Das Ende der Artenvielfalt – Pestizide töten Vögel

VoegelDas Insektizid Imidacloprid geriet vor allem durch seine negativen Auswirkungen auf Bienen in die Diskussion. Imidacloprid ist das am häufigsten verwendete Insektizid im Agrarsektor. Es wird  auch im Gartenbau zur Saatgutbehandlung eingesetzt. Hierbei wird das Saatgut mit dem Pestizid ummantelt und in den Boden gesät.

Dieses Pestizid schädigt das zentrale Nervensystem der Insekten, die Folgen: Sie werden gelähmt, desorientiert und sterben.

Ist Ihnen auch aufgefallen, dass die Zahl der Singvögel in unseren Gärten und  Parks erheblich geschrumpft ist?

Ich verfolge diese Entwicklung bereits seit einigen Jahren aufmerksam und hatte zuerst – das gebe ich zu – des Nachbarn Kater in Verdacht. Ich konnte ihn beinahe vor mir sehen, wie er sich – mit Lätzchen geschmückt und Messer und Gabel bewaffnet – all die niedlichen Singvögel und ihre Nachkommen aus unserem Garten schmecken lässt. Als ich realisierte, dass nicht nur unser Garten von diesem traurigen Schwund betroffen ist, sondern die Vogelpopulation europaweit schon seit Jahren abnimmt, verwandelte sich der mörderische Kater wieder in den schnurrenden Schmusekater, der seinem Besitzer ab und an eine Maus als Geschenk mit ins Haus bringt. Ob dieser so ein Geschenk zu schätzen weiß? Ich wage es zu bezweifeln.

Nein, des Nachbarn Kater ist nicht der Grund für den europaweiten Rückgang der Vogelpopulation. Die Schuld daran tragen ganz andere.

Ja, es ist ruhig geworden in unserer kleinen Idylle. Kein Rotkehlchen badet mehr an unserem Bachlauf, kein Zaunkönig kommt neugierig, aber vorsichtig einige Schritte näher und beäugelt uns. Das emsige Treiben, das Aufplustern und Untertauchen von Herrn und Frau Amsel, um danach das Gefieder zu schütteln, immer auf der Hut dabei – vorbei. In diesem Jahr sehen wir ab und an ein verlorenes Amselmännchen in unserem Garten. Ob es das vom letztem Jahr ist, jetzt ohne Partnerin? Ich würde es gerne wissen. Zwischendurch weiß auch eine Taube das Wasser unseres Teiches zu schätzen und in Nachbars Kirschbaum sitzen hin und wieder zwei Elstern. Wenn sich der Kirschbaum wundern könnte, hätte er in diesem Jahr allen Grund dazu gehabt. Wurde er doch nicht – wie all die vielen Jahre zuvor, von einer Horde Stare  „überfallen”, die seine Kirschen beinahe komplett vernaschten. Die Kinder in der Nachbarschaft freuten sich über die Extraportion Kirschen – wir Erwachsenen fanden es mehr als gruselig.

INFOBOX

Imidacloprid

ist ein systemisches Insektizid aus der Gruppe der Neonicotinoide. Die Substanz wurde 1985 in den Labors der Bayer AG erstmals synthetisiert. Bayer stellt Imidacloprid seit Anfang der 1990er Jahre im industriellen Maßstab her. Es wird in etwa 120 Ländern der Erde eingesetzt. Einige Experten nehmen an, dass Imidacloprid derzeit das weltweit meistverwendete Insektizid ist.

Wirtschaft

Der jährliche Absatz in Deutschland liegt im Bereich von 25-100 t, über 1000 t werden exportiert. Der erzielte Umsatz liegt bei etwa 500 – 600 Millionen Euro. Damit ist Imidacloprid das erfolgreichste Produkt von Bayer Cropscience, der Agrarsparte des Konzerns. Die Substanz wird in Indien von einem Lizenznehmer hergestellt. In China wird sie anscheinend von mehreren Firmen ohne Lizenz produziert. Handelsnamen für das Insektizid sind Admire, Confidor, Connect, Evidence, Leverage, Muralla, Provado und Trimax.

Wirkungsweise

Imidacloprid ist ein systemisches Insektizid, das als Kontakt- wie auch Fraßgift wirken kann. Es wird gut über die Wurzeln aufgenommen und in die Blätter transportiert, die dann vor beißenden und saugenden Insekten geschützt sind. Wird es direkt auf die Blätter ausgebracht, verteilt es sich auf Blattober- und Blattunterseite und wird auch zu neugebildeten Blättern hin weitertransportiert. Da Imidacloprid in der Pflanze nur langsam abgebaut wird, hält seine Wirkung längere Zeit an.

Beim Insekt wirkt Imidacloprid wie Acetylcholin am nikotinischen Acetylcholinrezeptor der Nervenzellen, es wird aber nicht durch das Enzym Acetylcholinesterase abgebaut. Durch den ausgelösten Dauerreiz wird die chemische Signalübertragung gestört. Mehr dazu finden Sie hier auf Chemie.de 

Zu glauben, dass man ohne weitere Auswirkungen in die Natur eingreifen kann, ist mehr als nur überheblich – es ist irrsinnig.

Zu wissen, welche Auswirkungen das entwickelte Mittel auf die Umwelt hat und es trotzdem weiter zu verkaufen, ist ein Verbrechen, und zeigt mal wieder, dass Profit vor dem Verstand regiert.

Der ganz normale Menschenverstand sagt einem, dass Pestizide nicht nur auf Zielorganismen Auswirkungen haben. Nun legt eine stetig steigende Anzahl von Studien offen, dass wir nach und nach – aber in einer enormen Geschwindigkeit – unsere Umwelt zerstören – und mit ihr all das Leben, das Jahrmillionen gebraucht hat, um sich zu entwickeln.

Letzes Jahr wurde eine weitere dieser Studien veröffentlicht. Sie zeigt, dass eine ganze Reihe Lebewesen durch den Einsatz von Pestiziden gefährdet ist. In dieser Studie geht es um das Pestizid Imidacloprid, das von der Firma Bayer 1985 entwickelt wurde. Dieses Pestizid gefährdet heimische Singvögel, insbesondere insektenfressende Singvögel wie Drosseln, Lerchen, Schwalben, Spatzen und Stare.

Den Wissenschaftlern der niederländischen Radboud-Universität Nijmegen und dem Sovon Center für Ornithologie gelang es nachzuweisen, dass die Vogelpopulation gerade dort signifikant zurückgeht, wo sich Gewässer mit einer hohen Pestizid-Konzentration befinden (häufig in der Nähe landwirtschaftlich genutzter Felder). Ein Rückgang der Vogelpopulationen in diesen Gebieten lässt sich bereits seit vielen Jahren in Europa beobachten.

Die Insekten verbringen ihr Larvenstadium in den Gewässern und nehmen dort das Gift auf. Nun gilt es noch herauszufinden, ob die Vögel schlicht und einfach verhungern oder durch vergiftete Insekten getötet werden.

Einige Vogelarten nehmen das Gift auch direkt über das behandelte Saatgut auf.

Hier der Film:

Zur Studie: Declines in insectivorous birds are associated with high neonicotinoid concentrations

Andere Studien haben bereits gezeigt, dass auch wir zu den betroffenen „Nicht-Ziel-Organismen“ gehören.

Zur Zeit dürfen in der EU Pestizide dieser Stoffgruppe nur noch beschränkt eingesetzt werden. Zum Schutz der Bienen dürfen für vorerst zwei Jahre in Mais-, Sonnenblumen-, Raps- und Baumwollkulturen keine Neonicotinoide mehr eingesetzt werden.

Die betroffenen Produzenten Syngenta und Bayer haben beim Europäischen Gerichtshof Klage gegen die EU-Verbote eingereicht und nehmen weiterhin das Ende der Artenvielfalt in Kauf.

Mehr Informationen auch hier : Wissenschaftlicher Skandal in Großbritannien – Bienen vs. Chemie-Lobby im Weißen Haus

Netzfrau Kerstin Hördemann

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2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Dem kann ich nur zustimmen, dass die Zahl der rumzwitschernden Gartenvögel ständig am schrumpfen ist, empfinde ich ebenso. Das ist eine alarmierende Entwicklung. Aber wo sollen sie ihr Futter hernehmen, wenn ständig mehr Pestizide zum Einsatz kommen und die Insekten im Rekordtempo dahinschwinden. Hinzukommt, dass es auch in ist, seinen Vorgarten mit grobem Schotter zu „stylen“ statt mit Blumen zu schmücken. Leider greifen auch viele Hobbygärtner zur Giftspritze, da Bücken und Handarbeit zu mühselig zu sein scheint.

    Ich bin sehr traurig über diese Tendenz in unserer Umwelt. Gerade heute habe ich zum Thema einen Blog-Artikel veröffentlicht, vielleicht mag ihn ja jemand lesen (würde mich freuen!

    Artenvielfalt macht die Erde bunt

    An dieser Stelle möchte ich mich für all die tollen Beiträge von Euch Netzfrauen bedanken, die genau die Missstände aufzeigen, die uns umgeben.

    Viele Grüße
    Maria

  2. Weiter so….. Es ist noch schlimmer …… Bei den Bienen versucht man Ursache und Wirkung zu vertauschen und schiebt die Varoamilbe vor ….. Eine runde um die Sächsische Schweitz würde die wiedersprüche aufzeigen …. Man hält sich in schweigen will andere Länder nicht einbeziehen….
    Selbst chemische Untersuchungen lesen sich eigenartig….
    MFG w
    Gute beitrage bei Bienenpolitik Walter Baedeker Berufsimkerverband , heise Bienen Susanne Aigner

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