssen wir Sie enttäuschen. So wandern beispielsweise die Frankenstein-Tulpen erst nach einer langen Reise in die Blumenvasen auf den heimischen Tischen, wo sie recht lange blühen und unsere Augen und Herzen erfreuen sollen.

Schnittblumen aus Afrika und Lateinamerika

Wenn Blumen sprechen könnten, dann würden sie von miserablen Arbeitsbedingungen, Hungerlöhnen, Gesundheitsrisiken und ökologischem Desaster in der Blumenindustrie Afrikas und Lateinamerikas berichten.

Was die wenigsten wissen: Enorme Mengen an Schnittblumen werden von Kenia aus nach Europa exportiert. Seit 1995 hat sich diese Menge sogar noch enorm erhöht. Um genau zu sein, sie hat sich seitdem verdreifacht. In Zahlen ausgedrückt heißt das, dass alleine nach Deutschland etwa 500 Millionen Stück Schnittblumen pro Jahr aus Kenia importiert werden.

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Auch Ecuador gilt heute als wichtigster Blumenproduzent des Südens. Von Januar bis November 2010 verkaufte das Land laut Angaben der Handelsorganisation Expoflores für 586 Millionen Dollar Pflanzen. 122 000 Tonnen Pflanzen führt das Andenland aus! Damit sind Blumen direkt hinter Öl, Bananen und Shrimps mittlerweile das wichtigste Exportprodukt des Landes geworden.

Das bleibt allerdings nicht ohne Folgen. Wirtschaftlich gesehen mag das ja eine gute Sache für Ecuador und die dortigen Schnittblumen-Anbauer sein, doch solange die allgemeinen Zustände sich nicht ändern, z. B. der Einsatz von Pestiziden, die Monokultur u. s. w., überwiegen die Nachteile gegenüber den Vorteilen. Das selbe gilt natürlich auch für Kenia.

Siehe dazu: Valentinstag und Blumen – Das Gift der Tulpen

Je bitterer die Schokolade, desto gesünder?

In den vergangenen Jahren wurden vor allem auch Pralinen zum Valentinstag verschenkt. Es sei einmal dahingestellt, ob nun mit oder ohne Blumen. Wussten Sie aber, dass auch hier sowohl schlechte, menschenunwürdige Arbeitsbedingungen als auch der Einsatz von Kindern für die Arbeit auf Kakaoplantagen, vor allem in Westafrika, weit verbreitet ist ? Diese Zustände sind für uns inakzeptabel.

„Je bitterer die Schokolade, desto gesünder!” kann man derart vereinfacht also nicht mehr guten Gewissens sagen. Gemessen an den schlechten und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen müssen wir diesen Satz deshalb etwas erweitern.

Je bitterer die Schokolade, desto gesünder, jedoch nur für den, der sie isst.

Je bitterer die Schokolade, desto ungesünder und zwar für den, der auf den Kakaoplantagen schuftet, um unseren Bedarf an dieser Süßigkeit zu decken.

Nestlé und Kakaoplantagen – ein Grund mehr, Nestlé zu meiden

Nur gegen die Privatisierung unseres Wassers zu sein, ist kein ausreichender Grund, NESTLE zu boykottieren. Jeder sollte wissen, dass Nestlé auch an der Ausbeutung von 1,8 Millionen Kindern in Westafrika, die auf Kakaoplantagen arbeiten, beteiligt ist.

Seitdem bekannt wurde, dass Versklavung von Kindern zum Alltag auf den Kakaoplantagen an der Elfenbeinküste gehört, kämpfen die großen Schokoladenhersteller, u. a. auch Nestlé, um das Vertrauen der Verbraucher. Sie versprechen für Schulen, für medizinische Versorgung und für Bildungsprogramme zu sorgen. So soll das Leben der Kinder und Bauern vor Ort erträglicher werden, und wir in Deutschland können Schokolade wieder ohne schlechtes Gewissen genießen. So wirbt Nestlé auch damit, dass sie Farmern beibringen, nachhaltigen Kakao ohne Kinderarbeit anzubauen.

Auf den Plantagen arbeiten dennoch Kinder. Schon seit vielen Jahren gibt es Hinweise auf Kinderarbeit auf Kakaofarmen an der Elfenbeinküste. Dadurch, dass Kinder mit den gleichen Macheten wie Erwachsene die gleichen Arbeiten wie Erwachsene ausführen müssen, kommt es immer wieder zu schrecklichen Verletzungen an den Kinderbeinen. Außerdem müssen die Kinder während der Ernte stundenlang und oft sogar ohne Bezahlung arbeiten.

Lesen Sie dazu: Nestlé – Kinderarbeit in Afrika: Blutige Schokolade

Fazit

Für die einen ist es der romantischste Tag des Jahres, für die anderen bloß ein von der Werbeindustrie aufgebauschter Anlass, möglichst teuer Blumen und Pralinen zu verkaufen. Für wieder andere ist dieser Tag bitter, denn sie werden für diese „Aufmerksamkeiten“ aufs Übelste ausgebeutet.

Nicht immer müssen es Blumen oder Pralinen sein. Valentinstag-Geschenke einfach selber machen! Das Beste ist, wenn das Selbstgemachte von Herzen kommt. Oft reicht da auch nur ein liebes Wort.

Netzfrau Doro Schreier

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