Lebensmittelindustrie – Fette Gewinne auf Kosten der Kinder

ÜbergewichtGeschätzte 32 Millionen Menschen in der Europäischen Union (8,1 Prozent) lebten 2013 mit Diabetes. Die Krankheit beeinträchtigt die Lebensqualität der Erkrankten und ihrer Verwandten. 1,9 Million Kinder in Deutschland sind übergewichtig, davon 800 000 fettleibig. Seit den 1990er-Jahren stieg der Anteil übergewichtiger Kinder um 50 Prozent. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von einer „Fettleibigkeits-Epidemie“. Doch wer trägt hierfür die Verantwortung? Wirklich nur die Kinder und deren Eltern?

Immer mehr Übergewichtige – Weltweit hat sich die Fettleibigkeit seit 1980 mehr als  verdoppelt.

  • Weltweit hat sich die Fettleibigkeit seit 1980 mehr als  verdoppelt.
  • Im Jahr 2014 waren mehr als 1,9 Milliarden Erwachsene übergewichtig. Davon sind mehr als 600 Millionen adipös.
  • 39 % der Erwachsenen im Alter von 18 Jahren waren im Jahr 2014 übergewichtig
  • 42 Millionen Kinder im Alter von 5 waren im 2013 übergewichtig oder fettleibig

In Europa leiden immer mehr Menschen an Übergewicht. Der WHO zufolge könnte die Situation vor allem in Irland dramatisch werden, wo bis 2030 fast alle Erwachsenen übergewichtig sein werden. Das ist eines der alarmierenden Ergebnisse einer WHO-Studie, in der das voraussichtliche Gewicht von Frauen und Männer aus 53 europäischen Ländern berechnet wurde. Die Forscher verglichen Daten zu Übergewicht (Body-Mass-Index ab 25) und Fettleibigkeit (BMI ab 30) aus dem Jahr 2010 mit Projektionen für 2030. [Obesity and overweight)

Die Adipositas und ihre Vorstufe, das Übergewicht, gehören zu den wichtigen Ursachen bedeutsamer Folgeerkrankungen wie etwa:

Bluthochdruck, Verkalkung der Herzkranzgefäße (koronare Herzerkrankung), Zuckerkrankheit vom Typ 2, Krebs sowie verschiedene orthopädische und psychische Leiden.

Adipositas ist definiert als eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts.

1,9 Million Kinder in Deutschland sind übergewichtig, davon 800 000 fettleibig.

Ein Foodwatch-Video erklärt in 180 Sekunden, warum die Lebensmittelindustrie eine gehörige Mitverantwortung trägt und die Politik endlich wirksame Maßnahmen ergreifen muss gegen Fehlernährung und Übergewicht bei Kindern.

IM VIDEO ERKLÄRT: FETTE GEWINNE AUF KOSTEN DER KINDER

Wer trägt die Verantwortung für das steigende Übergewicht der Bevölkerung in den Industrieländern?

Ungefähr 34 Kilo Zucker konsumiert der Durchschnittsbürger bei uns im Laufe eines Jahres. Häufig nehmen wir ihn zu uns, ohne es zu wissen –  denn wo das Wort „Zucker“ nicht draufsteht, ist noch lange kein Zucker drin.
Die Lebensmittelindustrie verbirgt den verarbeiteten Zucker hinter verschiedenen Bezeichnungen wie z. B.:

•    Glukosesirup
•    Fruktose
•    Maltosesirup
•    Invertzucker
•    Milchzucker
•    Malzextrakt
•    Süßmolkepulver
•    Karamellzucker- Sirup
•    …

Zucker aus Mais-, Weizen- und Kartoffelstärke lässt sich so harmlos klingend verstecken und wenn Sie glauben, mit natürlicher Fruchtsüße würden Sie sich etwas Gutes tun, dann sind Sie wieder auf die Lebensmittelindustrie hereingefallen. Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus Glukose und Fruktose, deren Wirkung auf unseren Organismus mit normalem Haushaltszucker vergleichbar ist.

„Du bist noch zu klein für Cola, die ist noch nichts für dich. Da ist Koffein drin, dann kannst du heute Nacht nicht schlafen“, diesen Satz haben Sie bestimmt auch schon mal gehört. Aber haben Sie schon mal mitbekommen, dass Eltern zu ihrem Kind sagen: „Cola ist nicht gut für dich, weil in einem Glas 12 Stück Zucker enthalten sind.“?

Die Lebensmittelindustrie wehrt sich schon seit Jahren gegen die Verpflichtung einer eindeutigen und gut leserlichen Inhaltsangabe auf ihren Produkten. Die Gefahr, dass Verbraucher ihr Kaufverhalten neu überdenken, wenn sie lesen, dass eine Flasche Ketchup je nach Marke schon mal 61 Stück Würfelzucker enthält (Zuckergehalt insgesamt 23 %, davon 7 % Saccharose, 8 % Glukose, 7 % Fruktose), ist relativ hoch. Wer schüttet sich schon gerne mit je 100 ml 21,5 g Zucker auf seinen Teller?

Keine eindeutige Kennzeichnung, irreführend, umständlich – und doch schiebt der Hersteller die Verantwortung den Verbrauchern zu. Schließlich hätten wir die Wahl zu entscheiden, ob wir ein Produkt konsumieren oder nicht.
Okay, damit machen es sich die Hersteller zwar ziemlich einfach und uns relativ schwierig – ABER es ist machbar.

Werfen Sie beim Einkaufen einen Blick auf die Zutatenliste. Darauf befindet sich eine Aufzählung der Stoffe, die dem jeweiligen Lebensmittel oder bei dessen Herstellung zugegeben worden sind, in absteigender Reihenfolge ihrer Mengenzugabe. Je weiter vorne die o. g. Zuckersorten stehen, desto höher ist ihr Anteil. Häufig finden Sie auf der Liste eines Produktes gleich mehrere Zuckerarten.

Die Netzfrauen unterstützen die Forderung von foodwatch

  • Industrie in die Verantwortung nehmen: Die Lebensmittelindustrie muss dort Verantwortung übernehmen, wo ihre Verantwortung tatsächlich liegt: In der Produktion ausgewogener Kinderlebensmittel – nicht in PR-trächtigen Alibi-Maßnahmen wie Bewegungsinitiativen und Ernährungstipps für den Schulunterricht. Die Verantwortung für die Fehlernährung von Kindern darf nicht auf die Eltern abgewälzt werden!
  • Kein Kinder-Marketing für Süßigkeiten: Produkte, die nicht ausgewogen sind und solche, die nicht ausgewogen sein können (wie Süßigkeiten) dürfen nicht länger als Kinderprodukte beworben und mit Comicfiguren, Spielzeugbeigaben, Gewinnspielen oder Idolen direkt an Kinder vermarktet werden.
  • Werbefreie Schulen: Schulen und Kindergärten müssen werbe- und PR-freie Räume werden.
  • Schluss mit Alibi-Projekten: Die Junkfood-Industrie ist kein geeigneter Partner für den Staat, für Schulen und Sportverbände wie den Deutschen Fußballbund (DFB). Sponsoring-Partnerschaften und gemeinsame Programme zur Bewegungsförderung oder Übergewichts-Bekämpfung dienen den Unternehmen als Ablasshandel und müssen beendet werden. Quelle

Halten Sie sich immer vor Augen: Zucker ist eine preiswerte Zutat, er sorgt dafür, dass das Verlangen der Verbraucher steigt und der Geldbeutel des Herstellers klingelt – die Lebensmittelindustrie  denkt bei der Produktion ihrer Lebensmittel in erster Linie an sich selbst und nicht an Ihre Gesundheit oder die Ihrer Kinder!

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2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. M. E. ist an der besorgniserregenderen Entwicklung, neben der Industrie ebenfalls die Politik Teil des Geschehens.

    Die Entscheidungen der politischen Akteure sind oftmals viel zu Industrie-freundlich. Hinzu kommt, dass das für den Verbraucherschutz zuständige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, beispielsweise auch die Interessen der Milchwirtschaft vertritt.

    Jogurt & Co. sind bekanntlich, gerade wenn sie für Kinder gedacht sind, reich an Zucker und Fruchtzucker. Der in der Politik bestehende Interessenkonflikt zwischen Verbraucherschutz und Bedienung von Wirtschaftsinteressen, wie er beim BMEL gegeben ist, gehört abgestellt!

  2. Pingback: Studie! Zuckeralarm! – Sugar Alert! Added sugar found in two-thirds of packaged foods – Netzberichte

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