Razzia in Zürich – Korruption bei der FIFA? Na sowas… Wer hätte das gedacht?!

FifaPaukenschlag kurz vor dem FIFA-Kongress. Die Schweizer Sicherheitsbehörden nahmen am frühen Morgen sechs Funktionäre des Weltfußballverbands fest und steckten sie in Auslieferungshaft. Den offiziell namentlich nicht genannten Personen wird von US-Ermittlern vorgeworfen, seit Anfang der 1990er Jahre Millionensummen und verdeckte Provisionen angenommen zu haben. Ihnen wird Betrug, Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen. Es ist die Rede von über 100 Millionen Dollar Bestechungsgelder.

Wär’s nicht einfacher, das FIFA-Hauptgebäude in ein Gefängnis umzubauen? Die mutmaßlichen Bestecher – Vertreter von Sportmedien und von Sportvermarktungsunternehmen – sollen in Zahlungen an hochrangige Fußballfunktionäre – Delegierte der FIFA (Fédératiion Internationale de Football Association) und andere Funktionäre von FIFA-Unterorganisationen – in Höhe von über 100 Millionen Dollar verwickelt gewesen sein. Als Gegenleistung sollen sie bei der Austragung von Fußballturnieren in den USA und Lateinamerika die Medien-, Vermarktungs- und Sponsoringrechte erhalten haben.

Und Blatter und die anderen Funktionäre? Wie immer blattert Herr Blatter – dass er von nichts wusste.

Der FIFA Pressechef De Gregorio auf der Pressekonferenz: „Ich kann nur wiederholen, was der Präsident schon gesagt hat. Die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 finden an geplanten Orten statt“.

Und dafür macht man eine Pressekonferenz?! – De Gregorio sagte: „Jetzt kommen die Fragen, aber ich kann im Prinzip nichts sagen.“

Schwere Vorwürfe gegen den Weltfußballverband FIFA: Kurz vor der geplanten Wiederwahl von Präsident Blatter für eine fünfte Amtszeit nahm die Schweizer Polizei sechs Spitzenfunktionäre fest – und die FIFA?

Die FIFA ist wiedermal völlig schmerzfrei – und der Pressechef auf der Pressekonferenz aalglatt.

Das ist die FIFA auch, wenn es zum Beispiel um Menschenrechte in Katar geht. Schließlich geht es um nicht weniger als 200 Mrd US $, die Katar vor der 2022 in dem kleinen Emirat geplanten Fußballweltmeisterschaft in Projekte stecken will. Wen interessieren da schon Menschenrechte, wenn die Dollarzeichen in den Augen der Profiteure noch sichtbar sind?

Laut BILD soll es sich um diese FIFA-Mitglieder handeln:

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Katar und FIFA

Bei der Vergabe der Fußball-WM 2022 an das Golf-Emirat Katar wurde laut einem Bericht der englischen Zeitung The Telegraph bestochen. Der frühere Vizepräsident des Weltfußballverbands FIFA, Jack Warner aus Trinidad und Tobago sowie seine Familie hätten kurz nach der Entscheidung umgerechnet fast 1,5 Millionen Dollar bekommen, schreibt die Zeitung. Das Geld sei von einer Firma des katarischen Fußball-Offiziellen Mohammed bin Hammam gekommen. Die Zeitung beruft sich auf ihr vorliegende Dokumente. Siehe: Blackstone und der Scheich von Katar

Auch dieser Jack Warner ist auf der Liste von 14 Personen der „New York Times„, gegen die ermittelt werde. Er ist  Ex-Fifa-Vizepräsident und Ex-Concacaf-Präsident, der bereits 2011 nach Korruptionsvorwürfen zurücktreten musste und unter Verdacht steht, im Vorfeld der Vergabe der WM 2022 fast zwei Millionen Dollar von Unternehmen des Ex-Blatter-Konkurrenten Mohamed bin Hammam (Katar) angenommen zu haben.

Blatter leider nicht unter Verhafteten

FIFA-Chef Joseph Blatter (79), der sich am Freitag zur Wiederwahl stellt, soll nicht zu den Beschuldigten gehören. „Er hat nichts mit der Sache zu tun“, sagte FIFA-Sprecher Walter de Gregorio der Nachrichtenagentur AP.

Wegen angeblicher Gesetzesverstöße – Menschenrechtler in Katar festgenommen

Upadhaya und Gundev, zwei britische Sozialforscher der in Norwegen ansässigen Organisation Global Network for Rights and Development (GNRD), waren im August 2014 in Katar festgenommen worden, weil sie dort über die die Zustände auf den Baustellen der Stadien für die geplante Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar untersuchten.

Anfang des Monats  veröffentlichte der Deutsche Sportjournalist Florian Bauer eine erschreckende Nachricht auf Twitter: „Jetzt ist es öffentlich. Wir wurden in Katar verhaftet, von der Polizei und dem Geheimdienst verhört. Wir dürfen das Land für mehrere Tage nicht verlassen.“ Bauer und seine Kollegen wurden beschuldigt, dass sie keine Dreherlaubnis gehabt hätten. Sie wurden für 14 Stunden festgehalten und befragt und durften dann das Land für 5 Tage nicht verlassen. Laptops und Handys des Fernsehteams wurden beschlagnahmt. Das Material wurde Wochen später zurück geschickt; alle wichtigen Daten waren zerstört.

Neue Kritik gibt es um die Arbeitsbedingungen auf den Stadion-Baustellen für die FIFA-WM 2022 in Katar: Die nepalesische Regierung beklagt, dass die verantwortlichen Firmen jenen im Emirat engagierten Frauen und Männern, die beim verheerenden Erdbeben in Nepal Angehörige verloren haben, die Ausreise verweigerten, um sich vorübergehend um die Hinterbliebenen in der Heimat zu kümmern. Die politische Führung von Nepal nimmt auch die FIFA öffentlich in die Pflicht, Druck auf Katar auszuüben. Die nepalesischen Arbeiter dürfen nicht einmal für Beerdigungen heim.

WM 2022 – Die FIFA und millionenschwere Korruptionsvorwürfe

Die Fussball-Weltmeisterschaft 2022 ist schon lange mit schweren Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Deren Vergabe nach Katar hatte auch wegen der extremen Temperaturen und fehlender Infrastruktur vor Ort für Verwunderung gesorgt. Mittlerweile liegt der Untersuchungsbericht der FIFA-ETHIK KOMMISSION vor.

Über 75 befragte Zeugen und mehr als 200 000 Seiten gesichtetes Material – das ist nach Angaben der FIFA die Grundlage, auf der Michael Garcia nun seinen Abschlussbericht vorgelegt hat. Ein Jahr lang hat der Jurist aus den USA daran gearbeitet und wertet die Korruptionsvorwürfe rund um die WM-Vergaben 2018 nach Russland und 2022 nach Katar auf 350 Seiten aus. Ob wir diesen Bericht zu sehen bekommen, das entscheidet nun die rechtssprechende Kammer der FIFA – unter Vorsitz des deutschen Richters Eckert. Quelle

Schützenhilfe aus Deutschland?

War es Korruption oder politischer Druck oder Beides? fragt der Deutschlandfunk am 02. Juni 2014. Es mehren sich die Indizien dafür, dass vor drei Jahren, bei der Entscheidung für Katar als Austragungsland der WM 2022, auch Deutschland im Hintergrund mitgewirkt hat – und zwar aus wirtschaftlichen Interessen heraus. Denn eines ist klar: Konzerne wie die Deutsche Bahn, Siemens und Hochtief haben mit Aufträgen in Milliardenhöhe profitiert. (…)

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Andreas Gross, Schweizer Sozialdemokrat im National- und Europarat, äußerte sich zu einer Unterhaltung, die er mit FIFA-Präsident Blatter geführt hatte. In dieser Unterhaltung habe ihm der FIFA-Präsident erstaunliches berichtet, so Gross.

„Und da hat er mir damals schon gesagt, dass auch der deutsche damalige Bundespräsident Wulff ihm zum Ausdruck gebracht hätte, dass die deutschen Interessen ganz klar für Katar sprechen würden. Die Infrastruktur, da hätte Deutschland vieles zu verdienen.“

Hat der damalige Bundespräsident Wulff auf den FIFA-Boss und auf weitere Wahlmänner Druck ausgeübt? Auf Anfrage der ARD-Rechercheredaktion Sport bestreitet Wullf, sich für die WM in Katar eingesetzt zu haben. Blatter will sich ebenfalls nicht mehr äußern. Doch klar ist: Konzerne wie die Deutsche Bahn, Siemens und Hochtief haben mit Milliarden-Aufträgen profitiert – Deutschland ist schon jetzt einer der großen Gewinner der WM-Vergabe in der Wüste. Quelle

Katar investiert Milliarden

Ja, die Deutsche Wirtschaft mischt mit.

Katar will vor der 2022 in dem kleinen Emirat geplanten Fußballweltmeisterschaft Projekte für über 200 Mrd. US$ abschließen. Die ausländischen Besucher sollen eine moderne Verkehrsinfrastruktur, eine Retortenstadt, ein neues Stadtzentrum sowie schicke Hotels und Sportstätten vorfinden. Die Zeit ist knapp und der Wettbewerb um die Aufträge hart. Sollte die Vergabe der Weltmeisterschaft an Katar rückgängig gemacht werden, dürfte dennoch der Großteil der Projekte Bestand haben.

QTA-Vorsitzender Issa bin Mohammed Al Mohannadi sprach im Juni 2014 von zusätzlichen 14 000 bis 17 000 Hotelzimmern, die bis zur 2022 in Katar geplanten Fußballweltmeisterschaft fertig werden sollen. Damit würde sich das Zimmerangebot auf 27 000 bis 30 000 erhöhen. Die Neuzugänge sollen vor allem Hotels der 3 und 4 Sterne Kategorien sein.

Die genannten Planzahlen für 2022 werfen allerdings Fragen hinsichtlich der während der Fußballweltmeisterschaft benötigten Beherbergungskapazitäten auf, mit etwa 1 Mio. Besucher rechnet Katar. Anlässlich der WM-Bewerbung hatte Katar die Bereitstellung von 85 000 bis 100 000 Zimmern in Nähe der Stadien angekündigt. QTA-Chef Al Mohannadi räumt ein, das nun für 2022 anvisierte Hotelangebot werde nicht ausreichen und man denke über verschiedene Lösungen nach. Dazu gehören die Unterbringung auf Kreuzfahrtschiffen und in Privathäusern. Auch die Nutzung von Hotelkapazitäten in den Nachbarländern (vor allem in Dubai) gilt als Option, die Besucher müssten dann für die einzelnen Spiele eingeflogen werden.

Quelle 

Die britische Zeitung „Sunday Times“ berichtete im Juni 2014 sogar von fünf Millionen Dollar, die der ehemalige katarische Spitzenfunktionär Mohamed bin Hammam an Offizielle gezahlt haben soll, um sich deren Unterstützung für Katars WM-Bewerbung zu sichern. Der größte Teil des Geldes sei bei Wahlmännern in afrikanischen und karibischen Staaten gelandet. Wir wollen gar nicht mehr alles über diese Korruption und die FIFA schreiben. Denn, wie wir bereits bei der diesjährigen WM in Brasilien gesehen haben, spielt der Fußball nur eine Nebenrolle. Die Hauptrolle spielen Geld und Profit.

Lesen Sie dazu: The Dark Side of World Cup 14 – Die dunkle Seite der WM 14

FIFA-Präsident Joseph S. Blatter hatte Katar im Juli nach einem Treffen mit Emir Scheich Tamim Bin Hamad Al Thani in höchsten Tönen gelobt.

„Es war großartig zu sehen, mit welchem Engagement er und ganz Katar die WM 2022 nutzen wollen, um für positive soziale Veränderungen zu sorgen und das Gastgeberland und die Region zu bewerben“, hatte Blatter gesagt. Katar nehme „seine Verantwortung als Gastgeber sehr ernst“. Das war im Juni dieses Jahres. Doch wie wir heute lesen, werden in Katar sogar Menschenrechtsorganisationen verfolgt und schikaniert.

FIFA: Fußball-WM in Brasilien:

Nicht nur Indigene demonstrierten und wurden mit Tränengas und Gummigeschossen attackiert, monatelang streikten Lehrer, Kommunalarbeiter und schließlich die Bevölkerung gegen die immensen Ausgaben für die Fußball-WM, gegen Korruption und Mängel in Schulen, Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen.

Was Südafrikaner 2010 und Deutsche 2006 nicht wagten, übernahmen die Brasilianer. Ein Volk erhob sich gegen die FIFA. Die Menschen protestieren, weil ihr Land die Friss-oder-stirb-Einstellung akzeptiert, die FIFA und IOC ihren Ausrichterländern entgegenbringen: Die Knebelverträge der milliardenschweren Verbände voller Steuererleichterungen, Exklusivität für deren milliardenschwere Sponsoren und dreiste Forderungen nach noch größeren Stadien, Hotels und Flughäfen. Siehe: Der bittere Beigeschmack der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien

Wie wir bereits an Brasilien erkennen mussten, dürfte dieses die FIFA nicht im geringsten interessieren. Solange der Rubel rollt, pardon der Ball, werden wieder Millionen oder sogar Milliarden Menschen 2022 vor dem Fernseher sitzen und ihren jeweiligen Mannschaften zujubeln. Die Kosten für das Prestigeprojekt sollen sich auf schätzungsweise 73 Milliarden Euro belaufen. Den weitaus höheren Preis zahlen jedoch die Gastarbeiter, die unter menschenunwürdigen Verhältnissen hier arbeiten.

Einen Tag vor Beginn des FIFA-Kongresses in Zürich sind auf Ersuchen von US-Ermittlungsbehörden sechs hochrangige Funktionäre des Fußball-Weltverbands von der Kantonspolizei Zürich fest- und in Auslieferungshaft genommen worden. Die Schweizer Ermittlungsbehörden kündigten außerdem an, zehn Personen wegen der WM-Vergabe für 2018 (Russland) und 2022 (Katar) zu vernehmen. 

Blatter hat sicher viel Geld hingeblattert, um wieder neuer Präsident zu werden. 209 Mitglieder wählen in ein paar Tagen den neuen Präsidenten für vier Jahre. Wir werden berichten.

Schmiergeld, Korruption, Menschenrechtsverletzungen – Vielleicht wacht der Fußballbegeisterte endlich auf und boykottiert die FIFA. Was wäre, wenn an einem Spieltag X der Bundesliga die Stadien leer blieben? Das wäre doch schon mal ein Anfang mit einem riesigen Ausrufungszeichen, um zu zeigen: Fussball ja, aber nicht unter solchen Bedingungen.

Netzfrau Doro Schreier

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3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ja Servus Franz,
    warst Du nicht der Chefverhandler in Katar oder warum warst Du damals zweimal vor Ort.
    Werden wir nun die Abdankung des Kaisers erleben mit anschließendem Exil in Knastanien?
    Neben Onkel Hönes soll noch ein Appartement frei sein und Landsberg ist auch auch wirklich schön, aber bitte dort keine Bücher schreiben.

  2. „Deutschland ist schon jetzt einer der großen Gewinner der WM-Vergabe in der Wüste.“

    Das würde allerdings voraussetzen, dass die genannten Konzerne nicht nur ihren Sitz in der BRD haben, sondern sich auch wirklich in deutschen Händen befinden, was ich nicht glaube. Besteuert werden sie wohl ohnehin in Luxemburg, zum 2%-Satz.

  3. beschämend was diese Organisation schafft. Es ist mir auch ein Rätsel, dass sich Menschen jetzt schon auf eine WM in der Wüste freuen können, welche den Tod von vielen Gastarbeitern gefordert haben wird. Wie wird sich dies wohl anfühlen, heldenhaft über den Rasen zu schreiten oder auf den Rängen der Tribüne zu sitzen welche über dem blutverschmierten Grund errichtet wurde oder wird wie so oft alles ausgeblendet werden, weil die nur die eigene Bedürfniserfüllung wichtiger zu sein scheint.
    Schon eigenartig, dass es weder die FIFA noch Fussballverbände noch Politiker zu interessieren scheint, dass Quatar den arbeitenden Angehörigen des Erdbebens aus Nepal verbietet nach Hause zu fahren! Keine Empörung – nur eine kleine Schlagzeile nebenbei! Unrecht scheint weiterhin weltweit einfach geduldet zu werden, solange die Interessen der Vermögenden nur gewahrt bleiben. Das Rückgrat der heldenhaften Fussballgemeinschaften, Sponsoren und Politiker, scheint doch ziemlich gebrechlich zu sein. Scha(n)de

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