R. I. P. Günter Grass – Die Blechtrommel schlägt nicht mehr

Günter GrassGünter Grass verstarb heute Morgen in Lübeck. 1959 erschien „Die Blechtrommel“, unvergessen der trommelnde Oskar, als Störenfried in der ungeliebten Welt spießig-gefährlicher Erwachsener. Die Hauptfigur Oskar besitzt schon bei der Geburt den Verstand eines Erwachsenen und beschließt mit drei Jahren, nicht mehr weiter zu wachsen. Damit weigert Oskar sich, die Größe und Verantwortung eines Erwachsenen zu übernehmen.

Grass zählte zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern der Gegenwart. Im Jahr 1999 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

„Wenn man bedenkt, wie viele Leute froh sind, wenn ich nicht mehr schreibe – mein Gott!”“, sagte Günter Grass noch 2013 in einem Interview. Ja, der umstrittene Literaturnobelpreisträger Günter Grass eckte gern an. Zeitlebens schaltete sich Grass in gesellschaftspolitische Debatten ein. So unterstützte er Willy Brandts Aussöhnungspolitik mit Polen und machte Wahlkampf für die SPD. 

Vor vier Jahren beklagte Grass den Einfluss der Atomlobby auf die Politik und las vor dem abgeschalteten Atomkraftwerk Krümmel in Geesthacht bei Hamburg. Auch bei der fünften Ausgabe des Festivals wollte er wieder mit dabei sein. Doch die fünfte Ausgabe des Festivals „Lesen ohne Atomstrom“ (22. bis 27. April) ist ihm nicht mehr vergönnt.

Das Günter-Grass-Haus in Lübeck sagte, dass der Schriftsteller einer Infektion erlag. Grass wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig als Sohn einer Kaufmannsfamilie geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte er zu der berühmten Autorengruppe 47.

Günter Grass war Graphiker, Bildhauer und Schriftsteller gleichermaßen. Ein kleiner Auszug aus der Biografie eines großen Schriftstellers:

„1974 erscheint Der Bürger und seine Stimme, eine Sammlung von Reden, Aufsätzen und Kommentaren. Im gleichen Jahr, und im Zuge der Diskussion um den § 218, tritt der seit jeher kirchenkritische Grass aus der katholischen Kirche aus. Im Anschluss an die Indienreise, die er 1975 unternimmt, entstehen Lithographien und Gedichte, die ihn zu Mit Sophie in die Pilze gegangen inspirieren. Grass bekommt den Ehrendoktortitel der Harvard University verliehen und wird, gemeinsam mit Carola Stern und Heinrich Böll, Mitbegründer und -herausgeber der Zeitschrift L76; daneben ist er auch Mitbegründer des Autorenbeirats im Luchterhand Verlag. 1977 wird Der Butt vollendet. Ein Jahr darauf folgen wieder Reisen, diesmal nach Japan, Indonesien, Thailand, Hongkong, Indien und Kenia.“

1979 wird Die Blechtrommel von Volker Schlöndorff verfilmt; der Streifen wird mehrfach ausgezeichnet und erhält 1980 sogar den Oscar als bester fremdsprachiger Film.

1999, und damit 40 Jahre nach ihrem Erscheinen, erhält Günter Grass für Die Blechtrommel den Nobelpreis und damit nicht nur nationale, sondern auch internationale Resonanz. Mit dem Preisgeld unterstützt er seine inzwischen drei Stiftungen. Weiter erscheinen u. a. Mein Jahrhundert (1999) und die Novelle Im Krebsgang (2002). Quelle

„Das Ungenaue genau treffen“

,,Was immer er schreibt und verkündet, wird, nun schon seit vielen Jahren, beanstandet und belächelt, gerügt und gegeißelt. Ignoriert wird es nicht. Sein Thron wackelt bedenklich und ist doch nicht ernsthaft gefährdet.“

Marcel Reich-Ranicki, 1992

„Das Ungenaue genau treffen“ heißt die Sammlungsausstellung im Günter Grass-Haus in Lübeck. Sie bietet immer wieder neue Einblicke in den Schaffensprozess des Künstlers und zeigt Verbindungslinien in seinen Wort- und Bildwelten auf. Darüber hinaus beleuchtet die Schau verschiedene Facetten aus Leben und Werk von Günter Grass, der mit seinen Arbeiten und politischen Äußerungen in der Öffentlichkeit polarisiert. Das Haus wurde als Forum für Literatur und bildende Kunst im Jahr 2002 eröffnet. Der Namensgeber lebt bereits seit 1986 in der Nähe der Hansestadt. Schwerpunkt des Museums ist die Erforschung und Vermittlung des Zusammenwirkens von Literatur und bildender Kunst im Werk von Günter Grass.

Aus Lautsprechern hören Besucher die Stimme von Mario Adorf, der Zitate über Grass vorliest, darunter auch Sottisen von Friedrich Dürrenmatt („Der Grass ist mir einfach zu wenig intelligent, um so dicke Bücher zu schreiben“) bis zu Karl Lagerfeld („Ich hasse schmuddelige Intellektuelle, Günter Grass sollte sich mal Schlips und Kragen zulegen, er würde jünger wirken“). Auf Schautafeln erfährt man, dass ein 1989 entdeckter Asteroid ihm zu Ehren „(11496) Grass“ getauft wurde und drei Jahre später eine bis dahin unbekannte Kieselalgenart den Namen „Fragilaria guenter grassii“ bekam.

Bis jetzt habe ich kein Buch geschrieben, das nicht aus fünf oder sechs Fassungen entstanden ist. Aber das gehört dazu. Früher habe ich beim Schreiben aufs Publikum geachtet und war gespannt auf die Reaktionen. Aber das hat nachgelassen, weil mir die Reaktion mittlerweile geläufig ist. Dann habe ich entdeckt, dass das Schönste beim Schreiben das Schreiben ist. Und dazu gehört eben auch dieses immer wieder Neuansetzen. Natürlich ist das anstrengend und es fordert. Aber es gibt eben Momente, in denen eine Satzperiode zu klingen beginnt, zu tragen beginnt. Und das ist durch Arbeit hergestellt.“ Günter Grass in einem Interview im profil.at. im Dezember 2013

Gefragt, was auf seinem Grabstein stehen sollte, antwortete Grass: „Mein Name. Mehr nicht“.

Nein, mehr braucht es nicht, denn Günter Grass wird immer für uns der sein, der er war, ein Mann der trommelte – als Störenfried in der ungeliebten Welt spießig-gefährlicher Erwachsener.

Traueranzeige des Günter Grass-Hauses in Lübeck

„Mit einem Sack Nüsse
will ich begraben sein
und mit neuesten Zähnen.
Wenn es dann kracht,
wo ich liege,
kann vermutet werden:
Er ist das,
immer noch er“

Zitat aus Grass‘ „Fundsachen für Nichtleser“

Günter Grass zum 85. Geburtstag

Wir trauern um Günter Grass, den Literaturnobelpreisträger, der im Alter von 87 Jahren in Lübeck gestorben ist.

Unsere Gedanken sind bei seiner Frau und seiner Familie. Wir sind dankbar für die vielen Werke, die er uns hinterlassen hat.

Netzfrau Doro Schreier

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.