Vorsicht vor giftigen Ostereierfarben!

OsternOstern steht vor der Tür und der Verbrauch von Eiern steigt enorm. Was sollte der Osterhase auch sonst für die Kinder im Garten verstecken? Ostern ohne Eier, einfach undenkbar? Augen auf beim Ostereierkauf!

Die Eier-Branche feiert „einen regelrechten Boom“, auch in Sachen fertig gefärbter Eier im Supermarkt. Doch Vorsicht!

Ein Osterfest ohne bunte Eier ist für viele Familien, vor allem für Kinder, kaum vorstellbar. Doch die Skepsis der Eltern gegenüber Farbstoffen aus dem Supermarkt-Regal ist meist groß – und das ist berechtigt. Es gibt natürliche Alternativen, die wir Ihnen aufzeigen werden. 

Es ist weiß oder auch braun und zu Ostern mit Hilfe von Chemie auch bunt. Bei Eier-Farben werden zwar nur Lebensmittelfarbstoffe zugelassen, die genauso zum Färben von Erfrischungsgetränken, Süßigkeiten, Kuchen und Eis verwendet werden, aber: Manche Farben enthalten Zusatzstoffe, sogenannte Azofarbstoffe, die bei empfindlichen Menschen allergieähnliche Reaktionen auslösen können und als krebserregend gelten. 

Azofarben – Warnhinweis: „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen“

Seit Juli 2010 müssen Lebensmittel, die Azofarben enthalten, mit dem Warnhinweis „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen“ gekennzeichnet sein, weil sie im Verdacht stehen, an der Auslösung des hyperkinetischen Syndroms ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Kindern) beteiligt zu sein.

Die Diskussion um die Risiken geht bis in die 1970er-Jahre zurück. Der amerikanische Kinderarzt und Allergologe Benjamin Feingold war der Meinung, die Ernährung, besonders künstliche Farbstoffe, könnten die Ursache für Verhaltensauffälligkeiten wie die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bei Kindern sein. Immer wieder wurde in Studien die These überprüft.

Wie wir es aus anderen Studien bereits kennen, wurde die Qualität der Studien bemängelt. Grundlage für die seit 2010 in der EU vorgeschriebene Warnung ist eine Studie aus dem Jahre 2007, die zwar keinen klaren Zusammenhang zwischen den Lebensmittelfarbstoffen und Hyperaktivität zeigte, aber immerhin messbare Effekte. Daraufhin beschloss das EU-Parlament die Kennzeichnungspflicht. Betroffen sind fünf sogenannte Azofarben:

Tartrazin (E 102), Gelborange S (E 110), Azorubin (E 122), Cochenillerot (E 124) und Allurarot (E 129) – sowie der künstliche Farbstoff Chinolingelb (E 104).

Allerdings machen die Azofarben nicht nur Kindern Probleme.

Die Deutsche Apotheker-Zeitung, die nicht im Verdacht von unbegründeter Panikmache steht, warnt: „Viele Azofarbstoffe werden im Körper durch Enzyme in ihre Ausgangsverbindungen aufgespalten, diese gelten als stark krebserregend und stehen außerdem im Verdacht, Allergien und Pseudoallergien auszulösen”. Der Verbraucherzentrale Bundesverband vzbv sieht daher weiteren „Handlungsbedarf“. Auf seiner Internetseite www.lebensmittelklarheit.de heißt es: „Der Warnhinweis ist aus Sicht der Verbraucherzentrale nur eine halbherzige Lösung. Die meist unscheinbare Warnung im Kleingedruckten ist schon deshalb ungenügend, weil viele Kinder sich ihre Süßigkeiten selbst kaufen. Azofarbstoffe und Chinolingelb sollten daher verboten werden“. Quelle

Im Supermarkt kaufen

Die Deutschen scheinen die Lust am Färben von Eiern kurz vor Ostern zu verlieren. Jedenfalls verzeichnet die Eier-Branche derzeit „einen regelrechten Boom“ in Sachen fertig gefärbter Eier im Supermarkt.

Nicht nur, dass die gefärbten Eier aus dem Supermarkt durch Verwendung von Zusatzstoffen teilweise Beschwerden auslösen können, vor allem bei empfindlichen Menschen, sollte auch die Haltung von Legehennen berücksichtigt werden.

Schnäbelkürzen bei Küken und seit Februar wissen wir, dass zig Millionen männliche Küken laut einem Gerichtsurteil in den Schredder dürfen. 

Haben Sie sich nicht auch schon einmal gefragt, welch langen Weg diese Eier hinter sich haben, bis diese bei Ihnen im Osterkorb landen? Es sei denn, Sie kaufen Ihre Eier direkt beim Bauern um die Ecke. Doch seien wir mal ehrlich: Wie oft sehen Sie noch an der Straße ein Schild mit der Aufschrift: „Frische Eier“?

50 Millionen Eintagsküken landen in Deutschland jährlich auf dem Müll und männliche Küken dürfen laut einem Gerichtsurteil in den Schredder

© PETA

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Zig-Millionen männliche Küken werden in Brüterei-Unternehmen oft vergast und geschreddert. Nordrhein-Westfalen verbot als erstes Bundesland überhaupt die massenhafte Tötung männlicher Küken 2013 per Erlass.

Wie das Verwaltungsgericht Minden Anfang Februar entschied, ist ein Erlass des Umweltministeriums von Nordrhein-Westfalen, das die Tötung männlicher Küken für Eier-Erzeugung untersagt hatte, nicht rechtmäßig. Elf Brüterei-Unternehmen klagten dagegen.

Den Richtern zufolge bedürfe es für ein Verbot einer Ermächtigungsgrundlage, die es „bisher im geltenden Tierschutzgesetz nicht gibt“. Hier steht, dass Tiere nur mit vernünftigem Grund getötet werden dürfen. Das Gericht sah ihn in der wirtschaftlichen Alternativlosigkeit des Verfahrens. Für die Ei-Erzeugung gezüchtete Hühnerrassen setzten wenig Fleisch an. Daher sind männliche Tiere als Speise-Hühner kaum geeignet. Berufung wurde zugelassen. Ohnehin sitzt der Großteil der deutschen Brütereien in Niedersachsen, wo der Agrarminister der Grünen bisher die Praxis der Kükentötung nicht verbieten ließ. Quelle

Die Eierindustrie unterscheidet bei Hühnern zwischen zwei verschiedenen Nutzungsarten: So-genannte „Legehennen“, bei denen weibliche Hühner auf eine hohe Legeleistung gezüchtet werden und sogenannte „Masthühner“, bei denen sowohl männliche als auch weibliche Tiere darauf gezüchtet werden, einen möglichst ausgebildeten Brustmuskel zu entwickeln. Doch die „Legehennen“ und „Masthühner“ sind nicht die einzigen, die in der Eierindustrie leiden: Auch die kleinen Brüder der „Legehennen“, die männlichen Küken, fallen der brutalen Eierproduktion zum Opfer. Da sie weder Eier legen können noch eine rentable Brustmuskulatur ausbilden, sind sie für die Industrie „unwirtschaftlich“.

Jedes Jahr werden in Deutschland für die Produktion von Eiern – auch für Bio-Eier – daher rund 50 Millionen männliche Küken in den Brütereien routinemäßig vergast oder lebendig geschreddert. Diese Zahl errechnet sich aus der Anzahl der jährlich in Deutschland gehaltenen Legehennen und der biologischen Regel, dass über einen längeren Zeitraum etwa gleich viele weibliche wie männliche Nachkommen schlüpfen. [Mehr zum Thema: Das Ei – Kennzeichnungsschwindel und 50 Millionen Eintagsküken landen in Deutschland jährlich auf dem Müll]

In den Packstellen und Färbereien wird quasi Tag und Nacht gearbeitet, um die Regale der Supermärkte mit bunten Eiern zu befüllen. Ein Schutz­lack sorgt für Hoch­glanz und soll verhindern, dass Keime in die Eier dringen. Er besteht zum Beispiel aus Schellack und Palm­wachs. So sollen die Eier vier Wochen lang bei Raum­temperatur halten – voraus­gesetzt, die Schale bleibt intakt. [Zum Thema Palmwachs:  Palmöl – Tödlicher Feind der Orang-Utans]

ACHTUNG: Die Anbieter gefärbter Eier müssen auf der Packung nur ihre Adresse nennen, über Hühnerhaltung und Herkunft müssen sie jedoch nicht informieren. Beides ist für frische Eier Pflicht.

Für unverpackte, gekochte und gefärbte Eier gibt es überhaupt keine Kennzeichnungspflicht. Ob man also mit diesen Eiern etwa auch Azofarbstoffe, Gentechnikfutter oder schlechte Tierhaltung mit kauft, ist unklar.

Ostereierfarben „nichts für Kinderhände”

Die meisten Ostereierfarben aus dem Supermarkt enthalten laut Greenpeace Österreich bedenkliche Stoffe. Die Organisation hat in 50 von 60 getesteten Eierfärbemitteln Azofarbstoffe gefunden, die im Verdacht stehen, für Kinder gesundheitsgefährdend zu sein

Dass Vorsicht beim Umgang mit den Produkten zum Selberfärben angebracht ist, weiß jeder, der schon einmal Ostereier selbst gefärbt hat:

  • Speziell wenn Kinder mit diesen Farben hantieren, gelangt viel Farbe auf die Haut.
  • Häufig dringen die Farbstoffe durch die Schale und werden mitverzehrt.

Produkte mit bedenklichen Farben ohne Warnhinweis

Seit Juli 2010 müssen Lebensmittel, die Azofarben enthalten, mit dem Warnhinweis „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen“ gekennzeichnet sein, weil sie im Verdacht stehen, an der Auslösung des hyperkinetisches Syndroms ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Kindern) beteiligt zu sein.

Für „Stempelaufdrucke und Farbverzierungen auf den Schalen von Eiern” gilt jedoch eine Ausnahmeregelung bei der Produktkennzeichnung; diese müssen keinen Warnhinweis tragen. Ein Umstand, den die Produzenten der Eierfarben zum Selberfärben offensichtlich auf ihre Produkte anwenden.

Kritisierte Farben in den Produkten zum Selberfärben

Die folgenden problematischen Farbstoffe stehen auch im Verdacht, bei entsprechend veranlagten Personen Unverträglichkeitsreaktionen wie Nesselsucht, Hautödeme und Asthma auszulösen. Auf den Produkten ist entweder die E-Nummer oder der Name des Farbstoffes angegeben.

  • E 102 (Tartrazin)
  • E 104 (Chinolingelb)
  • E 110 (FD&C Yellow Nr. 6 , Gelborange S, Sunsetgelb FCF; gelborange)
  • E 122 (Azorubin, Carmoisin)
  • E 124 (Cochenillerot A, Ponceau 4R)
  • E 129 (Allurarot)

Keine Azofarbe, aber ebenfalls von Greenpeace als „ungenügend” eingestuft:

  • E 127 Erythrosin

Die Produktliste

60 Produkte zum Selberfärben hat Greenpeace unter die Lupe genommen: Nur in zehn werden keine problematischen Farbstoffe eingesetzt. Am besten bewertet sind zwei Produkte mit Naturfarben, die unter anderem im Bio-Supermarkt erhältlich sind. Testergebnisse finden Sie hier: Marktcheck.at

INFOBOX

Azofarben gehören zu den gesundheitsschädlichsten Farbstoffgruppen überhaupt.

Herstellung dieser Azofarbstoffe: Sie werden mit einer chemischen Reaktion aus Erdöl gewonnen und gelten deshalb als krebserregend.

Die Ausgangsverbindung Anilin steht schon lange in Verdacht, Krebs auszulösen. Da einige Azofarbstoffe durch Enzyme in ihre Ausgangsverbindungen aufgespalten werden, gelten auch sie als krebserzeugend. Auf Grund ihrer chemischen Struktur können sie zudem, bei entsprechend veranlagten Menschen, pseudoallergische Symptome an Haut und Atemwegen auslösen. Zusätzlich kann es zu Kreuzreaktionen kommen, wenn bereits eine Unverträglichkeit gegen Salicylsäure und ihre Abkömmlinge oder gegen Benzoesäure (E 210) besteht. Für Menschen mit Erkrankungen wie Asthma oder Neurodermitis gelten sie ebenfalls als bedenklich. Grundsätzlich ist vom Verzehr größerer Mengen von Azofarbstoffen abzuraten.

Azofarbstoffe in Lebensmitteln

Im Jahr 2007 hat eine von der britischen Food Standards Agency (FSA) in Auftrag gegebene klinische Studie festgestellt, dass der Verzehr bestimmter künstlicher Lebensmittelfarbstoffe, hyperaktives Verhalten bei Kindern hervorrufen kann. McCann und Mitarbeiter untersuchten den Einfluss von künstlichen Farbstoffen auf das Verhalten von 153 Dreijährigen und 144 Acht- bis Neunjährigen. Die Kinder bekamen einen Testdrink, der sowohl Natriumbenzoat als auch einen von zwei Farbmixturen (A: E 110, E102, E122, E124 / B: E110, E104, E122, E129) oder einen Placebomix enthielt. Während bei den Dreijährigen nur Mix A einen signifikanten Effekt hatte, zeigten bei den Acht- bis Neunjährigen Mix A und B einen signifikanten Einfluss auf das Verhalten, wenn die Kinder mehr als 85 Prozent des Safts getrunken hatten. Das Fazit der Forscher lautete: „Künstliche Farbstoffe oder Natriumbenzoat oder beides in der Ernährung erhöht die Hyperaktivität bei dreijährigen und acht- bis neunjährigen Kindern in der Normalbevölkerung“.

Azofarbstoffe: Für hyperaktive Kinder ungeeignet?

Die britische Lebensmittelbehörde ändertet daraufhin ihre Empfehlungen: Bei Kindern mit Hyperaktivität oder ADHS könne es sich positiv auswirken, Lebensmittel mit den in der Studie untersuchten Farbstoffen wegzulassen. Die FSA weist aber darauf hin, dass viele weitere Faktoren wie Genetik, Frühgeburt, Umgebung und Erziehung, mit der Erkrankung in Zusammenhang stehen. Quelle

Mehr Informationen: Lebensmittel: Lebensmittelfarben und Azofarbstoffe – bunt wird es nicht nur in der Ostereierzeit. Rechtliche Grundlagen – Deutschland  Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Ostereier – Bio und natürlich gefärbt!

Mit Pflanzen gefärbte Eier

© m.knieli „die umweltberatung“

Wenn man trotzdem auf Nummer sicher gehen will, sind hier ein paar natürliche Alternativen zu herkömmlichen Farbstoffen, die einfach mit den Eiern im Wasser mitgekocht werden können:

  • Violett: Heidelbeeren, Holunderbeeren
  • Grün: Blattspinat, Brennesselblätter
  • Rot: rote Rüben
  • Gelb: Birkenblätter
  • Orange: Zwiebelschalen

Reibt man die Eier vor dem Kochen mit Essig ein, hält die Farbe besser an ihnen. Auch auf Muster muss hier nicht verzichtet werden: Einfach vor dem Färben mit einem Pinsel das gewünschte Muster mit Zitronensaft auf den Eiern vormalen. An diesen Stellen kann dann keine Farbe anhaften.

Infoblatt – HerausgeberIn: „die umweltberatung“ Wien – Die Wiener Volkshochschulen  gratis downloaden

Informationen zum Thema Ei:

Das Ei – Kennzeichnungsschwindel und 50 Millionen Eintagsküken landen in Deutschland jährlich auf dem Müll

Achtung! Pestizid-Skandal – Bio-Futtermittelskandal weitet sich aus – wichtige Informationen

Frohe Ostern!

Netzfrau Doro Schreier

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