Vogelgrippe USA – 17 Millionen Tiere betroffen – Genmanipulierte Hühner auf unseren Tellern?

Die Vogelgrippe breitet sich im Mittleren Westen der USA weiter aus. Der Gouverneur von Iowa hat den Notstand ausgerufen, zuvor hatten bereits Minnesota und Wisconsin den Notstand erklärt. Der Ausbruch der Vogelgrippe ist der größte in der Geschichte der USA und hat sich mittlerweile auf 13 Staaten und über die Grenze nach Kanada ausgebreitet. Es sollen bereits  6,7 Millionen Tiere  gekeult sein. Allein in Iowa sind 17 Millionen Hühner und Truthähne von der Krankheit befallen. Der Notstand in Iowa solle zunächst bis zum 31. Mai gelten.

Wie unsere Recherchen zeigen, betreffen die Folgen der Vogelgrippe die ganze Welt. 31 Länder haben ein Einfuhrverbot von Geflügel und mit Geflügel verwandte Produkte aus USA erlassen. Alle Produkte, die nach dem 8. Januar nach China aus den USA geliefert wurden, müssen nach der U.S. trade group USA Poultry & Egg Export Council zurückgegeben oder vernichtet werden.

Seit drei Monaten ist bekannt, dass die USA von der Vogelgrippe befallen sind. Nun ruft der Bundesstaat Iowa den Notstand aus und 17 Millionen Geflügel sind betroffen. Iowa ist die Heimat von rund 60 Millionen Hühner.

Vogelgrippe-Virus: Beim Erreger handelt es sich um H5N2

Der fruchtbare Lössboden macht Iowa zu einem der ertragreichsten US-Bundesstaaten in der Kornkammer (Corn Belt) der Vereinigten Staaten. Hier werden insbesondere Mais, Sojabohnen, Getreide und Kartoffeln angebaut. Auch die Viehwirtschaft spielt mit Schweinen, Rindern und einer ausgeprägten Milchwirtschaft eine große Rolle. Jedes fünfte in den USA verspeiste Ei stammt aus Iowa.

Einer der Großproduzenten für Fleisch ist nicht ein amerikanischer Konzern, sondern Murphy-Brown LLC, Teil der chinesischen WH-Group, dem weltweit größten Schweinezüchter, deren Produkte in Europa unter dem Namen Campofrio verkauft werden. WH hat  2014 Smithfield Foods gekauft. Mit einem Volumen von 4,9 Mrd. US-Dollar ist diese Übernahme die größte einer US-Firma durch einen chinesischen Konkurrenten.

In den USA könnte die Vogelgrippe verheerende wirtschaftliche Folgen für Geflügelproduzenten haben. China ist das einunddreißigste Land neben der Europäischen Union, die ein  Einfuhr-Verbot für US-Geflügel erlassen hat. Wegen der Vogelgrippe schloss China bereits vor drei Monaten seine Grenzen für US-Chicken. Vorher bezogen sie für über 800 000 $/Tag amerikanische Hühner.

Die nachfolgende Liste des US Department of Agriculture Food Safety and Inspection (US-Ministerium für Landwirtschafts- und Nahrungsmittelsicherheit)  zeigt, welches Land wann ein Einfuhrverbot erlassen hat: Service-Liste.

Recently Revised Export Requirements

Aktuelle Liste:

INFOBOX

Campofrio gehört der chinesischen WH-Group

In Deutschland werden die spanischen Spezialitäten von der Campofrio Food Group Deutschland GmbH vertrieben, die neben den Campofrio-Produkten auch die französische Marke Aoste, die italienischen Produkte der Marke Fiorucci sowie leichte Wurstspezialitäten der Marke Weight Watchers im Sortiment hat. Quelle: http://www.campofrio.de/

Smithfield Foods

Smithfield Foods ist inzwischen auch auf dem europäischen Markt vertreten (besitzt dort z. B. seit 2006 die Sara Lee Foods Europe, zu deren Marken unter anderem „Aoste“ gehört, sowie die Marke Weight Watchers im Bereich gekochter Fleischprodukte), hat Tochtergesellschaften und Beteiligungen in Deutschland, Rumänien, Frankreich, England, Polen und Spanien. Weitere Marken von Smithfield Foods in Europa sind unter anderem: Morliny, PEK, Smithfield Authentic Deli, Krakus, Yano, Constar, Animex, Mazury, Agryf, Suwalki, Ekodrob, Tygryski, Morlinki, Berlinki, Comtim, Campofrío.

Smithfield strebt dabei an, die gesamte Wertschöpfungskette der Fleischproduktion, also Mast, Schlachtung und Weiterverarbeitung zu Fleischwaren, selbst zu betreiben.

Sara Lee Deutschland ist Teil der amerikanischen Sara Lee Corporation und hat 3 Tochterunternehmen mit Sitz in Köln, Mainz und Mosbach. Die bekanntesten Marken sind Senseo, Douwe Egberts, duschdas, badedas, natreen, Ambi Pur und Bama.

2006 wird die europäische Unternehmensgruppe Sara Lee Foods Europe an den amerikanischen Konzern Smithfield Foods verkauft. Smithfield vereint seine Aktivitäten in Europa und gründet die Groupe Smithfield S.L. mit Sitz in Paris, zu der ab jetzt auch AOSTE gehört. Smithfield Foods ist weltweit der grösste Produzent von Schweinefleisch.

Der US-amerikanische Konsumgüterhersteller  Sara Lee wird am 29. Juni 2012 im Rahmen eines Spin-Offs (Ausgliederung einer Organisationseinheit aus bestehenden Unternehmensstrukturen durch die Gründung eines eigenständigen Unternehmens) aufgespalten. Die ehemaligen Geschäftsbereiche Fleisch- und Wurstwaren sowie der Bereich Desserts und Foodservice firmieren fortan als Hillshire Brands Company –  seit 2014 Tochtergesellschaft von Tyson Foods.

Das Getränkegeschäft (Kaffee und Tee) geht in dem neuen Unternehmen D.E. Master Blenders 1753 (ehemals Douwe Egberts) auf.

Die Familie Reimann, der wiederum Douwe Egberts gehört, schmiedet einen Kaffee-Giganten, der dann nicht mehr nur Senseo vertreibt, nein, dann auch die Jacobs Kaffee-Marken.
Die von der deutschen Familie Reimann kontrollierte niederländische Douwe Egberts Master Blender will sich für rund fünf Milliarden Dollar die Mehrheit am Kaffee-Geschäft des größeren amerikanischen Rivalen Mondelez sichern.

Tyson Foods

Tyson Foods ist auch der weltweit größte Vermarkter von Hähnchen-, Rind- und Schweinefleisch sowie der jährlich größte Exporteur von Rindfleisch aus den Vereinigten Staaten. Das Unternehmen ist ein Zulieferer von Hähnchenfleisch für Yum! Brands (inklusive Kentucky Fried Chicken und Taco Bell). Tyson Foods beliefert ebenso McDonald’s, Burger King, Wendy’s,Wal-Mart, Kroger, Costco, IGA, Beef O’Brady’s, kleinere Restaurants und Gefängnisse.

Die zehn größten Schweineschlachtbetriebe weltweit haben 2014 rund 200 Mio. Schweine geschlachtet.

1. WH-Group, China: Unangefochten an der Spitze thront nach der Übernahme von Smithfield in den USA die chinesische WH-Group. Der Konzern hatte Smithfield Foods 2013 für knapp fünf Milliarden US-Dollar übernommen.
Insgesamt 43,3 Mio. Schweine kamen bei dem global agierenden Konzern mit Betrieben in China, den USA, Mexiko, Polen und Rumänien 2013 an den Haken; das war gut ein Fünftel aller von den zehn Großbetrieben geschlachteten Tiere.

2. Tyson Foods, USA: Mit großem Abstand folgt mit 27 Mio. geschlachteten Schweinen das US-Unternehmen Tyson Foods auf Platz zwei. Der Konzern gehörte 2012 mit einem Umsatz von 33,3 Milliarden US-Dollar zu den zehn größten Konsumgüterherstellern der Welt.
Mehr Informationen Die Macht der Lebensmittel-Giganten – DieseMega-Konzerne kontrollieren unsere Nahrung Quelle Sara Lee – Meilensteine

Werden wir in Zukunft nun auch noch genmanipulierte Hühner auf den Teller bekommen?

Der Ausbruch begann nach Angaben der Welttiergesundheitsorganisation in Asien und zwar bereits im Januar 2014.In Südkorea wurden fast 600 000 Geflügel und in Japan 120 000 gekeult.  Die Stämme H5N2 und H5N8 tauchten auch Ende letzten Jahres in Deutschland, dem Vereinigten Königreich und in den Niederlanden auf sowie auf kommerziellen Farmen in British Columbia und Kanada. Kanadische Geflügelexporte wurden in sieben Ländern verboten. 

Wie weit darf Forschung gehen? Wissenschaftler der der University of Cambridge sowie der University of Edinburgh haben das Erbgut von Hühner derart manipuliert, so dass die Tiere den Vogelgrippe-Virus A/H5N1 nicht mehr übertragen können. Bereits erkrankte Tiere sterben dennoch

Laut der Studie in Science Journal, die  im Januar 2011 veröffentlicht wurde, haben Gen-Forscher in Großbritannien ein Gen in Hühnern, die ein Enzym in der Übertragung der Vogelgrippe H5N1 tragen,  eingefügt. Infiziert sich nun ein genmanipuliertes Huhn mit dem Virus, können sich die Erreger in den Körperzellen der Tieres nicht mehr vermehren. Ursache hierfür ist die beschriebene Polymerase, die von dem RNA-Molekül blockiert wird. Somit wird die Vermehrung der Viren gestoppt, und der A/H5N1-Virus kann andere Tiere nicht mehr infizieren. Die bereits erkrankten Tiere sterben, wobei die gesunden nicht angesteckt werden.

Das Forscherteam unter der Leitung von Helen Sang vom Roslin Institute an der University of Edinburgh sagt, dass genetische Veränderungen effektiver seien als Impfstoffe, die derzeit verwendet werden, da die transgene Technik  auch dann greift, wenn das Virus mutiert. (Übrigens hat hier an der Universität of Edinburgh Hugh Grant, der Chief Executive Officer von Monsanto, Agrarwissenschaften studiert. Vielen dürfte nicht bekannt sein, dass Hugh Grant ein schottischer Manager ist.) Seit fünfzehn Jahren werden genmanipulierte Pflanzen in den USA kommerziell angebaut. Bei den meisten Gen-Pflanzen handelt es sich um herbizid-resistente (HR) bzw. Bt-Pflanzen von Monsanto. Unabhängige wissenschaftliche Studien und später auch Untersuchungen von Monsanto selbst belegen, dass im genmanipulierten Soja Teile der ursprünglichen Soja-DNS durcheinander geraten sind. Aber schlimmer noch, die Gen-Bohne enthält auch DNS-Abschnitte, die von den Wissenschaftlern nicht identifiziert werden konnten. Quelle: Could genetically engineered chickens reverse the avian flu epidemic?

Infobox

Pflanzenzüchtung Internationale Cambridge Limited
Plant Breeding International Cambridge Limited A UK, ursprünglich in öffentlichem Eigentum, dann im Besitz von Unilever und seit 1998 im Besitz von Monsanto. Besitzt eine große Sammlung von Gras- und Baumarten mit zahlreichen Zuchtprogrammen, einschließlich Kartoffeln, Gerste, Winterweizen und Raps. Monsanto kündigt erneut einen Rücktritt an – 10 Gründe zur Skepsis!

Iowa ist die Heimat von rund 60 Millionen Hühnern

Ei-produzierenden Hühnerfarm in Harris, Iowa am 23. April 2014

Auf Grund der Bestätigung des hochansteckenden und tödlichen H5N2-Virus wurden auf einem (!) Bauernhof im Nordwesten von Iowa, Osceola County, bis zu 5,3 Millionen Hühner Ende April gekeult. Von März bis zum 20. April mussten in mehreren Staaten etwa 7,8 Millionen Hühner und 2,4 Millionen Puten getötet werden. Quelle 5.3 million chickens in Iowa to be destroyed

Zum Vergleich Deutschland / Niedersachsen

Allein im Landkreis Cloppenburg werden etwa 13,5 Millionen Puten und Hühner gehalten. Niedersachsen ist mit insgesamt rund 100 Millionen der wichtigste Geflügelproduzent Deutschlands. Auch hier war das  gefährliche Vogelgrippe-Virus H5N8 auf einem Putenhof in Harkebrügge in der Gemeinde Barßel (Landkreis Cloppenburg) im Dezember ausgebrochen. Laut Agrarministerium waren insgesamt rund 120 000 Puten und Hühner getötet worden, darunter 19 000 auf dem betroffenen Hof und 11 500 in einem Betrieb, der mit dem Ausbruchshof in Kontakt steht. Die Stallbesitzer werden laut Agrarminister Meyer von der Tierseuchenkasse für ihr getötetes Geflügel entschädigt. Das Ministerium hatte daraufhin den Tierseuchen-Krisenfall ausgerufen. Quelle NDR.

In Schwerin gab es Mitte Januar einen Vogelgrippe-Fall mit dem hoch ansteckenden Erreger H5N8. Das Virus wurde bei einem toten Haushuhn aus dem Bestand eines Hobbyhalters in Anklam nachgewiesen. Ob H5N8 für Menschen gefährlich wird, ist nicht geklärt. Vogelgrippe H5N8: Hier gilt noch  in Deutschland die Stallpflicht

China, Nigeria, Deutschland – in immer mehr Ländern gibt es Vogelgrippe. Auch in Südengland mussten Hühner getötet werden. Manche Viren können Menschen gefährlich werden. In China hat sich das Vogelgrippe-Virus H7N9 massiv ausgebreitet.

Iowa: US-Bundesstaat plant Notschlachtung von 17 Millionen Tieren

Alleine in Iowa kamen fast 17 Millionen Hühner und Truthähne mit dem Erreger in Kontakt. Ein Teil ist bereits daran gestorben, der Rest soll notgeschlachtet werden.  Es ist der schlimmste Ausbruch der Vogelgrippe im Land seit den 1980er-Jahren. Dennoch geht das Landwirtschaftsministerium von einem geringen Risiko einer Übertragung auf den Menschen aus.

Rund 27 Prozent der 60 Millionen eierlegenden Hühner sollen vernichtet werden – und das in einem Bundesstaat, der der größte Eierproduzent der Vereinigten Staaten ist. Das Virus tötet mehr als 90 Prozent der infizierten Tiere innerhalb von 48 Stunden und ist sowohl für Wildvögel als auch Nutzvögel gefährlich.

Hier ein Blick in eine Hühnerfarm – Chicken factory farmer speaks out

Vogelgrippe in Amerika

In den Staaten Minnesota und North Dakota sind inzwischen in insgesamt 34 Counties 105 Stallanlagen mit Mastputenhaltung von der Vogelgrippe betroffen. Nahezu täglich werden neue Ausbrüche gemeldet. Die zunächst gegebenen Hinweise, dass die Ausbrüche auf Kontakt mit den Exkrementen infizierter Wildvögel zurückzuführen seien, ist wahrscheinlich als alleiniger Infektionsweg nicht zutreffend, weil in Iowa Legehennenfarmen mit Haltung der Tiere in konventionellen Käfigen in geschlossenen Anlagen betroffen sind. Hier ist eine Übertragung durch direkte Kontakte mit Menschen betroffener Farmen oder durch Transportfahrzeuge zu vermuten. Quelle

Sofern wir neue wichtigen Informationen aus den USA erhalten, werden wir Sie informieren.

Netzfrau Doro Schreier

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  1. Der Subtyp A/H5N2 ist weltweit verbreitet. So gab es beispielsweise in den Jahren 1983 und 1984 mehrere Ausbrüche in Geflügelfarmen der USA, als deren Folge 17 Millionen Tiere getötet wurden.[24] Zwischen 1992 und 1995 gab es zudem mehrere Ausbrüche in Mexiko.[25] 2015 trat das Virus in Kanada in einem 45.000 Tiere großen Jungputenbestand auf[26] und in mehreren großen Puten- und Hühnerbeständen der USA, in denen insgesamt rund eine Million Tiere gehalten worden waren.[27]
    http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Subtypen_des_Influenza-A-Virus#A.2FH5N2

    Wissenschaftliche Artikel zu „diagnosis of H5N2“ bei Google Scholar: http://is.gd/qZt5sG

    Hans Kolpak
    Goldige Zeiten

  2. Einfache Lösung: Eßt keine Tiere mehr, oder stärke die Region, unterstützt Bauern und artgerechte Tierhaltung. Versucht es mit vegetarischer oder veganer Ernährung und Ihr werdet feststellen, wie gut es Euch tut. Geht aus der Opferrolle raus. Wir brauchen diese Sch …. nicht.

  3. Aussteiger, zweifelsfrei ist Massenkonsum ursächlich für die Massentierhaltung. Die Antworten der Tiere sind eindeutig. Sie erkranken während ihrer „Aufzucht“. In einem Hochhaus würde ich auch erkranken. Wenn der Habicht eines von 20 Hühnern aus dem Garten klaut, ist Opa traurig. Andererseits: Die Massenhühner von der Hühnerfarm schmecken dem Habicht nicht. Er braucht kein Fleisch, das mit Pharmazeutika angereichert ist. Jeder Mensch, der sich als Teil des Ganzen auf dem Planeten erkennt, verabscheut Massentierhaltung, oder? Ich bin zwar kein Habicht, doch ich verhalte mich genauso. Ich brauche kein Fleisch, dessen pharmazeutischen Gifte nicht deklariert werden müssen. Ansonsten trage ich es mit Fassung und mit Humor.
    Hans Kolpak
    Goldige Zeiten

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