Afrika – Rosen für die Welt statt Gemüse gegen den Hunger

RosenIn unseren Discountern und Supermärkten, aber auch in Baumärkten werden zu jeder Jahreszeit Schnittblumen und Topfpflanzen angeboten. Aldi ist sogar der größte deutsche Blumen-Verkäufer. 

Ein Rosenstrauß zum Muttertag – welche Freude! Wirklich? Die meisten bei uns angebotenen Rosen kommen aus Ostafrika, und für einen Strauß von – sagen wir – 15 Rosen wurde dort eine gut gefüllte Badewanne Wasser (150 l) verbraucht. Zwischen 7 und 13 Liter Wasser stecken in jeder afrikanischen Schnittblume. Industriell produzierte Schnittblumen sind inzwischen Kenias drittwichtigster Exportartikel.

Die Blumenindustrie ist eine globalisierte Industrie. Sie verlagert sich zunehmend in Länder, die klimatisch und preislich die günstigsten Verhältnisse bieten. So wandern seit den 1970er Jahren immer mehr Blumenbetriebe von Europa und Nordamerika nach Afrika und Lateinamerika. Deutschland ist der größte Markt für Schnittblumen innerhalb der EU. 

Der Anteil der Discounter, Supermärkte und Baumärkte an dem Geschäft ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Er liegt bereits bei rund 40 Prozent.

Mit knapp 95 Millionen war die Zahl der im Mai 2013 importierten Blumen fast doppelt so hoch wie in den übrigen Monaten. Das teilte das Statistische Landesamt am Freitag kurz vor dem diesjährigen Muttertag mit. Mehr als 70 Millionen davon waren Rosen, deren Import im Vergleich zum Mai 2012 um rund 24 Prozent gestiegen war. Für das ganze Jahr verzeichneten die Statistiker den Import von 681 Millionen Schnittblumen im Wert von 362 Millionen Euro – etwa fünf Prozent mehr als im Vorjahr.

Äthiopien ist drittgrößter Blumenlieferant Afrikas. Der Anbau boomt und bringt dem armen Land Millioneneinnahmen. Allein jetzt zum Muttertag werden Hunderte von Tonnen an Blumen nach Europa geflogen. Aber für den Anbau durch internationale Konzerne wird immer mehr Kleinbauern das Land weggenommen.

Rosen gehören zu den beliebtesten Präsenten zum Muttertag, zum Valentinstag oder zum Geburtstag. Alleine zum Muttertag werden jedes Jahr rund acht Millionen Rosen verschenkt. Um den hohen heimischen Bedarf zu decken, werden jährlich rund 80 Millionen Rosen aus so-genannten Entwicklungsländern wie Kolumbien, Ecuador oder Kenia importiert. Doch die Arbeitsbedingungen vor Ort sind häufig alles andere als rosig: Niedrige Löhne sowie mangelnder Arbeits- und Gesundheitsschutz sind nur einige der Probleme, die auf den Rosenfarmen häufig anzutreffen sind.

Viele der zum Muttertag verschenkten Blumen wurden auf menschenunwürdige Art produziert, sind mit Pestiziden behandelt und gemanipuliert. Die Firmen ersinnen immer neues Saatgut. Blumen erblühen in Farben, die ihnen die Natur nicht zubilligen wollte und schon wandert z. B. die Frankenstein-Tulpe nach einer langen Reise direkt in die Blumenvase auf den Tisch, wo sie recht lange blühen soll. Ob lila, mit Streifen oder bunt, es gibt nichts, was es nicht gibt. Sogar Monsanto mischt mit, und wer da noch glaubt, die Tulpen seien wie es das alte  Lied verspricht, aus Amsterdam, auch da müssen wir Sie enttäuschen. Aber auch mit den Rosen ist es nicht anders! Sie haben, bevor Sie bei Ihnen in der Vase stehen, lange Strecken hinter sich.

Mehr als 1000 Patente auf Pflanzengene

http://cnx.org/ Screenshot

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Syngenta bietet das industrieweit breiteste Angebot an Topf- und Beetpflanzen. Jährlich produziert dieser Konzern mehr als 500 Millionen Stecklinge, über fünf Millionen Gramm Saatgut und eine Milliarde Jungpflanzen.

Syngenta ist die Nummer eins bei vier der sechs meistverkauften Blumensorten weltweit: Geranien, Stiefmütterchen, Fleißige Lieschen und Chrysanthemen. Zusammengenommen machen diese rund 60 Prozent des gesamten Blumenmarktes aus. Zu deren wichtigsten Blumensorten gehören außerdem Weihnachtssterne, Neu Guinea Impatiens, Begonien, Cyclamen und Petunien. Unser Angebot umfasst über 2500 hauseigene Varietäten. Dieses schreibt Syngenta auf deren eigenen Webseite.

Der Konzern Syngenta drängt darauf, seine Insektizide auf Neonicotinoid-Basis weiter zu vertreiben. Dies, obwohl etliche Studien aufzeigen, dass gerade diese hochgiftigen Stoffe die Bienen schädigen. Deshalb schränkten die EU und die Schweiz die Nutzung dieser Gifte für zwei Jahre stark ein gegen heftigen Widerstand von Syngenta. Dazu auch Mehr als 360 Klagen gegen Syngenta – Plus de 360 Plaintes – Farmers file more than 360 corn lawsuits against Syngenta

Als Pionier im Bereich der grünen Gentechnologie hält Mendel Biotechnology mehr als 1000 Patente auf Pflanzengene. Die Kalifornier haben etwa Gene identifiziert, die für Wachstum und Entwicklung von Pflanzen verantwortlich sind. Mendel arbeitet mit Monsanto zusammen, aber auch mit Bayer.

Der Markt gentechnisch veränderter Pflanzen wird dominiert von Giganten wie dem US-amerikanischen Monsanto und der Schweizer Syngenta. Mendel arbeitet intensiv mit dem Gentechnik-Riesen Monsanto als Genlieferant zusammen und kann dessen Patente nutzen.

So gibt es auch in Deutschland ein Unternehmen, welches mit Monsanto zusammenarbeitet.

Es handelt sich hier um das Stuttgarter Unternehmen Selecta, das bestimmte Gene in die Blumen einbaut, die dann bereits vorhandenes, arteigenes Erbmaterial stimuliert. Monsato liefert die Technologie zum Einbau der Gene, Mendel die Gene und Selecta den Genpool. 

Dazu wurde auch gleich ein neues Unternehmen gegründet – Ornamental Bioscience,  ein neues Joint -Venture-Unternehmen mit Sitz in Stuttgart, an dem die deutsche Selecta-Gruppe und die US-amerikanische Mendel Biotechnology Inc. beteiligt sind. (Siehe:http://www.upov.int/export/sites/upov/meetings/en/symposium2011/docs/sander_ppt.pdf)

Fazit: Monsanto ist längst in Deutschland aktiv.

Schattenseite der Blüten: Monokulturen, Ausbeutung und Pestizide

Nicht nur die Pestizidbelastung, auch der hohe CO2-Ausstoß, der damit verbunden ist, spielt mit. Vielen ist gar nicht bewusst, dass eine große Airline zum Muttertag 1000 Tonnen Rosen alleine nach Europa fliegt. Das entspricht einer Ladung von zehn Jumbo-Jets. Auch der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie die Aufzucht in Treibhäusern, die Lagerung der Blumen in einer ununterbrochenen Kühlkette und ihre Verpackung – all das trägt zu einem erhöhten CO2-Ausstoß bei.

Wenn Blumen sprechen könnten, dann würden sie von miserablen Arbeitsbedingungen, Hungerlöhnen, Gesundheitsrisiken und ökologischem Desaster in der Blumenindustrie Afrikas und Lateinamerikas berichten.

Was die wenigsten wissen ist, dass die enorme Menge an Schnittblumen von Kenia aus nach Europa exportiert wird. Seit 1995 hat sich dieser Wert allerdings auch enorm erhöht, um genau zu sein hat er sich seitdem verdreifacht. Das bedeutet, dass alleine nach Deutschland etwa 500 Millionen Stück pro Jahr an Schnittblumen aus Kenia kommen. Aber auch Äthiopien ist mittlerweile ein beliebtes Blumenanbaugebiet.

Experten warnen bereits davor, dass für die Produktion dieses Wirtschaftsgutes viel zu viel Wasser verbraucht wird, das an anderer Stelle fehlt. Zudem werde es nach der Verwendung nur unzureichend geklärt.

Die Schnittblumenproduktion wird zum Problem für die Süßwasservorräte

Die meisten Schnittblumen aus Kenia stammen aus einer bestimmten Region im Lande und zwar aus Naivasha. Dort jedoch sei der Süßwasserspiegel stets großen Schwankungen unterworfen, auch schon ohne die Nutzung für die Schnittblumenproduktion. Da diese nun ständig wächst, droht das Süßwasser aus dem Boden irgendwann zu versiegen. Das hätte katastrophale Folgen für die auch ansonsten fast nur auf Agrarproduktion ausgerichtete Wirtschaft Kenias. Der Naivasha-See könnte austrocknen, mit schlimmen Folgen für das Umland.

Auch Ecuador gilt heute als wichtigster Blumenproduzent des Südens. Von Januar bis November 2010 verkaufte das Land laut Angaben der Handelsorganisation Expoflores für 586 Millionen Dollar Pflanzen. 122 000 Tonnen Pflanzen führt das Andenland aus; nach Öl, Bananen und Shrimps sind Blumen heute das wichtigste Exportprodukt geworden, allerdings nicht ohne Folgen.

Wirtschaftlich gesehen mag das eine gute Sache für Ecuador und die dortigen Schnittblumen-Anbauer sein, doch solange die allgemeinen Zustände sich nicht ändern, z. B. der Einsatz von Pestiziden, die Monokultur u. s. w., überwiegen die Nachteile gegenüber den Vorteilen, dies gilt auch für Kenia.

Im globalen Konkurrenzkampf schielen alle entsetzt nach China: 2008 wurden in der Provinz Yunnan auf 33 300 Hektar Blumen produziert. Von 42 000 Hektar geht die Verwaltung der Provinz für 2010 aus. Wenn bedacht wird, dass es 2005 noch 16 000 Hektar waren, hat die Provinz Yunnan ihre Anbaufläche bis heute fast verdreifacht. Zum Vergleich: Der gesamte Tulpenanbau in den Niederlanden nimmt eine Fläche von nur 7500 Hektar ein. Sogar „raubkopierte“ Rosen kommen aus Asien – Blumen, für deren Anbau Lizenzgebühren zu zahlen wären. Am Flughafen Schiphol allein vernichtet der niederländische Zoll jährlich Rosen im Wert von einer Viertelmillion Euro.

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www.vamos-muenster.de/

Nur jede fünfte Blume davon ist in Deutschland gewachsen – 80 % der in Deutschland verkauften Schnittblumen werden über die Niederlande importiert, aus Kenia, Ecuador, Kolumbien, Simbabwe oder Tansania. Die Produktionsbedingungen in den Ländern des Südens lassen häufig zu wünschen übrig: Überwiegend Frauen schuften in der internationalen Blumenproduktion. Sie verdienen oft nur Hungerlöhne, haben keine festen Arbeitsverträge und sind den Belastungen durch Pflanzenschutzmittel ausgesetzt.

Rosen mit dem Fairtrade-Siegel schreiben Erfolgsgeschichte:

Seit ihrer Einführung 2005 stiegen die Absatzzahlen kontinuierlich. So wurden alleine im Jahr 2014 in Deutschland geschätzte 340 Mio. Fairtrade-Blumen verkauft, ein Plus von 5 % gegenüber dem Vorjahr und ein Marktanteil von knapp 25 Prozent.

Aber auch Billig-Blumen sind auf dem Vormarsch. Den bunten Strauß suchen sich viele Verbraucher mittlerweile lieber beim Discounter zwischen Müsli und Toilettenpapier aus, statt in den Fachhandel zu gehen.

Billig-Rosen: Afrikaner zahlen mit ihrer Gesundheit

Müssen es unbedingt Rosen zu Muttertag sein? Manchmal reichen auch liebe Worte und ein schönes Gedicht. Und wenn Sie einen Strauß Blumen verschenken, dann kaufen Sie bitte Blumen aus fairem Handel und bei dem Floristen Ihres Vertrauens.

Netzfrau Doro Schreier

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3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Es ist wichtig, dass Arbeit nach Afrika kommt. Nur so kann sich das Land entwickeln. Giftstoffe werden in Deutschland weitaus mehr eingesetzt, hier ist bereits alles vergiftet. Und von „Geranien Monokulturen“ kann man in Afrika auch nicht sprechen. Dazu ist das doch zu wenig.

  2. Da, wo Menschen fuer unnoetige Produkte wie Rosen oder aber fuer Sprit und Futtergetreide vertrieben werden-
    Da verschlechtert sich das Leben der Menschen, die dort vertrieben werden, weil Slumbewohner gibt es in den Laendern genug!

    Man stelle sich vor, auch die Menschen in Afrika leben von Arbeit! Echt! Sogar die Kleinbauern, sogar Viehnomaden!
    Bitte nicht so tun, als ob die von Landraub betroffenen Menschen dafuer ein tolles Leben und einen Schul- und Uniplatz bekommen wuerden!

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