Young Carers – Pflegende Kinder – „Verlorene“ Kindheit

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Sie putzen, waschen, kochen und pflegen – die Not pflegender Kinder und Jugendlicher ist jedoch kaum jemandem bekannt.

Wie viele Kinder in Deutschland genau ihre kranken Eltern pflegen, ist nicht bekannt. Schätzungsweise liegt die Zahl bei etwa 225 000 Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, die sich um ein krankes Elternteil kümmern.

In Österreich müssen rund 43 000 Kinder und Jugendliche (überwiegend Mädchen) Familienangehörige pflegen und in Großbritannien sind es 175 000 Kinder.

Young Carers sind Kinder und Jugendliche, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und regelmäßig für einen oder mehrere Angehörige sorgen, ihnen helfen und sie pflegen.

Diese Kinder tragen eine spezifische Verantwortung, die gesellschaftlich nicht für sie vorgesehen ist und durch die sie sich von anderen Kindern unterscheiden.

Krebs, MS, Depression – Wenn Eltern chronisch krank sind, können sie oft vieles nicht mehr selbst erledigen. Hier springen nicht selten die Kinder ein und füllen die entstandenen Lücken. Sie helfen im Haushalt, gehen einkaufen, kümmern sich um jüngere Geschwister und sind auch in die Pflege der Eltern eingebunden. 

Young Carers – wenn kleine Kinder zu Pflegekräften werden

Bereits vor zwei Jahren wiesen wir auf dieses Problem hin, doch geschehen ist nichts. Noch immer wird diesen Kinder und Jugendlichen keinerlei Aufmerksamkeit gewidmet. Anfang des Jahres startete die Schweiz mit einer neuen Studie.

In der Schweiz besteht zur Situation pflegender Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener unter 25 Jahren eine Forschungslücke. Weder die Anzahl der pflegenden Kinder und Jugendlichen noch die Art und der Umfang ihrer Aufgaben sowie deren Auswirkungen auf sie sind bekannt. Auch die Bedürfnisse und die Wünsche der Betroffenen selbst sowie ihrer Familien sind nicht erforscht. Das Forschungsprogramm «Young Carers and Young Adult Carers in Switzerland» beabsichtigt, die Daten- und Forschungslücke für die Schweiz zu schließen. Das Forschungsprogramm ist auf 5 bis 10 Jahre angelegt und startete Anfang 2015.

Auch in Österreich wurde erneut darüber diskutiert, welche Maßnahmen für die Young Carers getroffen werden müssen.

Mehr als 200 000 Kinder in Deutschland sind betroffen, 43 000 in Österreich, 175 000 in Großbritannien und die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein. Viele Familien nehmen aus Scham und aus Angst vor Eingriffen von Außen kaum Hilfe in Anspruch. Selbst wenn ein Pflegedienst in die Wohnung kommt, können damit höchstens 1,5 Stunden am Tag abgedeckt werden. In der restlichen Zeit übernehmen die Kinder die Verantwortung.

INFOBOX

Was genau ist ein „young carer“?

Young Carer ist die englische Bezeichnung für ein pflegendes Kind oder einen pflegenden Jugendlichen. Young Carers sind Kinder unter 18 Jahren, die mit einem chronisch kranken oder beeinträchtigten Angehörigen (meist Eltern) zusammenleben. Darunter fallen Kinder, deren Eltern unter einer

  • körperlichen oder geistigen Behinderung,
  • chronischen Erkrankung, z. B. Krebs oder Multiple Sklerose,
  • psychischen Erkrankung,
  • Alkohol- oder Suchtmittelabhängigkeit leiden.

Die Kinder erfüllen deshalb oft Aufgaben, die sie von anderen kindgerechten Tätigkeiten abhalten. Sie übernehmen z. B.

  • Haushaltstätigkeiten wie Aufräumen, Putzen, Waschen, Kochen oder Einkaufen,
  • pflegerische Tätigkeiten wie Medikamentenvergabe, Anziehen, Körper- und Intimpflege,
  • die Betreuung ihrer jüngeren Geschwister
  • und emotionale Unterstützung

in höherem Maße als bei gesunden Familien. Die Pflege und Unterstützung der Kinder variiert stark und hängt von der Art und Schwere der Erkrankung sowie der Anzahl der (helfenden) Familienmitglieder ab.

Die oftmals jahrelange Pflege bewirkt bei den Kindern häufig eine Überforderung. Die psychischen und physischen Belastungen sowie die Folgen für die Entwicklung können enorm sein. Auf Grund der Isolation und der Scham oder der Sorge vor Eingriffen in die Familie gilt es, ein öffentliches Bewusstsein zu schaffen, in dem sich die Kinder aufgehoben und angenommen fühlen. Dabei sind nicht die in der Familie häufig erworbenen Kompetenzen wie ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen, frühe Reife und gesteigertes Selbstbewusstsein zu vergessen, die es anzuerkennen und zu fördern gilt. Quelle: http://www.youngcarers.de/

Pflegende Jugendliche und Kinder in Österreich. Dieser Report-Beitrag ist vom 16. 7. 2013 – das Problem ist also bereits seit zwei Jahren bekannt und auch heute wird immer noch in Österreich diskutiert, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen

Kaum ein Kind redet über die häusliche Situation. Dieses Schweigen wird von den Kindern mit „Scham“ und „Vorsicht“ begründet. Sie sagen, dass andere Kinder „eh nicht wissen, worum es geht“, da sie ein Leben mit Krankheit nicht kennen.

  • Vorsicht: Nichts bedeutet für Kinder mehr Gefahr, als dass ihre Familie auseinandergerissen werden könnten. Das Schweigen liegt somit auch in der Angst begründet, dass außenstehende Instanzen (z. B. Jugend- oder Ordnungsamt) die familiäre Situation als „nicht haltbar“ einschätzen und die Familienmitglieder „zu ihrem eigenen Besten“ trennen könnten.

Auch in anderen europäischen Ländern gibt es genau diesen erschreckenden Zustand – Kinder ersetzten die Pflegekräfte.

Darüber, wie viele Kinder, teils im Grundschulalter, ihre kranken Eltern pflegen, darüber gibt es keine eindeutigen Zahlen. Österreich dagegen hat 2013 eine Zahl ermittelt:

42  700 Kinder und Jugendliche pflegen ihre Angehörigen.

Am 18. Mai 2011 brachten die österreichischen Abgeordneten Öllinger, Windbüchler-Souschill und andere auf Initiative der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger den  Entschließungsantrag ein, dem im Parlament einstimmig zugestimmt wurde. Darin ging man von einer geschätzten Zahl von 25 000 Kindern und Jugendlichen aus, die sich um ihre kranken Eltern oder andere nahe Verwandten kümmern. Daraufhin wurde von Bundesminister Hundstorfer eine Studie zur Erhebung des Bedarfs und von Maßnahmen in Auftrag gegeben.
Die Studie wurde Ende 2012 abgeschlossen und steht auf der Website des BM für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz  und zum Downloaden hier.

Die Zahl ist kaum bekannt, erfordert aber dringend ein Augenmerk: In Österreich pflegen rund 43 000 Kinder und Jugendliche Familienangehörige. Diese „Young Carers“ sind wegen der oft sensiblen Familienverhältnisse eine kaum erreichbare Gruppe. Überwiegend seien es Mädchen, erklärte Sozialminister Rudolf Hundstorfer und kündigt – wie schon vor zwei Jahren – eine Informationskampagne und Unterstützungsmaßnahmen an, vor allem an Schulen. Insgesamt werden in Österreich von den 454 000 Pflegegeldbeziehern knapp 80 Prozent von Angehörigen betreut – merken Sie was? Man diskutiert immer noch.

Mal ehrlich, waren Ihnen diese Zahlen bekannt? Haben Sie schon einmal von einem Gesundheitsminister in Deutschland eine Aussage zu diesem Thema vernommen?

Welche Aufgaben übernehmen die Kinder?

Das geht von Hilfen im Haushalt über das Betreuen kleinerer Geschwister bis hin zur Rund-um-Pflege der Eltern mit Anziehen, Duschen, Wickeln und Hilfe beim Kathetern. Besonders bei alleinerziehenden pflegebedürftigen Müttern. Häufig nehmen chronische Krankheiten einen schleichenden Verlauf und machen immer mehr Mithilfe der Kinder nötig. Die nehmen das oft nicht wahr und wollen „der Mama helfen“. Kurz gesagt: Die Kinder füllen die entstehenden Lücken und stehen stets in Bereitschaft.

Auszüge aus der Studie:

Geschwisterhilfe

Pflegende Kinder haben im Schnitt 1,6 Geschwister. Für diese bereiten sie das Essen zu, passen auf sie auf, machen gemeinsam Hausübungen, bringen sie ins Bett und bringen sie in die Schule oder in den Kindergarten. Vor allem bereiten pflegende Kinder das Essen für ihre Geschwister deutlich öfter zu als nicht pflegende Kinder, worin der Unterschied zur Geschwisterhilfe, wie sie in fast allen Familien vorzufinden ist, deutlich wird..

Auswirkungen kindlicher Pflege

Der Status pflegendes Kind zeigt Auswirkungen in vielen Bereichen. Vor allem im Bereich der körperlichen Auswirkungen zeigt sich, dass pflegende Kinder deutlich öfter angeben, unter Müdigkeit, Schlafproblemen, Rückenschmerzen und Kopfschmerzen zu leiden. Deutliche Unterschiede zeigen sich auch bei den Merkmalen in Bezug auf die psychische Verfassung der Kinder. Den Aussagen „ich mache mir oft Sorgen“ und „ich bin oft traurig“ stimmen pflegende Kinder deutlich öfter zu, als nicht pflegende Kinder. Dies legt den Schluss nahe, dass es pflegenden Kindern schwer fällt, eine unbeschwerte Kindheit zu erleben. Pflegende Kinder fühlen sich gegenüber nicht pflegenden Kindern erwachsener, was deutlich macht, dass Auswirkungen nicht ausschließlich negativ bewertet werden können

„Verlorene“ Kindheit

Oft sind sie sozial isoliert, haben kaum Freunde, gehen in keine Vereine, selten raus zum Spielen. Sie haben schlicht keine Kindheit. Außerdem plagen sie Verlustängste. Kleine Kinder glauben, sie sind schuld, wenn es den Eltern schlechter geht. Pubertierende sorgen sich, sie könnten die Krankheit geerbt haben. Häufig verringern sich ihre Bildungschancen, was für das Erwachsenenleben auch wirtschaftliche Folgen haben kann.

Selbst an das Jugendamt wenden sich viele Familien trotz größter Not nicht. Die Angst, das Amt könnte ihnen die Kinder wegnehmen, ist noch größer. Dass diese Furcht nicht unbegründet ist, kann Rechtsanwalt Alexander Frey, Mitglied des Münchner Forums Pflege Aktuell sowie der Münchner Vereinigung für Integrationsförderung (VIF), nur bestätigen:

 „Wir erleben immer wieder, dass das Jugendamt eine Kindeswohlgefährdung attestiert und die Kinder in Pflegefamilien oder Heime steckt. Doch muss man differenzieren, es gibt natürlich auch Sachbearbeiter, die sehr im Sinne der Familien helfen.“ Und in deren Sinne sei es immer, als Familie zusammenzubleiben, wie Sabine Metzing in den Interviews mit 82 Betroffenen erfahren hat: „Lieber fordern die Eltern ihre Kinder noch stärker und auch die tragen die Last der Pflege lieber, als von ihren Eltern getrennt zu werden.“

Dabei kann die Pflege der chronisch kranken oder behinderten Eltern Ausmaße annehmen, die selbst einen Erwachsenen komplett überfordern würden.

 Die psychische Belastung

Zu den größten psychischen Belastungen zählen:

  • starke Verlustängste sowie das Gefühl,
  • die Krankheitsschübe der Eltern durch eigenes Fehlverhalten verursacht zu haben
  • die Angst, die Krankheit geerbt zu haben.

Häufig brauchen die Kinder als Erwachsene eine Psychotherapie. In der akuten Phase der Pflege sei den Wenigsten bewusst, wie belastet sie sind.

Schleichend nimmt es zu, Kinder wachsen in diese Situation hinein, weil sich die Gesundheit ihrer Eltern langsam verschlechtert. Bis die minderjährigen Pfleger so unabkömmlich sind, dass sie sich der Verantwortung nicht mehr entziehen können. Der Druck auf das Kind wächst bis zur Überlastung, sodass es durch diese Überforderung erkrankt.

Bei der Recherche fanden wir einen Artikel auf Zeit.de vom 05. 11. 2009, der sich genau mit dem Thema befasst. Ein Beispiel aus diesem Artikel:

Paust ist selbst eine Betroffene. Die Mutter eines achtjährigen Sohnes leidet an multipler Sklerose. Sie ist weitgehend auf Hilfe angewiesen und sitzt seit drei Jahren im Rollstuhl. Als sie damals begann, nach finanzieller Unterstützung für sich und ihren Sohn zu suchen, stellte sie fest, dass ihre Lebenssituation für den Gesetzgeber praktisch nicht existiert.

Zwar haben Menschen mit Behinderungen einen Rechtsanspruch auf Assistenz. Sie können daher bei Krankenkasse, Pflegekasse und Sozialamt ein persönliches Budget beantragen, um ihre Pfleger selbst zu bezahlen. Doch eine dauerhafte finanzielle Unterstützung für die Betreuung von Kindern ist schwierig zu erstreiten. Paust konnte dem Jugendamt nur unter Berufung auf das Jugendhilfegesetz (»Betreuung und Versorgung des Kindes in Notsituationen«) eine Elternassistenz für ihren Sohn abringen.

 Eine andere betroffene Mutter berichtete:  „Ich habe eine vier Jahre alte Tochter, die mir jetzt schon beim Ausziehen hilft. Ich will das nicht, aber ich weiß manchmal nicht, was ich machen soll. Ich habe Pflegestufe zwei, und das Pflegegeld reicht einfach nicht aus.« Eine andere chronisch kranke Mutter ergänzt: »Als ich das Jugendamt bat, mir beim Transport meiner Kinder zum Kindergarten zu helfen, meinten die, die Lütten seien doch nicht krank oder behindert. Die Kinder helfen mir mittlerweile sogar schon beim Waschen. Ich bin sehr verzweifelt darüber.“

Sie sind noch Kinder und  doch schon KrankenpflegerInnen, ehrenamtlich sozusagen, in der eigenen Familie.  Während wir diesen Artikel schreiben, kümmert sich gerade ein Kind um die erkrankte Mutter oder um den vielleicht im Rollstuhl sitzenden Vater. Sie  baden, kochen, putzen oder geben ihren Eltern Medikamente. Danach gehen sie nach getaner Arbeit zur Schule und im Gepäck die Sorgen um das Elternteil.

Die o. g. Studie zeigt auch Lösungen auf:

  •  · Bewusstseinsbildung der Bevölkerung, einschließlich der betroffenen Kinder und
  •    Vermeiden von Stigmatisierung kindlicher Pflege durch mediale Aufklärungs- und
  •    Informationskampagnen
  • · Recht auf Identifizierung betroffener pflegender Kinder in ihrer unmittelbaren Umgebung

  •  durch lebensweltnahe Kontaktpersonen an Schulen oder durch Gesundheitsprofessionen

  • · Kindgerechte Aufklärung und Information über die Krankheit, um Ängste und Unsicherheit zu nehmen

  • · Pflegerische Unterstützung im Alltag durch aufsuchende, niederschwellige Hilfsangebote, um zu unterstützen,

  •    anzuleiten und  zu entlasten durch Case Management oder Family Health

  •    Nurse Ansatz, durch eine Anlaufstelle für Notfälle

  • · Entwicklung und Aufbau von kinder- und familienorientierten Hilfsprogrammen, um mit

  •    Gleichgesinnten und mit Erwachsenen reden zu können, um nur Kind sein dürfen, die

  •    beworben werden, wirksam und evidenzbasiert sowie längerfristig finanziert sind

 Die Studie bekräftigt auch, dass die Familie eine tragende Säule in der häuslichen Pflege ist.

Die Aufmerksamkeit seitens der Sozialpolitik und Forschung richtet sich dabei vor allem auf erwachsene pflegende Angehörige, sind sie es doch, die einen Großteil der Pflege für kranke bzw. pflegebedürftige Familienmitglieder zu Hause übernehmen. Diese Ausschließlichkeit zeigt nicht, dass auch Kinder und Jugendliche für kranke Familienmitglieder pflegerische Verantwortung übernehmen.

Großbritannien und Österreich haben es erkannt, die Schweiz will nun aktiv werden, denn dieses Thema betrifft uns alle – deswegen braucht es auch dringend öffentliche Gelder, die in die Entlastung der Kinder und in einen Ausbau dieser Dienstleistungen investieren muss.

Doch wie sieht es in den anderen Ländern der EU aus, zum Beispiel in Deutschland?

Dieser Kinderarbeit wird kaum Aufmerksamkeit geschenkt, nicht zuletzt weil diese Gruppe der so-genannten „Young Carers“ beinahe unsichtbar und nur schwer zugänglich ist.

Pflegende Kinder sind eine Bankrotterklärung der Pflegepolitik!

Schnellstmöglich muss seitens der Regierungen geholfen werden, denn eine „verlorene Kindheit“ in unserem Gesundheitssystem ist nicht mehr hinnehmbar.

Auch wir können helfen, jeder von uns kann die Augen offen halten und solchen Kindern und Jugendlichen ein wenig unter die Arme greifen bzw. Behörden um Beistand bitten.

Hilfsangebote für Young Carers

Österreich 

Betroffene Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern und PädagogInnen können sich an folgende Stellen wenden:

• Superhands – Internetplattform für Kinder und Jugendliche, die zuhause ein Familienmitglied pflegen

• 147 Rat auf Draht – Notruf für Kinder und Jugendliche und deren Bezugspersonen

• Verrückte Kindheit – Das Online-Portal – Plattform für Jugendliche und junge Erwachsene, deren Eltern psychisch erkrankt sind

• KIPKE – Beratung von Kindern mit psychisch kranken Eltern

• JOJO Kindheit im Schatten – Hilfe für Kinder psychisch kranker Eltern

• Mama/Papa hat Krebs – Österreichische Krebshilfe Wien

Deutschland 

young carers  Internetseite für Kinder pflegebedürftiger Eltern in Bad Bramstedt und Umgebung

Kinder kranker Eltern  Diese Seiten wurden extra für Kinder und Jugendliche ins Web gestellt, die mit einem kranken Angehörigen zusammenleben

 „Kinder psychisch erkrankter Eltern“

International:

Young carers 

Dass in der Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger auch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene tätig sind, ist noch kaum bekannt. Dieses muss sich ändern, diese Kinder und Jugendliche benötigen mehr Aufmerksamkeit.

Bestehende Studien belegen Spätfolgen, wenn Kinder und Jugendliche Pflegeaufgaben übernehmen. So können zum Beispiel schulische Beeinträchtigungen, Konzentrationsschwäche als Folge von Schlafmangel und häufige Absenzen zu schlechteren Bildungschancen führen. In Großbritannien, dem Ursprungsland der Young-Carers-Forschung, ist auf Grund zahlreicher Projekte das Bewusstsein für die Herausforderungen inzwischen gewachsen, vor denen pflegende Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene stehen. Dadurch sind schulische Beeinträchtigungen rückläufig.

Diese positive Entwicklung, die zu Verbesserungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Pflegerolle führt, sollte auch in anderen Ländern möglich sein.

Wir fordern Chancengleichheit für junge Menschen, die gleichzeitig Bildung und Pflegerolle vereinbaren müssen. Da die berufliche Grundbildung eine zentrale Rolle für den Einstieg in den Arbeitsmarkt spielt, handelt es sich bei Jugendlichen, die ihre schulische und berufliche Ausbildung auf Grund von Unvereinbarkeit mit einer Pflegerolle frühzeitig abbrechen, um eine potenzielle Risikogruppe, die später u. a. auch wegen gesundheitlicher Spätfolgen auf dem Arbeitsmarkt nur schwer vermittelbar sind.

Bedarfsgerechte Informationen und Unterstützungsangebote müssen für die Betroffenen entwickelt  und etabliert werden.

Vor zwei Jahren informierten wir schon einmal über dieses Thema und es hat sich nichts geändert. Mag dieser heutige internationale Tag des Kindes endlich etwas bewirken! Die Verantwortlichen müssen endlich handeln und nicht noch erst Tausende von Studien abwarten, denn dann sind viele dieser betroffenen Kinder Erwachsene, die lebenslang an diesen Folgen leiden werden.

Netzfrau  Lisa Natterer

dazu auch: Wir fordern: Menschenwürdiger Umgang mit ‪Pflegebedürftigen, ‪Kranken und‪ Pflegekräften

Pflege geht uns ALLE an – “Solche Pflege ist Folter”

Was seht ihr Schwestern – eine Geschichte einer alten Frau

7 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. ja es stimmt. die angst von den Eltern getrennt zu werden ist groß. würde gern bei ner umfrage o. Studie mitmachen

  2. Hallo Zusammen,
    ich finde es gut und wichtig, dass dieses Thema hier aufgegriffen wird, danke dafür!
    Es ist aber nicht so, als würde es in Deutschland dazu gar nichts geben. An der Universität Witten/Herdecke haben wir in den Jahren 2004-2011 mit Unterstützung des Bundesforschungsministeriums (BMBF) zwei Studien zum Thema „Kinder und Jugendliche als pflegende Angehörige“ durchgeführt, die viele Diskussionen – gesellschaftlich und politisch – angeregt haben und schließlich auch die Studie in Österreich angeregt haben. Auch ein Hilfsprojekt (SupaKids) und die Webseite kinder-kranker-eltern.de sind damals entstanden, wobei das Projekt aus finanziellen Gründen leider wieder eingestellt werden musste. Es gibt immer noch viel zu tun, von daher ist jede Unterstützung, Initiative und Diskussion wichtig.
    An der Universität Witten/Herdecke starten wir gerade eine neue Studie, in der wir, ähnlich wie in Österreich, eine Umfrage durchführen werden, um die Situation betroffener Kinder und Jugendlicher noch besser darstellen und konkrete Unterstützungsbedarfe aufzeigen zu können. Mehr Infos folgen in Kürze.
    Besten Gruß
    Sabine Metzing
    Juniorprofessorin an der Universität Witten/Herdecke und Projektleiterin

    • Hallo Frau Metzing, wir Netzfrauen möchten uns bei Ihnen bedanken, dass Sie das Problem in die Öffentlichkeit gebracht haben. Durch Ihre Studie und Ihr Buch wurden wir auf das Problem aufmerksam und haben auch mit Kindern gesprochen, die leider keinerlei Hilfe bekommen haben.
      Bitte informieren Sie uns bitte, sofern wir behilflich sein können. Wir freuen uns auch über mehr Informationen- denn nachdem wir bereits 2013 auf dem Problem aufmerksam gemacht haben, ist nicht wirklich was passiert.
      LG Doro

  3. Danke liebste Netzfrauen:) spricht mir aus der Seele.
    Leider wird hier nicht aufs Kernproblem eingegangen. Die systematische Zerstörung von Familien-und Sozialkonstellationen durch kapitalbezogene Leistungsgedanken.
    Wenn Eltern denken, Geld wäre Sicherheit, ist das falsch.
    Das Geld kognitive Dissonanz auslöst, haben schon Leon Festinger und andere Soziologen erwiesen.
    Liebe, Vertrauen und Fürsorge sind Sicherheit.
    Durch jahrelange Medienmanipulation denken die Männer und Frauen sogar,
    dass das finanzielle Wachstum ein erfolgversprechendes Verhalten ist und Teil ihrer Persönlichkeit wäre und individuell zu betrachten sei. Wenn diese Tendenz allerdings bei ca. 60% der arbeitenden Gesellschaft zu erkennen ist, ist es kollektiv und stellt ein Problem für ganze heranwachsende Generationen dar.
    Der Fehler sind nicht die Eltern oder Kinder, sondern die Gedanken, die solche Situationen entstehen lassen. Und diese entwickeln sich aufgrund fehlender Aufklärung und falscher sozialer Orientierung (durch Medien, Politik und Industrie). Das führt hierzu:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Dissonanz
    einer der Wiki-artikel, die gut recherchiert sind und ein anständiges Literatur- und Quellenverzeichnis haben.

    Von der Leyen Prinzip-Geld ersetzt Zeit, Erziehung und Liebe.
    Dann stellt man auch Raketenabwehrsysteme auf den Boden der eigenen Kinder, um diese zu schützen. krass gesagt, ist das wie Scherben ins Kinderbett zu legen, um Fremdzugriff zu vermeiden;)

  4. Anders gesagt- Ein Problem zu erkennen, heisst noch lange nicht, dessen Ursachen zu verstehen^^
    und wie erwähnt, liegt die Ursache nicht bei den Eltern.

    Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind. Zitat Albert Einstein

  5. Ich leide an Umwelt-Erkrankung MultipleChemikalienÜüberempfindlichkeit und zusätzlich an massiven Nahrungsmittelallergien. Da erbreche ich viel. Schlimmer wurde es 1990. Meine Kinder pflegten mich, weil ich oft bewusstlos rumlag. Das Jugendamt wusste von nichts, ein Kind hat sich verplappert. 1994 kam ich in die Psychiatrie , bis 1999 psychiatrische Behandlungen. 1998 wog ich nur noch 46 kg. Ich bekam Neuroleptika aufgezwungen, sonst wären die Kinder weg. Von den Neuroleptika starb ein Vierte Gehirn ab und ich hatte massive Ausfälle, das war ab 1996, nach zwei Jahren Neuroleptika, ich bekam noch mehr Neuroleptika, weil die Ausfällen als Geisteskrankheit gewertet wurden. 1999 weigerte ich mich Neuroleptika zu nehmen, egal mit was die mich bestrafen. 2000 konnte ich (allerdings erbrach ist viel, ein Spülbecken war fürs Kotzen reserviert) den Haushalt wieder führen. Ich wehrte mich gegen die Psychiatrie, stellte meine Ernährung auf Rohkost um und war sogar so gesund dass ich schwanger war. Da wolllten die mein Kind abtreiben, 8 Wochen vor der Geburt und wenn ich mich weigerte würden sie mir die Kinder weggenehmen. Die Kinder wurden 13 jahre lang weggenommen, die Kinder zogen das Baby der Pflegeeltern mehr oder weniger alleine groß, und mussten dort Haushalt führen und sich gegenseitig erziehen und kümmern. Jetzt sind fast alle Kinder wieder frei. Wir haben obwohl mein Mann arbeitet nicht genug zu essen, dürfen nicht zur Tafel aber zum Foodsharing. Das ist da Glückssache ob es was zu essen gibt oder nicht. Diagnosen nun: PTBS und schwere Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Ich bewerbe mich weiterhin für Arbeiten in Chemielaboren, da ist eine hochreine Umgebung, , frei von den Umwelttoxinen. Es sind ganz bestimmte Chemikalien die mich schnell zum Erbrechen bringen. Auch wenn ich von nichts weiss, erst erbreche ich mich und kriege kaum noch Luft, dann kann ich rausfinden was es für ein Auslöser war. Es ist keine Einbildung.Noah ist immer noch weg, will nach Hause. Der Staat lässt uns verrecken, will noch 200 Euro im Monat noch 19 Jahre lang dafür dass das Jugendamt unsere Familie „betreut“ und “ betreut“ hat. Die haben meinen Mann in Sozialhilfe gezwungen, die Karriere ging futsch, er verdient nun zwischen 800 Euro und 1200 Euro weniger verglichen mit was er davor verdient hat und ohne Einmischung des Staates heute verdienen würde. Meine Kinder sind alle in Medizin extrem fit. Einer will Medizin studieren, den anderen reichts mit dem Thema. Jugendamt hat mich in die Klapse (wo es mir noch schlechter ging, Fehlbehandlung auf „Bulemie“ und „Psychose“…) und die Kinder auf Heime und Pflegestellen verteilt, um das „System der Familie UL“ zu zerstören. Lerne kotzen ohne zu klagen… Wirsind beide Akademiker in Naturwissenschaftlichen Berufen und der Staat hat uns so „geholfen“, dass wir nun nicht in ausreichender Menge in ausreichender Qualtität zu essen haben. Keine Angst die Kinder haben genug Nudeln, Reis und Kartoffelbrei mit Butter, Ketchup oder Fixsösschen, und ich mache dann halt eine Nulldiät, die mich vor Allergenen entlastet. Ich wiege inzwischen aber 103 kig weil ich zuviel selbstgemachtes Zuckerwasser oder auch billigste Energydrinks bei der Nulldiät und zwischendurch genommen habe, das lasse ich jezt, Darauf habe ich nie erbrochen. Aber auf fast alle andern Süßwaren sofort gebrochen .Vor zwei Jahren wog ich „ERROR“ und im Krankenhaus wurde Diabetes festgestellt, aber „nur“ im Blut. Diabetes ist auch häufige Folge von Neuroleptika. Ich bin die selbe ob ich nun 46 kg oder plus 130 kg wog. Ich habe mir das exakte Gewicht nie sagen lassen. Nach einem halben Jahr diabetes angepasster Diät wog ich dann 127 kg. In Hessen gibt es auch keinen Familienurlaub mehr. Das ist dem Jugendamt egal,dass der letzte Familienurlaub 1996 war. Wir bräuchten einen Urlaub wo die Kinder versorgt werden. Bitte die emailadresse nicht veröffentlichen ! Das ist zu gefährlich, denn behinderte Eltern (ich 80 GdB mein Mann kriegt irgendwann 50 oder 60 Zustand nach zwei Herzinfakrten im Krankenhaus, und vermutlich drei ohne Krankenhaus, wir hatten das GEld nicht für Krankenwagen und Zuzahlungen , und auch Angst vor den Behörden. Ich rufe auch keinen Krankenwagen wenn ich vor Atemnot schon blaue Finger habe , weil die keinerlei Rücksicht nehmen dass ich zB auf Phtalate und andere Weichmacher extrem reagiere, und einen allergsichen Schock bei der COPD (lebenslanger Nichtraucher) oder astmaoiden Anfällen kann ich nicht brauchen! Ich brauche dann Cortisonspritze und meine Ruhe.Und ich spare Sauerstoff indem ich mir vorstelle dass ich tauche, und dann kann ich keine blöden Fragen vom Notarzt beantworten, dass können die Familienmitglieder auch sagen wie ich heisse und wo versichert, und dass es Atemnot ist. (Cortisonnotfallspritzen gibts nicht mehr für Kassenpatienten, jedenfalls für mich nicht mehr) Wenn ich endlich eine Anstellung nach fast Tausend Bewerbungen kriegen sollte, werde ich auf einen Familienurlaub sparen. Damit wir den den ersten Familienurlaub mit allen meinen Kinder haben. Ich vermute dann auch, dass das nun seit 7 Jahren vom Jugendamt gefangene Kind dann frei ist. Aus Frankfurt, aber anderes Jugendamt hat das verbrochen. Die haben auch kein Mitleid mit Kinder und Jugendlichen. Wir nehmen Kredite bei unseren KIndern für Essen, KLopapier und Waschpulver auf, zahlen denen aber als allereste zurück. Meine Kinder leben im Krieg gegen den Staat.

  6. Ich war selbst ein pflegendes Kind (kranke Mutter), dann im Erwachsenenalter habe ich bis vor kurzem meinen Vater 10 Jahre lang gepflegt. Ich bin in dieser Zeit schwer erkrankt und habe erst dadurch erkannt, dass ich vieles ändern muss. Durch eine komplette Lebensumstellung ist es mir gelungen wieder gesund zu werden.

    Da meine Töchter in der Zeit, während der ich meinen Vater gepflegt habe sehr gelitten haben, habe ich mir vorgenommen, mich um die Zielgruppe der pflegende Kinder anzunehmen. Ich möchte nächstes Jahr, wenn ich die Ausbildung zur Gesundheitspädagogin für Kinder abgeschlossen habe, einen Treffpunkt für diese Zielgruppe schaffen, wo sie sich austauschen und miteinander Spaß haben können aber gleichzeitig lernen, wie sie sich durch Bewegung, Ernährung, Entspannung und Naturerlebnisse gesund erhalten können.

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