Sexuelle Gewalt und Kindesmissbrauch – neue traurige Zahlen aus 2014

missbrauchTraurige Zahl von Kindesmissbrauch – Opfer unter 6 Jahre – stieg im Vergleich zu 2013 um 35 % an.

Wir können es kaum fassen, als wir die neuen Zahlen der Deutsche Kinderhilfe aus der Polizeilichen Kriminalstatistik 2014 zu kindlichen Gewaltopfern lesen.

Jeden Tag erfahren 40 Kinder sexuelle Gewalt. Holger Münch (Präsident des Bundeskriminalamt) berichtet: Im Jahr 2014 wurden 108 Kinder getötet.

4233 Kinder waren insgesamt betroffen, und 44 % von ihnen waren unter 7 Jahre alt.

Straftaten wegen Besitz und Verbreitung von kinderpornografischem Materials gingen 2014 nur um knapp 1,5 % zurück, das macht uns sehr betroffen.

Besitz und Verbreitung von kinderpornografischem Materials - Anzahl der Fälle

Fälle von sexueller Gewalt gingen gerade mal um 3,24 % zurück. Es ist einfach nur traurig, dass trotz aller Öffentlichkeitsarbeit immer noch so viele Kinder missbraucht werden. Die Strafen dafür sind doch ein Lacher und stehen in keiner Relation zur Tat. Ein Diebstahl wird härter bestraft …

Aber das Opfer, das leidet das Leben lang an den Folgen des Traumas.

Jeder kennt ein betroffenes Kind – so steht es in der Pressemappe.

Zitat: „Jeder von uns kennt Kinder, die von Gewalt –  auch von sexueller – betroffen sind. Das müssen die Menschen endlich realisieren“, verlangt Rainer Becker (Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe). “Schaut eine Lehrerin oder ein Lehrer in eine Klasse, sitzen dort statistisch betrachtet ein bis zwei Kinder, die sexuelle Gewalt erleben mussten. Wir fordern, dass sich jede und jeder Einzelne in unserer Gesellschaft von dieser Tatsache angesprochen und sich für diese Kinder verantwortlich fühlt.“

14 395 Fälle wurden registriert. Wir möchten die Dunkelziffer nicht kennen.

Prof. Kathinka Beckmann (Hochschule Koblenz) mahnt an:
„Eine finanziell breit aufgestellte und personell qualifizierte Jugendhilfe in den Bereichen Kita, Jugendamt und ambulanter Sektor ist ein längst überfälliger Beitrag für einen verbesserten Kinderschutz ebenso wie eine kinderbewusstere Gesellschaft.“

Sexuelle Gewalt Anzahl der Opfer

Rechtsanwältin Manuela Groll, Vertreterin der Betroffenen des Berliner Canisius-Kollegs:
„Ich wünsche mir ein schnelleres und tatkräftigeres Zugreifen bei Verdachtsmomenten und einen flexibleren und effektiveren Austausch zwischen allen Beteiligten.
„Kinderschutz endet nicht an der Haustür! Kinder gehören nur sich selber und sind nicht das Eigentum ihrer Eltern.“

Anzahl der Opfer - Misshandlung

Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker:
Neben deutlichen Verbesserungen in der Kinder- und Jugendhilfe müssen Prävention und Strafverfolgung als gesamtgesellschaftliche Aufgaben ineinandergreifen.

Anzahl der Opfer - Mord - Totschlag Delikte

Quelle: Pressekonferenz der Deutschen Kinderhilfe 2015 Pressemappe

Telefonseelsorge auch für Kinder und Jugendliche!
Kostenlos anrufen: 0800/111 0 111 · 0800/111 0 222

Hilferufe von Kindern und Frauen, die Gewalt und Missbrauch erleben oder erlebt haben, werden immer lauter. Ein hoher Prozentsatz dieser Taten findet leider in der Familie statt.

„Triggerwarnung”

Hier wird die Ehefrau geschlagen oder vergewaltigt, der (Stief)bruder missbraucht die kleine Schwester, den kleinen Bruder; oder Väter, Onkel, Mütter oder Tanten befriedigen Ihren Sadismus und Psychoterror an einem Familienmitglied. Auch Jungen und Männer fallen diesen Menschen zum Opfer, das sollte man dabei nicht vergessen!

Es ist faktisch betrachtet unglaublich schwer, sich aufzuraffen und eine solche Tat anzuzeigen. Aber es gibt Hilfe! Man kann sich an Stellen wenden, die auffangen, zuhören, nicht bewerten und einfach da sind und mit und für euch kämpfen.

Zum Beispiel www.wildwasser.de. Es gibt mittlerweile in Deutschland viele regionale Angebote, die man in Anspruch nehmen kann. Es gibt betreute Wohngemeinschaften, Therapeuten und Schutz. Ihr müsst nicht in dieser Angststarre verharren. Ihr seid nicht allein!

Missbrauch ist nicht nur Vergewaltigung, es sind viele Gesichter, die der Missbrauch hat. Eines davon ist die körperliche Gewalt, ein anderes die psychische Gewalt oder auch nur „ein bisschen Tatschen“ an privaten Stellen. Auch ohne sexuellen Hintergrund ist und bleibt Gewalt gegen Schwächere eine Straftat. Ihr habt Angst in solch einer Situation, das kann jeder gut verstehen! Versucht stark zu sein und holt euch Hilfe!

Und, liebe Kinder, Frauen und Männer, wenn ihr es geschafft habt, euch jemandem zu öffnen, der euch auffängt, dann geht mit diesem Menschen die Überlegung an, diese Straftat anzuzeigen. Wer sich stark genug fühlt, sollte das sogar gleich tun. Missbrauch und Gewalt ist eine STRAFTAT, egal von wem sie begangen wird, und jedes Mal, wenn diese Straftaten nicht angezeigt werden, gibt es neue potentielle Opfer.

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Die aktuellen Zahlen sind erschreckend, aber die Dunkelziffer ist sehr viel höher. Traut euch, diese Taten anzuzeigen! Das ist wichtig für euch UND für andere!

(Link zum Strafgesetzbuch)

http://dejure.org/gesetze/StGB/174.html

NOTRUF

Gewalt-Notruf-Netzwerk e. V.

24 Stunden Notruf und Beratung   Tel.: 07222 988823

Für Frauen, Männer und Jugendliche aus Deutschland und Österreich, die von sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt betroffen sind.

http://www.gewalt-notruf.eu/index.html/

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen”: 08000 116 016

365 Tage im Jahr, rund um die Uhr erreichbar: Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist das erste bundesweite Beratungsangebot für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Unter der Nummer 08000 116 016 und via Online-Beratung können sich Betroffene, aber auch Angehörige, Freunde sowie Fachkräfte anonym und kostenfrei beraten lassen. Qualifizierte Beraterinnen stehen den Anrufenden vertraulich zur Seite und vermitteln bei Bedarf an Unterstützungsangebote vor Ort. https://www.hilfetelefon.de/aktuelles.html

Infobox

Wie weit verbreitet Gewalt gegen Frauen in Europa ist, zeigt der Bericht der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA).

  • Etwa 62 Millionen Frauen in Europa (33 %) haben seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt.
  • Über 41 Millionen Frauen in Europa (22 %) haben in einer Partnerschaft körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt.
  • Über 9 Millionen Frauen in Europa (5 %) sind seit ihrem 15. Lebensjahr vergewaltigt worden. An etwa der Hälfte der außerhalb der Partnerschaft erlebten Fälle waren mehrere Täter/Täterinnen beteiligt.
  • Über 80 Millionen Frauen in Europa (43 %) waren oder sind in einer Partnerschaft psychischer Gewalt ausgesetzt, wurden beispielsweise öffentlich bloßgestellt, eingesperrt, mussten gegen ihren Willen pornografische Filme ansehen und/oder wurden mit Gewalt bedroht.
  • Etwa 62 Millionen Frauen in Europa (33 %) haben in ihrer Kindheit körperliche oder sexuelle Gewalt durch Erwachsene erlebt. 22,5 Millionen (12 %)  waren in der Kindheit von sexueller Gewalt betroffen, die Hälfte davon durch fremde Männer. Hier wurden häufig Genitalien gezeigt oder die Mädchen an Genitalien oder Brüsten berührt.
  • Ungefähr 33,8 Millionen Frauen in Europa (18 %) waren ab ihrem 15. Lebensjahr von Stalking betroffen, über 9,3 Millionen (5 %) innerhalb der letzten 12 Monate vor der Befragung, wobei das Stalking in 21 % der Fälle (über 7 Millionen) länger als zwei Jahre anhielt.
  • Über 20 Millionen Frauen in Europa (11 %) wurden bereits über die neuen sozialen Medien, per Mail oder SMS belästigt. Von den Frauen unter 29 Jahren waren es sogar 20 %, die online belästigt wurden.
  • Über 100 Millionen Frauen in Europa (55 %) wurden bereits sexuell belästigt. Etwa ein Drittel davon berichtet, dass es sich bei dem/den Tätern/Täterinnen um Vorgesetzte, Kollegen oder Kunden handelte.
  • 67 % aller betroffenen Frauen in Europa meldeten die schwerwiegendsten Gewaltvorfälle innerhalb einer Partnerschaft weder der Polizei noch einer anderen Organisation.

Die Zeit heilt nicht alle Wunden …

Dazu auch das Video: Das große Geschäft mit der Not von Kindern – “Seelische Grausamkeiten” incl.

Netzfrau Mo Scheer

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4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Auf die Vergewaltigung von Kindern, die oft ein LEBEN LANG darunter leiden,
    sollten mind. 12 Jahre Gefängnis stehen und dann so lange,
    bis die Kinder/Frauen/Männer als körperlich UND seelisch vollkommen geheilt gelten
    und dies auch von sich selbst glaubhaft nachweisen können.

    In kürzester Zeit würden sich diese traurigen Zahlen auf ein Mindestmaß verringern
    und vor Allem würde sich die Heilkunst diesen Opfern intensiv widmen mit den neusten Methoden
    und der tiefsten Liebe, zu der sie fähig ist.

    • Was für 12 Jahre ich bin 16 und die Meinung das so Menschen wo sowas tuen kein Herz haben wenn ein Kind darum petelt das er auf hört weint das es weh tut gedemütigt wird sich von ihm anfassen lassen muss und Angst gemacht bekommt hat er Lebens lang verdient weil nur das ist gerecht dann leidet er mit uns und ja

  2. Kinder werden in dieser Gesellschaft vielfach immer noch als ein Ding, als Eigentum der Eltern betrachtet werden, die mit ihnen machen können, was sie wollen. Der ganze Wahn fängt schon an mit der Ideologie von Schwangeren „mein Bauch gehört mir“. Die Kinder haben in dieser Sicht gar kein recht. Sie existieren nicht. Sie sind allenfalls Dreck, der ggf. entsorgt werden muss. Entsprechend dieser Ideologie werden schon Kleinkinder völlig entgegen ihrer biologischen vorgegebenen Bindungsbedürfnisse frühstmöglich in Kitas entsorgt. Weiter geht es dann mit Genderideologien, bei denen Kindern von klein im Sinne einer gerade vorherrschenden Ideologie eine andauernde Gehirnwäsche unterzogen werden usw. usw. usw….

    Unsere Gesellschaft ist krank. Die Menschen glauben jeden Scheiß und orientieren sich an dem geistigen Müll, den die Massenmedien verbreiten, weil sie sich selber nicht mehr vertrauen. Viele Menschen haben völlig ihr gesundes Selbstgefühl und ihr Einfühlungsvermögen verloren. Und dann bleibt ihnen nur, sich an irgendwelchen verdrehten Ideologien von außen zu orientieren.

    Ein fühlender Mensch mit Einfühlungsvermögen kann umöglich ein Kind misshandeln oder missbrauchen.

  3. @“…mind. 12 Jahre Gefängnis … in kürzester Zeit würden sich diese traurigen Zahlen auf ein MIndestmaß verringern…“

    Sorry, Marie,
    aber das ist leider ein großer Irrtum. Eine härtere Bestrafung bringt absolut nichts – keine noch so hohe Strafe kann Kriminelle davon abbringen, ihre Taten zu begehen. Jeder steht nämlich auf dem Standpunkt, man würde ihn nicht erwischen.

    Dazu gibt es auch interessante Beobachtungen aus dem Mittelalter: Dieben hackte man früher zur Strafe die rechte Hand ab, bei schweren Diebstählen sogar beide. Diese Bestrafungen wurden auf öffentlichen Plätzen durchgeführt, um eine Abschreckung zu erzielen. Im Nachhinein musst man dann allerdings feststellen, das genau während dieser öffentlichen „Abschreckungs-Maßnahmen“ mehr Taschendiebstähle begangen wurden, als zur übrigen Zeit. Die öffentliche Verurteilung von Dieben hatte also genau den gegenteiligen Effekt.

    Zwar nicht ganz zum Thema passend, aber dennoch interessant sind Studienergebnisse, die in amerikanischen Gefängnissen durchgeführt wurden. Dort bekamen gewalttätige Schwerverbrecher eine komplett anders zusammengestellte Ernährung – weniger Fleisch, dafür mehr Gemüse und Obst. Verbunden mit weiteren wichtigen Stoffen, die insbesondere die Gehirnfunktionen verbessern. Ergebnis: Diese Gewalttäter verloren zu einem großen Teil ihr aggressives Verhalten, konnten sich besser ins allgemeine Haftleben integrieren und waren eher bereit, berufliche Umschulungsmaßnahmen oder sonstige Fördermaßnahmen anzunehmen. Sie wurden „sozialer“.

    Und genau das ist heute das Dilemma: Es wird ständig an den Symptomen herumgedoktert, anstatt sich den Ursachen zu widmen. Sieht man aber auch in anderen Bereichen unseres Lebens: Ernährung, Medizin, Verkehr, Energie. Es wird an Althergebrachtem festgehalten, als gäbe es kein Morgen mehr. Alternativen? Interessieren nicht. Solch eine Einstellung bringt uns aber mittlerweile nicht mehr weiter. Können wir ja auch jeden Tag auf´s Neue erleben.

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