Weißt du noch? …damals, da gab es doch noch …

KassettenradioWeißt du noch? Als „Science Fiction” noch ein Genre beschrieb, in dem es möglich war, individuell von Person zu Person, über Tausende von Kilometern via Bild und Ton zu kommunizieren, dass man mit dem Computer sprechen konnte, der einem dann auch antwortete.

Das war auch die Zeit, in der Fernsehen noch nicht „TieWie” oder „TehVau” hieß, sondern eben „Fernsehen” und das durchaus wortwörtlich zu verstehen war.

Beides traf sich dann in einer Serie, die das aufgriff und von „fernen Galaxien” handelte, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hatte.

Die Fernsehsendungen begannen unter der Woche im ersten Programm meist gegen 17:00 Uhr. Den größten Teil des Tages blieb der Fernseher ausgeschaltet, da es außer dem Testbild nichts zu sehen gab. Dieses Testbild kam meist zwischen 23:00 Uhr und Mitternacht wieder, manchmal früher, selten später und man nannte es Sendeschluss. Dann kam die Revolution, denn Anfang der siebziger sah man plötzlich einige Sendungen in Farbe.

Nach der Schule war man „draußen“, „drinnen“ war nur eine notgedrungene Alternative, bedingt durch unabänderliche äußere Einflüsse wie Sonntage, extrem schlechtes Wetter oder Krankheit. Spielgefährten für „drinnen“ waren nur schwer zu bekommen, sodass man sich „drinnen“ meist alleine beschäftigen musste. „Drinnen“ drohte ständig das Gespenst Langeweile. Ganz anders „draußen“. Da war noch richtig was los und man brauchte sich auch nicht vorher terminlich absprechen. Aber seht selbst…

Viel Spaß beim In-Erinnerungen-Schwelgen! Für die Jungspunte unter den Lesern: Viel Spaß beim Entdecken dessen, was Ihr alles verpasst habt!    IHR WART NICHT DABEI!

Wir Anfang-Vierziger bis Anfang-Sechziger erlebten sie live: die Geburt des Synthesizers und den wahren Soundtrack der 70er, der von Bands wie Pink Floyd, Queen, Depeche Mode und Cure geschrieben wurde.

Wir kämpften noch mit Midischleifen und Oszillographen! Wir erfanden Euren „Tekkno“, der sich bei uns aber noch Wave nannte und tatsächlich Musik war.

Wir konnten durchtanzen, ohne uns bunte Pillen einwerfen zu müssen, um es zu ertragen. Unsere einzige Droge hieß Blue Curacão auf Sekt.

Wir mussten noch keine Angst haben, dass uns Tina Turner mit Seniorenoberschenkelhalsbruch von der Bühne purzelt!

Es gab eine Zeit, da war häufiges Telefonieren nicht nur richtig teuer, sondern auch gesundheitsgefährdend. Denn man konnte sich buchstäblich „die Finger wund wählen“. Und zwar mit dem Dreh- oder Wählscheibentelefon, bei dem man gegen ziemlichen Widerstand mit dem Finger die Zahlen „erdrehen“ musste.

Bei uns schlugen sich keine Neonazis mit Türken, sondern Punks mit Mods, Mods mit Poppern, Popper mit Rockern – und alle mit der Polizei.

Bei uns gab es noch Mofas, Mokicks und 80er, bei denen durchgängig die Betriebserlaubnis erloschen war, denn das Wort „frisieren“ hatte damals noch seine eigentliche Bedeutung, was Ihr kahlgeschorenen Pfeifen nie verstehen werdet.

Wer einen Führerschein hatte, fuhr als erstes einen Käfer oder einen alten BMW – bei dem Dellen von Individualismus zeugten, Ihr Smart-Popel.

Wir erinnern uns noch an Terroristenfahndungsplakate, auf denen hin und wieder ein Gesicht liebevoll mit Kuli von einem Staatsbediensteten durchgestrichen wurde.

Die Bundeswehr machte noch Spaß, wir kannten ja die Richtung, aus der der Feind kommt.

Sex war sicher – und Motorsport tödlich. Heute ist es ja genau anders herum…

Ein Tattoo hatte wirklich nur jemand, der ein halbes Jahr in Indien, Thailand oder im Knast war.

Die Rapper kamen noch aus dem echten New Yorker Ghetto und nicht aus der Schweiz.

Zu unserer Zeit fielen Break-Dancer in den Fußgängerzonen noch hin und wieder richtig auf die Fresse und Peter Maffay wurde beim Stones-Konzert in Köln noch ordentlich von der Bühne gepfiffen.

Wir hatten noch die Qual der Wahl zwischen Pop, Rock, Metal und Italo-Disco und mussten nicht den wöchentlich ändernden Cross-over Trends nachjapsen.EXIF_IMG

Wir hatten noch Plattenspieler (auf 33″und 45″) und richtig geile Plattencover, auf denen man die Namen der MUSIKER (und nicht die der Programmierer) ohne Lupe erkennen konnte und die tatsächlich Kunst waren – keine tempotaschentuchgroßen, einfarbigen Booklets auf denen gerade noch „nice price“ lesbar ist.

Genau die gleichen Texte, die heute „Rosenstolz“, „Juli“ und „Silbermond“ singen, hörte man jeden Samstag in der ZDF-Hitparade von Bernd Clüver, Christian Anders und Cindy & Bert – und die haben wir gehasst!

Für uns war eine LP etwas Heiliges, die gepflegt und geliebt werden musste – und keine CD-Plastik-Wegwerfware, die so robust ist, dass man sie durchaus auch als Bierglasuntersetzer verwenden kann. Bei uns erkannte jeder sein Eigentum noch an den individuellen Kratzern.

Wir schauten kein Big-Brother und anderes Unterschichten-Fernsehen, sondern „Formel Eins“, bei dem es eine ganze fette Stunde lang wirklich gute Musikvideos zu sehen gab. Wir hatten kein MTV mit degenerierten Werbespots und eingebildeten VJ-Flaschen nötig.

Wir zogen uns „Magnum“ und „Simon & Simon“ rein, schoben uns die Sakkoärmel hoch und ließen uns die Haare seitlich ins Gesicht fallen – ohne diese beknackten, umgedrehten Baseballmützen oder Wollhauben.

In unseren Hosen konnte man noch sehen, ob eine(r) einen Hintern hatte – heute hängt der Arsch ja bei jedem von Euch in der Kniekehle der ach so tollen Adidas-Jogginghose (die WIR übrigens nur im Sportunterricht anzogen). Man konnte erkennen, ob jemand „männlich“ oder „weiblich“ war – heute verschlabbert alles unter kunstvoll vergammelter Bekleidung.

Wir waren stolz auf unsere weißen Socken und trugen Slipper mit einem Pfennigstück in der Schuh-Zunge und keine Plateau-Sohlen-Schuhe, die früher nur bei Klump-Füßen vom Arzt verschrieben wurden.

Und weil Ihr gerade im Leistungskurs für Informatik sitzt: die AC/DC Einritzungen auf den Tischen sind von UNS – und es geschieht Euch nur recht, wenn Ihr glaubt, dass die Dinger aus dem Physiksaal kommen, wo irgendein findiger Schüler seinerzeit die Abkürzung für „Gleichstrom/Wechselstrom“ in die Bank gemeißelt hat!

Ach ja, hiermit entschuldigen wir uns  – auch im Namen unserer Altersgenossen – für Modern Talking. Das ist das Einzige, was man uns echt vorwerfen kann – aber Ihr seid ja auch nicht gegen diesen Bohlen immun, sonst würdet Ihr nicht millionenfach dabei zusehen, wie er die „Elite“ Eurer Generation in fragwürdigen RTL-Sendungen zu Recht reihenweise niedermacht!

(Urheber unbekannt, einiges neu hinzugefügt)

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1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. hm, was will der Text sagen, dass wir uns nicht weiterentwickeln sollen??? Wenn ich das jetzt aus der Sicht meiner Oma oder Ur-Oma sehe, ist das was hier geschrieben wird modern bzw. high Tech. Frage ich meine Oma bzw. Ur Oma welche Zeit sie besser findet, sagen Sie ganz klar jetzt. Das klingt auch alles so als würden wir uns jedes Wochenende in einem Technoladen abschießen. Was überhaupt nicht der Fall ist. Ganz im Gegenteil, Gesundheit ist sehr in den Fokus gerückt. Es rauchen z.B. immer weniger, was in eurer Generation nicht der Fall war. Die Sportstudios sind überfüllt… gab es sowas bei euch überhaupt?? Naja diese früher war alles besser Geschichten sind eh quatsch. Anpassen und Fortschritt sichert wohl eher überleben.

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