„Gulabi Gang“ – Indische Frauen-Gang lehrt Männer das Fürchten

Indien8Indiens rabiate Frauen-Gang Gulabi verweist gewalttätige Ehemänner und korrupte Polizisten in die Schranken. Sie sind Indiens Antwort auf Robin Hood: Die Gulabi-Gang. Hunderte von Frauen in pinkfarbenen Saris. Sie halten Kinderhochzeiten auf und verprügeln uneinsichtige Erwachsene.

Die Vorgehensweise der Gulabi-Gang ist dabei nicht spezifisch weiblich; nicht einmal die Farbe Pink wird in Indien mit Weiblichkeit assoziiert. Es war einfach die einzige Farbe, die nicht schon durch eine politische Gruppierung besetzt war. Die Taktik der Gulabi-Gang ist von einer Form des Protests inspiriert, die in Indien unabhängig vom Geschlecht Tradition hat, dem so-genannten Gherao.

Sanft soll sie sein, schuften wie ein Esel und viele Söhne gebären. Und wenn ihr Mann die letzte Rupie versäuft, fremdgeht, sie vergewaltigt oder grün und blau schlägt, soll sie still sein und den Mund halten. In weiten Teilen Indiens wird von Frauen immer noch erwartet, dass sie sich klaglos in ihr Schicksal fügen.

Doch damit braucht man den Mädels von der Gulabi-Gang nicht zu kommen. Die Frauengruppe in ihren schreiend pinkfarbenen Saris, die sie so stolz wie Uniformen tragen, lehrt Schläger, Säufer, Hurenböcke und Vergewaltiger das Fürchten – und das notfalls auch mit dem Schlagstock.

Getreu der Devise „Wer nicht hören will, muss fühlen“ kämpfen die rabiaten Damen im wilden Bundesstaat Uttar Pradesh für Frauenrechte und soziale Gerechtigkeit.

Ins Leben gerufen wurde die Frauentruppe von der resoluten Inderin Sampat Pal Devi, die sie Gulabi-Gang taufte, was nicht einer gewissen Selbstironie entbehrt. Erstmals für landesweite Schlagzeilen sorgte Devi 2007, als sie mit ihren Mitstreiterinnen öffentlich einen Polizisten verdrosch, weil dieser ohne Anklage einen Bauern einer unteren Kaste für zwei Wochen im Gefängnis schmoren ließ. Später verprügelten sie Ordnungshüter, die sich weigerten, Vergewaltigungen und sexuellen Missbrauch zu untersuchen.

Gulabi-Gang – Indische Frauen kämpfen um ihr Recht

Sampat Pal gehört der Frau, die im ärmsten Bundesstaat Indiens, Uttar Pradesh, mit ihrer Gang, Frauen aller Altersgruppen in pinkfarbenen Saris, bewaffnet mit viel Herz, Verstand und einem Bambusstock gegen die Verbrechen an Frauen und Mädchen kämpft.

Häusliche Gewalt, Vergewaltigungen, Mitgiftmorde, gezielte Abtreibung weiblicher Föten – all das ist in Indien an der Tagesordnung. Frauen sind wenig bis gar nichts wert, eine Tochter möchte man erst gar nicht bekommen. Denn selbst wenn Schwangerschaft und Geburt überstanden sind, warten Kindstötungen, Kinderhochzeiten, Kinderhandel und vieles mehr auf die Mädchen.

Was für einen starken Charakter muss eine Frau haben, um im ärmsten Staat Indiens, dort wo die Kriminalität gegen Frauen am höchsten ist, gegen eine Tradition zu kämpfen, in der Frauen minderwertig sind, ja teilweise sogar regelrecht verachtet werden?

Nicht so Sampat Pal: Als Kind holte sie sich an Wissen, was sie brauchte. Weil sie als Mädchen nicht zur Schule gehen durfte, drohte sie einem kleineren Jungen Prügel an und brachte ihn so dazu, ihr alles beizubringen, was er gelernt hatte.

Mit zwölf Jahren wurde Sampat verheiratet. Obwohl für die Heirat von Mädchen in Indien bereits seit 1929 als Mindestalter 18 Jahre festgesetzt wurde, ist Indien nach wie vor das Land mit den meisten Kindsbräuten. Schätzungen zufolge ist bei etwa der Hälfte der Hochzeiten in Indien die Braut jünger als 18 Jahre.

Sampat Pal tat nach ihrer Hochzeit etwas, das in Indien eine Seltenheit ist. Sie überredete ihren Mann, mit ihr nicht wie üblich bei den Schwiegereltern wohnen zu bleiben, sondern in eine eigene Wohnung zu ziehen. So wie sie schon in ihrer Kindheit erreicht hatte, was sie wollte, erreichte sie auch dies. Mit 20 hatte Sampat 5 Kinder, 4 davon Mädchen.

Sie wollte eine Nähmaschine – sie bekam eine, mit der für sie üblichen List. Sie wollte etwas gegen die Gewalt gegen Frauen tun – sie tat es, obwohl häusliche Gewalt in Indien an der Tagesordnung ist. Sie wollte eine Selbsthilfegruppe – sie gründete eine, obwohl ihr Mann alles andere als begeistert war.

Die Hoffnung ist es auch, die Sampat Pal zu den Frauen in Uttar Pradesh bringt – und die Frauen zu ihr. 20 000 haben sich ihr mittlerweile angeschlossen und greifen mit Stöcken bewaffnet und in pinkfarbene Saris gekleidet ein, wenn es für eine Frau brenzlig wird. Da bezieht schon mal ein Ehemann Prügel oder es wird der Schwiegerfamilie damit gedroht. Kommt die Gulabi-Gang zu spät, sorgen die Mitglieder dafür, dass die Polizei ihre Arbeit tut. Tut sie das nicht, ermittelt Sampat Pal auf eigene Faust und leistet anschließend bei den Behörden Überzeugungsarbeit. Da viele der Frauen Analphabeten sind, vermittelt Sampat ihre Botschaften in Lieder verpackt.

Einen sehr ausführlichen informativen Bericht über die „Gulabi Gang“ hat  verfasst. Lesen Sie bitte hier:  warum die Gulabi-Gang mittlerweile eine Institution ist.

Schon bei dieser ersten Aktion war Sampat Pal klar: Einem starken Gegenspieler kann man nur mit einer gut organisierten Gruppe entgegen treten.

Was eine nicht schafft – schaffen viele!

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2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Das ist die einzigst richtige Vorgehensweise die in Indien noch greift, wenn der Staat nichts unternimmt. Ich hoffe die ganze indische Frauenschaft erhebt sich und macht den Männern auch klar ohne uns seit ihr ein Nichts.

  2. Ich bewundere diese Frauen. Ich würde auch mein Leben dafür auf’s Spiel setzen. Eigentlich gehörten diese kriminellen Männer alle umgebracht, damit sie ganz sicher nichts Grausames mehr anstellen können. Um die wäre es nicht schade – solche Kreaturen braucht die Menschheit nicht.

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