Eine Schande! Friedensnobelpreisträger EU mit Schlagstöcken und Tränengas gegen Flüchtlinge

Flüchtlinge66Seit mehreren Wochen herrschen auf Kos chaotische Zustände. Täglich erreichen mehrere hundert Flüchtlinge von der nahe gelegenen Türkei den Hafen – Seit Monaten versuchen Tausende Flüchtlinge, über den Eurotunnel von Frankreich nach Großbritannien zu gelangen. Österreich verletzt fast alle Menschenrechtskonventionen: Kranke Flüchtlinge bleiben unversorgt, Frauen müssen sich vor Männern nackt ausziehen, Minderjährige leben ohne Betreuungsperson.

Der Friedensnobelpreisträger Europa will die Flüchtlinge nicht – nirgends wird das klarer als in Calais. Dort ist Leben für die Flüchtlinge unerträglich geworden – und Hilfe scheint nicht in Sich t- im Gegenteil – die Flüchtlingspolitik versagt in ganz Europa. Nun wird die Flüchtlingshilfe outgesourced – an die Schweizer ORS , diese ist vor allem eine gewinnorientierte Aktiengesellschaft.

Angefangen hat alles mit einer Meldung zu einem 90km-langen Stau in Calais. Lastwagen mussten sowohl in England als auch in Frankreich auf den Standstreifen warten und werden Sie mit Flüchtlingen im LKW in Großbritannien erwischt, müssen die LKW -Fahrer mit hohen Strafen rechnen. Viele Speditionen haben die Route Calais-Dover eingestellt.

Was wir bei der Recherche vorfanden, hat uns so entsetzt, dass wir Ihnen dieses nicht vorenthalten wollten, das war am 04.Juli. 2015. Nach fast einem Monat berichten nun endlich die Medien. Die Situation ist nicht besser geworden, eher schlimmer.

3000 Menschen lagern in Calais unter unmenschlichen Bedingungen. Die Spannungen zwischen Flüchtlingen, der Bevölkerung und der Polizei werden immer größer. Lesen Sie dazu: Dramatik in Calais /Europa – 3000 Flüchtlinge – Lkw-Stau – Tote

In Calais fangen die Flüchtlinge an, sich einzurichten. Ein Fortkommen aus dem Lager scheint unmöglich geworden.

Ein Slum im Herzen Europas

Augenzeugenbericht aus Calais: via Tristan AmmererIn aus Calais an der Nordküste Frankreichs:

„Ich habe den gestrigen Nachmittag im „Calais Jungle“ verbracht, einen von Migrant*innen errichteten illegalen Slum in Calais, Frankreich, der mindestens 3000 Menschen beherbergt, die versuchen, über den Eurotunnel und die Fähren nach England zu gelangen. Die Zustände dort sind fürchterlich. Hier mein ausführlicher Bericht inklusive Interview mit einer Leiterin der lokalen Initiative L’auberge des migrants international, und einer Bildergalerie des „Jungles“.
Die Leute dort verdienen gerechte Empörung darüber, wie man sie im Dreck darben lässt!“

Zwei Schilder erregen meine Aufmerksamkeit: Auf dem einen steht:
„BLACK IS NOT A CRIME; I AM PROUD TO BE BLACK“
und daneben, auf Französisch:„Unsere Armut ist kein Unfall! Genau so wie die Sklaverei und die Apartheid. Diese wurden von Menschen gemacht und vielleicht merzen wir diese Taten eines Tages als gemeinschaftliche Menschheit aus.”

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Bericht  Besuches im „Calais Jungle“, am 12.08.2015

„Ich wusste eigentlich nicht so recht, was mich in Calais erwarten würde. Ich hatte zwar Bilder und Berichte von dort gesehen, doch hatte ich keinen wirklichen Eindruck der Lage vor Ort.

Ich stieg bei den Dünen vor dem berüchtigten Zaun aus, den Frankreich nun um den Fährhafen errichten lässt, am Eingang des Camps. Um mich herum: Slum-Atmosphäre.
Notdürftig zusammengezimmerte Behausungen, mit Plastikplanen gegen den scharfen Seewind geschützt, blickten mir entgegen.

Die ganze Bildergalerie könnt ihr HIER sehen!

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Die Zahl der Menschen, die wegen Krieg und Verfolgung weltweit auf der Flucht sind, hat ein Rekordhoch erreicht.

Nach einem aktuellen Bericht der UNO ist jeder 122. Mensch ein Flüchtling. Wenn dies eine Bevölkerung eines Landes darstellen würde, läge dieses Land der Größe nach auf den 24. Platz.

Knapp 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht vor Kriegen, Konflikten und Verfolgung. Dies ist die höchste Zahl, die jemals vom  UNHCR verzeichnet wurde, und sie wächst rasant.

Ende 2014 waren 59,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Im Vergleich dazu waren es ein Jahr zuvor 51,2 Millionen Menschen, vor zehn Jahren 37,5 Millionen Menschen. Die Steigerung von 2013 auf 2014 war die höchste, die jemals im Laufe eines Jahres vom UNHCR dokumentiert wurde.

Stranden die Flüchtlinge auf Malta, wo ebenfalls Ressourcen fehlen, warten sie auch dort nur darauf, weiterreisen zu können. Geraten sie vorher in Seenot, haben Sie Glück, wenn sie gerettet werden. Der auf Malta lebende 37-jährige US-Millionär Christopher Catrambone hat es sich zur Aufgabe gemacht, Flüchtlinge vor dem Tod auf hoher See zu bewahren. Mit seiner italienischen Frau Regina kaufte der im Versicherungsbereich aktive Unternehmer einen alten Fischkutter und gründete die Stiftung „Migrant Offshore Aid Station (MOAS)“. An Bord der „Phoenix“ ist eine 20-köpfige Crew im Einsatz. Mediziner der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ kümmern sich um die Erstversorgung der Flüchtlinge. Über 3000 Menschenleben rettete die „Phoenix“ im vergangenen Jahr. Seit Anfang Mai ist das Schiff wieder unterwegs. Die Mission soll bis Oktober dauern, doch dieses Mal sind die Umstände dramatischer, denn viel mehr Migranten als im Vorjahr unternehmen gefährliche Überfahrten an Bord von seeuntauglichen Booten.

In der EU ist – neben Italien – Spanien das wichtigste Anlaufland für Flüchtlinge aus Afrika und Nah- sowie Mittelost. Vor allem viele Afrikaner aus Ländern südlich der Sahara, aber auch viele Syrer, Iraker und Palästinenser schlagen sich auf dem Landweg bis nach Marokko durch. Dort versuchen sie auf zweierlei Weise nach Spanien zu gelangen: mit dem Schiff oder indem sie über einen Zaun klettern. Auf der einen Seite des Zauns in Melilla warten die hilflosen Flüchtlinge, auf der anderen Seite spielen die Menschen Golf. Der Golfclub von Melilla ist mit Geld aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert worden. Die Stadt sollte auch einen haben, einen öffentlichen. Zwei Millionen Euro warf Brüssel dafür auf. Ob man in Brüssel auch wusste, wo das Grün zu liegen kommen und wer es verwalten würde, ist nicht so klar.

Bild: José Palazón/Reuters

Bild: José Palazón/Reuters

Ein spanisches Gericht wies eine Klage gegen acht Polizisten am Mittwoch ab, die im Oktober 2014 versucht hatten, mit Schlagstöcken Flüchtlinge daran zu hindern, aus dem nordafrikanischen Territorium Melilla nach Spanien über den Zaun zu klettern. Obwohl die Beweislage eindeutig war, wird nun nichts gegen diese Polizisten unternommen. Das Filmmaterial zeigt acht Polizisten der Guardia Civil,  wie sie versuchen, eine Gruppe von Migranten von der Spitze eines sechs Meter (20 Fuß) hohen Zauns gewaltsam zu entfernen, der Melilla von Marokko trennt. Die Migranten fallen auf die marokkanische Seite herunter, ohne jedoch ärztliche Hilfe zu erhalten. Jedes Jahr riskieren auch hier zwischen Marokko und  Spanien Tausende von Migranten ihr Leben, für ein besseres Leben in Europa. Doch was sie hier erwartet, ist alles andere, als es sich für einen Friedensnobelpreisträger gehört. Quelle

Mit Schlagstöcken und Feuerlöscher auch auf Kos, Griechenland

Auf der griechischen Ferieninsel Kos ist es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Flüchtlingen gekommen. Polizisten gingen mit Schlagstöcken und Feuerlöschern gegen Migranten vor, um sie auseinanderzutreiben. Zuvor war es im Stadion der Insel aus ungeklärter Ursache zu Handgemengen gekommen. Die Flüchtlinge, darunter viele Kinder, waren angewiesen worden, sich in das Stadion zu begeben, um auf ihre Papiere zu warten.

Am Freitag sagte die Europäische Kommission, dass 50 000 Menschen die griechischen Grenzen im Juli überschritten hatten. Die Vereinten Nationen hatten festgestellt, dass bis Ende Juni dieses Jahres 68 000 Menschen durch das Mittelmeer nach Griechenland migriert waren

Bei einem Besuch der griechischen Inseln Lesbos, Chios und Kos, die einen massiven Zustrom von Flüchtlingen und MigrantInnen erleben, beklagte Vincent Cochetel, UN-Hochkommissar für Flüchtlinge (UNHCR), Direktor für Europa, die chaotische Situation.

Österreich „Ich hätte so etwas in Österreich nicht für möglich gehalten“, sagt „Amnesty International Österreich“-Generalsekretär Heinz Patzelt nach dem Al-Lokalaugenschein im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen vergangene Woche. Allein in der Betreuungsstelle müssten 1500 Asylsuchende im Freien schlafen, heißt es. Laut Innenministerium sind auch 449 unbegleitete Kinder und Jugendliche obdachlos.

„Das ist Barbarei“

Es gebe keinen ausreichenden Schutz für besonders hilfsbedürftige Gruppen wie Minderjährige ohne Eltern, Neugeborene, Schwangere und Kranke. „Österreich verletzt fast alle menschenrechtlichen Konventionen, die mir einfallen“, sagte Patzelt. Was der Staat in Traiskirchen unternehme, komme einer erniedrigenden Behandlung gleich. „Es macht mich unfassbar zornig, was hier passiert“, so der AI-Generalsekretär. Dass die Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) von Notstand spricht, sei „lächerlich“: „Die Situation war monatelang vorhersehbar, sie hätte aufgefangen werden können“, so Patzelt. Zwar sei der Andrang nach Europa tatsächlich groß, „aber das ist eine Managementaufgabe, die zu lösen ist, wenn man will“.

Lagerleitung lehnt Gratis-Ärzte ab

Unerträglich sei, dass es zahlreiche Hilfsangebote von Privaten gebe, die abgewehrt würden. 20 Medizin-NGOs, darunter Ärzte ohne Grenzen, hätten sich bereit erklärt, gratis ärztliche Hilfe im Lager anzubieten, doch die Lagerleitung habe dies abgelehnt. „Sie haben gesagt, dafür sei das ORS zuständig (privates Unternehmen, das vom Ministerium für den Lagerbetrieb engagiert wurde, Anm.)“, sagte Daniela Pichler, Leiterin der AI-Untersuchungsmission in Traiskirchen. Beim Gespräch mit Beamten des Innenministeriums hätten diese den Amnesty-Vertretern „zumindest zugesagt, dass sie das Angebot der NGOs noch einmal überdenken wollen“, so Pichler. „Wenn Private anrufen und sagen, sie haben ein leerstehendes Haus anzubieten und man sagt ihnen: ‚Ja wollen Sie sich das denn wirklich antun?‘, anstatt sich zu bedanken, dann ist das Barbarei“, sagte Patzelt. Eine Traiskirchnerin, die Flüchtlingen ein Zelt durchs Zaungitter reichen wollte, damit sie nicht unter freiem Himmle schlafen müssten, sei vom Sicherheitspersonal des Lagers weggeschickt und sogar mit Anzeige bedroht worden.

Bürgermeister Babler: „Der Innenministerin die Zuständigkeiten entziehen“ https://www.youtube.com/watch?v=aSjWKlsMRgA Flüchtlinge in der Ukraine


Flüchtlinge Berlin

Täglich erfahren wir vom Elend und der Not der Tausenden, ja Millionen Flüchtenden innerhalb von Syrien und in den Nachbarländern des seit drei Jahren umkämpften Landes. Aber auch aus Afrika kommen die Flüchtlinge in der Hoffnung auf ein besseres Leben.

Die „Siedlungen“, in denen die Flüchtlinge zum Teil eingepfercht werden, als seien sie Menschen zweiter Klasse, die man hier in Europa nicht haben möchte, sind Orte des Elends. Calais ist das Schandmal einer zerstrittenen europäischen Flüchtlingspolitik. Erfahrene Katastrophenhelfer sagen, Zustände wie dort gebe es nicht einmal in Notlagern in Jordanien oder Kenia, wo Hunderttausende versorgt werden müssen. Und schauen wir nach Griechenland, Österreich und auch hier nach Deutschland: Müssen wir uns angesichts der Brutalität durch Polizei, Militär oder sogar durch die Bürokratie uns nicht fragen, ob solche Zustände und solches Verhalten eines Friedensnobelpreisrägers würdig sind?

Wir haben schon viele Berichte bezüglich der Aufnahme von Flüchtlingen geschrieben. Ja, auch wir Neztfrauen engagieren uns für diese Menschen in Not – ihre Schreie werden nicht verstummen, nein sie werden lauter werden und dies zu Recht. Wir habe uns an die Massentierhaltung gewöhnt, der Protest ist eher schleppend, aber so ist auch der Protest, denn das, was zurzeit in Europa geschieht, ist Massenhaltung von Menschen, Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben, da Krieg, Hunger und Durst ihnen keine andere Wahl gelassen haben.

War Ihnen bekannt, dass diese Flüchtlinge sogar mit Organen bezahlen?

Flüchtlinge als billige Ersatzteillager

Beliebte Opfer sind beispielsweise schutzlose Flüchtlinge. Sie haben meistens kaum Geld zum Überleben und sind so eine leichte Beute für die Organhändler. Jedes Jahr fliehen Tausende Menschen in der Hoffnung auf eine bessere Lebensqualität aus Eritrea, Äthiopien oder dem Sudan nach Israel. Auf ihrem Weg werden viele Flüchtlinge jedoch auf dem Sinai von Angehörigen des sogenannten Sawarka-Stammes gefangengenommen. Der Stamm fordert von ihnen einen Wegzoll von etwa 2 000 Dollar, um den Berg überqueren zu dürfen. Da die Flüchtlinge meistens kein Geld mehr haben, müssen sie alternativ mit ihren Nieren und Lebern bezahlen.

Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass sich derzeit zwischen 500 und 1000 Flüchtlinge auf dem Sinai in der Gewalt von Schleppern befinden. 800 weitere, so wird vermutet, sitzen wie Kidane in Gefängnissen auf der Halbinsel. Genau weiß es niemand, denn UNHCR hat keinen Zugang.

Asyl beantragen kann hier niemand. Selbst wenn es Kidane über die Grenze nach Israel geschafft hätte, wäre er vermutlich nicht weit gekommen. Seit Juni 2012 ist in Israel das New Anti-Infiltration Law in Kraft. Es erlaubt, Flüchtlinge bis zu drei Jahren ohne Anhörung oder Verfahren einzusperren. Flüchtlinge aus Feindstaaten wie dem Sudan können zeitlich unbegrenzt inhaftiert werden. Vorsorglich hat man bereits Lager mit 9000 Plätzen nahe der Grenze errichtet.

Auch in El-Arisch in Ägypten gibt es ein Massengrab von toten Flüchtlingen. Die meisten stammten aus dem Sudan und Eritrea und seien in den Händen der Schlepper und Entführer gestorben – an Folter, an Hunger, Durst oder einer Krankheit, oder weil man ihnen Organe entnommen habe.Quelle

Und wenn diese Menschen es dann nach Europa geschafft haben, was erwartet Sie? Frontex mit der Operation Triton hat diese Aufgabe übernommen. Zwar kostet deren Einsatz die EU jetzt 9 Mio € pro Monat und Mare Nostrum mit 3 Mio € Monatskosten war der EU zu teuer, sodass sie die Mittel nicht aufstocken wollten. Oder eine Flüchtlingshilfe, die schon längst privatisiert wurde. Die Schweiz selbst hat sich gegen Einwanderer ausgesprochen, aber hat eine Firma, die sich die Betreuung gut bezahlen lässt.

Im Kanton Zürich etwa sind die Nothilfeunterkünfte an die ORS Service AG ausgelagert worden. Mangels Rücknahmeabkommen könnten nicht alle abgewiesenen Asylsuchenden in ihre Herkunftsländer zurückgeschafft werden, so die kantonalen Behörden.  Wer aber trotzdem freiwillig zurückgehen wolle, bekomme finanzielle Unterstützung. Wird die abgelehnt, bekommt man stattdessen eine Nothilfe. Diese beinhaltet einen 10-Franken-Gutschein, Unterbringung, medizinische Versorgung und minimale Betreuung. «Die Art und der Umfang der Nothilfe, die illegal in der Schweiz anwesende Personen beziehen können, ist bewusst auf das absolut Notwendigste reduziert», ließ sich Ruedi Fahrni zitieren. Sie solle keinen Anreiz zum weiteren Verbleib in der Schweiz schaffen. Ein abgewiesener Asylbewerber hatte sich Mitte Juli das Leben genommen, seine Leiche wurde aber «erst nach sieben bis zehn Tagen auf Grund des Verwesungsgeruchs entdeckt», berichtet eine Zeitung. Der Mann lebte rund sieben Jahren in der Notunterkunft.

Darf eine private Firma an der Betreuung von Asylbewerbern Geld verdienen?

Mit Recht kann man fragen, warum die Betreuung von Asylsuchenden einem gewinnorientierten Unternehmen anvertraut wird. Schließlich könnte eine Firma versucht sein, wenig Geld in die Qualität der Betreuung zu stecken, um dafür mehr in der eigenen Kasse zu behalten.

Auch in Deutschland oder Österreich ist die ORS AG tätig. So unter anderem in Bayern: Künftig sollen dort bis zu 400 Asylbewerber in rund 60 Zimmern untergebracht werden. Für den Betrieb hat die Regierung erstmals ein einziges Privatunternehmen engagiert: Die ORS Deutschland GmbH übernimmt die komplette Versorgung. Die Firma ist erst seit vergangener Woche im Handelsregister angemeldet und eine Tochter der Schweizer ORS Service AG. In der Schweiz betreibt das Unternehmen sein Geschäft seit mehr als 20 Jahren und betreut nach eigenen Angaben mehr als 4500 Asylsuchende.

Immer mehr Flüchtlinge suchen in Österreich Zuflucht. Täglich werden über 300 Asylgesuche gestellt. Doch viele Gemeinden wollen keine Flüchtlinge aufnehmen. Die Regierung möchte deshalb 500 Asylsuchende in die Slowakei auslagern. Die Slowakei stellt die Unterkunft und die Verpflegung zur Verfügung. Das ist der Campus einer technischen Universität in Gabčíkovo in der Nähe von Bratislava. Die Asylverfahren werden aber von den österreichischen Behörden durchgeführt. Für die Sicherheit wird die Schweizer Firma ORS zuständig sein. Diese betreut bereits mehrere Flüchtlingsheime in Österreich, darunter das in Traiskirchen.

Doch die ORS ist vor allem eine gewinnorientierte Aktiengesellschaft. Einst begann sie als einfache Personalvermittlungsfirma. Heute gehört das Unternehmen mit über 300 MitarbeiterInnen einer Private-Equity-Firma und einer Holding im steuergünstigen Kanton Zug (vgl. «Die Firmenstruktur der ORS»). Sie profitierte in den neunziger Jahren von der behördlichen Vorliebe für Outsourcing und hat die Hilfswerke als Dienstleister aus dem Markt gedrängt.

Betrug der Umsatz der ORS im Jahr 1998 laut Medienberichten noch 20 Millionen Franken, hat er sich in der Zwischenzeit fast verdreifacht: Im Jahr 2010 setzte die ORS gemäß Wirtschaftsauskunftsdienst Teledata 55 Millionen Franken um. Und machte dabei Kasse mit den Asylsuchenden.

Mit der Betreuung von Asylbewerbern lässt sich gutes Geld verdienen. Das zeigt die ORS Service AG, die sich innerhalb von 20 Jahren aus dem Nichts zu einem Unternehmen mit 70 Millionen Franken Umsatz entwickelt hat.

Die Vorteile der ORS sind ihre Größe, ihre Flexibilität und ihre finanziellen Möglichkeiten. Dank der starken Marktstellung können Synergien genutzt und Kosten gesenkt werden – mit der Beteiligungsgesellschaft Invision Private Equity steht ein potenter Investor im Hintergrund. Die ORS AG gehört zur OX Holding. Seit 2009 ist die Beteiligungsgesellschaft Invision Hauptaktionär der OX Holding und damit auch der ORS AG. Die genauen Beteiligungen werden genauso wenig kommuniziert wie die Besitzverhältnisse bei Invision.

Seit Anfang 2012 betreibt die ORS AG auch die vier Erstaufnahmezentren in Österreich. Laut offizieller Auskunft erhielt die ORS-Vorgängerin European Homecare (EHC) 2011 10,2 Millionen Euro für diese Aufgabe. EHC hatte den Vertrag mit der Regierung 2010 gekündigt – wegen Unrentabilität. Könnte das auch der ORS passieren, wenn weniger Flüchtlinge kommen?

Der Aufstieg

Als in den 1980er-Jahren Tausende Tamilen auf der Flucht vor dem Krieg in Sri Lanka in die Schweiz kamen, war die Infrastruktur für ihre Unterbringung praktisch inexistent. Privatpersonen und gemeinnützige Organisationen nahmen sich ihrer an, viel basierte auf Improvisation und freiwilligem Engagement. In den folgenden Jahrzehnten kamen Kurden und Bosnier, Albaner und Somalier – mit der Menge an Asylsuchenden erhöhte sich auch der Gesamtumsatz in der Betreuungsarbeit.

1992 entdeckt die ORS Service AG das Geschäft für sich. Als der Kanton Baselland beim Stellenvermittlungsunternehmen Adia Interim (heute Adecco) anfragt, ob man die Betreuung einer Asylunterkunft in Liestal übernehmen könne, wird kurzerhand die Tochterfirma ORS gegründet. Im selben Jahr überträgt das damalige Bundesamt für Flüchtlinge der neu gegründeten Firma die Betreuung in den Empfangszentren des Bundes in Basel, Kreuzlingen, Chiasso und Carouge. 1998 betrug der Umsatz der Firma laut Medienberichten noch rund 20 Millionen Franken. Heute setzt die ORS in der Schweiz und in Österreich insgesamt geschätzte 70 Millionen Franken um. Quelle

InfoBox:

Die Firma ORS Services SA (Organisation für Regie und Spezialaufträge) wurde 1977 als Personalvermittlungsfirma in Lausanne gegründet. 1992 änderte sie ihren Namen in ORS Service AG und verlegte den Sitz nach Zürich. Der Zweck laut Handelsregister: Dienstleistungen im Personalbereich.

Der Einstieg ins Asylwesen gelang dem Unternehmen 1991 im Kanton Baselland: Der damalige SVP-Regierungsrat Werner Spitteler beauftragte die ORS mit der Betreuung einer Asylunterkunft in Liestal. Ein Jahr später erhielt die ORS vom heutigen Bundesamt für Migration zum ersten Mal den Auftrag, Asylsuchende in den Empfangszentren Basel, Kreuzlingen, Chiasso und Carouge zu betreuen. Auch im Kanton Zürich, wo die ORS seit 1998 Betreuungsaufgaben wahrnimmt, erhielt sie den Zuschlag von der SVP – der damaligen Regierungsrätin Rita Fuhrer.

Die ORS gehört laut Wirtschaftsauskunftsdienst Teledata der Private-Equity-Firma Invision. Das Unternehmen ist über einen Fonds namens Invision IV an der OX Holding beteiligt, die «Outsourcing-Lösungen» über ihre operative Geschäftseinheit ORS anbietet. Sowohl die OX Holding als auch Invision sind im steuergünstigen Kanton Zug beheimatet. Die Private-Equity-Firma will der WOZ auf Anfrage keine geschäftlichen Informationen über Beteiligungen preisgeben, schließlich sei man «eine private Gesellschaft». Sie bestätigt aber, dass sie seit 2009 an der ORS beteiligt ist – jedoch «nicht zu hundert Prozent».

Im Frühjahr 2007 änderte die ORS Service AG laut Handelsregister den Geschäftszweck. Seither kann sie «alle kommerziellen und finanziellen Geschäfte durchführen, die der Verwirklichung ihres Zwecks förderlich sind», also auch Darlehen an oder Finanzierungen von Mutter- und Tochtergesellschaften.

Derartige oder ähnliche Firmenstrukturen findet man im Kanton Zug häufig, oft bei ausländischen Firmen, die ihren Holdingsitz in die Innerschweiz verlegen, um innerhalb des Unternehmens Gewinne zu verschieben und so Steuern zu «optimieren».

Invision ist eine führende, in der Schweiz und Deutschland ansässige Private Equity Gesellschaft mit Fokus auf kleine und mittelgroße Unternehmen in Europa, insbesondere der DACH-Region. Seit 1997 hat Invision in über 50 Unternehmen investiert.
In 2013 hat Invision den neuesten Fund, Invision V, in der Höhe von EUR 285 Mio. aufgelegt.

Invision wurde als Investitionsdivision der Metro Holding gegründet
Invision vollzog ein Spin-off aus der Metro Gruppe und fusionierte mit Aureus Private Equity
Der Fund Invision IV wurde in der Höhe von EUR 185 Mio. aufgelegt
Invision legte den neusten Fund, Invision V, mit Kapital von EUR 285 Mio. auf
2014 eröffnete Invision eröffnet in Büro in Deutschland. http://www.invision.ch/de/geschichte.html

Aus allem wird ein Geschäft und die Flüchtlinge verkommen zu einer Ware – überall lauern irgendwelche Profitjäger, die mit den Flüchtlingen Kasse machen wollen, und auch wenn diese schon längst nichts mehr haben, dann wartet am Ende der Schlange eine privater Konzern, der die Flüchtlinge betreut.

Und immer mit dabei – der Friedensnobelpreisträger Europäische Kommission – denn ob in Afrika, Syrien oder sonstwo- dort wo Menschen fliehen müssen, gibt es meist Hunger, Krieg und Waffen. Rüstungsgüter gegen Rohstoffe – besichert durch Steuergelder – und was bleibt, sind die tödlichen Fahrkarten – ob nun nach Calais, Griechenland, Österreich oder anderswohin – in der Festung Europa  mit Frontex als  Einsatz gegen Flüchtlinge.

Nun beenden wir die Reise der Flüchtlinge für heute – aber nur für heute, denn wir Netzfrauen haben noch sehr viel zu berichten.

Netzfrau Doro Schreier 

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. europa sollte anstandsweise den friedensnobelpreis zurückgeben ansonsten stellt man sich auf die gleiche stufe wie ein barack obama-

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