The Big Four – Die Macht von Aldi, Edeka & Co.

BIGFOUR-380x341Der deutsche Lebensmittelhandel wird von den sogenannten Big Four beherrscht. Nur vier große Lebensmittelkonzerne vereinen 85 % des Absatzmarktes auf sich.

Dieses Übergewicht gibt ihnen die Macht über die Konsumenten, denn die meisten Deutschen kaufen dort ihre Lebensmittel, angelockt durch billige Angebote.

Diese Marktmacht hat Folgen für Zulieferer und Produzenten: Da ihnen nur die vier Konzerne als Abnehmer zur Verfügung stehen, können diese ihre Konditionen weitgehend diktieren. Hersteller berichten gegenüber ZDFzoom: Preisverhandlungen laufen nur selten auf Augenhöhe ab. Einschüchterungen und Drohungen gegenüber den Produzenten sind fast zur Regel geworden.

Die Big Four des deutschen Lebensmittelhandels

Grafik: Bruttoumsatz der Discounter in DeutschlandDer Lebensmitteleinzelhandel wird in Deutschland von vier großen Konzernen beherrscht. Die Supermarktketten Edeka und REWE leisten sich jeweils einen Discounter: Netto und Penny.

  • Edeka mit Netto: 47 Milliarden Euro Umsatz
  • Rewe mit Penny: 28 Milliarden Euro Umsatz
  • Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland 28 Milliarden Euro Umsatz
  • Aldi Nord/Süd 23 Milliarden Euro Umsatz

(Bruttoumsätze in Deutschland 2014, Food-Bereich)

Quelle: Nielsen TradeDimensions 2015

Diese Big Four sind:

  1. Edeka-Gruppe
  2. Rewe-Gruppe
  3. Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland
  4. Aldi

Außer Aldi, der nur intern wächst, wuchsen die Schwarz-Gruppe, Rewe und Edeka durch externe Übernahmen und Fusionen.

Edeka fraß beispielsweise:

  • Spar
  • Netto-Marken-Discount
  • Plus
  • Trinkgut (damit dominiert EDEKA nun, laut Bundeskartellamt, den Verkauf von alkoholfreien Getränken)

Zur Rewe-Gruppe gehören unter anderem:

  • Penny
    • 5. größter Discounter weltweit
    • Umsatz von über 10 Mrd. Euro (Stand 2013 / Quelle: Wikipedia)
  • Toom
  • Globus
  • Extra (wurde u.a. zu Rewe-Filialen)

Die Schwarz-Gruppe sind:

  • Lidl (Kleinflächen)
  • Kaufland (Großflächen)
  • Kaufmarkt (Großflächen)

Die Schwarz-Gruppe ist der größte deutsche Handelskonzern und erzielte 2013 / 2014 einen Umsatz von 74 Mrd. Euro. Der Lidl-Gründer Dieter Schwarz ist seit Juli 2014 die reichste Einzelperson Deutschlands mit einem Vermögen von etwa 12 Mrd. Euro.

Aldi ist weltweit der größte Discounter.

Es liegt auf der Hand, dass eine solche Marktmacht genutzt werden will, um Preise für Lebensmittel so niedrig wie möglich zu halten und den Gewinn zu maximieren.

Die Reportage dreht sich um folgende Fragen:

Welche Folgen haben die Billigpreise für Lieferanten und Konsumenten?
Wie leidet die Qualität der Waren unter dem Preisdruck der Supermärkte?
Warum bekommen Gemüsehändler, Milchbauern und Fleischproduzenten keinen fairen Preis für ihre Waren?

Höhere Preise und Gefahr für die Qualität

Der ständige Preisdruck zwingt viele Produzenten zum Sparen – zum Beispiel an der Qualität der Zutaten bei Lebensmitteln, wie ZDFzoom berichtet wurde. Auch Lieferanten von tierischen Produkten wie Fleisch, Geflügel oder Eier könnten gezwungen sein, am Futter zu sparen und sich nach billigen, minderwertigeren Alternativen umzusehen. Das könnte dann auch für den Verbraucher gefährlich werden – ein großer Teil der Lebensmittelskandale der letzten Jahre geht auf verseuchtes Futter zurück.

Die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel schreitet kontinuierlich voran. Gerade erst stoppte das Bundeskartellamt die Übernahme von Kaisers/Tengelmann durch Edeka. Die Befürchtung: Zu wenig Konkurrenz für Edeka, die Preise für die Verbraucher könnten steigen. Auch andere Konzerne wie REWE haben ein Auge auf Tengelmann geworfen.

Edeka verlangt den Ministerentscheid

ZDFzoom fand heraus, dass im Falle einer Übernahme von Tengelmann durch Edeka jeder zweite größere Supermarkt in Berlin zu Edeka gehören würde. Steigen dann die Preise, weil die Konkurrenz fehlt? Das letzte Wort in dieser Sache hat jetzt die Politik – Edeka hat einen Ministerentscheid. Machen Sie doch einfach mal selbst das Experiment!

Führt die Monopolbildung im Einzelhandel zu höheren Preisen? Das kann jeder selbst ausprobieren: Dafür sucht man sich einen einzelnen Supermarkt aus, zum Beispiel von Edeka oder REWE. Wichtig dabei: In einem Umfeld von etwa einem Kilometer darf sich kein weiterer Supermarkt befinden, möglichst auch kein Discounter. Dann wird eingekauft – fünfzehn oder zwanzig Artikel, die man sowieso irgendwann verbrauchen möchte. Es dürfen sich jedoch keine Eigenmarken oder bekannte Markenartikel darunter befinden.

Jetzt wiederholt man das Spiel mit genau den gleichen Artikeln in einem anderen Supermarkt der gleichen Kette – mit dem Unterschied, dass sich dieser Markt in einer belebten Gegend befinden soll, mit möglichst viel Konkurrenz in der Nähe. Dann geht es an die Auswertung und man vergleicht die Bons. Die spannende Frage: Wo bezahlt man mehr?

Leseempfehlung:

Immer entscheidender werden der Preis und die Qualität der verarbeiteten Lebensmittel. Die Gesellschaft von morgen wird aller Wahrscheinlichkeit nach noch stärker in zwei Teile zerfallen: Die einen leben gesünder und können sich dies auch leisten, die anderen weniger. Die einen haben die Wahl, die anderen nicht. Doch wer bestimmt, was wir essen und trinken? Wer bestimmt den Preis und was gesund ist?

Die Nahrungsmittelindustrie ist eine knallharte Branche, ein Geschäftszweig zudem, in dem sich immer mehr wirtschaftliche Macht in der Hand von immer weniger Großkonzernen konzentriert. Der derzeit umsatzstärkste ist die Schweizer Firma Nestlé International, gefolgt von Kraft Foods aus den USA. Auch PepsiCo, Coca-Cola und Mars gehören zu den wichtigsten Firmen der Getränke- und Lebensmittelindustrie.

Die große Markenvielfalt im Supermarktregal täuscht über die konzentrierte Marktmacht einiger weniger Unternehmen hinweg. Lesen Sie dazu: Die Macht der Lebensmittel-Giganten 

Markt- und Machtkonzentration und die fehlende Verantwortung der Lebensmittelkonzerne

Am Beispiel der Orangensaft-Lieferkette zwischen Brasilien und dem deutschen Verbrauchermarkt werden die Missstände in der Orangensaftproduktion aufgedeckt. Der Beitrag verdeutlicht die Auswirkungen von fehlender Verantwortung für gute und existenzsichernde Arbeitsbedingungen durch die wenigen großen Lebensmittelkonzerne. Lesen Sie dazu Wie teuer ist billig? Orangen zum Dumpingpreis

Netzfrau Doro Schreier

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3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Besonders interessant für die Hersteller von Lebensmitteln ist jedes Jahr immer wer nun wieder wen oder was gekauft hat, denn danach flattern den Herstellern dei Briefe ins Haus.
    Das liest sich dann ungefähr so:
    Wir haben Firma XY übernommen und konnten daher unsere Marktmacht weiter ausbauen. Das haben auch Sie zu honrieren und wenn sie uns im nächsten Jahr als Lieferant erhalten bleiben möchten, dann zahlen sie eine Jahresrückvergütung über die gesamten gemeinsamen Umsätze in Höhe von 3,5% auf den Bruttoumsatz.
    Durch diese Zahlungen werden die Firmenzukäufe komplett durch die Lieferanten bezahlt, wer das nciht möchte, der ist eben im nächsten Jahr kein Lieferant mehr. Wer es macht, weil der Kunde bereits eine überragende Marktmacht hat, der finanziert damit die weiter verdichtende Marktmacht.
    Wozu es Kartellämter gibt, wenn Minister ihr Vetorecht sowieso ausüben, ist fragwürdig, denn ein Minister zeichnet sich ja bekanntermaßen nicht unbedingt durch Kompetenz aus, zudem verschwindet ein Minister wie beispielsweise der ehemalige „Superminister Müller“ nach einem Ministerveto schon mal in den Vorstand oder Aufsichtsrat der bedachten Firma.
    Da dann jedoch Politiker aus allen Parteien sitzen wird das Thema gar nciht erst hochgekocht, denn die Öffentlich rechtlichen unterleigen ja auch den Parteien.
    Noch verrückter wird es, wenn das Kartellamt wegen Preisabsprachen von Kakao, Bier, Kaffee zu Ungunsten des Verbrauchers Millionenstrafen gegen Hersteller verhängt und die Hersteller, dann die Preise alle gemeinsam erhöhen, um die Strafen davon bezahlen zu können. Der eigentlich Geschädigte wird dadurch ja zweifach bestraft. Auch hier ist die Fuktion des Kartellamtes nicht wirklich erkennbar für den Verbraucher, sondern eher als Profitcenter eines Staates zu sehen.
    Wo gibt es denn eigentlich überall Ministervetos? Bei Rüstungsexporten, Fusionen,…
    Noch schöner wird es jedoch, wenn man sich einmal die Begründung der Ministervetos mit Zeitverzug ansieht. so wurden damals die Großfusionen im Energiebereich stets mit der internationalen Konkurrenzfähigkeit begründet und der Stärkung des Wettbewerbs.
    Durch derartige Begründungen wurden alle Netze verkauft und anschließend fanden sich dei Verkäufer im Vorstand des Energiekonzerns wieder Bsp. E.On Hanse AG. Und der Strompreis für den Verbraucher? Nun der wurde von ca. 5 Pfennig auf 28 Cent in der Zeit erhöht.
    Und diese Preiserhöhung zahlen wir mit jedem Produkt was wir kaufen ob es nun bei EDEKA, Aldi oder Lidl im Regal liegt. Es trifft sie alle und uns auch.

  2. Jaja so ist es und es wird noch schlimmer ,weil auch die Produzenten egal wo sie herkommen durch immer mehr Wachstum unter enormen Druck stehen ,sie laufen in dem Hamsterrad mit und keiner von denen wert sich ,weil er dann alles verliert.Es ist ein Irrsinn geworden auf dieser Welt und ein Großteil der Menschen folgt dem Strom einfach ohne darüber nachzudenken. Einige freiwillig andere unter Zwang .Es wird sich nichts ändern ,denn Geld regiert die Welt und nur das zählt heut zu Tage nichts weiter.

  3. Pingback: Discounterkrieg – Supermärkte neuerdings als Wohlfühloasen und weitere Tricks, die Sie wissen sollten! – Netzberichte

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